Pressearbeit, PR und Medienkommunikation

Pressearbeit, PR und Medienkommunikation

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  • Yury Gaft
    Yury Gaft    Premium Member
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    Government Relations: Erfahrungsbericht
    Sicherlich wäre diese Information als Pressemitteilung zu spät erschienen, aber dies ist kein Versuch, eine „heiße“ Nachricht zu lancieren, um vorsorglich das Thema im eigenen Interesse zu befördern. Dieser Beitrag ist eher ein Bericht, der Gelegenheit bietet, sich über die Problematik zu informieren, die durch sich verändernde Konstellationen im europäischen Raum immer wichtiger wird.
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    Am 28. und 29. Januar trafen sich in Moskau rund 110 Vertreter aus Wirtschaft, PR, Politik, Wissenschaft und Medien zur deutsch-russischen Konferenz „Government Relations: Analyse der Interaktionen zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“. An den zwei Tagen hatten die deutschen Teilnehmer nicht nur die Gelegenheit, die Staatsduma, das russische Parlament, zu besuchen, sondern auch Government Relations auf russische Art – nach Darstellung von Moskauer Fachleuten und Politikern – kennen zu lernen. Die zahlreichen Vorträge, Workshops und das Expertenforum zeigten deutlich viele Gemeinsamkeiten und noch mehr Unterschiede im Verständnis und bezüglich der Vorgehensweise in diesem gesellschaftlichen Segment. Die Gespräche, sowohl zwischen Vertretern beider Seiten wie auch von deutschen Gästen untereinander, bestätigten das Bestreben der Organisatoren; allen Interessenten die Gelegenheit zu geben, durch den Austausch eigener Vorstellungen, Erfahrungen und Erwartungen wechselseitig die Kompetenz zu erweitern.
    Dies war bereits die vierte Konferenz aus der Veranstaltungsreihe „West-Ost-Diskurs“. Dr. Alexander Krylov, der an der Universität Bremen unterrichtet und den „West-Ost-Diskurs“ vor sechs Jahren ins Leben gerufen hat, lädt seine Gäste alle zwei Jahre nach Bremen bzw. nach Moskau ein, was die Gleichwertigkeit beider Orte bei dieser bilateralen Veranstaltung hervorhebt. Die diesjährige Veranstaltung wurde dank des persönlichen Engagements von Prof. Klaus Peter Nebel, dem Leiter der Konzernkommunikation der maxingvest AG, vom Moscow National Institute of Business, dem Institut für Weltwirtschaft und Internationales Management (IWIM) der Universität Bremen und dem Zentrum für Politikberatung Niccolo M organisiert und vom Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft, der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und der Bremen School of Economics unterstützt.
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    Im vergangenen Jahr belegte Russland gemessen an der Steigerungsrate Platz 1 unter den Exportzielen Deutschlands. Die rasante Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen ist aber nicht der einzige Grund, warum deutsche Redaktionen diesem Land in letzter Zeit relativ viel Aufmerksamkeit schenken. Man kann viel darüber diskutieren, und das wurde auch in Moskau am Rande der Veranstaltung getan, wie Russland in den deutschen Medien präsentiert wird und warum. Denn es ist nicht zu übersehen, wie sich die politischen Beziehungen beider Länder bzw. die wechselseitige mediale Darstellung seit geraumer Zeit abgekühlt haben. Die letzten russischen Wahlkampagnen wurden von Prozessen begleitet, die bei vielen Beobachtern auf harsche Kritik gestoßen sind. Der parallele Verlauf mehrerer Prozesse, d. h. steigende Ausfuhren nach Russland, der wachsende Appetit russischer Großinvestoren auf ausländischen Märkten sowie die zunehmende Einmischung des Kremls in das Marktgeschehen, was ihn zum wichtigsten Akteur auf dem russischen Markt macht, sorgen für ein lebhaftes Interesse am Thema Government Relations.
    Solche Konferenzen sind in vielerlei Hinsicht interessant: für Praktiker – Unternehmer, Manager und PR-Berater – ist es eine gute Gelegenheit mehr über „Hofgeheimnisse“ eines fremden Landes zu erfahren, Wissenschaftler vermögen sich dem Gegenstand ihrer Forschung persönlich zu nähern, Politiker können ihren Standpunkt präsentieren, Medienvertreter haben die Gelegenheit sich zu vergewissern, wie die anderen Gruppen sie betrachten. Als „teilnehmender Beobachter“ möchte ich im Folgenden einige Aspekte hervorheben, ohne dabei zu versuchen, die gesamte Veranstaltung zu bewerten.

    Dank ihres persönlichen Einsatzes und bereits seit sechs Jahren bewiesener Qualität ihrer Veranstaltungen ist es den Organisatoren gelungen, eine hochkarätige Runde zusammenzustellen, wobei die russische Seite verständlicherweise durch die Anwesenheit von Abgeordneten mehr politisches Gewicht in die Waagschale werfen konnte als die deutsche. Das ganze Programm war auf die Arbeit ausgerichtet und zielte nicht darauf ab, die Öffentlichkeit durch viele prominente Redner zu beeindrucken.
    Es war eine hervorragende Idee, die deutschen Teilnehmer zu Beginn der Konferenz mit dem heutigen Konzept des russischen Parlamentarismus vertraut zu machen. Dazu haben die Organisatoren die Gäste aus Deutschland zu einem Empfang in die Staatsduma, das russische Parlament, eingeladen. Vieles, was dort gesagt wurde, kam später auch in Vorträgen russischer Kollegen zur Sprache, mit dem deutlichen Hinweis, von welcher politischen Kraft die meisten gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Entscheidungen bestimmt werden.
    Einen für die deutschen Teilnehmer spannenden Einblick in Geschichte und Gegenwart der russischen Government Relations präsentierte Igor Mintusov, der Präsident des Zentrums für Politikberatung Niccolo M. In seinem Vortrag nahm er nicht nur eine Definition von sowie eine Abgrenzung zwischen Lobbying und Government Relations vor, sondern präsentierte auch sehr plastisch, welche Etappen die Etablierung dieser Institute in der russischen Gesellschaft in den letzten eineinhalb Jahrzehnten durchlief. Die Analyse der Entwicklung der russischen GR und des Lobbyings wurde von Dr. Pawel Tolstyh (Staatsuniversität: Hochschule für Wirtschaft, Moskau) fortgesetzt. Die wissenschaftliche Betrachtung dieses Themas stand im Mittelpunkt von Vorträgen von Prof. Dr. Günter Bentele (Universität Leipzig) und Prof. Dr. Axel Sell (Universität Bremen). Für die russischen Teilnehmer waren die Ergebnisse einer von Prof. Bentele präsentierten Studie von besonderem Interesse, denn sie zeigten ihnen, wie weit eigene Vorstellungen, besonders solche über die Gegebenheiten in einem fremden Land, und die Realität auseinander liegen können.
    Viele Parallelen zur Situation in ihrem Land zogen die russischen Teilnehmer aus den Vorträgen von Prof. Dr. Andreas Knorr und Andreas Eichinger (Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer). Prof. Knorr präsentierte einen kritischen Überblick über die Geschichte und die gegenwärtige Situation bei Airbus. Im Vortrag von Herrn Eichinger ging es um die Privatisierung der Deutschen Bahn und um das Interessengeflecht von Wirtschaft und Politik. Wie ein Krimi mutete der Vortrag von Prof. Klaus Nebel an über die aktive Verteidigung der Beiersdorf AG gegenüber von 2002 bis 2003 von amerikanischen Konkurrenten unternommenen Übernahmeversuchen.
    Sehr spannend fanden die russischen Teilnehmer ebenfalls den Vortrag von Béla Anda (AWD AG). Der Vortrag von Herrn Anda weckte nicht nur aufgrund seiner früheren Nähe zu einem der wichtigsten politischen Ämter der Bundesrepublik großes Interesse, sondern auch wegen seiner beruflichen Stationen als Zeitungsjournalist, später als Regierungssprecher und aktuell im Dienste eines Wirtschaftsunternehmens. Dr. Wolfgang Kaden, ehemaliger Chefredakteur Des Spiegels und manager magazins, berichtete von seiner Erfahrung mit nachhaltigen Beeinflussungsversuchen der Unternehmen gegenüber den Journalisten, betonte aber, dass seiner Einschätzung zufolge die Mehrzahl der Journalisten um kritische Distanz und journalistische Unabhängigkeit bemüht ist. Leider ist es den Organisatoren nicht gelungen, einen vergleichbaren Vertreter der russischen Massenmedien für die Diskussion zu gewinnen, um den Teilnehmern einen Vergleich der Journalistenrolle in beiden Ländern durch das Prisma von Government Relations zu ermöglichen.
    Im Laufe der Veranstaltung konnte man mitunter auf den Gedanken kommen, dass es sich nicht um einen West-Ost-Diskurs, sondern um einen West- und einen Ost-Diskurs handele. Denn trotz aller Gemeinsamkeiten bezüglich der Terminologiesuche und trotz der Existenz staatlicher Strukturen und staatlicher Bürokratie zeigte diese Konferenz sehr deutlich, dass die Rolle von Government Relations in Russland und Deutschland in der Praxis sehr unterschiedlich betrachtet wird, was wiederum aus der Rolle des „Governments“ in der jeweiligen Gesellschaft hervorgeht. Während die deutschen Teilnehmer Government Relations als eine Art Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der relevanten Zielgruppen in Regierungskreisen oder allgemein in staatlichen Entscheidungsgremien bezeichnet haben, und davon ausgehen, dass alle relevanten Institutionen wie der Staat, die Zivilgesellschaft und die Medien zueinander in reziproken Beziehungen stehen, sorgt die politische Wirklichkeit in Russland für ein ganz anderes Bild. Die russischen Kollegen haben zu ihrem Bedauern ein Bild darstellen müssen, das eine „lineare“ Abhängigkeit widerspiegelt von der gewichtigsten Determinante – dem Kreml. Der Duma-Abgeordnete Wladimir Medinskij (Geeintes Russland), der gleichzeitig Vorsitzender der RASO, des russischen Pendants zur DPRG, und ein überzeugter Demokratiegegner ist, hat die heutige Lage in Russland wie folgt beschrieben: Wenn es in Russland um Öffentlichkeitsarbeit gehe, handele es sich ungefähr zu 95 % um Government Relations und (nur) zu 5 % um Public Relations.

    Traditionell sucht man zum Ende eines Beitrags nach ausgleichenden Momenten und Gemeinsamkeiten. In diesem Sinne fand ich die Worte eines deutschen Teilnehmers im Gespräch am Rande der Veranstaltung sehr bemerkenswert: Was Government Relations und speziell Lobbying in Russland betrifft, haben seiner Meinung nach die „rauen Sitten der 90er“ in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüßt. Jetzt müsse man die Entscheidungsträger nicht mehr durch monetäre Zuwendungen überzeugen, sondern zunehmend so, wie es im „modernen Westeuropa“ gehandhabt werde. Diese Worte können unterschiedlich interpretiert werden, aber trotz der offensichtlichen Ambivalenz dieser Aussage darf man von einer Konvergenz reden, was in gewissem Sinne und ohne Werturteil für eine Annäherung beider Gesellschaften spricht und den Fachleuten die Erbringung grenzübergreifender Dienstleistungen erleichtert.
    This post was modified on 14 Apr 2008 at 02:44 pm.