Pop Culture
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Volker Tzschucke Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Besser spaet als nie: PeterLicht
hier eine leicht angestaubte rezension (das buch kam mitte vergangenen jahres heraus, april oder mai, der text ist auch ein halbes,dreiviertel jahr alt. alos nicht wundern ueber evtl. vorhandene zeitangaben...)
Literatur tröpfchenweise
Der Songwriter PeterLicht ist vor allem für eines bekannt: Daß er am liebsten ganz unbekannt bleiben möchte. Bei einem Auftritt in der Harald-schmidt-Show zu Beginn dieses Jahres etwa stoppte die Kamerafahrt immer genau dann, wenn die Gefahr drohte, daß PeterLichts Kopf ins Bild geraten könnte. Die Künstlerfigur, die vor einigen Jahren mit „Sonnendeck“ einen heimlichen Sommerhit erzielte, versagt sich den gängigen Marktmechanismen von Personalisierung und Profilbildung.
Abgesehen davon, daß die Verweigerung von Zugriff auf die Persönlichkeit des Künstlers natürlich ebenso ein durchaus markttaugliches Mittel zur Markenbildung für eben diesen Künstler ist, möchte PeterLicht vor allem sein Werk sprechen lassen.
Dies tut er regelmäßig in Songs und – begleitend zu seinem Anfang 2006 erschienenen neuen Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ – nun auch in gedruckter Form. „Wir werden siegen!“ heißt das Taschenbuch und kündigt sich im Untertitel als „Buch vom Ende des Kapitalismus“ an. Hier ließe sich ein veritabler Abgesang erwarten, ein „Kommunistisches Manifest 2“. Diese Erwartungen werden aber mitnichten erfüllt.
Stattdessen offenbart es sich als eine Art Notizbuch: Prosatexte stehen neben Gedichten stehen neben Song-Lyrics, Skizzen und Zeichnungen neben bonmot-artigen Gedankensplittern. Und wenn der Künstler nicht weiter weiß, schreibt er einfach „Lalala“.
„Eine unbekannte Seite“ offenbare der unbekannte Künstler mit diesem Buch, verheißt der Umschlagtext, und tatsächlich – dem ist so. Stellt sich nur die Frage, ob man die zwingend kennenlernen wollte...
Freilich ist es interessant, wenn sich ein dahin geworfener Gedanke oder eine Wortneuschöpfung vom Anfang des Buches später in einem Songtext verarbeitet wieder finden. Zumindest für Musik- oder Literaturwissenschaftler. Doch recht eigentlich bleibt das ohne Wert, wenn nicht Daten und Fakten, etwa über die Entstehungszeiten von Splitter und Song daneben stehen? Wie lang gärte das Wort im Künstler? Kam nach dem Neologismus gleich das Lied? Ging ein Bonmot sofort in eine Geschichte ein? – Man weiß es nicht.
Entschädigend für diesen Mangel wirken freilich die Tropfen literarischer Qualität, die er in seinen Prosatexten untergebracht hat, kurze, bündige Metaphern auf die Welt um PeterLicht. Und die enthaltenen Liedtexte (die freilich in Kombination mit Musik noch besser sind). Sowie der unbestrittene Geistreichtum, der durchtriebene Witz so manchen Gedankens: „Du hast keine Wahl. Was du hast ist ein offenes Ende“.
Wieso die Gesamtheit all dieser Texte vom Ende des Kapitalismus künden soll, wird PeterLichts kleines Geheimnis bleiben, soll es auch – schließlich mag er ja Geheimnisse und diesen Gefallen wollen wir ihm gern tun.
PeterLicht: Wir werden siegen! Buch vom Ende des Kapitalismus. Blumenbar Verlag München 2006. ISBN 3-936738-23-8. 158 Seiten. 14,00 Euro.
und zum weiterlesen hier:
Ein Heer von Mitmachern? Volker Tzschucke liest: PeterLicht. Lied vom Ende des Kapitalismus
- eine "Liedanalyse":
http://www.tu-chemnitz.de/phil/leo/rahmen.php?seite=r_kult/t...
- 31 Jan 2007, 01:36 am
