Stockfotografie und Bildagenturen
Posts 1-1 of 1
-
Ute Jansing Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Artikel "Mut zur Perspektive" - der Einsatz von Perspektive in Bildern
Beim Einsatz von Bildern kann der Blickwinkel entscheidend sein
Nur allzu oft treffen wir auf Bilder, die aus der immer gleichen Perspektive heraus aufgenommen wurden. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, mit der Wahl des Standpunktes den Blickwinkel zu verändern, um so eine fotografisch andere Botschaft zu vermitteln oder um mehr Aufmerksamkeit beim Betrachter zu erlangen.
Perspektiven (von lateinisch perspicere = hindurchsehen, hindurchblicken) in der Fotografie stellen im eigentlichen Sinne nur unterschiedliche Standpunkte im Moment des Aufnehmens dar. Seit jeher aus der Malerei bekannt, spielt das Übertragen des dreidimensionalen Raums ins zweidimensionale Bild natürlich auch bei der Fotografie eine sehr wichtige Rolle.
Zumeist trifft man als Art Buyer auf Motive, die frontal aufgenommen wurden. Aber genau diese Position bietet dem Betrachter des Bildes aufgrund der Häufigkeit dieses Blickwinkels später nur wenig Abwechslung.
Was kann man dagegen tun? Bei der Auswahl des Bildes nicht den Standard nehmen, sondern das Besondere: Ein Bild mit Perspektive – vielleicht sogar einer radikalen Perspektive – wählen! Man muss sich nur trauen. Es ist so simpel und wird doch so oft vernachlässigt: Einfach mal den Standpunkt wechseln und das Motiv von einem anderen Winkel aus zeigen. Dieser kleine Schritt kann die Wirkung beim Bildeinsatz enorm verändern.
Doch welche Möglichkeiten bieten sich hierzu an? Deshalb hier ein kurzer Einblick in unterschiedliche Perspektiven - welche gibt es und was dahinter steckt.
Die Zentralperspektive
Bei der Zentralperspektive gehen die Sehstrahlen von einem Augpunkt aus, raumparallele Kanten scheinen in der Projektion in einen Punkt zu fluchten. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird unwillkürlich zum Bildmittelpunkt geführt. Oftmals ist bei solchen Aufnahmen zudem der Bildaufbau symmetrisch. Dies ist eine sehr gebräuchliche Form des Aufbaus, die Ordnung und Führung zu einem bestimmten Motiv auf dem Bild bietet. Bilder etwa, die in einen Tunnel hinein aufgenommen werden, lassen automatisch diesen Eindruck entstehen.
Die Zentralperspektive bezeichnet die Betrachtung eines Objektes aus normaler Augenhöhe. Die Augenhöhe kann je nach Größe des Fotografen beziehungsweise der Aufnahmehöhe der Kamera eine kleine Differenz bei der Wirkung entfalten. Führende Linien vermitteln eine Tiefe ins Bild hinein.
Die Vogelperspektive
Die Vogelperspektive ist – der Begriff ist ja selbsterklärend - der Blickwinkel eines Vogels - aus der Luft heraus gesehen: Das Bild entsteht „von oben“. Sie bezeichnet die Betrachtung eines Gegenstandes oberhalb der Augenhöhe. Dafür muss der Fotograf nicht gleich in die Luft gehen oder fliegen. Oftmals reicht es schon seinen Standpunkt zu erhöhen um den gewünschten Effekt zu erzielen. In geschlossenen Räumen genügt es zumeist bereits, einen Stuhl, einen Tisch oder eine Treppe als Hilfsmittel zu wählen.
Schwindelerregende Höhen bieten hierbei Hochhäuser, Aussichtsplattformen oder auch mal ein Schiffsmast. Weitgefächerte Landschaftsaufnahmen sind natürlich am besten aus einem Helikopter heraus zu machen. Dies kann jedoch schnell einen erhöhten Kostenfaktor ins Spiel bringen, der nicht jedermanns Sache ist. Vor einigen Jahren verlangten Bildagenturen generell einen „Luftbildzuschlag“ von bis zu 100 Prozent. Aber das ist mittlerweile bei den meisten Anbietern Vergangenheit.
Doch welche Wirkung hat diese Perspektive auf den Betrachter? Bilder aus der Vogelperspektive heraus fotografiert vermitteln oftmals das besondere Gefühl der „Erhabenheit“, auch der „Freiheit“.
Manchmal dagegen kann dies fast schon in eine Art „Voyeurismus“ kippen, wenn etwa Personen fotografiert werden. Es kann der Eindruck des „heimlichen Belauschens“ entstehen. Im Extremfall sogar der der „Überheblichkeit“, als wäre das Objekt „von oben herab“ fotografiert worden.
Eine besondere ironische Qualität der Vogelperspektive liegt darin, dass durch Aufnahmen aus der Höhe „große“, wichtige Dinge als „klein“ abgebildet – quasi: entlarvt - werden können.
Die Froschperspektive
Die Betrachtung eines Motives von einem Punkt unterhalb der normalen Augenhöhe - eben wie ein Frosch, der auf dem Boden sitzend nach oben schaut - wird als Froschperspektive bezeichnet. Noch griffiger ist die englische Bezeichnung „worm's-eye view“. Mindestens die Kamera liegt in dieser Position des Fotografierens sozusagen auf dem Boden, ihr Blick geht nach oben. Wir kennen diesen Winkel aus der Architiktur- oder Werbefotografie, sie ist ein beliebtes Mittel um z. B. Gebäude (noch) größer aussehen zu lassen: Aus einem kleinen Hochhaus wird dann schnell mal ein Wolkenkratzer. Kleine Pflanzen mutieren zu riesenhaft aussehenden Bäumen, die fast schon eine bedrohliche Wirkung ausstrahlen können.
Diese „Untersicht“ kann aber auch bewusst dazu eingesetzt werden, um beim Betrachter „Erniedrigung und Unterlegenheit“ zu suggerieren. Personen werden durch diesen Blickwinkel quasi auf den Sockel eines Denkmals gehoben, erhalten ein Flair der „Überlegenheit und Macht“.
Die Farbperspektive
Eine der interessantesten Methoden, Perspektive zu erzeugen, ist der Einsatz von Farben! Es entsteht ein Tiefeneindruck, indem vorne, in der Mitte oder hinten unterschiedliche Farben dominant eingesetzt werden. Meistens dominieren im Vordergrund warme Farben und nach hinten hin kältere Grün- und Blautöne.
Die Luftperspektive
Um Landschaftsdarstellungen die Illusion des Tiefenraumes zu verschaffen werden Gegenstände oder Personen im Vordergrund mit einem weiten Horizont im Hintergrund abgebildet. Die Kontraste nehmen von vorne nach hinten ab und die Helligkeit nimmt von vorne nach hinten zu. Dadurch wird ein Tiefeneindruck erzeugt.
Das Panoramabild
Wenngleich nicht als Perspektive im engeren Sinne zu bezeichnen, so gibt das Panoramabild über seine Weite täuschend echt eine Art perspektivische Sicht wieder. Eine Rundblick auf meist eine Landschaft ist ein freier Blick über den ganzen Horizont. Es handelt sich natürlich nicht wirklich um 360 Grad bei dem Blick, aber der Ausschnitt kommt dem schon sehr nahe, täuscht diesen ganzheitlichen Blick auf die Landschaft vor. Mittels eines Spezialobjektives lässt sich dieser Effekt auch auf kleinräumige Objekte übertragen.
Der Einsatz solcher Motive wirkte vor einigen Jahren noch schlichtweg sensationell. Mittlerweile hat der Aufmerksamkeits-Effekt, den solche Aufnahmen erzeugen, aber deutlich nachgelassen. Für Städteansichten oder Naturaufnahmen, etwa eines weiträumigen Gebirges, ist Panoramafotografie aber immer noch eine gute Wahl, weil das Auge des Betrachters auf ihnen „sehr weit wandern“ kann.
Fischaugenprojektion
Eine extreme Perspektivenveränderung ist über die Form der Fisheye-Technik möglich. Motive werden mittels eines Spezialobjektives über eine optische Konstruktion kreisrund abgebildet, es kommt zum „Fischaugeneffekt“. Es handelt sich hierbei um eine sphärische Projektion, am Rande wird alles kleiner als in der Bildmitte abgebildet. Der Name kommt angeblich daher, dass ein Fisch, der von unten aus dem Wasser schaut, diesen Blickwinkel haben soll.
Geeignet ist dieser Effekt um z. B. einen ganzen Raum abbilden zu können. Auch Landschaften bieten hierfür ein gutes Motiv. Jedoch ist dieser sehr auffällige Effektes nur sparsam zu verwenden, da ein Zuviel den Betrachter schnell langweilt oder gar ermüdet. Oftmals ist sein Einsatz nichts weiter als eine Spielerei.
Effekte
Zum Abschluss sei die Möglichkeit erwähnt, Perspektive über Effekte zu erzeugen. Ein vermeintlicher Zoom innerhalb des Bildes - der sogenannte Zoom-Effekt - läßt einen Fluchtpunkt entstehen, der dazu führt dazu, dass räumliche Tiefe entsteht.
Ein anderer Effekt entsteht, wenn vor einem unscharfen Hintergrund ein scharfes Motiv positioniert ist. Hierdurch rückt ein Teil des Bildes vermeintlich in den Vorder- oder Hintergrund und erzeugt so eine Tiefen-Illusion, die im weitesten Sinn auch eine Perspektive darstellt.
Eine Variante dieses Effektes besteht darin, durch Montage ein fremdes Motiv in das
Bild einzufügen. Unsere alltägliche Erfahrung sagt uns, dass etwas nicht „stimmig“ ist, aber der Effekt verfehlt gerade dadurch nicht seine Wirkung. Auch so kann eine räumliche Wirkung erzeugt werden..
Fazit
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Perspektive in Bildern möglich ist durch räumliche und oder farbliche Unterschiede oder Effekte. Egal, ob das Motiv Menschen sind oder Tiere, eine Landschaft ins rechte Bild gerückt werden soll oder ein Gegenstand optimal abgelichtet werden soll, die Gesetze der Perspektive gelten immer.
Achten Sie in nächster Zeit darauf, wann wer über welches Medium die unterschiedlichen Perspektiven nutzt. Dadurch bekommen Sie ein besseres Gefühl für den passenden Einsatz von Bildern mit einer Perspektive und können erfolgreich ein eigenes Projekt umsetzen.
Mögliche Suchbegriffe für perspektivische Ansichten:
Perspektive, Zentralperspektive, Froschperspektive,
Vogelperspektive, Farbperspektive,
Luftperspektive, Panorama, Fischauge,
Fisheye, Zoom, von oben, von unten,
scharf/unscharf, herabsehen, hinaufsehen,
Fluchtpunkt, Zielpunkt, perspektivisch,
Schärfeverlauf, Draufsicht, Zoom, Zoomeffekt,
Effekt, Langzeitbelichtung, Schärfedifferenz,
räumlich, 3-D
Artikel erschienen in:
Magazin PICTORIAL - Art Buyers Digest 4/2010
http://www.pictorial-online.com/
Über die Autorin:
Nach mehr als 10 Jahren Erfahrung in der Werbebranche gründete Ute Jansing die Bildagentur Pitopia, Karlsruhe,
http://www.pitopia.de. Die Geschäftsführerin verantwortet die Bereiche Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation sowie die Redaktion.
Kontakt und Download Artikel mit Bildbeispielen
http://www.pitopia.de
http://food.pitopia.de
- 28 Jun 2010, 4:52 pm
