Stadt- und Regionalwikis

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  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Social Media Forum 2009 fokussiert auf Stadt- und Regionalwikis
    Die Veränderungen in einer vom Web 2.0 beeinflussten Medienlandschaft sind Thema des Social Media Forums am Dienstag/Mittwoch, 17./18. Februar 2009, in Hamburg (http://www.socialmediaforum.de). Die Pre-Konferenz am Dienstag widmet sich dabei ganz der immer größer werdenden Familie der Stadt- und Regionalwikis.

    Anton Simons eröffnet das Programm mit einem einleitenden Überblick über öffentliche Zeitungswikis und Wikis freier Initiativen. Außerdem stellt er Wikis als Werkzeuge zur Steigerung der Effektivität und Produktqualität von redaktioneller Arbeit vor. Anschließend berichten drei Betreuer von Regionalwikis über ihre Erfahrungen:

    * Clemens Helldörfer (https://www.xing.com/profile/Clemens_Helldoerfer) wirft Schlaglichter auf das Franken-Wiki der Nürnberger Zeitung,
    * Alexander Houben stellt das RegioWiki des Trierer Volksfreunds (Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck) vor und
    * Jens Nähler (https://www.xing.com/profile/Jens_Naehler) gibt Erfahrungen beim Aufbau eines Regionalwikis der Hessischen/Niedersächischen Allgemeinen (Verlag Dierichs GmbH & Co KG) preis.

    Beate Paland (https://www.xing.com/profile/Beate_Paland) berichtetet zum Schluss von ihren Erfahrungen mit dem (weltgrößten) Stadtwiki Karslruhe. Im Unterschied zu den von ihren Vorrednern vorgestellten Wikis wird dieses Wiki nicht von einem Medienunternehmen, sondern vom Bildungsverein Region Karlsruhe getragen, einer unabhängigen Initiative, die sich - ähnlich der Wikipedia - der Förderung freier Inhalte (Open Content) verschrieben hat.
    This post was modified on 06 Dec 2008 at 06:40 pm.
  • Friedel Völker
    Friedel Völker    Premium Member   Group moderator
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    Re: Social Media Forum 2009 fokussiert auf Stadt- und Regionalwikis
    Da ich leider nicht teilnehmen kann, freue ich mich auf einen ausführlichen Bericht.
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  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Social Media Forum 1: Das Franken-Wiki
    Clemens Helldörfer (https://www.xing.com/profile/Clemens_Helldoerfer) berichtete bei der Preconference des Social Media Forums 2009 (http://www.socialmediaforum.de) in Hamburg vom Franken-Wiki (http://www.franken-wiki.de) der Nürnberger Zeitung. Die technische Betreuung dieses Wiki hat vor wenigen Tagen Hallowelt (http://www.hallowelt.biz) übernommen, ein auf MediaWiki-Hosting spezialisierter Provider. Der habe auch gleich eine Reihe neuer Funktionen eingebaut, um Schwächen der Mediawiki-Software auszubügeln, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen und um unerfahrenen Autoren den Einstieg zu erleichtern.

    Die Standardsuche von MediaWiki sei ziemlich leistungsschwach; umso mehr sei der Umstieg auf eine Extension zu empfehlen, die die Ähnlichkeitssuche unterstützt. Sehr gut sei auch die Sicherungserweiterung SafeEdit. Sie verhindere, dass Texte verloren gehen, weil – wegen Unachtsamkeit oder mangelnder Erfahrung – versäumt wurde, sie zu speichern.

    Das Franken-Wiki solle zum Ausdruck bringen, dass Heimat, Heimatkunde und Heimatgeschichte für die Nürnberger Zeitung eine wichtige Rolle spielen. Eine Befragung habe ergeben, dass den Lesern dieser Heimatbezug sehr wichtig ist. Besonders beliebt sei deshalb auch das ins Wiki integrierte Mundart-Wörterbuch (http://www.franken-wiki.de/index.php/Kategorie:Fr%C3%A4nkisc...). Deshalb werde demnächst die Möglichkeit geschaffen, Audio-Dateien ins Mundart-Lexikon einzubinden. Die meisten Klicks bringen jedoch die Sportvereine, sagte Helldörfer. Deshalb werde daran gearbeitet, dass insbesondere die Fußballclubs der Region angemessen im Wiki dargestellt werden.

    Die Nürnberger Zeitung sei als die kleinere Zeitung am Ort gefordert, immer wieder auf sich aufmerksam zu machen. Das Franken-Wiki sei dabei eine sehr gute Möglichkeit, die Nürnberger Zeitung über das engere Verbreitungsgebiet hinaus in ganz Franken bekannt zu machen. Andererseits werde das Blatt immer wieder gezielt genutzt, um auf das Franken-Wiki aufmerksam zu machen: Das Wiki-Logo werde jeden Tag auf der ersten Seite abgedruckt. Außerdem gebe es Serien zum Wiki in der Zeitung und einen Autorenwettbewerb.

    Um einen Artikel-Grundstock für das Wiki aufzubauen, sei jeder NZ-Redakteur vor dem Start gebeten worden, zehn bis 15 Beiträge aus Bereichen beizusteuern, in denen er sich gut auskennt. Außerdem seien Inhalte aus Bürgerlexika für Erlangen und Nürnberg ins Wiki übernommen worden.

    Wer ein Regionalwiki ins Netz stellt, sollte zuvor eine Struktur entwickeln – insbesondere ein sinnvolles Kategoriensystem. Als Voraussetzung für langfristigen Erfolg nannte Helldörfer auch, dass klare Nutzungsbedingungen und Spielregeln für das Wiki entwickelt werden. Unangemeldete Edits sind im Franken-Wiki nicht möglich.

    Selbstverständlich gibt es Ausbaupläne: Im Franken-Wiki soll’s demnächst auch GPS-Tracks zum Herunterladen geben - passend zu Rad- und Wandertouren (http://www.franken-wiki.de/index.php/Kategorie:Feierabend-Ra...). Die Touren werden zuerst erst in der Zeitung abgedruckt; im Wiki werden dann große interaktive Karten in die Beiträge eingebunden.

    In Nürnberg gibt es für die einzelnen Stadtteile „Geschichtswerkstätten“. Mit diesen vereinsähnlichen Zusammenschlüssen wolle die Nürnberger Zeitung eine Art Frankenwiki-Redaktion aufgebauen.

    Ein Interview mit Clemens Helldörfer zum Franken-Wiki gibt es hier: http://de.sevenload.com/videos/WtAbPRFR-Social-Web-INTERVIEW...
    This post was modified on 24 Feb 2009 at 11:03 am.
  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Social Media Forum 2: Das Trier-Wiki
    Alexander Houben, Chef vom Dienst beim Trierischen Volksfreund und Online-Geschäftsführer des Verlags, stellte beim Social Media Forum in Hamburg das Regionalwiki des Trierischen Volksfreunds (http://wiki.volksfreund.de) vor. Das Trier-Wiki sei eine von einer ganzen Reihe von Sites, die der Volksfreund im Netz betreibt. Neben weiteren gehören dazu lokalo.de, pflegekritik.de, tippfreund.de und eine auf Wordpress basierende Blog-Plattform (http://blog.volksfreund.de), die es jedem Interessierten ermöglicht, kostenlos ein eigenes Weblog anzulegen.

    Mit einem Intra-Wiki haben die Wiki-Aktivitäten beim Volksfreund begonnen: Zuerst sei das Redaktionshandbuch in ein Redaktionswiki gestellt worden. Wegen des großen Erfolgs sei dieses Wiki bald auf den gesamten Verlag ausgeweitet worden. Neben dem Redaktionshandbuch finden sich darin inzwischen viele weitere Informationen, zum Beispiel der wöchentliche Kantinen-Plan.

    Dann habe die Verlagsleitung entschieden, auch die Regionalwiki-Nische so rasch wie möglich zu besetzen - bevor es jemand anders tut. Das öffentliche Volksfreund-Wiki ruhe heute auf drei Säulen:

    1. Verlagsmitarbeiter hätten alle 800 Ortsgemeinden im Verbreitungsgebiet (http://wiki.volksfreund.de/Kategorie:Orte) mit ihren Grunddaten für das Wiki erfasst.

    2. Eine bereits bestehende Vereinsdatenbank sei ins Wiki übernommen worden (http://wiki.volksfreund.de/Kategorie:Vereine_und_Verb%C3%A4n...) . Etliche Vereine hätten die Pflege ihrer Profilseiten übernommen, würden sie aktuell halten und ihre Wiki-Seite als eigene Homepage ansehen.

    3. Das Wiki ist aber auch die Heimat der Zeitzeugen-Aktion des Volksfreunds (http://wiki.volksfreund.de/Kategorie:Zeitzeugen): Die Leser wurden im Blatt aufgerufen, persönliche Erlebnisberichte von historischen Ereignissen ins Wiki zu stellen – beispielsweise zur Kriegsweihnacht des Jahres 1944 und zu den Wirtschaftswunderjahren. Dabei seien „sehr viele sehr schöne Geschichten“ zusammengekommen. Ähnliche Aktionen werde es demnächst anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls und anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundesrepublik geben. Der Schwerpunkt des Volksfreund-Wikis liege auf diesen interaktiven Leseraktionen.

    Diese Aktionen und „die Spiegelung im Print“ seien wichtige Erfolgsfaktoren für Regionalwikis. Beim Wiki-Marketing komme darauf an, die Aufmerksamkeit der Zeitungsleser immer wieder auf das Wiki zu lenken. Die redaktionellen Eingriff in die nutzergenerierten Inhalte würden „so liberal wie nur irgend möglich“ gehalten, sagte Houben: Die Redaktion greife nur dann ein, wenn strafrelevante Inhalte ins Wiki gestellt werden.
  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Social Media Forum 3: Das PNP-Wiki
    Dr. Imme Oldenburg (https://www.xing.com/profile/Imme_Oldenburg), langjährige Onlinerin bei der Passauer Neuen Presse (PNP), berichtete beim Social Media Forum in Hamburg über ihre Erfahrungen mit dem PNP-Regionalwiki. Am 8. November 2008 ging das PNP-Wiki online. Zuvor habe sie es neben ihrer regulären Arbeit mit 1200 Artikeln ausgestattet. Inzwischen sei es Usus, dass die kaufmännischen Lehrlinge des PNP-Verlags einige Wochen lang Beiträge aus den Redaktionen ins Wiki einarbeiten.

    Weil Wiki-Artikel anders aufgebaut sein müssten als Beiträge für die Zeitung, sei es nicht ratsam, Artikel aus dem Blatt unbearbeitet ins Wiki zu übernehmen. Bevor ein Regionalwiki online geschaltet wird, müsse es mit einer „kritischen Masse“ an Artikeln ausgestattet werden; wichtig sei auch, eine sinnvolle Struktur zu entwickeln. Die Inhalte des PNP-Wikis werden dabei von acht Regionalportalen erschlossen. Wiki-Beiträge müssten zwar inhaltlichen und formalen Kriterien genügen; dabei sollten aber „nicht so harte Kriterien angelegt werden wie bei der Wikipedia“.

    Das wichtigste Argument dafür, ein Regionalwiki zu eröffnen, sei für den PNP-Verlag der Imagefaktor gewesen. Schon jetzt habe das Wiki derart viel positives Renommee erzeugt, dass es sich der Verlag gar nicht mehr leisten könne, das Wiki wieder einzustellen. „Wir fühlen uns sehr gut angenommen“, berichtete Imme Oldenburg. Seit dem Start hätten sich bereits 377 Benutzer angemeldet. Jeder neue Nutzer werde von den Wiki-Administratoren persönlich begrüßt. Dabei seien inzwischen vier der bislang acht Administratoren externe Nutzer. Ein Wiki bedeutet für einen klassischen Zeitungsverlag ein Stück Öffnung und damit ein Stück Risiko. Trotzdem sei geplant, die Moderation über kurz oder lang mehr oder weniger vollständig an die Nutzer abzugeben.

    Die PNP stelle ihr Wiki im Rahmen des Medienkunde-Unterrichts in Schulen vor. Auf diese Weise bekomme die Marke PNP unmittelbar Kontakt zu den Schülern und könne ihnen ein zeitgemäßes Medium vorstellen – in der Hoffnung, dass die Schüler irgendwann einmal zu Abonnenten werden. Einstiegspunkt sei dabei für viele Schüler das ins Wiki integrierte Wörterbuch „Unser Boarisch“ (http://regiowiki.pnp.de/index.php/Kategorie:Boarisch).

    Wichtig für den Erfolg sei, dass das Wiki regelmäßig Thema in der Zeitung ist. Deshalb bringe die PNP jede Woche einen Artikel über das Thema. Ein Themenbeispiel aus jüngster Zeit: „Eine Klosterschwester entdeckt das PNP-Wiki für sich“. Andererseits können sämtliche Zeitungsbeiträge über das Wiki unter „Über Regiowiki“ (http://regiowiki.pnp.de/index.php/RegioWiki:%C3%9Cber_RegioW...) im Wiki nachgelesen werden. Außerdem verlinke die PNP von ihrer Zeitungshomepage (http://www.pnp.de) ins Wiki.

    Imme Oldenburg riet davon ab, Werbung im Wiki zu platzieren: Das PNP-Wiki sei ein Ort, an dem Menschen gemeinsam an Wahrheiten arbeiten – das werde als sehr positiv wahrgenommen, für Werbung sei dort kein Platz.
  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Social Media Forum 4: Das Hamm-Wiki
    Tim Reckmann (https://www.xing.com/profile/Tim_Reckmann) vom Westfälischen Anzeiger stellte beim Social Media Forum das Hamm-Wiki (http://www.hamm1.de) vor. Träger ist, obwohl hinter dem Stadtwiki der Westfälische Anzeiger steht, nicht ein Verlag, sondern der Verein Hamm Wiki - Verein zur Förderung des freien Wissens in Hamm e.V.. Diese Konstruktion unterscheidet das Hamm-Wiki beispielsweise von Franken-, Trier- und Passau-Wiki.

    Das Hamm-Wiki startete im April 2006 zunächst als privates Projekt und fand rasch Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Das Stadtarchiv zum Beispiel stellt für das Wiki Archivmaterial zur Verfügung. Im Jahr 2008 ging das Wiki auf den Trägerverein über, der seit November 2008 mit dem zur Ippen-Gruppe gehörenden Westfälischen Anzeiger kooperiert. Seitdem ist das Hamm-Wiki eigentlich ein Verlagswiki – wenn man's ihm auch nicht auf den ersten Blick ansieht. Ein Diagramm auf der Statistik-Seite (http://www.hamm1.de/wiki/Spezial:Statistik) zeigt, dass die Zahl der Artikel seitdem stark steigt.

    Für diese in Deutschland bislang wohl einmalige Konstruktion habe sich der Verlag aus zwei Gründen entschieden: Er wolle sich weiterhin die Mitarbeit der Stadtverwaltung sichern, die sich dem Förderverein gegenüber von Anfang an sehr entgegenkommend gezeigt habe. Würde die Trägerschaft auf den Westfälischen Anzeiger übergehen, sei zu befürchten, dass die Kooperationsbereitschaft der Stadt nachlässt.

    Der Trägerverein sei ein wichtiges Bindeglied aber auch zu anderen Behörden und Institutionen sowie zu Vereinen. Außerdem habe sich gezeigt, dass er in der Lage sei, Kontakte zu Experten zu eröffnen; zu bestimmten Themen hätten sich inzwischen regelrechte Experten-Zirkel gebildet. Außerdem seien gemeinnützige Träger im Allgemeinen weniger anfällig für gerichtliche Abmahnungen und Klagen als Verlage.

    Auf die Verzahnung von Wiki und Zeitung weist immerhin ein Nachrichten- und Veranstaltungsfeed des Westfälischen hin, der durch einem Kasten auf der Wiki-Hauptseite läuft. Dadurch werde zusätzlicher Traffic auf die Website des Westfälischen Anzeigers (http://www.wa-online.de) gezogen.

    Die Inhalte des Hamm-Wikis stehen unter einer freien Lizenz; Bearbeitungen sind ohne Anmeldung möglich. Das Stadtwiki verstehe sich, sagte Reckmann, unter anderem als Branchenbuch und Straßenverzeichnis (mit anliegenden Geschäften). Aufgrund ihrer bisherigen sehr positiven Erfahrungen planen Verein und Verlag einen „massiven Ausbau“ des Hamm-Wikis sowie die Gründung weiterer Stadtwikis im Märkischen Kreis und in Soest.
    This post was modified on 24 Feb 2009 at 01:39 pm.
  • Dr. Imme Oldenburg
    Dr. Imme Oldenburg
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    Re: Social Media Forum 3: Das PNP-Wiki
    Lassen Sie mich vielleicht noch ergänzend hinzufügen, dass der PNP auch der Service-Charakter am Leser in Bezug auf das RegioWiki sehr wichtig ist. Ein RegioWiki als Privatpersonen zu betreiben ist extrem schwierig, weil unbekannten Einzelpersonen in der Regel nicht so viel Vertrauen entgegengebracht wird, wie einer renommierten Tageszeitung, die über entsprechend viele Redakteure verfügt, die tagtäglich fundiert recherchieren und über sehr viel Wissen verfügen. Ein Verlag vor Ort ist also prädestiniert dafür, ein RegioWiki zu begründen. Hier noch meine acht Thesen, die im Zusammenhang mit RegioWikis meines Erachtens allgemeingültig sind:

    These 1:
    Eine klare Abgrenzung gegen die Wikipedia macht Sinn. Wenn alle Inhalte 1:1 von allen anderen Wikis übernommen werden dürften, kann man auf ein eigenes Wiki komplett verzichten! Ein RegioWiki muss ein eigenes Profil haben, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Das bedeutet vor allem eine Lizenz zu wählen, die eine Übernahme der RegioWiki-Inhalte in die Wikipedia ausschließt. (Es bietet sich http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/ an. Knackpunkt ist das nc, also keine kommerzielle Nutzung.)

    These 2:
    Ein RegioWiki muss sein eigenes Profil entwickeln. Eigenes Profil bedeutet wesentlich kleinteiliger zu berichten, als in der Wikipedia, das hohe wissenschaftliche Niveau etwas runterzuschrauben. Auch kuriose Namensgebungen von Artikel müssen machbar sein – nur so kann dem regionalen Charakter Rechnung getragen werden. (z.Bsp.: Brutmeiler für den Hirschkäfer - Staatsforst bei Neuötting)

    These 3:
    Freie Inhalte werden in jeder Region ausreichend zur Verfügung gestellt. Die Allgemeinheit scheint dankbar zu sein, dass sich endlich jemand findet, der die undankbare Aufgabe übernimmt, alle vorhandenen Daten / Fakten / Infos / Publikationen / etc aus der Region zu bündeln und für die Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Eine Heimatzeitung, die von der täglichen, fundierten Recherche ihrer Redakteure lebt, ist dafür prädestiniert.
    Aber: Die Arbeit kann nicht von den Zeitungs-Redakteuren geleistet werden!

    These 4:
    Der Verlag muss potentielle Wiki-Autoren mobilisieren. Von alleine werden sie nicht aktiv!

    These 5:
    Durch ein RegioWiki kann ein extrem positiv besetzter Kontakt zwischen Verlag/Zeitung und Studenten/Schülern hergestellt werden. Das RegioWiki ist da eher Mittel zum Zweck. Die PNP hat ein eigenes Projekt "Wiki macht Schule" begründet, in deren Zuge das Wiki innerhalb des normalen Schulunterrichts vorgestellt worden ist. Die Schüler waren durchweg begeistert vom Unterricht, der sich vordergründig mit Medienkompetenz beschäftig hat, weil er unmittelbar in ihr Lebensumfeld eingegriffen hat! Für viele Schüler war es ein Erstkontakt mit ihrer Tageszeitung - und zwar ein durchweg positiver Kontakt!

    These 6:
    Die Wikipedia ist zwar fast allen bekannt und wird auch genutzt, aber – der Durchschnittsbürger arbeitet dort nicht mit und käme auch nicht auf die Idee, dort regionale Inhalte einzustellen. Erst ein RegioWiki kann diese Hemmschwelle abbauen. Und dann auch nur, wenn ein seriöser Betreiber dahinter steht! Die Heimatzeitung ist dafür prädestiniert!

    These 7:
    Die meisten RegioWiki-Autoren sind auf diesem Gebiet Neulinge. Die Qualitätsansprüche bezüglich formaler und inhaltlicher Einträge muss Anfangs runter geschraubt werden! Die harten Kriterien der Wikipedia dürfen nicht greifen – sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

    These 8:
    Eine Konkurrenzsituation zwischen Regionalen Wikis oder zu der Wikipedia verträgt sich NICHT mit dem Grundgedanken der Wikitechnologie und Philosophie. Eine Ergänzung der Wikipedia durch ein regional ausgerichtetes Wiki erreicht die Menschen der Region ganz direkt und wird überdurchschnittlich positiv wahrgenommen – ein auf Jahrzehnte hin unschätzbarer Imagezuwachs für einen Verlag!
  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Social Media Forum 5: Das Karlsruhe-Wiki
    Kein Regionalverlag, sondern der unabhängige Bildungsverein Region Karlsruhe e.V. ( http://tinyurl.com/bzeauv ) ist Träger des Karlsruher Stadtwikis ( http://ka.stadtwiki.net ), das beim Social Media Forum von Beate Paland ( https://www.xing.com/profile/Beate_Paland ) vorgestellt wurde. „Wir brauchen keine Vermarktung und wir wollen kein Geld mit dem Wiki verdienen“, stellte die Referentin gleich klar.

    Trotzdem führt der gemeinnützige Bildungsverein – ähnlich etwa dem Passau-Wiki der PNP – Schülerprojekte durch. Daneben plant der Verein die Eröffnung eines Bildungsladens mit Bibliothek und Schulungen. In Karlsruhe dominiert also der Open Content-Gedanke ( http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Content ).

    Das Karlsruhe-Wiki, das mit deutlichem Abstand größte Regionalwiki der Welt, wird allein über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert.

    Aufgrund einer Initiative der netzaffinen Oberbürgermeisterin Gabriela Büssemaker ( http://tinyurl.com/clz2zb ) und mit Unterstützung durch die Stadt wurde im Karlsruhe-Wiki ein Unterportal für die Stadt Ettlingen ( http://ka.stadtwiki.net/Portal_Ettlingen ) eingerichtet. Weil Karlsruhe Universitätsstadt ist, baut der Bildungsverein neben dem deutschsprachigen Karlsruhe-Wiki seit Oktober 2008 eine englisch- ( http://en.ka.stadtwiki.net/Main_Page ) und eine französischsprachiges Version ( http://fr.ka.stadtwiki.net/Accueil ) auf. Außerdem sind eine türkische und eine russische Ausgabe geplant.

    Das Karlsruhe-Wiki ist und bleibe werbefrei. Weil das Wiki kein Ersatz für Gelbe Seiten sein soll, werden Unternehmen nicht nur namentlich mit ihren Kontaktdaten ins Wiki aufgenommen, sondern der Schwerpunkt liegt auf Informationen über angebotene Produkte und Dienstleistungen sowie der Firmenhistorie.

    Aus der Bevölkerung gebe es eine Menge Unterstützung, verriet Beate Paland. So habe ein Privatmann dem Verein kürzlich 11.000 Dianegative von Karlsruhe und Umgebung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschenkt. Sie würden jetzt nach und nach eingescannt, ins Wiki hochgeladen und in die Artikel eingebunden.
    This post was modified on 11 Mar 2009 at 01:17 pm.