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Christine Reimann Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members."Rauchmelder können tödlich sein!" - Ein Lehrstück über gelungenen Lobbyismus
die Dinger lassen mir ja keine Ruhe:)
"Die Kampagne "Rauchmelder retten Leben" ist seit dem Jahr 2000 für die Brandschutzaufklärung im privaten Wohnraum aktiv – mit der Unterstützung der Feuerwehren, Schornsteinfeger und Versicherungen bundesweit. So hat sich allmählich das Bewusstsein der Bevölkerung und damit auch der politischen Entscheider dahingehend geändert, Rauchmelder als wirkungsvolle Lebensretter wahrzunehmen.
Heute haben bereits 9 Bundesländer (Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bremen und Sachsen-Anhalt) eine Rauchmelderpflicht für private Wohnräume."
http://www.minol.de/cps/rde/xchg/minol/hs.xsl/3563.htm
Die Kosten für den Einbau von Rauchmeldern im Haus, sowie die Wartungskosten, dürfen Vermieter grundsätzlich auf die Mieter umlegen (
http://www.firmenpresse.de/pressinfo39516.html)
Hier mal ein paar Fakten:
- Rund 600 Menschen sterben (lt. Feuerwehrbericht) jährlich an Bränden. "Die Mehrheit" davon in Privathaushalten (=weniger als 600)
http://tinyurl.com/2u7r7v2
- Deutschland hat ca. 82 Mio Einwohner und ca. 40 Mio Privathaushalte
- Batterie betriebene Rauchmelder kosten ca. zwischen 15 und 45 Euro und werden einmal jährlich gewartet. Die genauen Kosten für die Wartung konnte ich nicht ermitteln. Unklar ist, ob ca. 12 EUR pro Gerät oder pro Haushalt.
Gehen wir mal von 10 EUR/Haushalt aus Dann kommt bei 40 Mio schon mal ne nette - gesetzlich verordnete und von den Mietern zu zahlende Einnahmequelle heraus (btw wie ist das denn bei Mietern die ALG II beziehen? Erhöht sich da der Wohngeldanteil? Wohl kaum, fürchte ich).
Wer aber steckt hinter der vermeindlich löblichen Kampagne "Rauchmelder retten Leben"?:
http://www.rauchmelder-lebensretter.de/kontakt.html
ach, guck an! Noch Fragen, Kienzle?
Der vfdb (Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V) hat auch ein paar nette Kooperationspartner:
http://www.vfdb.de/sonderseiten/index.php
Was ich nicht kapiert habe, ist das sog. "Statistikteam" des vfdb....Wie kommen da 4 Mitglieder der
Moskauer Akademie für Brandsicherheit" hinein? *wunder*
http://www.vfdb-statistik.de/include.php?path=wir_ueber_uns/...
Gelungener Lobbyismus mit einer erfolgreichen Kampagne, die wieder mal über die latenten Ängste der Menschen viel Geld rausschlagen konnte. Glückwunsch, grmpf!
Das Schlimmste jedoch daran:
"Aus einer Statistik der Berufsfeuerwehr Hamburg des Jahres 2008 geht hervor, dass von 8981 gefahrenen Brandeinsätzen allein 3579 Einsätze auf Grund eines Fehlalarms zu fahren waren. Davon allein 1805 Einsätze durch Fehlalarm von Brandmeldeanlagen. Das entspricht einer Quote von mehr als 20% aller Einsatzfahrten."
http://www.objektus.de/index.php?page=60&tid=12#Fehlalar...
(Hersteller eines Rauchmelders!)
Als "Lobbyistin der Vernunft" fordere ich ab sofort einen Aufdruck auf Rauchmeldern: "Rauchmelder können tödlich sein!" - z.B. für all jene zu denen die Feuerwehr nicht rechtzeitig kommt, weil sie gerade mit einem Fehlalarm dieser Dinger beschäftigt ist!!
Schönen Abend,
Christine Reimann
- 08 Aug 2010, 9:22 pm
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Margarita Moerth Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: "Rauchmelder können tödlich sein!" - Ein Lehrstück über gelungenen Lobbyismus
Ein wirklich gediegenes Beispiel für gelungene "Öffentlichkeitsarbeit".
Erinnert mich an eineMedien- Kampagne der österreichischen Papier- und Zellstoffindustrie Mitte der 1980er Jahre, in deren Rahmen sie sich dafür feiern ließ, dass Sie Filteranlagen etc. einbaute, um die Gewässer "sauber zu halten". Dass sie davor Jahrzehnte hindurch Flüsse und Seen versaut hatte und nur unter gesetzlichem Druck endlich ihre Dreckchleudern sanierte,- diesen sachdienlichen Hinweis vergaß man diskret.
- 08 Aug 2010, 9:40 pm
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Christine Reimann Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: "Rauchmelder können tödlich sein!" - Ein Lehrstück über gelungenen Lobbyismus
im Threadtitel vergaß ich ein Fragezeichen, denn meine Recherche ist natürlich noch lange kein Beweis. Da ich den aber nicht mehr ändern kann, berichtige ich hier umgehend:
" "Rauchmelder können tödlich sein!" - Ein Lehrstück über gelungenen Lobbyismus?"
(Man weiß ja nie:)
Frau Moerth,
danke für Ihr ergänzendes Beispiel. Was ich vor allem schlimm daran finde, ist dass man verständnislos angeschaut wird, wenn man es auch nur wagt, den Sinn einer gesetzlichen Einbaupflicht in Zweifel zu ziehen (es mag natürlich jedem freigestellt sein, so ein Ding selbst einzubauen). Viele denken auch, die Kosten trägt der Vermieter (= er "sorgt" sich um meine Sicherheit, dat find ich juut). Fein durchgereicht durch die Hintertür, danke auch, grmpf.
Freundliche Grüße,
Christine Reimann
- 08 Aug 2010, 9:58 pm
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Margarita Moerth Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^5: "Rauchmelder können tödlich sein!" - Ein Lehrstück über gelungenen Lobbyismus
Alles bisher Gesagte finde ich hoch interessant und spannend.
Ich will noch ein wenig allgemeiner werden (zunächst). Ich bin IMMER skeptisch, wenn zentralistisch irgendwelche Vorschriften daherkommen, die eindeutig bestimmte Branchen immens begünstigen. Wirkliche Verschlimmerungen sehe ich dabei durch allzuviel Zentralisierung der Entscheidungen im Rahmen der EG.
Und nun einfach noch ein Beispiel, das mir deshalb in den Sinn kommt, weil ich heute Vormittag zwei neue Energy Saver kaufen musste. Sie wissen nicht, was Energy Saver sind? Das sind die Nachfolger unserer alten Glühbirnen, die laut Edikt aus Brüssel ausgedient haben. Noch streiten sich die "Experten", wie es mit der Energiebilanz unterm Strich tatsächlich aussieht. - Ich kannÄs schon gar nicht beurteilen, doch ganz wohl ist mir bei solchen Erlässen nicht.
Lobbyismus kann aber freilich auch ganz anders funktionieren. Noch ein Beispiel aus dem Technikbereich, das ich schlicht zur Diskussion stelle: Die explosionsartige Entwicklung des Marktes für Fotovoltaikanlagen hat nicht zuletzt mit der Förderungspolitik der öffentlichen Hand zu tun. Darüber gibt's in dieser Gruppe ja auch bereits einen Thread. Einige Branchen/Firmen wachsen exponentiell. Auch hier sind beileibe nicht alle "Experten" einig, ob dies energiepolitisch der richtige Weg ist.
Oder nehmen wir die Impfempfehlungen der Standigen Impfkommission beim Robert Koch Institut. Da werden die Weichen für Milliardenumsätze bestimmter Pharmakonzerne gestellt. Die ZUsammensetzung dieser Kommission istr nicht unumstritten. Ich kann's wiederum nicht beurteilen, doch wiederum entscheiden einige wenige über gigantische Kapitalbewegungen.
Tja, mit ein bisserl Nachdenken fallen uns allen hierzu sicher noch viele viele solcher Beispiele ein. Allen gemeinsam ist - zumindest für mein Gefühl - ein gewisses Unbehagen beim verwalteten Bürger, der all diese Netzwerke einfach nicht mehr durchschauen kann.
- 09 Aug 2010, 3:26 pm
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