produkt design / industrial design

produkt design / industrial design

Posts 1-5 of 5
  • Birgit S. Bauer
    Birgit S. Bauer    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Promovieren geht über Studieren?
    Designforschung ist für viele Designer und für Außenstehende sowieso noch ein weites Feld – oder etwas, was mit der täglichen Arbeit nichts zu tun hat. Aktuell bemühen sich aber doch mehr und mehr Designer um Doktorwürden, meist im Bereich Dr. phil oder in den Wirtschaftswissenschaften.
    Braucht es das?
    Was hält die Community davon?
  • Raymond Heinen
    Raymond Heinen    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re: Promovieren geht über Studieren?
    Sehr geehrte Frau Bauer,


    ob es unbedingt eine Promotion braucht, um gut zu sein oder gut zu werden, glaube ich nicht wirklich. Aber, dass man gelernt haben muss, wissenschaftlich zu arbeiten, weil man mit dieser Fähigkeit nicht zur Welt kommt, davon bin ich überzeugt! Selber bin ich promovierter Ingenieur. Aus dieser Disziplin kann ich vielleicht kommentieren. Der Ursprüngliche Zweck einer Promotion war ja der Nachweis einer vollkommen selbständigen Arbeit auf einem Gebiet, der einen befähigen sollte, in Forschung und Lehre wissenschaftlich tätig zu werden. Für ein Leben an der Hochschule also.

    Für mich versteckt sich hinter vielen Diskussionen über wissenschaftliches Vorgehen jedoch die alte volkstümliche Sicht des Zwiespalts zwischen Theorie und Praxis. Dabei ist das für den sorgfältigen Beobachter gar kein Zwiespalt, sondern nur zwei verschiedene Dimensionen, etwas zu erfahren. Die theoretische Dimension ist in der Lage Zusammenhänge zu beschreiben, und wenn sie gut ist, kann sie sogar Fälle beschreiben, die noch gar nicht geschehen sind. Das ist ihre eigentliche Stärke! Die praktische Dimension setzt die Dinge in der Wirklichkeit um und reift mit der Erfahrung, ohne unbedingt begreifen zu wollen, warum das eine oder andere ganz genau so ist, denn sie kann mißratenes ja meist direkt und praktisch korrigieren.

    Echte Profis haben aber immer ausreichend viel von jeder der beiden Dimensionen, der Theorie und der Praxis mitbekommen und sie haben die wunderbare Fähigkeit gerade wegen ihrer Professionalität sowohl aus dem einen als auch aus der anderen Blickwinkel zu sehen und widerspruchslos zu vereinbaren. Profis sind niemals reine Theoretiker oder reine Praktiker. Das sage ich als Ingenieur aus Überzeugung und würde einmal vermuten, dass dies auch bei den Designern nicht wirklich anders ist.

    Vielleicht ist das Arbeitsgebiet des Designs theoretisch ja noch nicht so umfangreich erschlossen, wie es die Ingenieurwissenschaften sind. Vielleicht bedarf es in erster Linie wirklich belastbarer theoretischer Erkenntnisse auf dem Gebiet des Designs, deren Niveau oberhalb der gewöhnlichen Erfahrungswerte liegt und da sagt mir meine persönliche Erfahrung als Ingenieur, dass die meisten Menschen nicht systematisch wissenschaftlich arbeiten können, weil sie es nie gelernt haben. So kommt es beliebig oft vor, dass Menschen, in erster Linie Praktiker, etwas beweisen wollen, indem sie es so oft probieren bis sie keine Lust mehr haben. Hat es oft genug geklappt, gilt es als bewiesen. Methodisch ist das natürlich ziemlicher Humbug!

    Es bedarf selbstverständlich keiner Promotion, um dies einzusehen, aber es sollte klar sein, dass man zur wirklich belastbaren wissenschaftlichen Tätigkeit ein wenig von diesem Handwerk gelernt haben muss, sonst ist es sehr wahrscheinlich, dass man ganz elementare Fehler macht, ob mit oder ohne Promotion.



    Mit freundlichem Gruß


    Raymond Heinen
    This post was modified on 08 Nov 2007 at 12:54 am.
  • Post visible to registered members
  • Birgit S. Bauer
    Birgit S. Bauer    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^2: Promovieren geht über Studieren?
    Sehr schön, dass sich offensichtlich der wissenschaftliche Ansatz im Design großer Akzeptanz erfreut.

    Manchmal ist aber sogar fraglich, ob wissenschaftliche Methoden auf Design überhaupt allgemeingültig übertragbar sind. Der wissenschaftliche Duktus ist manchmal einfach nicht geeignet, um Design-Probleme zu behandeln. Oft ist ja eben gerade die Methodik des Design eine Alternative zum ausgetretenen Wissenschaftspfad.

    Meines Erachtens muss aber viel mehr über die Inhalte gesprochen werden, damit die Design-Community wieder etwas mehr Autonomie erlangt.


    Wird auch, zum Beispiel hier.

    http://www.dgtf.de/

    Muss den Beitrag leider in Eile abschließen...

    Grüße
    B
  • Post visible to registered members