Pop Culture
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Carsten Marmulla Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Popkultur vs. Zeitgeist
Mal eine interessante Frage, wie ich hoffe: wie grenzt man eigentlich Popkultur von Zeitgeist ab? Sind die Grenzen fließend oder kann man Popkultur dem Zeitgeist unterordnen - oder umgekehrt?
Aus der Wikipedia:
"Der Begriff Zeitgeist spiegelt das allgemeine intellektuelle und kulturelle Klima einer Zeit bzw. Epoche wieder."
"Der Begriff Popkultur bezeichnet eine in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene kulturelle Bewegung, die erstmals versuchte, Jugendkultur und jugendliches Denken zu verarbeiten und wiederzugeben."
- 06 Apr 2006, 1:37 pm
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Michael Strogies Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Popkultur vs. Zeitgeist
Hi Sarah,
ich gebe Dir auch recht. Habe das auch an anderer Stelle mal angemerkt.
Pop eben einmal als kulturhistorische Bewegung, sprich die Entwicklung in den sechziger Jahren, wo über Pop-Art der Pop seinen Namen bekommen hat. Daraus wurde dann natürlich auch Pop-Musik. Im Grunde aber hat sich der Begriff Popmusik verselbstständigt, er steh heute eigentlich nur noch für populäre Musik, und hat eigentlich mit der kunstgeschichtlichen Epoche nichts mehr zu tun.
Deshalb bin ich genau wie Du dazu geneigt, genauso Teile von Mozarts Musik oder Gassenhauer der Italiener dem zuzuordnen. Der Bergiff Pop hat sich verselbstständigt und langt auch in die Zeit vor seiner Geburt.
Zeitgeist ist etwas anderes. Zeitgeist ist ersteinmal eine Geste. Er zeigt verweist weniger auf das was gemacht wird, eher, wie es gemacht wird. Einfaches Beispiel...wie präsentiere ich Shakespeare "zeitgemäß". Es ist mehr die Attitüde, die für den Empfänger eine sehr wichtige Information sein kann.
Altbier ist out und Fanta ist out, mixe es, und du hast mit "AlFa" ein hippes Szene-Getränk. Das Wie ist ja mittlerweile wichtiger als das Was.
Zeitgeist ist entgegen der Popkultur eben dem Faktor Zeit unterworfen. Hier wieder das Bild der "Schwarmintelligenz". EinSchwarm kommt zusammen, aus ganz unterschiedlichen Richtungen, verdichtet sich, konzentriert sich. Er entwickelt eine ungeheure Dichte und verliert sich wieder. In dem Moment der größtmöglichen Dichte ist der Punkt erreicht, wo ein bestimmter "Zeitgeist" herrscht, oder auch ein Trend. Aber er löst sich genau so schnell wieder auf, wie er entstanden ist.
Es gibt dann eben Leute, die genau in diesen Zeitpunkt das richtige gemacht haben, lagen dann eben im Trend oder im "Zeitgeist". Die Summe dieser Menschenund ihrer Erzeugnisse machen aus meiner Sicht dann die Popkultur aus.
This post was modified on 07 Apr 2006 at 03:37 am.- 07 Apr 2006, 03:34 am
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Carsten Marmulla Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Popkultur vs. Zeitgeist
Matthias Göbel schrieb:
Popkultur hat immer mit einem künstlerischen Werk zu tun: Bild, Mode, Musik, Film, Darstellende Kunst
Zeitgeist beschreibt die (be-)herrschenden gedanklichen Strömungen: Meinungen, Ansichten, Philosophien, Werte, Sprache
Schnittmengen sind möglich.
Hmm, stimmt - das erscheint mir eine sinnvolle Abgrenzung zu sein. Popkultur bedarf einer sinnlichen Wahrnehmung, wobei sich im Zeitgeist in erster Linie Zukunftserwartungen einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt manifestieren. Dann könnte man eigentlich auch sagen, daß Popkultur eher die vergangene Gegenwart (Werke entstehen ja meist nicht von jetzt auf gleich) abbildet, während Zeitgeist eher die (gewünschte) nahe Zukunft abbildet?
Popkultur ist immer leichte Muse.
Zeitgeist kommt überwiegend bedeutungsvoller daher.
Wobei ich Zeitgeist als deutlich flüchtiger sehen würde, als Popkultur, daß mag aber dann auch an der haptischen Seite der Popkultur liegen. Popkultur kann sich somit also selbst archivieren und ist auch für nachfolgende Generationen noch erleb-/erfahrbar?
Pop kommt nicht von populär, sondern von Populus, dem Volk.
Hmm, interessante Theorie. Wenn es aber tatsächlich vom lateinischen "Populus" abgeleitet worden wäre, statt vom englischen "popular", dann wäre es schwer erklärbar, warum es eine so junge Vergangenheit hat.
Siehe dazu:
http://de.wiktionary.org/wiki/Pop
http://de.wikipedia.org/wiki/Populus
Aus dem Grund halte ich die Abstammung von "popular" nicht nur wahrscheinlicher, sondern auch für logischer. Aber interessant dabei ist, daß Zeitgeist germanischen Ursprungs ist, deutlich früher verwendet worden ist und mittlerweile auch 1:1 in der englischen, niederländischen, spanischen und japanischen Sprache übernommen wurde. So gesehen also ein echter Exportschlager... ;-)
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitgeist
Darum meine Theorie: pop kommt tendenziell 'von unten', Zeitgeist oft von oben 'nach unten'.
Tendentiell mag das oftmals stimmen, aber als allgemeine Regel stimmt das sicher nicht.
- 07 Apr 2006, 9:37 pm
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Carsten Marmulla Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Popkultur vs. Zeitgeist
Sarah Hadinoto schrieb:
Mir ist aber nicht ganz ersichtlich, was man bei der Popkultur als so jugendlich betrachtet?
Popkultur ist nicht per se jugendlich, aber ohne Jugend gäbe es keine Popkultur. Das liegt in der Natur der Sache, daß Nicht-Jugendliche (ich sage bewußt nicht Ältere, weil es hier eher um die Einstellung als um die verbrauchte Lebenszeit geht) maßgeblich an der Entstehung und Vermittlung von Trends an den Mainstream beteiligt sind.
Etwa alles außer Schlager??
Schlager kann durchaus Popkultur sein, das hängt dann wiederum vom Zeitgeist ab. ;-) Aber in einigen jugendlichen Peergroups wird auch durchaus gerne zu Schlager getanzt - allerdings auffallend überproportional von Mädels.
Kann man Töne eigentlich einem Alter zuordnen, sprich: Die Musik bei Schlager spricht Ältere an. Warum?
Das liegt an der Sozialisation. Schlager kam ja in den Nachkriegjahren (50er/60er Jahre) auf und vermittelte durchweg ein positives Heile-Welt-Szenario, was damals emotional und rational auch gewünscht war, um nachhaltig einen optimistischen Zeitgeist zu bekommen. Kess wäre es jetzt, zu behaupten, der Schlager hätte den Wirtschaftsaufschwung gebracht - aber ganz unbeteiligt war er nicht.
Die Popkultur sprich Jüngere an. Warum?
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Jugend läßt Popkultur entstehen... s.o.
Und da muss ich sagen, dass sie sich immer noch die gleichen Fragen fragt wie vor hundert Jahren.
Man darf von der Evolution nicht zuviel erwarten. ;-) Zumal es auch schon eine recht befriedigende Entwicklung ist, wenn sich die Antworten auf dieselben Fragen mit Berücksichtigung des jeweiligen Zeitgeistes geändert haben.
"Der Begriff Popkultur bezeichnet eine in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene kulturelle Bewegung, die erstmals versuchte, Jugendkultur und jugendliches Denken zu verarbeiten und wiederzugeben."
Ja gabs denn früher keine Jugend?
Doch, es gab auch damals schon Trends. Nur die Vermittlung/Kommunikation derselben war ungleich schwerer, da die Jugendlichen untereinander bei weitem nicht in dem Maße vernetzt waren wie heute und zugleich die äußeren Rahmenbedingungen deutlich ungünstiger waren, um überhaupt ernsthaft daran denken zu können, Zeit oder Muße für popkulturelle Entwicklungen zu haben.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Jugendkultur (was ist das überhaupt?) so allgemein unter Pop definiert werden kann.
Kann sie auch nicht, weil die Hierarchie genau verkehrt ist. Pop ist immer Jugendkultur... anders funktioniert es gar nicht!
Die Vielfalt heutiger Musik besagt irgendwie das Gegenteil.
Nein, das sehe ich so noch nicht. Es ist nur ein Beleg davon, daß es nicht mehr nur einen Hauptstrom ("Megatrend") gibt, sondern daß mehrere Trends parallel existieren können.
Und Massenhysterie gabs auch schon bei Mozart.
Also dann müßte man "Masse" mal definieren. Seine Konzerte dürften damals ein sehr elitäres Vergnügen für eine Minderheit gewesen sein. Zumal er den großen Erfolg gar nicht mehr selbst erlebte, sonderlich alt wurde er ja nicht.
Also fällt das schonmal aus. Beatles und Tokio Hotel in Ehren.
Beatles waren sicherlich eine der deutlichsten Ausprägungen von Popkultur zu ihrer Zeit. Und Tokio Hotel kann man in dieser Beziehung damit auch vergleichen, wenngleich musikalisch doch mehrere Universen dazwischen liegen.
- 07 Apr 2006, 9:59 pm
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Carsten Marmulla Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: Popkultur vs. Zeitgeist
Matthias Göbel schrieb:
Das sehe ich nicht so, Zeitgeist ist immer Gegenwart, der Zeitgeist ändert sich und ist immer nur eine Momentaufnahme, die jedoch auch länger andauern kann.
Vielleicht habe ich da etwas über's Ziel hinausgeschossen? Was ich sagen wollte, ist, daß Popkultur einen archivierenden Charakter hat, damit latent auf die kurzfristige Vergangenheit (von mir mal als "vergangene Gegenwart" bezeichnet abzielt, während Zeitgeist etwas progressiver und zukunftsorientierter ist, damit aber auch entsprechend dynamischer/wechselhafter in der Ausprägung ist.
Die Entstehung eines Werks interessiert nicht so lange sie nicht selbst zum Werk wird (Bob Ross' Malerei im Fernsehen ist ein Beispiel)
Hmm, aus Sicht des Publikums magst Du recht haben, aber für den Künstler zählt die Intention schon - und zwar weit vor der Vollendung und Präsentation des Werkes, oder?
Popkultur ändert sich, bleibt jedoch im kollektiven Bewusstsein.
Ja, aber sie ändert sich in Etappen, sie ist nicht so sehr im stetigen Umbruch wie der Zeitgeist - zumindestens aus meiner Sicht. Während Zeitgeist beinahe minütlich umschlagen kann, ist der Wandel innerhalb der Popkultur weniger schnell, dafür kann der Bruch deutlich stärker sein.
Das englische "popular" leitet sich ebenfalls vom lateinischen "populus" ab.. es ist also kein Widerspruch, sondern eher eine Bestätigung.
Ok, dann haben wir das ja auch geklärt.
Erst der Begriff "Pop" erzeugt eine diesbezügliche Wahrnehmung.
Schon in der Bibel, ganz am Anfang heiss est: Am Anfang war das Wort......
Und ich dachte, jetzt kommt sowas wie: "Am Anfang war der Pop..." :-)
Warum es Pop erst seit kurzem gibt: da es Massenmedien erst seit kurzem gibt.
Ja, absolut richtig. Denn diese werden benötigt, um die Trends von den "Early Adopters" auf die "Early Majority" übertragen/übermitteln zu können, um es mal im Marketing-Slang zu formulieren.
Zeitgeist lässt sich auch gerne literarisch festhalten.
Wobei man ihn nur beschreiben kann, ob damit die Vermittlung des Zeitgeistes gelingt, kann man bezweifeln. Vermutlich ist Zeitgeist etwas schwer greifbares, was man selbst erlebt haben muß, um es "fassen" zu können?
- 08 Apr 2006, 4:05 pm
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Sabine Herbig(not a XING member)Re^3: Popkultur vs. Zeitgeist
Carsten Marmulla schrieb:
Beatles waren sicherlich eine der deutlichsten Ausprägungen von Popkultur zu ihrer Zeit. Und Tokio Hotel kann man in dieser Beziehung damit auch vergleichen, wenngleich musikalisch doch mehrere Universen dazwischen liegen.
Hallo klinke mich mal mit einer Frage ein.
Beatles ist für mich auch ein Begriff der Popkultur aus Ihrer Zeit. Ich finde Ihre Musik allerdings positiv ausgedrückt sehr zeitlos. Kann man heute auch immer noch gut hören, ohne das es alt oder verstaubt wirkt.
Gehören Rolling Stones auch dazu? Ganz am Anfang vielleicht, wo Ihre Musik noch nicht so "wild" war. Musikalisch kann man bei den Beatles immer sagen das ist Pop Musik, aber Rolling Stones liegt doch eher in der Nähe von Rockmusik.(?)
Übrigens bin ich ein bekennender Robbie Williams Fan. Was die Musik und
die Darbietung betrifft. Das ist für mich Popkultur der heutigen Zeit und worüber man genau wie bei den Beatles noch lange von spricht, bz. hören wird.
Grüsse
Sabine Herbig
- 08 Apr 2006, 4:57 pm
