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Volker Tzschucke Premium MemberThe company name is only visible to registered members.adrian mole und die achse des boesen
und weil ich grad meine alten texte durchgehe, hier auch noch ne rezension zum neuen adrian mole...
Aidy und der Ernst des Lebens
Sue Townsend legt ein neues Tagebuch von Adrian Mole vor
In eine Serie einzusteigen, wenn sie schon eine Weile läuft, ist nie ganz leicht: Die Figuren, die man noch nicht kennt, tun Dinge, die man noch nicht versteht, und reden über Vergangenes, zu dem man keinen Zugang mehr hat. So ähnlich verhält es sich auch, wenn man sich Sue Townsends „Adrian Mole und die Achse des Bösen“ schnappt. Der Roman, kürzlich erstmals auf Deutsch erschienen, ist der vierte oder fünfte Teil einer Serie von Tagebüchern, geschrieben vom titelgebenden Adrian Mole.
Wer ihn noch nicht kennt, wird deshalb zunächst kleine Schwierigkeiten haben, sich drein zu finden in die Anspielungen auf frühere Bücher. Doch die Anstrengung lohnt sich: Adrian ist 34, arbeitet in einem Buch-Antiquariat, schreibt nie beantwortete Briefe an Prominente, versucht sich am Literatentum und findet, daß er inzwischen ein Alter erreicht habe, in dem man sich ein Loft zulegt.
Außerdem läßt er sich mit Marigold Flowers ein. Die ist ein bißchen verhuscht: Kleidet sich unmöglich, liebt das Bauen von Puppenhäusern, läßt sich von ihrer radikalökologisch-faschistoiden Familie dominieren. Sie zwingt Adrian in eine Beziehung, die er eigentlich nicht will. So weit gehen ihre Planungen, daß Adrian 3.500 Pfund für Hochzeitsringe ausgeben wird, die er weder brauchen will noch sich leisten kann.
Adrian ist damit als ein Mann skizziert, der trotz einigermaßen fortgeschrittenen Alters seinen Jugendwünschen nachhängt, sich in ruinösen Konsumtaumel begibt und nur schwer zum richtigen Zeitpunkt „nein“ sagen kann. Ein tagträumerisches Weichei mithin.
Doch der Titel deutet es bereits an – der Ernst des Lebens trifft auch Adrian: Es ist die Zeit kurz vorm Irak-Krieg und sein Sohn Glenn ist Soldat. Damit bekommt das an sich humoristische Buch einen trüben, beinahe berührenden Beiklang. Eigentlich ist Adrian glühender Tony-Blair-Fan, aber jetzt, wo der seinen Jungen in den Krieg schickt? Ist da das Vertrauen in den Premierminister noch gerechtfertigt?
Townsend begibt sich damit in die Reihe der literarischen Aufbereiter des Irak-Kriegs und seiner Vorbereitungen und Nachwirkungen. Dies tut sie mit einem gänzlich anderen Zugang als beispielsweise Ian McEwan. Der hatte letztes Jahr mit „Saturday“ einen hoch gelobten Roman vorgelegt, der die Wunde, die der Irak-Krieg der britischen Öffentlichkeit zufügte, intellektuell tiefgründig und in allem Für und Wider offen legte. Dies kann Adrian Mole nicht leisten, muß er aber auch nicht: Denn die Hauptfigur mit ihrem stets etwas zu naiven Zugang zur Welt führt in seinen versprenkelten Tagebuch-Eintragungen zum Krieg genauso gut vor, daß hier ein Bruch an Vertrauen erfolgte, der für das Verhältnis zwischen Regierenden und Regierten nicht zuträglich sein kann.
Sue Townsend: Adrian Mole und die Achse des Bösen. Roman. Wilhelm Heyne Verlag München 2006. ISBN 3-453-40191-3. 308 Seiten. 8,95 Euro.
- 31 Jan 2007, 01:39 am
