IT -Teststrategien, -umsetzung, -technologien

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  • Markus Zimmer
    Markus Zimmer
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    Usability-Tests?
    Hallo,

    mich würde mal interessieren, inwieweit in euren Unternehmen Usability-Tests bzw. generell Methoden des Usability Engineerings durchgeführt werden?

    Es gibt in vielen Publikationen zum Thema Test den schönen Satz:
    „Ein System, das nach Ende der Tests keine offenen Fehler mehr hat, erfüllt nicht unbedingt die Erwartungen des Anwenders.“
    Als Gegenmaßnahme wird dann meistens das frühe Einbeziehen der Endanwender in den Entwicklungsprozess genannt.

    Hier können z.B. frühzeitige Masken-Prototypen sehr hilfreich sein, die zusammen mit Endanwendern in Workshops diskutiert werden.
    Oder auch ein iterativer Entwicklungsprozess. Sobald ein Teilbereich der Anwendung fertig gestellt ist, könnte man Endanwender einladen, die einige Geschäftsfälle, die schon funktionieren, durchführen sollen. Dabei sollte man dann ganz genau beobachten, was für sie leicht zu bedienen ist, und was aus Anwendersicht ehr umständlich gelöst wurde.

    Das dieses Thema ein Trend ist, dem immer mehr Bedeutung zukommen wird, steht - denke ich - außer Frage. Es gibt viele Firmen, die sich auf Dienstleistungen rund um Usability Engineering spezialisiert haben, und damit anscheinend sehr gut Geld verdienen.
    Diese haben meistens professionelle „Usability-Labs“ inkl. Videoaufzeichnung und Eye-Tracking-Systemen. (siehe z.B. http://www.ergosign.de, http://www.uidesign.de oder http://www.eresult.de)

    Ich persönlich habe das Gefühl, dass diesem Thema in vielen IT-Projekten noch nicht ausreichend Bedeutung zugesprochen wird!
    Wie ist euer Eindruck?
    Was habt ihr für Erfahrungen mit diesem Thema in euren Projekten gesammelt?

    Freundliche Grüße
    Markus
  • André Siegenthaler
    André Siegenthaler    Premium Member
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    Re: Usability-Tests?
    Guten Tag Herr Zimmer

    Bei uns ist das es in den meisten Fällen schon so, dass wir ziemlich rasch die ersten Teile einer Applikationen (Fenster) bereitgestellt bekommen von unserem Softwarehersteller. Damit können wir in einer ersten Phase, wärend der Realiserung bereits mit der Applikation oder deren Änderung spielen und gewisse Unschönheiten finden und gegebenfalls anpassen.
    In einer spätern Phase werden je nach Applikation auch ein Teil der Kunden-USER für Tests eingespannt, vor allem dann wenn Änderungen / Erweiterung auf dern Anregung durchgeführt wurden.

    Somit werden die User bei den Tests intergriert.

    Gruss, André Siegenthaler
  • Michael Böll
    Michael Böll    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Usability-Tests?
    ich bin der Meinung, dass man auf jeden Fall frühzeitig auch an Usability denken muss. Der Kunde soll das Produkt, und ihn interresiert nicht ob es eine perfekte Architektur hat, ob alle Test perfekt gelaufen sind. Er will seine Aufgaben so leicht wie möglich erledigen und nur wenn er sich sofort "heimisch" findet wird er auch das Produkt kaufen.
    Ich habe momentan selber ein grosses Projekt, in dem wir einen eigenen Usability Test gemacht haben und uns einen Check von einer Expertin gegönnt haben. (Fr. Prof. Beck, siehe meine Kontakte)
    Grosse Usability-Labors sind in meinen Augen aber für die meisen Projekte total übertrieben. Man kan mit eigenen Mitteln schon viel erreichen ohne gleich die Budgets zusprengen. Man muss es nur machen!

    PS.: die Regionalgruppe NRW SOFTWARETEST vom ASQF organisiert übrigens für das nächste Treffen einen Vortrag zum Thema Usability
  • Markus Zimmer
    Markus Zimmer
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    Re^3: Usability-Tests?
    Hallo Herr Böll,

    ich stimme Ihren Aussagen 100% zu!

    - der Kunde will sich mit dem Produkt wohlfühlen
    - Usability und entsprechende Methoden, um diese Eigenschaft sicherzustellen sind wichtig
    - es muss nicht ein professionelles Usability-Lab sein, um gute Ergebnisse zu erreichen
    - man muss es einfach nur tun und in der Projektplanung von Anfang an entsprechend berücksichtigen

    Ich finde es auch gut, dass Sie in Ihrem Projekt eine Usability-Expertin "gemietet" haben.
    Die Beurteilung von Usability-Aspekten wird meiner Meinung nach viel zu oft von GUI-Entwicklern oder "normalen" Testern verlangt.
    Hier sollte es schon eine Person sein, die eine andere Sicht hat, und im Thema Usability Einfühlungsvermögen besitzt, was vielleicht einige behaupten zu haben, aber nicht jeder hat.
    Dies muss ja nicht unbedingt ein teurer externer Usability Experte sein.

    Bei mir im Bereich habe ich leider das Gefühl, dass das Thema Usability nicht ganz so ernst genommen wird.
    Dies gilt nicht für das ganze Unternehmen: ich weiß auch, dass meine Firma in Deutschland ein eigenes professionelles Usability Lab und einige Usability Experten besitzt, allerdings hatten die Projekte in meinem Bereich damit noch nicht viel zu tun.
    Es gab zwar teilweise Prototypen und StyleGuides, aber diese wurden nicht von Usability Experten erstellt.
    Das komische ist, finde ich, dass es unseren Kunden anscheinend auch nicht wichtig ist.
    Besser gesagt unserem Auftraggeber, der nicht gleichzeitung der Anwender des Produkts ist.
    Ich denke daran liegt das Problem. Der, der uns beauftragt, ist nicht der, der das Produkt benutzt.
    Unser Auftraggeber ist meistens schon zufrieden, wenn die funktionalen Tests durchlaufen, und das GUI nicht ganz schrecklich ist.
    Vielleicht wird dem Auftraggeber das Thema "Usability" aber auch nicht schmackhaft genug verkauft,
    weil die Leute in meinem Bereich selbst nicht 100% hinter dem Thema Usability stehen.

    Ich habe in Ihrem Profil gesehen, dass Sie auch mal bei T-Systems waren.
    Mich würde es freuen, wenn wir uns per EMail etwas austauschen könnten.
    Auch um mehr über den angesprochenen Usability-Vortrag der Regionalgruppe NRW Softwaretest zu erfahren.
    Ich habe Ihnen schonmal die Berechtigung gegeben in meinem Profil meine EMail-Adresse zu sehen.
    Wäre nett, wenn Sie Ihre EMail auch freigeben würden, oder mir einfach eine EMail an meine freigegebene EMail-Adresse schreiben.

    Freundliche Grüße
    Markus Zimmer
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  • Holger Tietze
    Holger Tietze    Premium Member
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    Re^2: Usability-Tests?
    Hallo Zusammen,

    ich bin gerade erst neu in diese Gruppe vorgestossen, wollte es aber nicht versäumen auch etwas zu diesem Thema zu sagen.

    Ich arbeite bei einer Münchner Privatbank als Projekt- und Testmanager. Wir haben es häufig mit gekaufter Software zu tun, die wir erst im Rahmen des Systemtests zum Testen bekommen. Diese Software ist in den meisten Fällen über Jahre hin gewachsen und wurde ständig erweitert, optimiert, angepasst und teilweise redesigned. Was aber jetzt nicht heissen soll, dass hier auch die Benutzerfreundlichkeit zum Zuge kam. Dieser Aspekt ist oft vergessen worden.

    Im Rahmen eines Großprojekts zum Redesign unseres Buchungssytems wurden die Anwenderbanken auch zum Thema Usability eingeladen und man hat sich auf definierte Guidelines für die Benutzeroberfläche geeinigt. Nachdem nun die ersten 4 von 5 Stufen bei uns eingesetzt wurden, muss ich sagen, dass zwar die Guidelines weitestgehend eingehalten wurden, aber die Bearbeitung einzelner Geschäftsvorfälle erheblich länger dauert.

    Wir werden beim Test des Stufe 5 nun auch Wert auf Usability legen. Oft kommt es ja vor, dass bei der Softwareauswahl rein die Funktionalität im Vordergrund steht und die Entscheidungsträger in vielen Unternehmen leider noch nicht sensibilisiert genug sind auch das Thema Usability in ihre Überlegungen mit einzubeziehen, geschweige den einen später betroffenen Mitarbeiter.

    Ich denke, hier liegt noch viel Arbeit vor uns, bis das Thema Usability vom Management als Kriterium akzeptiert wird. Bis dahin müssen wir mit den vielen Anfragen und Beschwerden der Kollegen hinsichtlich der Benutzerbarkeit leben.

    Viele Grüße aus München

    Holger Tietze
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  • Franz Prax
    Franz Prax    Premium Member
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    Re^3: Usability-Tests?
    Hallo zusammen,

    geeinigt. Nachdem nun die ersten 4 von 5 Stufen bei uns eingesetzt wurden, muss ich sagen, dass zwar die Guidelines weitestgehend eingehalten wurden, aber die Bearbeitung einzelner Geschäftsvorfälle erheblich länger dauert.
    Darin liegt auch ein von mir schon häufig beobachteter Fallstrick: Oft wird Usability mit einfacher Bedienbarkeit gleichgesetzt. In der stark optisch orientierten Zeit bedeutet dies häufig viele Icons, viele Menüs und das Ausrichten der Bedienung auf einen Benutzer, der das erste Mal damit zu tun hat -- ist auch naheliegend, denn viele Leute, die im Usability-Bereich tätig sind, nutzen ja auch die zu verbessernde Anwendung "das erste Mal".

    Usability, hat aber auch, und das geht leider häufig verloren, mit "benutzeradäquater" Bedienung zu tun - d.h. passt sich in Bedienbarkeit und Selbsterklärung dem Wissensstand des Benutzers an. Und das kann dann durchaus dazu führen, dass ein erfahrener Benutzer nach einer für ihn (!) passenden Einarbeitungszeit nur mehr "Transaktionscodes" eingeben muss, um einen Geschäftsvorfall auszulösen -- was ja weit von dem entfernt ist, was man so üblicherweise unter Benutzerfreundlichkeit versteht.

    Ein Aspekt, der meiner Meinung nach, beim "Verhübschen" einer Anwendung gerne übersehen wird - und dann zur Verlangsamung von Bedienerschritten führt (wer schon mal einen erfahrenen SAP-User bei seiner Arbeit beobachtet hat, weiß, was ich meine :-)).

    Ciao,
    Franz
  • Holger Tietze
    Holger Tietze    Premium Member
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    Re^4: Usability-Tests?
    Hallo Herr Prax,

    ein sehr interssanter Aspekt den sie da ansprechen. Die Erfahrung mit den bunten Menüs, Buttons und Icons in manchen Anwendungen habe ich auch schon gemacht. In meiner Firma wird gerade Windows Vista getestet und die Kollegen sind nur noch am Fluchen. Eine Kollegin ist für das Formularwesen in unserem Haus verantwortlich und erstellt viele Formulare mit integrierten VBA-Makros. Diese Makros kann sie nun alle überarbeiten, da nichts mehr geht. Auch die gelieferten Anleitungen von Microsoft sind nicht unbedingt aussagekräftig. Ich denke die Entwickler des Betriebssystems haben viel Show und Bunt in die Anwendung gepackt ,aber leider die Funktionalität und Praktikabilität zuhause im Schrank liegen gelassen.

    Wir sind mittlerweile soweit, dass wir bei Windows 2000 bleiben und warten, ob nicht etwas besseres kommt.

    Mit freundlichem Gruß
    Holger Tietze
  • Dr. Hans-Joachim Pross
    Dr. Hans-Joachim Pross
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    Re^5: Usability-Tests?
    Naja,

    wie wäre es denn mit Linux und OpenOffice?
    (Siehe: http://www-304.ibm.com/jct03004c/press/us/en/pressrelease/21... oder http://www-306.ibm.com/software/lotus/openclient)

    Ich selbst "lebe" nun seit April mit einem solchen OpenClient und muß feststellen: Es ist ein wenig anders, aber man gut damit leben...
    Hajo Pros

    Holger Tietze schrieb:
    >...
    Wir sind mittlerweile soweit, dass wir bei Windows 2000 bleiben und warten, ob nicht etwas besseres kommt.