Success trotz Handicap
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Haiko Herrmann(not a XING member)Wann beginnt die Nichtgleichbehandlung ?
ich möchte die Frage als Nichtbehinderter hier stellen aus folgendem Grund : Zwei sehr gute Freunde von mir haben im easy internetcafe in münchen ein Servicecenter. Das Internetcafe kann mit dem Rollstuhl ohne Einschrenkung durch den Vordereingang (hier ist eine Rampe)betreten werden.
Nun gibt es ja viele Einrichtungen, egal welcher Art, wo Menschen mit Rolli klingeln sollen um dann den Hintereingang zu benutzen !
Ich selbst empfinde dies als Diskriminierung ? Wie seht Ihr das ? Nehme ich das zu ernst ?
- 05 Feb 2007, 7:01 pm
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Imke HeyderThe company name is only visible to registered members.Re: Wann beginnt die Nichtgleichbehandlung ?
Ich denke, das hängt (unter anderem) auch sehr von den baulichen Möglichkeiten ab.
Natürlich ist es wünschenswert, wenn allen Menschen ein problemloser Zugang durch den Haupteingang ermöglicht werden kann.
Andererseits würde ich persönlich es nicht als Diskriminierung empfinden (wobei es mich ja auch nicht persönlich betrifft, zugegebenermaßen), wenn eine Firma/Einrichtung/Lokalität etc., die zum Beispiel in einem unter Denkmalschutz stehenden alten Altstadthaus (mit alten engen Türen, 3 schiefen Treppenstufen und noch 'nem schön schmalem Bürgersteig davor) ansässig ist, aus der Situation einfach das Beste macht und sagt: tut uns Leid, vorne durch den Haupteingang geht's halt nicht, für eine Rampe ist da einfach kein Platz mehr, aber wenn Sie klingeln, kommen wir sofort und sind Ihnen behilflich.
Wenn natürlich (jetzt übertreibe ich ein bisschen) mitten in der modernen Fußgängerzone beim funkelnden und großzügig entworfenen Neubau erst hinterher auffällt, dass man ja dummerweise beim Bau der pompösen Freitreppe nicht daran gedacht hat, dass es vielleicht auch Leute gibt, die nicht so einfach Treppen steigen können (betrifft ja auch Menschen mit Kinderwagen oder ältere Leute zum Beispiel) und man die dann mal eben hinten durch den schäbigen Hinterhof zum Lieferanteneingang lotst - das halte ich dann doch schon für "unter aller Sau", um es mal salopp auszudrücken.
Ich kann mir aber vorstellen, dass andere Leute das vielleicht anders sehen Daher fände ich eine Diskussion zum Begriff Diskriminierung (hat eigentlich mal jemand eine offizielle Definition davon?) schon sehr spannend.
Um sie gleich mal anzuheizen, hier ein paar persönliche Gedanken von mir zu dem Thema:
Insgesamt scheint mir die Frage, was Diskriminierung ist und was nicht, oft auch als sehr abhängig vom persönlichen Empfinden (und vielleicht auch ein bisschen von der Empfindlichkeit) jeder/jedes einzelnen. Also eben "was wird als Diskiminierung empfunden?". Und zwar ganz unabhängig davon, gegen wen sich die Diskriminierung wendet.
Ich persönlich in meiner Eigenschaft als Frau finde es zum Beispiel _nicht_ diskriminierend, wenn in einer Stellenanzeige steht, dass aufgrund der Geschlechterverteilung in einem Team ganz gezielt oder zumindest nach Möglichkeit ein Mann gesucht wird. Gerade im pädagogischen Bereich, wo Männer noch immer sehr selten sind, empfinde ich jeden Mann im Team dem Grunde nach als eine Bereicherung (natürlich personenabhängig, ob er's dann auch tatsächlich ist *g*). Insbesondere Jungen brauchen (auch) männliche Erzieher. Oder was soll eine Frau eine Jungen- oder Männergruppe leiten? Auch umgekehrt gibt es bestimmt gute Gründe, unter bestimmten Bedingungen lieber eine Frau einstellen zu wollen - man denke nur an Frauenhäuser oder andere Angebote, die spezifisch für Frauen sind.
Trotzdem ist es heutzutage nicht mehr erlaubt und gilt als diskriminierend, wenn gezielt nach einem Mann (oder umgekehrt auch nach einer Frau) gesucht wird --- sicher nicht ganz zu unrecht, wenn man sich vor Augen hält, wie schwer es auch heute noch für Frauen ist, in bestimmten Berufen Fuß zu fassen und umgekehrt aber auch für Männer, sich in den so genannten "Frauenberufen" zu etablieren. Aber aus meiner Sicht eben auch nicht in dieser Absolutheit nachzuvollziehen.
Oder als anderes Beispiel: Ich habe von einigen blinden Menschen gehört, dass sie es als diskriminierend empfinden, wenn Menschen ihnen dauernd ihre Hilfe anbieten, zum Beispiel beim Überqueren der Straße. Ich habe aber auch von anderen blinden Menschen gehört, dass sie es als diskriminierend empfinden, wenn ihnen niemand hilft. Was ist diskriminierend und was nicht? Wer entscheidet das?
Oder noch ein Beispiel: Viele Menschen mit Behinderungen, die ich kenne, fühlen sich diskriminiert, wenn Menschen sie intensiver betrachten ("anstarren"). Sie fühlen sich aber auch diskriminiert, wenn die Menschen woanders hingucken, weggucken. Aber wo genau liegt die Grenze zwischen "anstarren", "ablehnend betrachten", "interessiert betrachten", "einen 'normal desinteressierten' Blick über eine fremde Person streifen lassen und wieder woanders hingucken" und "peinlich berührt weggucken"? Wer entscheidet, mit welcher Absicht eine Person geguckt hat? Wann ist es Diskriminierung und wann nicht?
Ich glaube, es besteht oft die Gefahr, jedes in irgendeiner Form abweisende oder benachteiligende Verhalten gleich als Diskriminierung zu interpretieren. Damit will ich keineswegs die Diskriminierung als solche verharmlosen. Aber nach meinem Verständnis bedeutet Diskriminierung doch, dass ich jemanden AUFGRUND z.B. seiner Behinderung ablehne oder benachteilige. Wenn ich also einen Menschen ablehne und nicht zu meiner Party einlade, weil er mir einfach extrem unsympathisch ist - dann ist es doch egal, ob das ein Mensch mit oder ohne Behinderung ist.
Wenn ich aber sage: "Mit dem Behinderten will ich nix zu tun haben, der soll mal schön draußen bleiben!" - dann ist das Diskriminierung. Aber genauso würde ich es als Diskriminierung empfinden, wenn ich sagen würde: "Ich kann den zwar auf den Tod nicht ausstehen, aber weil er nun mal behindert ist, darf ich ihn ja nicht ausschließen" - Oder?
Meiner persönlichen Meinung nach ist das allerwichtigste doch immer noch die Grundhaltung, die wir anderen Menschen gegenüber einnehmen. Wenn wir anderen Menschen mit Respekt begegnen und uns gegenseitig unsere Einzigartigkeit zugestehen, müssten wir doch eigentlich im Großen und Ganzen gut miteinander auskommen, oder? Unabhängig von Behinderung, Haarlänge, Intelligenz, Konfektionsgröße, Geschlecht, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Lieblingsfarbe.
So viel erstmal von mir - oh oh, ich sollte nicht immer solche Romane schreiben...
Aber wehe, wenn sie losgelassen! ;-)
Ich würde mich über eine spannende Diskussion zu diesem Thema freuen.
Imke Heyder
- 06 Feb 2007, 12:54 pm
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Haiko Herrmann(not a XING member)Re^2: Wann beginnt die Nichtgleichbehandlung ?
Seit meinem Zivildienst vor 13 Jahren achte ich intensiver auf solche Dinge und selbst bei Neubauten fällt mir auf, daß die Eingänge für Menschen die einen Rollie benutzen immer Hinten oder an der Seite sind !
- 06 Feb 2007, 3:39 pm
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