Wirtschaftsfaktor Sprache

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  • Wolfgang Hothum
    Wolfgang Hothum    Premium Member
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    Aus MAU wird SCHLAU. Gratis Fachaufsatz zum Thema Text-Qualität und Text-Struktur.
    Machen wir uns nichts vor: Die Welt, in der wir werben, ist knüppelhart ... und der Blick in die Statistik beweist diese These. So liegt die Informations-Überlastung mittlerweile bei 98% - und demnach bleiben nur 2 Prozenz Lese-Energie übrig. Um dieses kleine Rest-Potenzial der Konsumenten buhlen alle. Zum Beispiel die über 60.000 Markenartikel, die es in Deutschland gibt.

    Es spricht daher vieles dafür, dass Marken es ihren Kunden so leicht wie möglich machen sollten, ihre Werbe-Botschaften zu verstehen. Realität aber ist, dass jedes zweite Werbemittel dem Empfänger 20-50 Prozent mehr Lese-Energie abverlangt - und seine Erfolgsaussichten dadurch drastisch sinken.

    Schriften in "Augen-zusammenkneif-Größen" sind heute Alltag ... und damit auch häufig anzutreffende Reaktionsbremsen. Bild-/Text-Verhältnis, Raumaufteilung, Text-Umfang/-Aufbereitung, Form und Einsatz aktivierender Elemente, Farb-Psychogramme, u.v.m.: Die Medien-Gestaltung hält viele Fettnäpfchen bereit,
    in denen sich aus Unwissenheit oder Ignoranz ganze Konzepte versenken lassen.

    Eine fast unerschöpfliche Quelle für formale Mängel ist beispielsweise die Ansprache. Machen wir uns klar: Verständlichkeit ist keine Auffassungssache. Mit Satz und Wortlängen kann man sie fördern - oder ihr massiv im Wege stehen. Ausgeprägter Substantiv-Stil: Warum beherrscht er noch immer Werbemittel und Kunden-Korrespondenz, wo doch jeder längst weiß, dass er zu den größten Glücksverhinderern zählt?

    Der Hang zum Abstrakten macht Einfaches kryptisch. Verstehe deshalb wer will, was MCC Smart seinerzeit der Auto-Nation Deutschland mit Sätzen wie diesen sagen wollte:

    "Der Smart ist das Bekenntnis für die individuelle Optimierung urbaner Mobilität".

    Begriffen hat es kaum jemand - und deshalb blieben die knubbelig-bunten Kleinstwagen damals auch länger als von den Marken-Managern geplant in den Glas-Türmen stehen.

    Heute signalisiert eine Dialog-Struktur-Messung den Entscheidungsträgern innerhalb weniger Stunden, dass sie sich hier sprachlich auf dem Niveau wissenschaftlicher Abhandlungen bewegen. Heute argumentiert die Marke Smart aber auch völlig anders. Jetzt heißt es: "Passt perfekt in jede Stadt!"

    Dies ist eine schnörkellose Aussage die keine Zweifel aufkommen lässt. Und es ist auch ein Plädoyer für eine Sprache, mit der jeder etwas anfangen kann: Weil sie zur Marke passt und von definierten Werten geprägt wird.

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