produkt design / industrial design

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  • Birgit S. Bauer
    Birgit S. Bauer    Premium Member   Group moderator
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    R.I.P Designkritik
    Manche halten sie für tot, manche sehen ganz neue Formen der Designkritik.
    Was halten Designer von Francois Burkardts Statement?
    (Francois Burkhardt war lange Jahre Leiter des IDZ Berlin und des Pariser Centre Pompidou)

    Remarks on the current state of design criticism
    by Francois Burkhardt

    Design criticism is currently in a bad state. It is a bad state first and foremost because any criticism of the established system is considered to be subversive. It used to be that criticism would serve as an impetus, as an element of renewal, as the conscience of the profession. Today, there is no tolerance of criticism of the political and economic system, of the production of goods, of institutions, organizations or associations, of members of the profession, and of the damage which production causes to the environment. Design criticism has faded, if not entirely disappeared. Since the progressive period of the Ulm School of Design, the protests of the student revolution, the extreme position of counter design (also called radical design) and the tumultuous times of “new design” – all concepts related to the drive for change and improvement in and by design – design now seems to have become comfortable in a state of zero criticism. What is in demand today is the adaptation of design to a blind promotion of the production process and to market shares. Marketing has taken the place of criticism. One thing has to be completely clear: if criticism is not demanded, it will not be developed or encouraged, either. So once again, criticism has to be voiced by the underground. That is a very bad sign for the development of society and for the evolution of design as a profession.

    in:
    Warum dieser Stuhl? – Gestalter über Gestaltung
    Herausgeber: Egon Chemaitis und Karen Donndorf für designtransfer,
    Universität der Künste Berlin
    translated on behalf of EOOS basic research
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  • Birgit S. Bauer
    Birgit S. Bauer    Premium Member   Group moderator
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    Re^4: R.I.P Designkritik
    Schön, dass sich in diesem Thread doch noch Äußerungen einfinden!

    Mit Designkritik ist ja auch generelle Diskussionsfreudigkeit gemeint. Die hat, meiner Meinung nach besonders im Produkt-Design schon lange gelitten. Natürlich kann man so manche komplexe Produkte nicht mal kurz nachvollziehbar zur Diskussion stellen, aber vielleicht fallen uns ja Wege ein, diese Kultur wieder zu etablieren.

    Als Moderatorendame erlebe ich oft, dass Diskussionsvorschläge als persönlicher Angriff gesehen werden, bis dann klar ist, dass es eben nicht darum geht, allgemeingültiges festzuhalten, sondern eine Vielfalt von Meinungen zu sammeln.

    Aber es ist wirklich etwas wahres daran: Manches mal suchen gerade junge Gestalter händeringend nach ehrlichem Feedback.

    Diesmal die andere Frau Bauer.
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  • Birgit S. Bauer
    Birgit S. Bauer    Premium Member   Group moderator
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    Re^6: R.I.P Designkritik
    Nun, den oder die Desigkritik als Eier legende Wollmilchsau wird es ebensowenig geben, wie eine Sprache im Design, die alle verstehen. Zu divers ist das Feld der Ansätze.

    Meiner Meinung nach ist ein Weg sicher erstmal, das wir als Eltern z.B. in den Schulen fordern, dass nicht an Fächern wie Kunst (der einzige Unterricht, in dem geübt werden könnte, wie man über nicht-kategorisierbares, kreatives spricht) gespart wird, in denen man lernt, Dinge "zur Sprache" zu bringen. Die Beschäftigung mit Objekten des Alltags ist nur im Kindergarten bunt und allgemein genug, in der Schule wirds schon wieder speziell, müssen bestimmte Fachinhalte transportiert werden. Wie ich höre, wird in Deutschland als Reaktion auf die Bildungsmisere gerne mal am Kunstunterricht gespart.

    Ich will damit nicht sagen, das Design nur künstlerische Fähigkeiten verlangt, aber welches Fach unterstützt denn das "Design Thinking"? In GB ist Design and Construction übrigens ein beliebtes Schulfach.

    Als Designkritikerin sehe ich es allerdings nicht als so wichtig an, den Markt genau zu kennen. Wenn man über Design als Kultur spricht, ist wirklich nicht wichtig, welche Strategien mittelständische Unternehmen verfolgen. Wohin einen die Orientierung zum Marketing bringt, zeigt die Situation in der Verpackungsbranche. Top-Technologie, Top-Marktforschung aber dennoch schafft es keiner, auch nur die simpelsten ergonomischen Verbesserungen an Verpackungen durchzusetzen, vom ästhetischen Mittelmaß in Deutschen Regalen mal ganz abgesehen.
    Ich sage das in Kenntnis und mit allem Respekt gegenüber den Verpackern.

    In Deutschland ist es sicher auch ein Problem, dass es zu wenige unabhängige Berichterstattung über Design gibt. Design ist zwar überall, aber die meisten Inhalte müssen den Anzeigenkunden gerecht werden. Der Feuilleton kümmert sich nur im Notfall ums Design (meist wenn neue Automodelle erscheinen). Es gibt auch Engagement hier in Berlin, in den Designzentren und in kleinen Zirkeln, Designkritik wieder neu zu definieren und zu beleben.
    Bald wird endlich auch wieder der Braun-Feldweg-Förderpreis für Designkritische Texte ausgeschrieben. Eine sehr lobenswerte Initiative, die aber ziemlich schwer zu vermarkten ist.

    Und da haben wir das Problem: Kritik ist nicht zu verkaufen. Wir müssen sie selbst, kostengünstig und aus Interesse verfolgen und pflegen.
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