Pop Culture

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  • Volker Tzschucke
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    Hunter S. Thompson - The Rum Diary
    Nur weils sich anbietet ne aktuelle rezension zu "the rum diary" von Hunter S. Thompson. Aber nicht, dass das brett zum puren thompson-brett mutiert...


    Heute hier, morgen dort
    Voller Genuß: Hunter S. Thompsons „The Rum Diary“

    Puerto Rico in den späten 1950er Jahren. Dorthin führt uns Hunter S. Thompson, Autor von „Fear and Loathing in Las Vegas“. Sein lang verschollen geglaubter Romanerstling „The Rum Diary“, der nun erstmals bei Heyne als deutsches Taschenbuch erschienen ist, erweist sich sowohl unter Belehrungs- als auch unter Unterhaltungsaspekten als voller Genuß.
    Puerto Rico, das ist damals eine Nation mitten im Reifeprozess: Auf der einen Insel eine ausgedehnte Militärbasis der USA. Auf der nächsten wilder, beinahe archaischer Karneval. Auf der dritten eine urwüchsige Landschaft, die vom gerade aufblühenden Bauboom im Zuge touristischer Erschließung bedroht ist. Das ist der Kampf des einen Teils der Insulaner, sich den USA als 51. Bundesstaat anzuschließen. Und es ist der Kampf des größeren Teils, stärkere Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu erlangen. Dies alles muß nicht wissen, wer sich an das Rum-Tagebuch heranwagt. Man erfährt es en passant während der Lektüre.
    Für den unterhaltsamen Teil – wobei unterhaltsam nicht zwangsläufig mit lustig gleichgesetzt werden sollte, sondern mit spannend, komisch, gelegentlich erotisierend, fast immer melancholisch – sorgt Hauptfigur Paul Kemp. Er ist Anfang Dreißig und frei schwebender, durchaus talentierter Journalist. Nach Aufenthalten in Europa, heute hier, morgen dort, hat es ihn nun eben nach Puerto Rico verschlagen, wo er bei der englischsprachigen Daily News anheuert.
    Aufbruchstimmung herrscht dort aber nicht, denn stetig droht das Ende der Zeitung. So pflegen die angestellten Journalisten zwar einigermaßen ihre Berufsethik, suchen und finden Geschichtchen und Geschichten. Hauptsächlich jedoch gehen sie ihren Freizeit-Aktivitäten nach, die in übermäßigem Rum-Genuß, gelegentlichen Schlägereien, alltäglichem Abhängen unter karibischer Hitze bestehen. Doch Kemp möchte mehr, er will weg vom jugendlichen Abenteurertum, er will Solidität: Ein Haus, ein Auto, eine Yacht. Und vielleicht noch eine Familie. Er wird erwachsen, wie Puerto Rico. Erwachsensein im Fall Kemp bedeutet: PR-Texte in Zeitungen unterbringen, dubiose Geschäftemacher schreiberisch unterstützen, kurz: Korrumpierbar werden.
    Und so zeigt sich „The Rum Diary“ auch in seinem unterhaltsamen Teil noch als lehrsamer Spiegel. Denn ist es denn das nicht tatsächlich, das Erwachsenwerden: Nicht mehr alles so absolut sehen, auch mal Kompromisse eingehen, sich gelegentlich mit viel Geld überzeugen lassen...? Melancholie ist also durchaus angebracht.

    Hier noch die Daten:

    Hunter S. Thompson: The Rum Diary. Roman. Wilhelm Heyne Verlag München 2005. ISBN: 3-453-53040-3. 284 Seiten. 7,95 Euro.



    Zuerst erschienen am 4. April in "ad rem", dresden.

    gruesse, volker tzschucke