Simulation und Gaming

Simulation und Gaming

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  • Stephan Magnus
    Stephan Magnus    Premium Member   Group moderator
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    Re^8: Wo sind die Simulationen?

    Und genau diese Modelle sind es, die immense Komplexität aufweisen. Ich hab früher im mil. Bereich gearbeitet - ich brauche Ihnen wahrscheinlich nicht zu erzählen wie sehr man bei den Simulationsspezialisten "juhu" gerufen hat, als nach der Wiedervereinigung die ganzen riesigen Modelle über Einsatzdoktrin des Warschauer Paktes obsolet waren.
    Aber klar! Das ist wie die schönen Change-Projekte, die man aufgesetzt hat und dann der Vorstand wechselt, der NATÜRLICH sofort etwas Anderes machen muss . . .

     
    Wenn es eine entscheidende Motivation und Mission für mich gibt, sich mit Simulationen zu beschäftigen, dann ist es, dass man nicht jede Erfahrung machen muss.
     
    Tja, der alte Menschheitstraum - lernen ohne Schmerz. Wie realistisch das ist weiss ich ehrlich gesagt nicht.

    Eigentlich bin ich ja durchaus zufrieden, dass dies mit Simulation und Voraussagbarkeit nur eingeschränkt klappt, dass zeigt die Offenheit der Zukunft, die Fähigkeit zu Überraschung und Kreativität und Wahlfreiheit. Eine Welt, die perfekt simulierbar wäre, dürfte ziemlich langweilig sein.
    Daher nutze ich Simulation zum Suchen von Erkenntnissen für kleine Schritte. Wie wir Menschen es eben in unserem Leben immer tun.
  • Stephan Magnus
    Stephan Magnus    Premium Member   Group moderator
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    Re^9: Wo sind die Simulationen?

    Das Bierspiel sagte mir nichts.Also habe ich es mal in der wikipedia nachgeschlagen. Nun das Bierspiel bildet aber eine Kette oder einen Ablauf ab der an sich knostant ist. Das heißt im Prinzip bleiben die Ziel des Käufers, des Verkäufers und auch der anderen Teilnehmers immer gleich. Das heißt das System ist in sich schon beschreibbar.
    Bei der Politik sehe ich das sehr kritisch. Die tatsächlichen absichten sind meistens ungleich mit den Aussagen.

    Das fasziniernde am Bierspiel ist, wieviel Chaos die Teilnehmer anrichten können (und auch tun), obwohl das System simpel und beschreibbar ist. Der Lerneffekt ist, dass viele Katastrophen im Unternehmen selbstgemacht sind und nicht die Weltwirtschaft oder sonstwer dran schuld ist. Eine gute Beschreibung sind die Anfangskapitel von "Die fünfte Disziplin" von Peter Senge.

    An diesen Beispiel sieht man das die Akteure des Politikdramas einen sehr starken einfluß nehmen. Und das es durchaus möglich ist in einem gewissen Bereich Regeln einfach neu zu definieren.
    Eine sehr bekannte Case Study aus dem System-Dynamics-Bereich handelt von Leasing-Konditionen der amerikanischen Autokonzerne. Die Welt draußen lief nicht so, wie die Autobosse sich das vorstellten, also führten sie ein Modellierungs- und Simulationsteam im Unternehmn ein. Das fand heraus, dass der Markt nach ganz anderen Regeln spielt als die Bosse das dachten. Also musste man die Regeln anpassen . . .

     
    Warum sich diese Simulationen nicht veröffentlicht werden hängt glaube ich mit der angreifbarkeit in der öffentlichkeit zusammen. Die erwartungshaltung der öffentlichkeit ist, egal was sie sagen, ein Garantieanspruch.
     
    Das heißt wenn sie behaupten unsere Simulation zeigt das wenn Fall a) eintrifft einen effekt von b) dann werden sie sehr schnell zu hören bekommen das ihre Simulation nicht funktioniert weil ihre grundannahmen falsch sind.
    Sagen sie aber Ihr Modell würde bei folgenden vorraussetzungen eintreffen, dann wird sofort behauptet das dies genau nicht eintreffen wird und ihre Simulation deshalb falsch sei.
     
    Das heißt sie müssten für jede Eventualität die irgendwie ihre Simulation beeinflusst eine Lösung parat haben. bzw. Ihr Modell muss darauf grundsätzlich positiv reagieren.
    Ich glaube aus genau diesen Grund redet niemand in der Öffentlichkeit.
     
    Nein, ich glaube nicht an diesen Automatismus. Aber in einer demokratischen >Gesellschaft basiert die Entscheidungsfindung auch auf Information und >Diskurs. Es ist ja wohl kaum ein Argument dass man die Öffentlichkeit nicht >informieren muss, wenn sie dann eh "falsch" entscheidet.
     
    Ich glaube in bestimmten bereichen macht man in der Öffentlichkeit immer etwas falsch. Denn wir leben in einer Gesellschaft in der nur die Fehler laut herausgeschrien werden und nicht in einer die auf ihren Erfolge beruft.

    Das ist wohl nur zu wahr . . . Es stimmt, auch in Unternehmen erwarten die Teilnehmer immer die "richtige" Antwort. Das die bei permanent veränderlichen Bedingungen morgen schon falsch sein kann, wird nicht gesehen. Und die Öffentlichkeit will es sicher noch eindeutiger.
  • Stephan Magnus
    Stephan Magnus    Premium Member   Group moderator
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    Re^10: Wo sind die Simulationen?
     
    Wobei ich übrigens den Planspielen überhaupt nichts absprechen möchte um "Basismechanismen" bewusst zu machen. Nur für die grossen Probleme der Gesellschaft wird man sich wahrscheinlich noch ein bisschen schwer tun - sowas zu modellieren (es gibt eine Multi-Agent basierte Simulation, wie sich Gerüchte in der Gesellschaft verbreiten. Ich hab das Ding vor einigen Jahren bei der British Telecom gesehen - so ein kleiner Teilaspekt - aber der war schon faszinierend).

    Bei den Soziologen entsteht ja seit einiger Zeit eine Clique, die sich mit "Artificial Societies" beschäftigt, im wesentlichen genau so Multiagenten-Systeme. Dadurch kommt überhaupt erstmal sowas wie unwillige, eigenverantwortliche Teilnehmer in manche Theorie. Zu meinen Studienzeiten waren die Formeln in der Wirtschaftswissenschaft immer schön linear und eindeutig. Jetzt gibt es erste Tools, damit ein wenig zu spielen, ein wenig "real live" hineinzubringen.
    Denn diese Aussagen der VWL waren zwar weitab der Realität, sie hatten aber Wirkung auf Wirtschaftspolitik u.a.
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    Dr. Helmut Obermeier
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    Re^11: Wo sind die Simulationen?
    Stephan Magnus schrieb:
     
    Bei den Soziologen entsteht ja seit einiger Zeit eine Clique, die sich mit "Artificial Societies" beschäftigt, im wesentlichen genau so Multiagenten-Systeme. Dadurch kommt überhaupt erstmal sowas wie unwillige, eigenverantwortliche Teilnehmer in manche Theorie. Zu meinen Studienzeiten waren die Formeln in der Wirtschaftswissenschaft immer schön linear und eindeutig. Jetzt gibt es erste Tools, damit ein wenig zu spielen, ein wenig "real live" hineinzubringen.
    Denn diese Aussagen der VWL waren zwar weitab der Realität, sie hatten aber Wirkung auf Wirtschaftspolitik u.a.
    >

    Ein Kollege von mir ist schon seit einigen Jahren im Bereich Multi-Agents tätig. Da lassen sich ganz lustige Dinge bauen, v.a. wenn diese kleinen Biester eigenständige Strategien und Counter-Strategien lernen bzw. über Verhandlungsprotokolle in teams arbeiten. Ist eine interessante Technologie - leider zu wenig im Einsatz.
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  • Olaf Rathgeb
    Olaf Rathgeb    Premium Member
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    Re^3: Wo sind die Simulationen?
    Hallo Herr Magnus,

    Hmm, gerade im Bereich der System Dynamics ist es ja gerade die Idee, unseren Menschenverstand und unsere Glaubensstrukturen zu hinterfragen und zu erkennen, in welchen Situationen wir regelmäßig völligen Unsinn entscheiden. Ich mache da in Seminaren meist ein paar einfache Übungen, die zeigen, wie wir zu Entscheidungen kommen. Gerade in komplexen Strukturen entscheiden wir besonders schlecht und gerade dort lohnen sich Simulationen. Meine Gegenfrage wäre also: wie können wir uns zutrauen, in einer Situation zu entscheiden, in der wir uns noch nicht mal in der Lage sehen, eine Simulation aufzustellen?
     

    Darf ich fragen, mit welcher Art von Übungen Sie die unzureichende Entscheidungsfähigkeit in komplexen Situationen in Ihren Seminaren darstellen? Das klingt nach einem interessanten Ansatz.

    Viele Grüße,
    Olaf Rathgeb
    This post was modified on 11 Feb 2011 at 08:59 am.