Wirtschaftsfaktor Sprache

Wirtschaftsfaktor Sprache

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  • Christine Holtz-Stosch
    Christine Holtz-Stosch    Premium Member
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    Chinglish & Co.
    Englisch ist nicht nur für die deutsche Exportwirtschaft die internationale Kommunikationsbasis. Für viele weltweit tätige Unternehmen ist die Globalisierungssprache auch intern zur Hauptsprache geworden. Das bedeutet, dass sämtliche Texte auf Englisch erstellt und ins Deutsche übersetzt werden.

    Stark im Kommen sind Texte in „asiatischem“ Englisch - egal ob Geschäftsberichte, Finanz- und Marketinganalysen oder technische Dokumentationen. Die Formulierungen muten manchmal etwas blumig oder exotisch an. Der Sinn erschließt sich dann erst auf den zweiten Blick.

    Neben dem offiziellen „Asian English“ gibt es noch weniger offizielle Ausprägungen: das in Japan praktizierte „Engrish“ und das „Chinglish“ in China. Sie stehen für die komischen oder lustigen Fehler englischer Speisekarten- und Werbetexte in diesen Ländern. Beispiele wie “Dry Fried Ass Meat in Xiang Style” finden Sie bei http://www.engrish.com/ oder http://chinglish.de/

    Hoffentlich fallen die chinesischen Stilblüten nicht dem sprachlichen Kehraus vor der Olympiade zum Opfer.;-)
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  • Freddie Rutz
    Freddie Rutz    Premium Member
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    Re: Chinglish & Co.
    Hallo Frau Holtz-Stosch,

    wenn bei all den globalen Lösungen einmal mehr der Mensch im Vordergrund mit all seinen Fehlern stehen würde und nicht wie in unseren Wirtschaftsgebieten das Denken, wie man in Asien noch mehr Kohle verdienen kann, dann würde man einfach akzeptieren, das auch sprachliche Barrieren einfach nur Zeit und gegenseitiges Verständnis brauchen.

    Ich habe oft in Japan gearbeitet und war auch oft privat in Asien. Eines der Hauptprobleme im Gespräch in Japan ist, dass mein Gegenüber mir nicht mitteilen wollte, das er/sie mich nicht verstehen konnte, obwohl er/sie mit dem Kopf bejahend genickt hatte. Das führte im Nachhinein zu grossen Diskussionen, weil ich behauptete, besprochenes erwähnt zu haben, was auch stimmte. Nur konnte dies mein Gegenüber nicht bestätigen, erstens weil er/sie es sowieso nicht verstanden hatte und zweitens, wenn er/sie es verstanden hätte, er/sie in diesem Fall das Gesicht verlieren würde. Den sowas gilt dort als grosse Fehler. So gab ich oft klein bei, senkte meinen Kopf und entschuldigte mich, das ich nicht nachgefragt hätte, ob meine Gegenüber mich auch verstanden hätte....

    Ich arbeite Momentan für zwei grosse Aufträge für Samsung. Alle kommunikativen Mitarbeiter von Samsung, welche unsere Verbindungsglieder nach Korea sind, sind in Deutschland geborenen Koreaner und sprechen perfekt beide Sprachen Deutsch und Koreanisch. Oder, sie sind perfekt Deutsch sprechende Koreaner, die hier schon lange leben und sogar hier studiert haben. Dazu sprechen alle auch die Businesssprache Englisch. Wenn nun einmal jemand etwas falsch weiterleitet, wird so oft nachgefragt, bis die Frage oder die Antwort entsprechend verstanden wurde. Und da in Korea keine 35 Stunden Woche herrscht, kann dies locker mehrere Stunden oder Tage dauern.

    Wir tun in meinen Augen gut daran, unseren Nachwuchs dahin auszubilden, dass sie viel mehr verschiedene Sprachen lernen.

    Hier eine kleine Anekdote: Mein Name ist Freddie Rutz. Ich erhielt in Japan einen Namensstempel in japanischen Zeichen, mit welchen man meinen Voramen nicht so schreiben kann. So wurde daraus fr-ue-di : Das soll so viel heissen wie "dirty ugly mud"! Mein Nachname wurde oft wie lu-zz ausgesprochen. Wie Ihr Name in Asien ausgesprochen wird, wüde ich auch gerne wissen? :-) Sorry!

    Ja, man muss schon öfters schmunzeln, wie andersprachige die eigenen Worte aussprechen. Davon weiss ich genug, denn als Schweizer wird man hier in Deutschland oft genug darauf hingewiesen. Doch bin ich der Auffassung, dass man niemals jemanden auslachen sollte, der versucht, sich in einer anderen Sprache zu verständigen.
  • Christine Holtz-Stosch
    Christine Holtz-Stosch    Premium Member
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    Re^2: Chinglish & Co.
    Ja, wollen wiL das MuLLen und KnuLLen Luhen lassen;-)
  • Nicola Werdenigg
    Nicola Werdenigg    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Chinglish & Co.
    es gibt bestimmt etliche asiaten, die sich darüber "abhauen" könnten wie deutsche, amerikaner, engländer, franzosen etc. ihre sprache übersetzen. den meisten verbietet es wahrscheinlich der asiatische höflichkeitskodex....
  • Christine Holtz-Stosch
    Christine Holtz-Stosch    Premium Member
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    Re^2: Chinglish & Co.
    Hallo Herr Rutz,

    Engrish, Chinglish, Cheutsch und sonstiger "Sprachsalat" zeigt uns die Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Vielleicht finden wir das deshalb so lustig.

    Tja, die Asiaten wirken auf uns oft unergründlich - die Deutschen fallen dagegen gern mit der Tür ins Haus. Egal wie unterschiedlich wir drauf sind, ist das aktive Zuhören, Nachfragen und differenzierte Reagieren wichtig - gerade bei interkulturellen Projekten.

    Die Verballhornung Ihres Namens im Japanischen ist fast tragikomisch. Sie haben mich aber glatt auf die Idee gebracht, bei unseren Asiaten nach der "Lokalisierung" meines Namens zu fragen.

    A propos Lächerlichmachung anderer Sprachgepflogenheiten: das ist mir als Schwäbin qua Geburt verwehrt, gelten wir doch außerhalb unseres Bundeslandes als sprachunkundig. Aber so ist das eben, wenn man sich mit dem Slogan "Wir können alles außer Hochdeutsch" verkauft.;-)
  • Christine Holtz-Stosch
    Christine Holtz-Stosch    Premium Member
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    Re^4: Chinglish & Co.
    Kennen Sie entsprechende Sites? Das würde mich total interessieren.
  • Freddie Rutz
    Freddie Rutz    Premium Member
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    Re^5: Chinglish & Co.
    Hallo Frau Holtz-Stosch,

    leider nein! Das als Antwort auf Ihre Frage. Ich denke aber, wenn man bei You Tube entsprechende Schlagwörter eingibt, findet man sicher irgend etwas. Abgesehen davon gibt es dort genügend Hirnis, die irgendwelchen Stuss ins Netz setzen.

    Ich war gerade auf Ihrer Website und habe gesehen, dass Sie professionelle Übersetzungen anbieten. Ihr Dilemma, was wahrscheinlich zu Ihrer Frage geführt hat, ist wohl, dass Sie Ihrem Gegenüber nicht in die Augen schauen können oder Sie evtl. "nur" übersetzen, was andere sagen. Dass Sie sich dabei an die Aussagen halten müssen und nicht frei "improvisieren" noch gestalten können, macht das ganze zu einem Präzisionswerk. Oder irre ich mich?

    Wenn Sie also vieles schriftlich erhalten, verstehe ich, dass Sie wahrscheinlich sehr oft schmunzeln müssen. Meine ersten Gedanken in meinem vorhergehenden Beitrag betrafen vorallem das Gespräch von mindestens zwei Personen, wobei mindestens eine davon eine Fremdsprache spricht.

    Gute Nacht


    Freddie Rutz
  • Christine Holtz-Stosch
    Christine Holtz-Stosch    Premium Member
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    Re^6: Chinglish & Co.
    Hallo Herr Rutz,

    bei unserer Übersetzungstätigkeit arbeiten wir in der Tat nicht auf der großen Bühne oder im Konferenzsaal, wo wir unseren Partnern in die Augen schauen können - oder müssen. Präzision ist ebenso gefragt wie Improvisation. Bei technischen Texten ist die Standardisierung der Terminologie durch Einsatz von Translation Memories sehr wichtig. Bei PR- und Marketingtexten hingegen sind die kreativen Spielräume viel größer.

    Wie sagen wir immer: jeder Text ist einmalig, so wie jeder Mensch auf der Erde, und will entsprechend "behandelt" werden.

    Viele Grüße
    Christine Holtz-Stosch
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