Simulation und Gaming
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Stephan Magnus Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Perfekte Fragetechnik
Wenn wir ein Modell aufbauen wollen, um später daraus ein Computerspiel oder eine Simulation zu entwickeln, müssen wir kausale Zusammenhänge erkennen. Bei Fertigungsprozessen ist das noch vergleichsweise einfach. Man schaut einfach was kommt vor etwas anderem . . .
Aber wie ist das bei Menschen, bei Entscheidungen oder Handlungen? Wie bekommt man heraus, an welche kausalen Zusammenhänge irgendein Manager oder ein Team glaubt? Mehrere Ansätze sind denkbar:
- Man fragt sie einfach. Möglich, aber unvollkommen. Zum einen kann man durch falsches fragen die Zusammenhänge erst suggerieren, zum anderen ist der Gegenüber vielleicht gar nicht in der Lage, so etwas aus seinen Gedanken herauszudestillieren.
- Man lässt den Gegenüber etwas über ein Problem, seine Tätigkeit usw. erzählen und achtet mit gespitzten Ohren auf kausale Formulierungen ("immer wenn wir Überstunden machen, bauen wir nur noch Schrott")
- Man geht im Team von einem Ausgangspunkt der Fragestellung aus und arbeitet Mindmap-mäßig aus, was darauf alles einwirkt
Erfahrungen damit? Andere Vorschläge?
- 24 Aug 2005, 5:10 pm
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Christoph Schlachte Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re: Perfekte Fragetechnik
Hallo Herr Magnus,
nun das klingt sehr interessant. Perfekte Fragetechnik. Kausalität.
Sie erlauben mir eine kleine Metapher von Heinz von Foerster.
Ein Computer braucht kausale Zusammenhänge. Der Computer ist eine triviale Maschine. Ein Input sorgt nach Transformation für immer denselben Output.
Der Mensch ist eine "nicht triviale Maschine". Unterschiedliche Innere Zustände lassen eine Berechenbarkeit von Input und Outputverhalten nicht zu.
Daher werden Sie mit den "besten Fragen" bestenfalls eine Momentaufnahme von "Kausalitäten, oder Überzeugungen" erfragen können. Ich glaube sehr an "Weiterentwicklung."
Um Überzeugungen usw. zu erfragen gibt es Fragetechniken und Theorien aus dem Bereich der Psychologie und Linguistik. Diese setzen sehr voraus, dass die Befragten Lust & Laune haben die Fragen zu beantworten, sowie eine entsprechende Haltung der Frager. Es gibt nach meinem Wissen - nicht die Methode schlechthin dazu -. Eher viele offene Fragen in der Wissenschaft.
Fragen, die dann noch bleiben und aus meiner Sicht nicht leicht zu berücksichtigen sind. (Sie können "nur" die Wirklichkeitskonstruktion erfragen.)
Welche Kontexte wurden bei der Beantwortung der Fragen nicht, oder zu wenig berücksichtigt?
Wie kann es möglich werden, alle relevanten Daten zu erfassen? Welche sind es? Und wer entscheidet darüber?
Inwieweit sind die Akteure sich Ihrer Entscheidungs- und Handlungswege bewusst?
Inwieweit verändern die Fragen dazu, die Antworten und die Erkenntnis der Handelnden?
Wie wirkt Rückbezüglichkeit in dem Kontext auf die Handelnden?
Bedeuten die Antworten, dass dies auch morgen noch so sein wird?
Und für mich bleibt die Frage, was möchten Sie damit erreichen. Also, angenommen es wäre zufrieden stellend möglich, was ist Ihr Ziel?
Viele Grüße, Christoph Schlachte
Stephan Magnus schrieb:
Wenn wir ein Modell aufbauen wollen, um später daraus ein Computerspiel oder eine Simulation zu entwickeln, müssen wir kausale Zusammenhänge erkennen. Bei Fertigungsprozessen ist das noch vergleichsweise einfach. Man schaut einfach was kommt vor etwas anderem . . .
Aber wie ist das bei Menschen, bei Entscheidungen oder Handlungen? Wie bekommt man heraus, an welche kausalen Zusammenhänge irgendein Manager oder ein Team glaubt? Mehrere Ansätze sind denkbar:
- Man fragt sie einfach. Möglich, aber unvollkommen. Zum einen kann man durch falsches fragen die Zusammenhänge erst suggerieren, zum anderen ist der Gegenüber vielleicht gar nicht in der Lage, so etwas aus seinen Gedanken herauszudestillieren.
- Man lässt den Gegenüber etwas über ein Problem, seine Tätigkeit usw. erzählen und achtet mit gespitzten Ohren auf kausale Formulierungen ("immer wenn wir Überstunden machen, bauen wir nur noch Schrott")
- Man geht im Team von einem Ausgangspunkt der Fragestellung aus und arbeitet Mindmap-mäßig aus, was darauf alles einwirkt
Erfahrungen damit? Andere Vorschläge?
- 24 Aug 2005, 5:42 pm
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Stephan Magnus Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Perfekte Fragetechnik
Christoph Schlachte schrieb:
Um Überzeugungen usw. zu erfragen gibt es Fragetechniken und Theorien aus dem Bereich der Psychologie und Linguistik. Diese setzen sehr voraus, dass die Befragten Lust & Laune haben die Fragen zu beantworten, sowie eine entsprechende Haltung der Frager. Es gibt nach meinem Wissen - nicht die Methode schlechthin dazu -. Eher viele offene Fragen in der Wissenschaft.
Klar. Es gibt übrigens noch als Ergänzung auch die ethnograpischen Methoden, die ja versuchen, die Zusammenhänge im Wesentlichen über Beobachtung zu ergründen.
Und für mich bleibt die Frage, was möchten Sie damit erreichen. Also, angenommen es wäre zufrieden stellend möglich, was ist Ihr Ziel?
Oh, das ist ziemlich praktisch. Sie stehen in einem Workshop und wollen mit den Teilnehmern ein Simulationsmodell erarbeiten. Um das zu können, müssen Sie kausale Zusammenhänge herausfinden, das ist nämlich die Ausgangsbasis, ein Modell zu basteln. Sie müssen in den Köpfen versteckte Glaubenssätze ergründen, um sie explizit modellieren zu können.
Das dies ein Work-in-Process ist, sollte klar sein. Das ist ja gerade der Witz an vielen Simulationen, das die Leute beginnen, direkt mit ihren bisherigen Glaubenssätzen zu arbeiten.
Grüße
Stephan Magnus
- 24 Aug 2005, 6:03 pm
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Saskia Frauscher Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^3: Perfekte Fragetechnik
Hallo Herrr Magnus,
ich bin zufällig über Ihre Frage gestolpert und die ist mir aufgefallen, weil sie so schön absolut ist.
Mir ist ganz spontan die means-end Methode eingefallen, die eigentlich hauptsächlich für Kaufentscheidungsprozesse verwandt wird, aber in jedem Fall übertragbar ist auf ihre Fragestellung. Ich habe Ihnen dazu mal ein kleines Abstract beigefügt.
http://marketing.byu.edu/htmlpages/courses/657/laddering.htm
Was mich daran schon immer fasziniert hat, ist dass diese Methode eigentlich ein Fragetechnik aufgreift, die Kinder intuitiv anwenden: Nach jeder Antwort ein neues ?Warum?. Das ist das, was teilweise das Erwachsenenhirn dann verzweifeln lässt, weil man tatsächlich irgendwann auf "Glaubensgrundsätze" stösst.
Natürlich, wie auch schon im anderen Beitrag erwähnt ist das mit Sicherheit auch nicht die Komplettlösung, aber mit Sicherheit ein interessanter Ansatz, der sich kombinieren liesse.
Mit Grüssen
Saskia Frauscher
Stephan Magnus schrieb:
Christoph Schlachte schrieb:
Um Überzeugungen usw. zu erfragen gibt es Fragetechniken und Theorien aus dem Bereich der Psychologie und Linguistik. Diese setzen sehr voraus, dass die Befragten Lust & Laune haben die Fragen zu beantworten, sowie eine entsprechende Haltung der Frager. Es gibt nach meinem Wissen - nicht die Methode schlechthin dazu -. Eher viele offene Fragen in der Wissenschaft.
Klar. Es gibt übrigens noch als Ergänzung auch die ethnograpischen Methoden, die ja versuchen, die Zusammenhänge im Wesentlichen über Beobachtung zu ergründen.
Und für mich bleibt die Frage, was möchten Sie damit erreichen. Also, angenommen es wäre zufrieden stellend möglich, was ist Ihr Ziel?
Oh, das ist ziemlich praktisch. Sie stehen in einem Workshop und wollen mit den Teilnehmern ein Simulationsmodell erarbeiten. Um das zu können, müssen Sie kausale Zusammenhänge herausfinden, das ist nämlich die Ausgangsbasis, ein Modell zu basteln. Sie müssen in den Köpfen versteckte Glaubenssätze ergründen, um sie explizit modellieren zu können.
Das dies ein Work-in-Process ist, sollte klar sein. Das ist ja gerade der Witz an vielen Simulationen, das die Leute beginnen, direkt mit ihren bisherigen Glaubenssätzen zu arbeiten.
Grüße
Stephan Magnus
- 24 Aug 2005, 6:18 pm
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Christoph Schlachte Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^3: Perfekte Fragetechnik
Hallo Herr Magnus,
dann noch zwei Fragen, die sich auf Ihre letzten Absatz bezieht - dann beginnen die Leute mit ihren Glaubenssätzen zu arbeiten, usw. -
Wieso wählen Sie einen kausalen Ansatz, wenn es um Überzeugungen und demnach um Denk & Handlungsstrukturen geht, bzw. lassen sich diese Prozesse sinnvoll in eine Kausalität abilden?
Viele Grüße, Christoph Schlachte
Stephan Magnus schrieb:
Christoph Schlachte schrieb:
Um Überzeugungen usw. zu erfragen gibt es Fragetechniken und Theorien aus dem Bereich der Psychologie und Linguistik. Diese setzen sehr voraus, dass die Befragten Lust & Laune haben die Fragen zu beantworten, sowie eine entsprechende Haltung der Frager. Es gibt nach meinem Wissen - nicht die Methode schlechthin dazu -. Eher viele offene Fragen in der Wissenschaft.
Klar. Es gibt übrigens noch als Ergänzung auch die ethnograpischen Methoden, die ja versuchen, die Zusammenhänge im Wesentlichen über Beobachtung zu ergründen.
Und für mich bleibt die Frage, was möchten Sie damit erreichen. Also, angenommen es wäre zufrieden stellend möglich, was ist Ihr Ziel?
Oh, das ist ziemlich praktisch. Sie stehen in einem Workshop und wollen mit den Teilnehmern ein Simulationsmodell erarbeiten. Um das zu können, müssen Sie kausale Zusammenhänge herausfinden, das ist nämlich die Ausgangsbasis, ein Modell zu basteln. Sie müssen in den Köpfen versteckte Glaubenssätze ergründen, um sie explizit modellieren zu können.
Das dies ein Work-in-Process ist, sollte klar sein. Das ist ja gerade der Witz an vielen Simulationen, das die Leute beginnen, direkt mit ihren bisherigen Glaubenssätzen zu arbeiten.
Grüße
Stephan Magnus
- 24 Aug 2005, 7:49 pm
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Stephan Magnus Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: Perfekte Fragetechnik
Die Formulierung war nur so absolut, weil der Titel dann potentiellen Lesern auffällt . . . : ) Hätte ich geschrieben: Cause-Effect-Relationships from interviews (wie es in der entsprechenden Diskussion in der System Dynamics-Newsgroup hieß), dann hätte das kaum jemand angesprochen.
Die "Warum?"-Fragetechnik haben gerade die Japaner in den 70/80ern in den Unternehmen und Fabriken im Westen eingesetzt, um die Prozesse bis ins letzte zu verstehen.
Die eigentliche Herausforderung ist die, dass man versucht Dinge herauszufinden, nach denen Menschen zwar handeln, die ihnen aber nicht bewusst sind. Das Modellbauen und Simulieren gibt dann eine Möglichkeit, explizit mit diesen Glaubenssätzen zu arbeiten.
Zu direkt kann man die Leute meistens nicht fragen, weil dann keine Antwort kommt.
- 25 Aug 2005, 11:26 am
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Stephan Magnus Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: Perfekte Fragetechnik
Wieso wählen Sie einen kausalen Ansatz, wenn es um Überzeugungen und demnach um Denk & Handlungsstrukturen geht, bzw. lassen sich diese Prozesse sinnvoll in eine Kausalität abilden?
Können Sie mir mal vormachen, wie Sie eine Computersimulation ohne kausale Zusammenhänge aufbauen?
Außerdem: beim Simulieren im Bereich der dynamischen Systeme ist es gerade eines der Hauptziele, die kausalen Zusammenhänge mit allen Rückkopplungen und Nebeneffekten bewusst zu machen, um besser zu entscheiden, oder die Ideen/ Strukturen zu ändern. Es soll sichtbar werden, von was z.B. Entscheidungen abhängen und was sie beeinflussen.
- 25 Aug 2005, 11:31 am
