Strukturwandel Schweiz

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  • Raffael A. Grassi
    Raffael A. Grassi    Premium Member   Group moderator
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    Liebe Strukturwandlerinnen und Strukturwandler,

    Der folgende Beitrag ist der NZZ-Online entnommen:
    In Zusammenhang mit den WTO-Verhandlungen befindet sich ein Mandats-Entwurf in der Konsultation, welcher eine Senkung der Importzölle für Agrarprodukte um bis zu 70 Prozent vorsehen könnte. Jacques Chavaz, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft, bestätigt gegenüber der NZZ eine entsprechende Meldung der Sendung «Echo der Zeit» von Radio DRS. Laut Chavaz steht der Vorschlag bereits seit einiger Zeit im Raum. Wenn die exportorientierte Schweiz die Vorteile des Mitmachens in der WTO geniessen wolle, müsse sie Verhandlungsbereitschaft zeigen. Laut Chavaz geht es beim Mandats-Entwurf darum, dem Bundesrat Verhandlungsspielraum einzuräumen. Der Schweizerische Bauernverband wehrt sich gegen eine «Aufweichung des WTO-Verhandlungsmandats» und weiss bereits heute von den zu erwartenden Einkommenseinbussen; das bäuerliche Einkommen soll dann wegen der zunehmenden Importe bis um 60 Prozent zusammenfallen. Chavaz bestätigt, dass es zu einem herben Einkommensverlust kommen könnte. Deshalb ist auch schon von Begleitmassnahmen die Rede. Ironischerweise könnte ausgerechnet diese trübe Aussicht dem Ansinnen nach einem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU in Bauernkreisen Auftrieb geben. Denn ein solches würde nicht nur den Grenzschutz abbauen, sondern den Schweizer Bauern auch neue Märkte öffnen.
    Ein weiteres Kapitel aus dem Bereich "geschützte Werkstätte Landwirtschaft Schweiz". Es ist wohl allen klar, dass Vorzüge für den Export auch mit Zugeständnissen beim Import zu kompensieren sind. Wollen wir auf ausländischen Märkten gleichlange Spiesse wie die Konkurrenz erhalten, müssen wir dies hierzulande auch zulassen. Der Bundesrat hat wohl endlich eingesehen, dass die sinnlose Erhaltung von nicht konkurrenzfähigen Strukturen nicht länger finanziert werden sollte. Und was macht der Bauernverband, politisch der SVP sehr nahestehend? Er fordert lauthals die Strukturerhaltung! Erstaunlicherweise ist aus dem wirtschaftsflügel der SVP zu diesem Thema nicht viel zu hören...was nachvollziehbar ist - denn die schweizer Landwirtschaft verhält sich ja alles andere als marktgerecht...und es bestünde ja die Gefahr, dass die SVP an diesem inneren Widerspruch seiner Mitglieder Schaden nehmen könnte - da ist es gut, wenn man andere Schlachtfelder bearbeiten kann (Affäre Widmer-Schlumpf, Mörgeli/Mörgele usw.).

    Eine Frage müssen sich alle Bürgerinnen und Bürger in diesem Land ernsthaft stellen. Wollen wir den freien Marktzutritt in anderen Ländern? Als Export ortientiertes Land eigentlich eine überflüssige Frage...Wollen wir uns diese Möglichkeit verbauen, nur um uns weiterhin einen überteuerten Heimatschutz zu leisten - notabene finanziert aus unser aller Steuergelder?

    Ich meine, dass unsere Bauern überleben können...jene die als Unternehmer sich eine Marktnische suchen, die für ausländische Anbieter nicht interessant sind. Dafür ist man hier in der Schweiz bereit, Geld auszugeben...aber die Zeiten, wo man für Früchte und Gemüse überteuerte, weil hoch subventioniert, Preise zu bezahlen (Zucker, Salat, Milchprodukte etc.) hat, sollten wir endlich in die Mottenkiste der Geschichte wegschliessen...

    Ich hoffe, der Bundesrat zeigt Rückgrat und setzt sich gegen die Lobbyisten vom Bauernverband durch. Und dem Bauernverband wünsche ich, dass er mehr Aufwand in den Sturkturwandel seiner Mitglieder steckt, als unendliche an längst überholen Strukturen festzuhalten...es wurde übrigens von Seiten des Bundesrates bereits erwähnt, dass die Übergangsphase von der Subventionspolitik in eine freie Marktwirtschaft im Landwirtschaftssektor durch "Begleitmassnahmen" (Unterstützungsbeiträge) zu bewerkstelligen sei. Wenn dann dieser Web beschritten würde, dann würde ich diese einmaligen Zahlungen noch einmal unterstützen...weil sie den Strukturwandel beschleunigen...