Clean Room / Contamination Control

Clean Room / Contamination Control

Posts 1-6 of 6
  • Dr. Christoph Rockel
    Dr. Christoph Rockel    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    Welche Reinraumklasse wird empfohlen?
    Liebe Forumsmitglieder,

    ich habe eine Fragestellung, zu welcher ich Ihren Input benötige:

    Es geht um Produkte, welche in direktem Kontakt zu injizierbaren Arzneimitteln kommen (z.B. Filter). Bei diesen Produkten besteht das Risiko, dass sich Stoffe (Mikroorganismen, Plastikrückstände etc.) lösen, die das Arzneimittel kontaminieren können.

    Wenn man nun solch ein Produkt herstellen möchte, welche GMP Klasse sollte dieser Produktionsreinraum im optimalen Fall haben?

    Meine Meinung ist, dass der Reinraum der Produktion mindestens die Klasse B erfüllen sollte. Die mikrobiologischen Grenzwerte der Klasse B sind niedrig genug, so dass eine Kontamination, welche beim Patienten eine Immunreaktion hervorrufen kann, vermieden werden kann.
    Nun sind aber auch 5 KBE / Abklatschplatte bzw. 10 KBE / Kubikmeter Luft immer noch hoch genug, um einem immungeschwächten Menschen potentiell zu gefährden. Somit ist es notwendig, die risikoreichsten Prozesse im Produktionsablauf zu determinieren, sie einzuschliessen und somit die Kontaminationsgefahr durch Produktberührung zu minimieren.

    Was ist Ihre Meinung dazu?

    Ich danke Ihnen jetzt schon für Ihre Mühe.
  • Axel Henning Schroeder
    Axel Henning Schroeder    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re: Welche Reinraumklasse wird empfohlen?
    Hallo herr Rockel,

    ich weiss nicht, ob sich die Frage pauschal beantworten lässt. Ich denke es müssen dabei Faktoren berücksichtigt werden wie:
    Kann man das Produkt am Ende des Herstellprozesses Sterilisieren?
    Kann man es vorher reinigen um evtl. Rückstände (Stäoube, Öle etc. ) aus dem herstellprozess zu entfernen?
    Spielt ein eventueller Endotoxin/Pyrogen Rückstand eine Rolle?

    Ich kenne z.B. Produkte die nur unter "sauberen" Bedingungen (nicht im Reinraum) hergestellt und erst danach in einem kleinen Reinraum gereinigt, sterilisiert und dann verpackt werden. Meiner Meinung nach sollte man die entsprechenden Abnehmer voab befragen, welche Ansprüche Sie stellen und gegebenenfalls auch mal einen zuständigen GMP Inspektor befragen, was er erwarten würde.

    Beste Grüße
    Axel Schroeder
  • Dr. Christoph Rockel
    Dr. Christoph Rockel    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    Re^2: Welche Reinraumklasse wird empfohlen?
    Hallo Herr Schroeder,

    vielen Dank für Ihre Antwort.

    Pyrogene Kontaminationen spielen eine grosse Rolle, eine Sterilisation kommt also nicht in Frage, da diese nur lebende Mikroorganismen entfernt, nicht aber die Pyrogene. Zudem ist das Produkt temperaturlabil, kann also nicht mit Hitze depyrogenisiert werden.

    Bliebe nur NaOH (o.ä.), da stellt sich das Problem, dass man dies wieder rauswaschen/neutralisieren muss. Das wird in einem Zwischenschritt auch gemacht. Leider wird es danach weiterverarbeitet und kann nicht nochmal in diesen Ätzprozess.

    Ein Teil des Produktes hat aber danach auch noch flüssigkeitsaufsaugende Eigenschaften, es gestaltet sich also schwierig.

    Ich denke, dass man danach jede Kontamination vermeiden sollte, entweder durch Automatisieren in einer sehr reinen Umgebung oder durch Handling eben in einem Reinraum.

    Gibt es denn die Möglichkeit, einen Inspektor noch in einer Planungsphase zu kontaktieren? Es geht hier sicher um die Swissmedic oder eben eine deutsche Behörde (kommt auf den Markt an, der bearbeitet werden wird).

    Gruss
  • Axel Henning Schroeder
    Axel Henning Schroeder    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Re^3: Welche Reinraumklasse wird empfohlen?
    Hallo Herr Rockel,

    aus den bisher vorliegenden Informationen würde ich ihnen zustimmen, dass der weitere Herstellprozess nach dem Ätzschritt, wenn das Produkt also keim- und pyrogenfrei sein sollte, unter entsprechend reinen Bedingungen, also im beschriebenen Fall aseptisch, erfolgen sollte.

    Wenn hierbei ein bisher rein industrieller Prozess jetzt unter GMP Bedingungen erfolgen soll, würde ich bei der Planung die zuständige Kontrollbehörde so früh wie irgend möglich einbinden. Zum einen erhalte ich so schon in der Planung einen Eindruck, welche Anforderungen erfüllt werden müssen, zum anderen gibt es evtl. eine innerbetriebliche Argumentationshilfe, wenn nötige Maßnahmen und damit Ausgaben begründet werden müssen.

    MfG
    Axel Schroeder
  • Markus Kladt
    Markus Kladt    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    Re: Welche Reinraumklasse wird empfohlen?
    Sehr geehrter Herr Röckel,

    wenn es um Mobilar für Ihren Reinraum geht,dann würde ich Ihnen auf jeden Fall Möbel aus Edelstahl für den Einsatz in GMP Class A empfehlen.
    Viele unserer Kunden mit ähnlichen Kriterien haben sich so entschieden.

    Mit freundlichem Gruß

    Markus Kladt
  • Hartmut Meier
    Hartmut Meier
    The company name is only visible to registered members.
    Re: Welche Reinraumklasse wird empfohlen?
    Guten Abend Herr Rockel
    ich kann Herr Schroeders Ausführungen und richtige Ansätze noch wie foglt ergänzen:
    - Ihr Produkt wird fertig bearbeitet; soll also von Ihnen direkt zur Anwendungen kommen.
    ==> Welche Hygeinezonen I. werden nun für die Anwendung gefordert bzw wie wird es beim Patienten II: angewendet.
    I.==> Ist eine Hygeinezone definiert, so macht es der GMP-Leitfaden einfach: Das Produkt ist in seinem letzten Herstellschritt der Anwendung gleich zu stellen; also gleiche Hygeinezone (ähnlich Wirkstoffherstellung)
    II.==> Ist es eine äusere Anwendung oder orale Einnahme, reicht Ihnen ISO-Klasse 8 kommt das Produkt mit der Blutbahn in Berührung oder Schleim- oder Netzhaut oder gar invasiv dann ist sicher ISO5 mit gerichteter Verdrängerluftströmung erforderlich; B reicht dann also nicht aus.
    Auf jeden Fall empfehle ich Ihnen, die Entscheidung an Hand einer Risikoanalyse herbeizuführen und dies gut zu dokumentieren. Mit dieser Grundlage können Sie sich gut mit der Behörde unterhalten und auch in mittelfristiger Zeit den Entscheid wieder belegen. Die Risikoanalyse sollte von einem Team aus Produktverantwortlichem, QA, Prozess-Experten und idealerweise Anwender erarbeitet werden.
    Viel Erfog wünscht Ihnen
    Hartmut Meier