Stockfotografie und Bildagenturen
Posts 1-1 of 1
-
Ute Jansing Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Artikel über Dynamik in Bildern "Lust auf Illusion"
LUST AUF ILLUSION
Wer hätte das gedacht: Dynamik in Bildern hat mit Erfahrung zu tun.
Als PDF mit Fotos unter:
http://www.pitopia.de/data/press/38-41_art_basics_PIC62010.p...
Was ist ein dynamisches Bild? Darauf gäbe es viele Antwortmöglichkeiten, denn erstens wäre entscheidend in welchem Kulturkreis diese Frage gestellt wird und zweitens wie viel (Lebens-)Erfahrung der Befragte hat. Denn um Dynamik in einem Bild empfinden zu können muss der Betrachter erst einmal dynamische Prozesse erlebt haben, um sie dann auf starre Bilder übertragen zu können.
Der Begriff Dynamik (v. griech. dynamiké — mächtig bzw. dynamis — Kraft) steht für (vorwärts)treibende oder auf Veränderung gerichtete Kraft, innere Bewegung, Elan, Triebkraft und hat meistens etwas schwungvolles, kraftvolles, mitreißendes. Es wird damit eine zeitliche Entwicklung in Zusammenhang gebracht. Dies ist bei laufenden Bildern, also einem Film, ganz simpel. Jedoch gibt es auch viele Varianten von dynamischen Bildern, die nicht laufen. Das ist ziemlich praktisch, denn ein Magazin kann keinen Film einspielen, ebensowenig ein Prospekt, ein Bild auf einer Website usw. Natürlich möchten auch diese Medien mit dynamischen Bildern glänzen. Es schafft Aufmerksamkeit, zieht den Betrachter an, manchmal stößt es ab, es kann irritieren oder einfach nur Spaß beim Betrachten verursachen.
Dynamik in Bildern hat viel mit Bewegung zu tun. Entweder es bewegt sich ein Mensch oder ein Objekt oder es macht den Anschein als ob. Selbst eine simple Zeichnung kann Dynamik ausdrücken.
Im folgenden werden Varianten von Dynamik vorgestellt.
Dynamik über Bewegung
Das ist der Klassiker unter den Möglichkeiten. Ein schnell fahrendes Fahrzeug oder ein sich bewegender Mensch erzeugen Dynamik. Der Betrachter hat den Eindruck das Objekt oder der Mensch bewegen sich. Wobei doch ganz klar ist, es ist nur ein Bild und kein Film. Manchmal ist der Effekt so stark, dass man regelrecht die Geschwindigkeit zu spüren scheint, mit der sich ein Motiv durch das Bild bewegt. Wobei unterschieden werden kann ob sich ein Objekt oder Mensch vom Betrachter entfernt oder auf ihn zukommt. Verstärkt werden kann die Bewegung durch Schärfe des Hauptmotivs und Unschärfe der Umgebung. Dann kann das Bild richtig Speed bekommen. Nun ist hier aber noch wichtig von wo nach wo sich das Objekt bewegt. In den Kulturkreisen, wo von links nach rechts gelesen wird kommt der Betrachter besser mit sich nach rechts bewegenden Motiven zurecht. Ein Phänomen, dass erst bei genauerer Überlegung erkennbar ist. Aber jeder sieht einfach lieber Gewohntes, da man dafür weniger Zeit braucht um es zu begreifen. Irreführend kann es schon sein, wenn Sie einen Text von links nach rechts lesen und ein Bild daneben platziert wurde, was sie immer wieder in die Gegenrichtung schauen läßt.
Dynamik durch Andersartigkeit
Eine interessante und außergewöhnliche Variante. Die bekannteste dürfte der Fisch sein, der gegen den Strom schwimmt. Hat fast jeder schon gehört und vieleicht auch gesehen. Der Betrachter kann sich kaum entscheiden in welche Richtung das Auge gehen soll. Hier spielt Farbe oft eine wichtige Rolle, da der Effekt durch Verwenden von kontrastreichen Farben nochmals verstärkt werden kann.
Dynamik über Unschärfe
Hier spielt natürlich auch Bewegung eine Rolle. Aber selbst bei ganz unscharfen Bildern ist die Dynamik erstaunlicherweise immer noch gut auszumachen. Dabei erscheint es kaum noch wichtig was auf dem Bild zu sehen ist. Die Unschärfe des Motives bringt Bewegung ins Spiel. Es spielt keine Rolle, ob die Aufnahme zufällig oder absichtlich entstand.
Dynamik über Zoom
Der sogenannte Zoom-Effekt ist eine kreative Möglichkeit um einem Bild eine dynamische Komponente zu verleihen. Bildelemente bewegen sich von der Bildmitte zum Bildrand. Durch das Zoomen während der Aufnahme entsteht das Gefühl von Schnelligkeit, als ob sich der Betrachter selbst nach vorne bewegt oder nach hinten ausweicht. Meistens wird der Eindruck von enormen Tempo vermittelt, was die Dynamik noch verstärkt. Dieser Effekt ist oft in Verbindung mit Bewegungsunschärfe zu finden.
Dynamik über angedeutete Bewegung
Was glauben Sie wird bei dem Bild passieren, wenn es plötzlich Wirklichkeit werden würde? Könnten Sie die Antwort wissen, wenn Sie es noch nie gesehen hätten oder die physikalischen Prozesse nicht kennen würden? Vermutlich nicht. Sie sehen ein Bild, wo sich nichts bewegt, aber Sie denken gleich an das, was passieren wird - Dynamik ist entstanden.
Dynamik über Tiefenwirkung
Beim längeren Betrachten von Bildern mit Tiefenwirkung entsteht erst nach etwas Zeit der Eindruck von Dynamik. Wie ein Sog magisch angezogen wird man hineingezogen ins Bild. Oder es kommt etwas heraus aus dem Bild bzw. es hat natürlich nur den Anschein als ob, in gewisser Weise entsteht also eine 3-D-Wirkung. Je länger das Bild betrachtet wird umso tiefer taucht man quasi ins Bild hinein und befindet sich irgendwann mitten drin oder findet alles zum Greifen nah.
Dynamik über Perspektive
Bilder mit Perspektive bieten vielfältige Effekte und ein leicht dynamischer Hauch ist einer davon. Von Tempo kann man hier nicht sprechen, aber der Betrachter kommt unwillkürlich in Aktion beim Anschauen und manchmal ist nicht ganz klar, ob der Kopf eher nach links oder nach rechts gehen muss um den Eindruck der Perspektive zu erfassen. Ganz typisch ist ein Bild in einem Treppenhaus, am besten von oben herab mehrere Stockwerke nach unten. Wenn es besonders gut gelungen ist scheint man herunterzufallen. Kein Bewegen des Motivs, keine Unschärfe und trotzdem entsteht ein dynamischer Eindruck.
Dynamik über Langzeitbelichtung
Eigentlich ist ein Bild mit Langzeitbelichtung fast schon ein sehr kurzes Filmchen, nur kann man den nicht abspielen. Man muss sich ihn vorstellen. So entsteht sie - die Dynamik bei einem Bild mit Langzeitbelichtung. Der Betrachter läßt in seinem Kopf automatisch einen Film ablaufen. Besonders deutlich und witzig ist dieser Effekt, wenn eine Person mehrfach im Bild zu sehen ist, das hat dann schon experimentellen Charakter.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Erkennen von Dynamik in Bildern ein Bestandteil der Seherfahrung ist. Intuitiv versucht man beim Betrachten eines Bildes das Bild "gerade zu rücken" und genau dadurch entsteht oft ungewollt Dynamik. Das ist eine natürliche Sinnesreaktion entstanden durch Erfahrung und Wiedererkennen von Bekanntem. Lassen Sie Bilder auf sich wirken und versuchen Sie nicht den Effekt zu entzaubern. Denn dann entgeht Ihnen die wunderbare Welt der dynamischen Bilder, das wäre wirklich sehr schade. Oder haben Sie keine Lust auf Illusion? Nichts anderes ist die Dynamik in einem Bild ja eigentlich - die Illusion in unserem Kopf etwas zu sehen, was eigentlich nicht da ist.
Artikel erschienen in:
Magazin PICTORIAL - Art Buyers Digest 6/2010
http://www.pictorial-online.com/
Über die Autorin:
Nach mehr als 10 Jahren Erfahrung in der Werbebranche gründete Ute Jansing die Bildagentur Pitopia, Karlsruhe,
http://www.pitopia.de. Die Geschäftsführerin verantwortet die Bereiche Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation sowie die Redaktion.
Kontakt
http://www.pitopia.de
http://food.pitopia.de
- 26 Oct 2010, 11:36 am
