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  • Berthold Hanfstein
    Berthold Hanfstein
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    Onsen ohne Ende – Baden auf Japans südlichster Insel
    „Kurokawa – a real treasure.“ Schreibt der Lonely-Planet-Reiseführer. Auf Kyushu, der südlichsten
    Insel Japans wollen wir es uns ein paar Tage lang gut gehen lassen und landen in Kumamoto an
    der Westküste. Die Beschreibung dieser Region mit ihren zahlreichen Thermalquellen und den
    Naturbädern machte uns große Lust. Diese Onsen genannten Bäder haben eine große Tradition
    und sind auch bei den jungen Japanern Kult. Vor dem eigentlichen Bad wäscht man sich ausgiebig
    und taucht dann nur mit einem kleinen Handtuch bedeckt in das heiße Onsen-Becken in der freien
    Natur.

    Im Ryokan Okunoyu erwartet uns ein wahrer Traum. Der Empfangsbereich wie aus dem
    Bilderbuch, eine kleine Sammlung antiker Teetässchen, Girlanden papierdünner orangefarbiger
    Lampionblüten, frischer Blumenschmuck und allerhand sonstiges nett drapiertes Geschirr hinter
    Glas machen es gemütlich. Das Gepäck wird schnell in unser Zimmer im ersten Stock gebracht.
    Echte Betten zur Rechten und die klassischen Tatami-Matten zur Linken, abgetrennt durch mit
    Papier bespannte Schiebewände. Ein winziger Tisch und zwei Stühle, besser gesagt Sitzschalen
    sind mittig angeordnet, dahinter ein kleiner Bereich mit einem Ikebana-Blumengesteck und einer
    Kalligraphie. Schiebetüren auch zum Balkon mit direktem Blick auf den Fluss Kurokawa. Fein
    säuberlich zusammengelegt ein blauer und ein roter Yukata, eine Badekleidung aus Baumwolle –
    irgendwo zwischen Morgenrock und Bademantel. Dazu ein Schulterüberwurf aus Wolle, speziell für
    die kalte Jahreszeit. Söckchen mit Antirutsch-Noppen und Abtrennung nur für die große Zehe. Und
    kleine rote Schläppchen, deren Maximalgröße eher einem Spanier passt als mir. Für die Toilette
    mit beheizter Klosett-Brille gibt es separate Schläppchen, sehr wichtig in Japan.
    Wow, welcome to Kurokawa Spa!

    Der erste Weg geht sofort ins hauseigene Onsen. Im Yukata und mit einem speziellen kleinen
    Handtuch wandeln wir die Treppe hinunter in den Anbau. Dezent versteckt hinter roten und blauen
    Tüchern kommt der Eingang zum Vorschein, getrennt nach Männlein und Weiblein. Kaum ist die
    Schiebetüre wieder sanft verschlossen, weisen ausgezogene Schuhe darauf hin, dasselbe zu tun.
    Eventuell noch vorhandene Klamotten von Tagesgästen werden in einem Korb aufbewahrt und
    dann betrete ich den nächsten Raum, in dem ich vor Dampf kaum etwas sehen kann. Schemenhaft
    nehme ich eine Hand voll kleiner Bänkchen und Schüsseln wahr, davor in Hüfthöhe an der Wand
    jeweils Duscharmaturen und auf der Ablage überdimensionale Seife- und Shampoospender. Hier
    findet also der vor dem Baden so wichtige Reinigungsprozess statt. Die Anordnung ist so, dass das
    Duschen im Hocken erfolgen soll, ja sogar muss. Wie ich später herausfinde, ist diese Haltung
    beim Duschen elementar, sie entspricht dem japanischen Schamgefühl.

    Nach der Reinigung probiere ich den ersten Wassergang im dahinter liegenden Becken aus. Dieses
    verfügt noch über eine angenehme Temperatur. Dann geht es hinaus ins Freie, ins gemischte
    Becken. Jetzt muss die Übung mit dem Scham-Handtuch sitzen: Im Gehen bedecken und beim ins
    Wasser hinabsteigen zusammenfalten und auf den Kopf legen. Wahnsinn, wie auf den Kalender-
    Fotos liege ich nun im Freien im heißen Wasser, schaue auf Bäume, den Bach und eine kleine
    Höhle, in der sich noch ein Onsen verbirgt. Überall dampft es, herrliche Ruhe, Entspannung pur.
    Und ich habe nichts als ein kleines weißes Handtuch auf dem Kopf.
    Wie ein kleiner Japaner!

    => Auszug aus meinem neu erschienen Buch "Around the World - in 101 Tagen", mehr darüber unter
    http://www.agentur-hanfstein.de

    Herzliche Grüße
    Berthold Hanfstein