Neulich saß ich in der S-Bahn und wurde Zeuge eines KiTa-Ausflugs,
die kleinen Stepkes brachten abwechselnd ihre Beobachtungen ein und ich wunderte mich still über die Art und Weise der Kommunikation.
Da sagte ein kleiner Junge "Da ist ein Garten!", und zeigte aus dem Fenster.
Ein kleines Mädchen antwortete: "Meine Oma hat auch einen Garten."
Der nächste Junge: "Meine Oma hat auch einen Garten."
Erster Junge: "Meine Oma hat keinen Garten."

Das sagten sie nicht nur einmal sondern jeder wiederholte so ungefähr zehnmal exakt dieselbe Aussage.
Nachdem die vermutlich perfekt ausgebildete Erzieherin, diese Äußerungen auch noch spiegelte:
"Deine Oma hat auch einen Garten." bzw. "Deine Oma hat keinen Garten."
dachte ich spontan, das sei eine gute Vorlage für eine Monty Python Show...

Nachdem der Garten offensichtlich abgekaut war, kam die nächste Beobachtung mit der selben Prozedur.
"Kuck mal, die Frau hat einen dicken Bauch. Da ist ein Baby drin."

"Ich hab auch einen dicken Bauch!" - Überraschung bei den anderen Kindern und der Erzieherin.
"Ist da auch ein Baby drin?" Kopfnicken. Schweigen.
"Meine Mama hat auch einen dicken Bauch." ...
...

Nachdenklich verließ ich die S-Bahn. Was haben wir Menschen doch für ein enormes Bedürfnis "gesehen zu werden". Und wenn ich es mir recht überlege, so unterscheiden sich manche Dialoge und Diskussionen zwischen Erwachsenen nicht wirklich strukturell von diesem Beispiel.
Gesehen werden und einen Sinn finden in dem was ich tue; Unterstützung für meine Weiterentwickung bekommen, meinen Platz in der Gemeinschaft finden und Wege, wie ich zum Gemeinwohl beitragen kann.
Wichtige Bedürfnisse, die ich durch angewandte Soziokratie erfüllt sehe.

Gemeinsam werden Ziele vereinbart und Wege entworfen, wie wir diese erreichen wollen und mit welchen Mitteln.
Gemeinsam werden die dafür nötigen Aufgaben und Funktionen verteilt, und zwar im Konsent, nach offener Diskussion.
Gemeinsam werden Probleme gelöst, die uns auf unserem Weg begegnen.

Ich finde meinen Platz. Ich bin nicht nur ein Rädchen im Getriebe, sondern Designer des "Getriebes" und "Rädchen" zugleich.

Ich kann bestimmen und bestimmt werden zugleich. In Balance zwischen Geben und Nehmen.

Inspirierend!