stART- Kunst | Kultur | Web

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  • Christoph Kufner
    Christoph Kufner    Premium Member
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    Guten Tag - ich freue mich
    Liebe Mitglieder der XING-Gruppe "stART- Kunst, Kultur, Web"!

    Wie es auf Xing ein gut eingeführter Brauch ist, möchte ich mich über diesen Weg kurz vorstellen. Meine Name ist Christoph Kufner, ich habe in Linz und Salzburg Wirtschaftswissenschaften sowie Kultur- und Medienmanagement studiert, bin gebürtiger Oberösterreicher und lebe (mit einjähriger Unterbrechung) seit acht Jahren in Wien.

    Beruflich hat es mich von Anfang an in die Kultur verschlagen. Zunächst war ich (mit Überschneidungen zu anderen Aktivitäten) beim Blechbläser-Ensemble "Pro Brass" (http://www.probrass.at) für alles außer Komponieren und Musizieren zuständig (Tourneen u.a. nach Japan, Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland), anschließend wechselte ich in das Künstlerische Betriebsbüro der Wiener Symphoniker (http://www.wiener-symphoniker.at). Nachdem ich meine Diplomarbeit abgeschlossen hatte ("Metaphern in der Organisationskultur am Beispiel der Wiener Symphoniker") wechselte ich das "Fach" und übernahm für fünf Jahre die Ressortverantwortung für den Bereich "Markting & Presse".

    Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung übersiedelte ich 2009 wieder in meine oberösterreichische Heimat, um als Geschäftsführer des neuen Kultur- und Veranstaltungszentrums Kitzmantelfabrik in Vorchdorf meine gesammelten Erfahrungen an der Schnittstelle zwischen Kultur und Regionalentwicklung einzubringen. Nach Abschluss der damit verbundenen Aufbauarbeit bin ich nun wieder in Wien und widme mich beruflich ganz jenem Bereich, der während meiner vergangenen Beschäftigungen immer schon mein Steckenpferd war: dem IT-gestützten Workflow-Management in Kulturbetrieben.

    Basis dieser Tätigkeit ist die Firma more dimensions GmbH mit Sitz in Wien (http://www.moredms.com). Über unser Kern-Produkt "Evis" stellen wir für Kulturbetriebe eine integrierte Datenbank-Lösung zur Verfügung, mit der nahezu alle Arbeitsbereiche des Kulturmanagements in einer vernetzten Umgebung abgedeckt werden bzw. offene Schnittstellen zu diesen anbieten. Zu unseren Kunden gehören u.a. die Elbphilharmonie Haburg, das Gewandhaus Leipzig, die Tonhalle Düsseldorf, das Wiener Konzerthaus, die Wiener Stadthalle und die Wiener Symphoniker.

    Unsere Philosophie beruht auf der Erfahrung, dass Kulturbetriebe in ihrer täglichen Arbeit oft durch einen geringen Vernetzungsgrad der eingesetzten Werkzeuge behindert werden. Deshalb konzentrieren wir uns auf interne Workflows und versuchen diese, so effizient wie möglich in unserem Produkt abzubilden. Im Ergebnis können unsere Kunden zahlreiche Informationen, die normalerweise mehrfach erfasst werden müssen, automatisch von der Datenbank in das jeweilige Informationsmedium übernehmen - egal ob intern oder extern (zB Konzertkalender Homepage, iPhone- und Android-Applikationen, Drucksorten, interne Logistik und Reports).

    Ich würde mich freuen, wenn ich mich in dieser Gruppe über Erfahrungen aus der Organisation von Kulturberieben austauschen kann. Ich stehe für Anfragen jederzeit zur Verfügung und bin für Anregungen dankbar.

    Auf guten Gedankenaustausch und bis bald,
    Christoph Kufner
  • Christian Henner-Fehr
    Christian Henner-Fehr    Premium Member   Group moderator
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    Re: Guten Tag - ich freue mich
    Hallo Herr Kufner,
    mich würde interessieren, was Ihrer Meinung nach die Gründe dafür sind, dass die eingesetzten Werkzeuge meist nicht vernetzt sind? Ist es die fehlende Kompatibilität der verschiedenen Tools oder liegt es (auch) an den Organisationsstrukturen in den Kulturbetrieben?

    viele Grüße
    Christian Henner-Fehr
  • Christoph Kufner
    Christoph Kufner    Premium Member
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    Re^2: Guten Tag - ich freue mich
    Hallo Herr Henner-Fehr,

    aus meiner Sicht lassen sich die Gründe für die fehlende Vernetzung von Informations-Tools in Kulturbetrieben grob in zwei Gruppen gliedern: 1) Unzulänglichkeiten der verwendeten Tools und 2) Restriktionen in der Organisation des einzelnen Betriebs (unabhängig von eingesetzten Software-Tools), wobei 1) oft ein Ergebnis von 2) ist.

    Zu 1)

    Oft besteht das Defizit von Tools bereits darin, dass das Wissen über deren Verfügbarkeit (noch unabhängig von deren Finanzierbarkeit) relativ gering ist. Wenn man sich - quasi als Beweis dieser These - Stellenausschreibungen für Kulturjobs ansieht, dann reichen meistens Fertigkeiten im Umgang mit Office, vielleicht noch im Content Management von Homepages und im Umgang mit Grafik-Tools. Alle diese Tools verbindet ihre Eigenschaft, dass sie die verarbeiteten Informationen oft nicht aus derselben Quelle beziehen - zumindest aber nicht automatisiert. Fairerweise muss man dazu sagen, dass diese Tools auch nicht als Datenbank-System ausgelegt wurden, sondern für die Arbeit in Einzelplatz-Umgebungen. So ist Excel ein mächtiges Werkzeug, wenn ich nur für mich selbst an Datenbeständen arbeite, gerät aber schnell an seine Grenzen, wenn ich gemeinsam mit Kollegen und gleichzeitig an Projektdaten, Budgets, Kontaktdaten oder Logistik-Dispositionen arbeiten will.

    Die fehlende Kompatibilität der Tools rührt auch daher, dass sie nicht aus der Perspektive eines ganzheitlichen Workflow-Managements erstellt wurden, sondern zur Lösung von Einzelproblemen. Word ist keine Datenbank für das Dokumentenmanagement, Excel ist kein Buchhaltungs- und Budgetierungstool, InDesign ist kein Konzertkalender und das iPhone ist keine Dispo-Liste - obwohl die verarbeiteten Informationen identisch sind bzw. sich um dieselben Informationen gruppieren.

    Und zuguterletzt erschweren viele vernetzte Tools die tägliche Arbeit in Kulturbetrieben dadurch, dass sie sich zu wenig um Spezialfälle unserer Branche kümmern und damit aufwändige Workarounds notwendig machen, die oft dazu führen, dass die verantwortlichen Mitarbeiter lieber bei den selbst gestrickten Insellösungen bleiben, weil diese unter dem Strich effizienter sind. Das betrifft etwa Fragen der Textformatierung, wenn ich Daten für Drucksorten, Internet und iPhone-Apps übernehmen will, oder steuerliche Besonderheiten bei der Übernahme von Dispo-Listen in die Buchhaltung.

    Zu 2)

    Vernetztes Arbeiten bedeutet 1) Transparenz, 2) konsequentes Arbeiten in einem gemeinsamen Schema und 3) Aufgabe bisher gewohnter (mitunter bequemer) Insellösungen. Insofern ist ein Großprojekt, in dem die internen Workflows auf eine gemeinsame Basis gestellt werden sollen, mit einer gehörigen Portion Veränderung und Mehraufwand zum sonstigen Tagesgeschäft verbunden. Die sachlichen und emotionalen Fallstricke sind nicht unerheblich - bis hin zu Angst um den Arbeitsplatz, wenn durch automatisierte Datenübernahmen ganze Arbeitsbereiche wegfallen. Deshalb ist die Einführung integrierter Workflow-Systeme eine ganz wesentliche Führungsaufgabe - als Vorbildfunktion (auch der Chef sucht sich nun seine Informationen selbst und ruft nicht den Assistenten an), als Vertrauensfunktion (weniger Aufwand in der Administration bedeutet mehr Zeit für kreative Aufgaben) und als Entscheidungsinstanz, welche die Brücken zu den alten Lösungen abreißt.

    In diesem Zusammenhang muss man vor allem einen Irrtum aus der Welt schaffen: dass die optimale IT-Lösung bedeutet, dass alle organisatorischen Gegenheiten so bleiben können wie sie immer schon waren. Wenn ich durch eine Veränderung in meinen Software-Tools eine Verbesserung meiner Gesamtperformance erzielen will, dann MUSS sich auch organistorisch etwas ändern. Ansonsten wäre die Software lediglich dazu da, bestehende Strukturen zu zementieren und sie - auch nicht ausschnittweise - zu hinterfragen.
  • Christian Henner-Fehr
    Christian Henner-Fehr    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Guten Tag - ich freue mich
    Ich kann Ihnen da in allen Punkten nur zustimmen. Wie lassen sich denn Ihrer Meinung nach zumindest die Informationsdefizite beheben, damit wir es schaffen, in Kunst und Kultur über MS Office hinaus zu blicken? Ich denke, das wäre ein erster wichtiger Schritt, der wahrscheinlich enorm viel bringt.
  • Christoph Kufner
    Christoph Kufner    Premium Member
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    Re^4: Guten Tag - ich freue mich
    Die Informationsdefizite lassen sich zunächst dadurch beheben, dass wir uns in Foren wie diesen vernetzen. Mit "Vernetzung" ist auch eine Kompetenz angesprochen, um die es bei diesem Thema ganz generell geht. Wir sprechen eben NICHT von einem Spezialproblem der EDV-Abteilung, sondern von einem fächerübergreifenden Generalthema, das unter Zuhilfenahme von IT-Tools ganz maßgeblich positiv beeinflusst werden kann.

    Aus unserer Erfahrung in der Implementierung solcher Systeme bei Kulturhäusern lassen sich spannende Generalthemen ableiten - dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um das Gewandhaus Leipzig mit einem Schwerpunkt auf Orchester- und Kammermusik (sowie vieler Fremdeinmietungen) handelt oder die Wiener Stadthalle mit einem Schwerpunkt auf großen Pop- und Rock-Acts. Diese Themen gelten dem Prinzip nach auch für kleine Organisationen - selbst dann, wenn alle Tätigkeitesbereiche von nur einer Person durchgeführt werden.

    Das Generalthema betrifft eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die sich schon aus der Kunst selber ergeben müsste: Wir arbeiten am selben Ding. Das gilt nicht nur für die Ausstellung, das Konzert, die Opernpremiere und die Performance, sondern auch für die dahinter liegenden organisatorischen Schritte. Ich möchte dies an einer scheinbar einfachen Information illustrieren: ein Künstlername. Egal ob in einem großen oder kleinen Kulturbetrieb taucht er unglaublich oft auf und wird (zumeist) genauso oft manuell eingegeben:

    * Homepage
    * mehrere Drucksorten (Flyer, Jahresprogramm, Monatsprogramm)
    * Facebook
    * Handy-Applikation
    * Personaldisposition (Wochen-, Monats-, Jahrespläne)
    * Belegungslisten Künstlerzimmer
    * Hotel-, Flug-, Auto-Buchungen
    * Künstlervertrag, Rechnung, Finanzbuchhaltung und Budgetposition
    * Telefonanlage
    * mehrere Handy-Kontakte
    * Archiv-Datenbank
    * Presseverteiler
    * Agentur-Kontakt
    * VIP-Einladungsliste
    * Geburtstagsliste
    * etc.

    Wenn man die Minuten aufaddiert, die für die separate Eingabe dieser einfachsten aller Informationen aufgewendet werden, und diese Summe mit der Anzahl der Künstler multipliziert, ergibt sich eine erste Ahnung, von welchem Potenzial wir sprechen. Gleichzeitig multiplizieren sich die Fehlerquellen, Änderungen müssen ebenso oft durchgeführt werden und die Vernetzung zu anderen Arbeitsbereichen geht verloren.

    Um wieder auf Ihre Frage zurückzukehren: In unserer Tätigkeit bei More Dimensions haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Probleme, die sich aus solchen Strukturen ergeben, lange verdrängt werden. Wenn sich aber eine Kulturorganisation einem Beratungs- und Softwareprojekt öffnet, dann treten diese Probleme sehr intensiv zutage - das lässt sich mit Korken vergleichen, die mühsam unter Wasser gehalten werden - wenn sich einer den Weg zur Wasseroberfläche bahnt, dann ploppen auf einmal zahlreiche andere ebenso nach oben.

    Wenn gewünscht, kann ich einige Facetten dieser Problematik anhand der von uns bei unseren Kunden implementierten Lösungen und anhand unseres Software-Pakets "Evis" illustrieren - möchte aber nicht, dass unser Dialog zu einer reinen Werbeveranstaltung wird :) Aber mit Bildern und konkreten Lösungen lässt sich oft viel besser zeigen, wie Dinge in der Praxis gelöst werden können.
  • Christian Henner-Fehr
    Christian Henner-Fehr    Premium Member   Group moderator
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    Re^5: Guten Tag - ich freue mich
    Hallo Herr Kufner,
    danke für das schöne Beispiel. Mich würde das schon weiter interessieren und selbst wenn es Werbung für ein Produkt ist: das halte ich schon aus. ;-)

    Vielleicht macht es aber Sinn, aus diesem Vorstellungsbeitrag rauszugehen und mit einem neuen Beitrag zu starten, denn von "Guten Tag, ich freue mich" schließt man wohl kaum auf eine Software und all die Dinge, die dahinter stecken. :-)