Die Schweiz

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  • Niklaus Büchi
    Niklaus Büchi
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    Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Wir sind nicht Mitglied der EU, ein grosser Teil wehrt sich gegen einen Beitritt. Viele Menschen aus Mitgliedsländern empfehlen uns, dass wir nicht beitreten wollen. Die Ablehnung ist gross bei uns. Wieso ist das so, denn eigentlich ist es erstaunlich. Denn gerade wir, haben diese Entwicklung schon mal durchgemacht.

    Betrachten wir nur zwei kleine Punkte der EU.

    1. Der Euro.

    Der Euro als Zahlungsmittel wird oft verteufelt. Als Vorbild für den Euro galt der Schweizerfranken. Zeigt dieser doch bestens auf, wie sich ein Zahlungsmittel über alle Staats(Kantons)grenzen etablieren kann. Er ist so stark etabliert, dass wir ihn nicht gegen den Euro tauschen wollen. Es ist ja "unser" Franken. Der gute, altbewährte Franken. Nun ja, so alt ist er eben auch nicht.

    Aber er zeigt gut auf, wie sich die Wogen der Entrüstung legen können und es sogar in Stolz über die Währung übergehen kann.

    2. Die Kultur

    Eines der grössten Ziele der EU ist es, die europäische Kultur zu erhalten. Nun was ist die europäische Kultur?
    Es ist ein Sammelsurium aus allen Ländern. Staatliche Grenzen gibt es hier z.T. nicht. Altstädte gibt es prächtige in ganz Europa, die Kunst ist weitverbreitet. Die Sprachenvielfalt ist gross (wird leider immer wie kleiner). Und so weiter und so weiter.

    Wie ist es bei der Schweiz? Was würden Sie als Kultur der Schweiz bezeichnen?
    Für mich ist es das gleiche wie bei Europa. Wir lieben die Olmabratwurst, essen dazu Bärnerrösti und trinken einen guten Rotwein vom Lavaux oder aus dem Wallis. Das ganze am besten an der Promenade in Locarno. Etc. Wie ist ein typischer Schweizer? Müsste man nicht von einem Berner, Basler, Aargauer, Waadtländer etc. sprechen, welcher sich an Eigenschaften anderer Gebiete erfreut und sie nutzt.

    Für mich ist die Schweizer Kultur genau das. Ein Zusammenzug von kantonalen Kulturen. Gewisses übernehme ich, anderes nicht. manches in abgeschwächter Form.
    So gibt es aber auch Kultureinrichtungen über die Kantonsgrenzen hinaus, Z.B. Burgern und Schlösser etc. Genau gleich ist es mit Europa.


    Wenn man nur diese zwei Aspekte betrachtet, finde ich die ablehnende Haltung gegenüber der EU aus Schweizer Sicht interessant.

    Was denken Sie?
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    Paul Strassmann
    (not a XING member)
    Re: Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Natürlich haben Sie recht bei den aufgeführten Punkten. Ich glaube sogar, gelesen zu haben, dass bei der Gründung 1848 bereits davon gesprochen wurde, diesen Bund nach Europa auszuweiten.
    Die Frage ist für mich halt die, ob sich ein so grosses Gebilde wie die EU überhaupt demokratisch regieren lässt, resp. wie weit ist der Begriff 'Demokratie' dehnbar? 70% aller Entscheide kommen zustande ohne Entscheidungsmöglichkeiten der Bevölkerung. Besonders möchte ich in diesem Zusammenhand darauf hinweisen, dass die Verfassung der EU praktisch ohne Mitsprache der Bevölkerung seitens der jeweiligen Regierungen beschlossen wurden.
    Die EU ist nicht organisch gewachsen wie z.B. die USA, seit wenigen Jahrzehnten versuchen Politiker aus ideologischen Gründen, aus vielen Puzzleteilen ein grosses Ganzes zu bilden. Wirklich in den Köpfen der BürgerInnen ist die EU nicht angekommen, wie Du selbst sagst, sind auch die EU-Bürger zu einem Grossteil skeptisch, aber machtlos und teilweise apathisch. Fazit: Die Idee ist wahrscheinlich gut, aber das Tempo, mit der die EU durchgebolzt wird sowie die Art und Weise sind meines Erachtens durchaus fragwürdig.
    Zum Schluss noch was ganz anderes: Vor zehn Jahren war knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung für die EU, die andere Hälfte war vehement dagegen. Heute ist der Anteil der Ablehnenden um die 70%. Wieso diese Zunahme? Zufall...Dummheit...?
    Schönen Tag.
  • Reto Donatz
    Reto Donatz    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Die Einwände, dass die EU zu schnell gewachsen sei, kann kein Grund sein, denn dann wäre die moderne Schweiz nicht in ca. 50 Jahren entstanden (1798 - 1848).

    Das Wachstum der USA und der EU kann nicht verglichen werden. Die USA wurde durch Raub gegründet, die Staaten der EU sind entweder schon lange existent oder wieder existent.

    Also muss etwas anderes das Malaise verursachen. Ich tippe eher auf ein Mangel an Offenheit in der Kommunikation sowie unterschiedliche Motivationen im Mitmachen in der EU.

    Gruss
    Reto Donatz
  • Reinhard Halbgewachs
    Reinhard Halbgewachs    Group moderator
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    Re: Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Was haben denn EU und Euro miteinander zu tun?
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  • Reto Donatz
    Reto Donatz    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Was mich als Schweizer immer wieder erstaunt ist die Tatsache, dass bei Diskussionen mit EU-Bürgern diese zwar unzufrieden mit ihren Regierungen sind, handkehrum aber nichts unternehmen wollen die Situation zu ändern.

    Direkte Demokratie macht den meisten richtig Angst. Wieso? Zuviel Selbstverantwortung?

    Gruss
    Reto Donatz
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  • Reto Donatz
    Reto Donatz    Premium Member   Group moderator
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    Re^5: Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Sehr geehrter Herr Voss

    Ich danke Ihnen für die Ausführungen. Ich möchte nur den folgenden Satz beantworten.

     
    Fiscal Freedom und Government Size sind bei euch doch auch schon viel zu hoch, nur KÖNNTET ihr euch dagegen wehren, doch ihr tuts nicht - trotz Direkter Demokratie. Das ist es, was ich nicht verstehe - ihr lasst euch von uns runterziehen, ohne euch dagegen ernsthaft zu wehren.
     

    Wir stimmen tatsächlich über die Höhe der Steuern ab und zwar auf allen Stufen unseres Staates (Gemeinde, Kanton, Bund).
    Wenn Sie aber 'Direkte Demokratie' mit sehr tiefen oder gar keinen Steuern gleichsetzen, haben Sie etwas nicht verstanden. Da wir CH wissen, dass der Staat uns gehört, werden wir die Steuern so hoch ansetzen, dass unser Staat nicht zu Grunde geht. So kommt es auch, dass wir unsere Steuererklärungen selber ausfüllen.

    Die gleiche Antwort kann ich ihnen von der 'Bürokratie' geben. Glauben Sie nicht wir würden den Bürokraten nicht scharf auf die Finger schauen.

    Ich gebe nun allerdings zu, dass nicht alle CH so denken. Auch bei uns gibt es Bürger, die meinen ein Staat sei besser wenn er fast am verhungern ist oder ein Staat sei nur gut wenn er feisst und aufgebläht sei.

    PS: Ende November hat das CH-Volk eine Initiative abgelehnt, die ein flexibles Rentenalter 62 einführen wollte (heute Frauen 64, Männer 65).

    Gruss aus Zürich und ein schönes Wochenende
    Reto Donatz
  • Niklaus Büchi
    Niklaus Büchi
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    Re^6: Sind die Schweiz und die EU vergleichbar?
    Lieber Herr Voss

    Sie haben ein sehr schönes Bild der Schweiz. Ich möchte hier nur ein kurzes Zitat des Historikers Jakob Tanner anbringen.
    "Und es könnte heute, in einer Phase einer von aussen gestörten Ruhe und erzwungenen Öffnung, auch ein Sensorium dafür entstehen, wie wenig die Schweiz sich selber erfunden hat und in wie starkem Ausmass der Kleinstaat immerzu die Bilder verinnerlicht und umgedeutet hat, die andere sich von ihm machten."

    Schönes Wochenende