Pop Culture

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  • Carsten Marmulla
    Carsten Marmulla    Premium Member   Group moderator
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    Fernsehen 2006: Kreative Querschnittslähmung
    Von Oliver Kalkofe

    Das TV-Jahr 2006 war furchtbar. Schlimmer werden nur die nächsten zwölf Monate. Dabei ginge es auch ganz anders, wie andere Nationen zeigen.

    Das Jahr 2006 ist zu Ende. Durch die Gänge der TV-Anstalten hallt ein kollektiver Seufzer der Erleichterung. Nichts wirklich Spektakuläres geleistet, aber ein weiteres Fernsehjahr ist überstanden! Also Haken drunter, Schippe Sand drauf, fertig. Und mit der gleichen Mischung aus großkotziger Publikumsverachtung und kreativer Lethargie weiter Richtung 2007. Mit etwas Glück bemerkt es niemand, und wir schaffen noch ein Jahr!

    Unser Fernsehen ist am Ende. Beim Versuch, es allen recht zu machen, auf riskante Innovationen zu verzichten und einfach die Erfolge der restlichen Welt zu kopieren, ist das deutsche Fernsehen versehentlich mit dem Hintern an den Knopf für den Selbstzerstörungsmechanismus gekommen. Gab es einstmals zwischen Fernsehanstalt und Publikum eine Art unausgesprochene Vereinbarung für eine direkt oder indirekt bezahlte Entertainment-Dienstleistung, herrscht auf Seiten der Sender heute die Geschäftsmentalität eines Dönerbuden-Besitzers, der heimlich zwölf Jahre altes Gammelfleisch auf den Drehspieß packt: Bloß nicht erwischen lassen! Solange keiner merkt, was er frisst, und niemand daran stirbt, ist es auch nicht wirklich illegal. [...]

    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,457054,00.html

    ---

    Kaum jemand liebt das Fernsehen so wie Oliver Kalkofe. Kaum jemand hasst es auch derart abgrundtief wie der 41-Jährige, der seine Karriere als Medienkritiker einst beim niedersächsischen Radiosender ffn begann. Für die TV-Show "Kalkofes Mattscheibe" bekam er 1996 den Grimme-Preis. Ein großer Kinoerfolg wurde seine Edgar-Wallace-Parodie "Der Wixxer", deren Fortsetzung "Neues vom Wixxer" im März starten soll.
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  • Carsten Marmulla
    Carsten Marmulla    Premium Member   Group moderator
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    Re^4: Fernsehen 2006: Kreative Querschnittslähmung
    Manuela Zimmermann schrieb:
    >> Denn in anderen Ländern weiß man, dass die eigentliche Aufgabe des Fernsehens darin besteht, das Publikum zu überraschen, auch auf die Gefahr hin, es erst einmal zu irritieren.>>
    Amüsant ist die Geschichte von "Ally McBeal", die damals als US-Quotengarant von VOX für's deutsche Fernsehen eingekauft wurde und nach wenigen Episoden wegen des vermeintlich irritierten Publikums abgesetzt wurde und erst aufgrund massiven Fan-Protests nach ca. 15 Monaten wieder ins Programm zurückkehrte. Die Serie wurde der größte Quoten- und Imageerfolg des Kölner Senders.

    Wie, andere Länder? Wo kommt der Plural her? Die Sendungen kommen meines Wissens nach nur aus einem Land, aus AMi-Land, wo es auch etwas größere Budgets gibt.
    Es ist kein grundsätzliches Budget-Problem. Es mangelt auch in Deutschland nicht wirklich an finanziellen Mitteln, sondern vielmehr an anderen Grundvoraussetzungen; siehe hierzu auch: http://quotenmeter.de/index.php?newsid=19330

    Sollte man nicht, anstatt das Schlechte herauszugreifen, mal auf das Gute schauen?
    Das wäre eine gute Idee, man kann allerdings aus Beidem lernen.

    Mich hat zum Beispiel die ARD überrascht, die mit "Türkisch für Anfänger" endlich eine Vorabendserie etabliert hat, die frech, anregend, jung, modern, aktuell und dennoch niveauvoll ist, ohne moralinsauer zu werden.
    Ich habe zwar nur mal kurz reingeschaut, aber das Thema ist inhaltlich natürlich interessant, weil das Grundszenario sehr authentisch ist, eben im positiven Sinn "typisch deutsch". Die Gefahr besteht allerdings darin, daß es mangels inhaltlicher Substanz nach kurzer Zeit auf dem Soap-Niveau von GZSZ & Co. dahindümpelt.

    Vielleicht auch eine Frage des Budgets?
    Ich kenne die Hintergründe im konkreten Fall nicht. Es ist aber nicht unüblich erstmal einen Pilot auszustrahlen und die Reaktionen abzuwarten, um etwaige Änderungen und Anpassungen noch in die erste Staffel aufnehmen zu können.
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  • Carsten Marmulla
    Carsten Marmulla    Premium Member   Group moderator
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    Re^7: Fernsehen 2006: Kreative Querschnittslähmung
    Manuela Zimmermann schrieb:
    In Anbetracht der vielen Serien, die nicht über ihre Pilotfolgen hinaus gekommen sind, scheint das mit der Unmöglichkeit der Fehlstarts zu stimmen. Bestes Beispiel: "Post Mortem", dessen Figurenkonstellation sehr interessant war und die trotzdem eingestellt wurde.
    "Post Mortem" würde ich als erfolglosen Mashup-Versuch bezeichnen wollen, zu deutlich waren die Anleihen an CSI, Crossing Jordan & Co. - um erfolgreich zu sein, muß man authentisch sein. Und Authentizität erfordert Mut. Und eben daran mangelt es...

    Ich glaube, dass die Faszination brillanter Dialoge im dt Fernsehen weithin unterschätzt wird.
    Absolut, ich kenne Werbespots in denen realistischere Dialoge vorkommen als in den meisten deutschen Fernsehfilmen und Serien. Man gibt sich gerne konservativ-verstaubt in den Entscheidungsetagen der deutschen TV-Industrie... und der Kunde straft dies entsprechend ab, er schaltet erst gar nicht ein und die Werbepreise sinken in den Keller.
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