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Paul Dest Group moderatorThe company name is only visible to registered members."Anfang, Hauptteil, Schluß"
Liebe Toastmaster,
Im ersten Kapitel des Handbuchs "Kompetente Kommunikation" lernen wir
Wie jede gute Geschichte benötigt auch Ihre Rede
einen klaren Anfang und Schluss.
Im zweiten Kapitel heißt es dann
Im ersten Redeprojekt haben Sie gelernt,
dass jede Rede eine Einleitung, einen Hauptteil
und einen Schlussteil hat.
Mag dieser Ratschlag - jede Rede solle in einen Anfang, Hauptteil und Schluß gegliedert sein - auf Erfahrung basieren und gut gemeint sein: es soll nicht hinterfragt bleiben, was der Zweck dieses Gliederungskanons ist. Schließlich muss jeder gut gemeinte Ratschlag eine nachvollziehbare Begründung haben. Sonst kann er nicht als "gut gemeint", sondern höchstens als "energisch vertreten" durchgehen.
Daher möchte ich mit folgenden Fragen eine Diskussion eröffnen:
Hat wirklich *jede* gute Geschichte einen klaren Anfang und Schluss?
Welche Vorteile bringt es, eine Rede nach dem Muster "Anfang - Hauptteil - Schluß" zu gliedern?
Gibt es nicht auch Reden, für die es besser wäre, von diesem Muster abzuweichen? Welche?
--------------- Wenden wir uns zunächst den Hinweisen des Handbuchs zu ------------
---- Einleitung ----
Die Einleitung sollte
(1) sofort die Aufmerksamkeit des Publikums erregen und
(2) ihm verdeutlichen, worüber Sie sprechen möchten.
Zu 1:
Sicher sollte die Einleitung möglichst sofort die Aufmerksamkeit des Publikums erregen. Doch ist das eine Anforderung, die idealerweise an die *gesamte* Rede zu stellen ist, also auch an den Hauptteil und Schluss - die Rede sollte so gestaltet sein, dass der Zuhörer sie *durchgehend* aufmerksam verfolgt.
Zu 2:
Die Einleitung soll also eine Vorabzusammenfassung der Rede sein?
---- Schlussteil ----
Der Schlussteil ist die letzte Möglichkeit,
Ihre Aussage und die Hauptpunkte so zu vermitteln,
dass das Publikum sich später daran erinnern kann.
Eine böse Zunge könnte an dieser Stelle umformulieren:
Hast Du das Publikum mit Deiner Rede bis hierhin gelangweilt,
wird es jetzt höchste Zeit, Dein Redner-Image zu retten.
Spute Dich!
Hoffentlich ist das nicht so gemeint und der Redner war nicht schlecht genug, die Möglichkeit, seine Aussage und seine Hauptpunkte zu vermitteln, erst in letzter Minute zu ergreifen.
Was macht also einen Schlussteil zum Schlussteil?
Wenn Sie die Zuhörer informiert haben,
könnten Sie mit einer Zusammenfassung der Gedanken schließen.
Eine Zusammenfassung?
Wenn Sie versucht haben,
das Publikum zu überzeugen oder zu motivieren,
könnten Sie jetzt eine bestimmte Handlung vorschlagen.
Eine Aufforderung?
Offenbar kann ein (guter) Schluss verschieden gestaltet sein.
Woran erkennt man also einen Schluss - ob gut oder schlecht?
Doch nicht etwa daran, dass er am Schluss kommt. Sonst können auch die letzten Punkte des Hauptteils oder gar die Einleitung als Schluss dienen, sofern man die Rede mit ihnen beendet.
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Ich freue mich auf Eure Gedanken.
Viele Grüße,
Paul Dest
- 14 Dec 2009, 10:44 am
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Paul Dest Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^3: "Anfang, Hauptteil, Schluß"
Hallo Franz,
Vielen Dank für Deine Hinweise. Neben mir gibt es weitere Unterstützer Deiner Hinweise. Das weiß ich aus Nachrichten, die mich direkt erreichen.
Als Theoretiker und Aha-Erlebnis-Liebhaber gefällt mir AITA besonders.
Doch mit den Schemata AIDA, AITA und VGZ sind wir bereits bei der fortgeschrittenen Frage, welche Gliederungen bei welchen Redeabsichten der Anfang-Hauptteil-Schluss-Gliederung (AHS) überlegen sind. Bevor wir jedoch zu diesen fortgeschrittenen Themen kommen, würde ich gerne einen klaren Blick über die Basics gewinnen:
Ich glaube, wir sind uns einig, dass die AHS-Gliederung der Keine-Gliederung in den meisten Fällen vorzuziehen ist. Und intuitiv wissen wir natürlich, dass sie deswegen vorzuziehen ist, weil sie dem Redner hilft, seine Redeabsicht zu erreichen.
Doch hätte ich diese intuitive Einsicht gerne in Worte gefasst. Dafür stelle mich mal absichtlich dumm und frage völlig naiv:
Warum sollte ich als Redner nicht sofort im Hauptteil los plappern?
Wozu ein Schluss?
Und provokanter:
Vergeude ich nicht die Lebenszeit meiner Zuhörer oder beleidige sogar ihre Intelligenz, wenn ich im Schluss etwas zusammenfasse, was unmittelbar zuvor im Hauptteil gesagt worden ist?
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Die Frage nach dem Anfang möchte ich sogleich unvollständig andenken:
Mit AIDA und AITA hat Franz schon zwei Beispiele dafür gegeben, welche Funktion der Anfang übernehmen soll: Aufmerksamkeit erregen. Auch in AHS hat der Anfang laut dem Handbuch "Kompetente Kommunikation" diese Funktion.
Wozu ist die Aufmerksamkeit des Zuhörers überhaupt gut?
YouTube eignet sich hervorragend, um diese Frage zu beantworten: Dutzende von "Titel-Bildchen", die auf einer einzigen Bildschirm-Seite anklickbar sind! Welches klicke ich an? - Dasjenige, dessen Bild und Titel meine Aufmerksamkeit am meisten erregt. Der Rest verliert.
Doch an dieser Stelle ist die Filmchen-Auslese noch nicht zu Ende: die ersten Sekunden müssen mir zeigen, dass mein Klick kein Fehler war. Sonst ist das Filmchen genauso schnell wieder weggeklickt.
Selbst dann, wenn ich als Zuschauer keine Möglichkeit habe, wegzuklicken - wie zum Beispiel in einem TM- oder anderem Meeting - , habe ich immer noch die Möglichkeit, innerlich abzuschalten und den Redner zu ignorieren, womit die Erreichung seiner Rede-Absicht bei mir gescheitert wäre.
Halten wir fest:
Um seine Rede-Absicht zu erreichen, muss der Redner die Aufmerksamkeit des Zuhörers gewinnen!
No rocket science so weit.
Aber warum nicht auf den "Anfang" verzichten und diese Funktion dem Hauptteil geben? Einen Aufmerksamkeit erregenden Hauptteil wird jeder Zuhörer garantiert billigen.
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Mit diesem offenen Schluss hoffe ich, Eure Aufmerksamkeit behalten zu haben, und freue mich auf Eure Gedanken und Anregungen!
Viele Grüße,
Paul Dest
This post was modified on 16 Dec 2009 at 02:19 am.- 16 Dec 2009, 02:15 am
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Paul Dest Group moderatorThe company name is only visible to registered members."Alles hat 'nen Anfang, nur die Wurst hat zwei!"
Egal wo ein Rede anfängt, es ist immer ein Anfang,
auch wenn ich mit dem Schluß beginne ist es der Anfang
und dieser hat den gleichen Zweck wie das Bild bei YouTube,
nämlich die volle Aufmerksamkeit und das Interesse des Publikums zu erregen.
Danke für diese Vorlage, Franz! Auch wenn ich mir einbilde zu wissen, wie Du diesen Satz gemeint hast, möchte ich ihn für Zwecke des Gedankenflusses etwas kontextlos interpretieren und ihn in zwei Gedanken zerteilen:
1. Der Anfang ist das, was am Anfang kommt. Sonst hieße er nicht "Anfang".
2. Der Anfang sollte den Zweck haben, Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen.
Wenden wir uns diesen Gedanken nun einzeln zu:
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1. Der Anfang ist das, was am Anfang kommt. Sonst hieße er nicht "Anfang".
Konstruieren wir - für rein theoretische Zwecke - eine *sehr* einfache Rede. Sie muss nicht gut und nicht mal sinnvoll sein. Sie muss nur extrem - ja überspitzt - einfach sein.
Ich schlage folgende Rede vor: "bla bla bla bla bla bla"
Der sich wundernde Leser liest richtig: sechs Mal "bla". Ich nenne dieses Rede-Exemplar die "Wurstrede", weil sie so schön gleichmäßig ist - am Anfang kommt das gleiche wie in der Mitte wie am Schluss: "bla".
Man könnte nun behaupten, diese Rede sei völlig unstrukturiert: es fehlt ihr einfach alles - ein Anfang, ein Hauptteil, ein Schluss. Der "Wurst-Redner" ist dagegen der Meinung, er habe seine Rede lehrbuchmäßig gestaltet. Seine Rede habe durchaus einen Anfang (A), einen Hauptteil (H) und einen Schluss (S), nämlich:
A: "bla bla" <- denn der Anfang ist das, was am Anfang kommt.
H: "bla bla"
S: "bla bla" <- denn der Schluss ist das, was am Schluss kommt.
Anstatt dem "Wurst-Redner" diesen - für mich durchaus nachvollziehbaren - Standpunkt auszureden, besinne ich mich lieber darauf, worum es uns eigentlich geht, nämlich um die Frage "Wie verwirkliche ich als Redner möglichst wirksam meine Rede-Absicht?" und komme zu der Erkenntnis:
Eine Rede in Bausteine zu zerlegen, die sich einzig und allein durch ihre Reihenfolge definieren, bringt uns nicht weiter! Denn egal, ob man die Wurst-Rede als AHS-gegliedert ansieht oder nicht: sie wird dadurch nicht wirkungsvoller!
Im Gegensatz dazu bringt es uns weiter, darüber nachzudenken, welche mentalen Zustände - wie Aufmerksamkeit, Interesse, Wunsch - wir als Redner beim Zuhörer hervorrufen können und welche davon wir beim Zuhörer in welcher Reihenfolge auch tatsächlich hervorrufen sollten, um bestimmte Rede-Absichten zu verwirklichen.
Keine neue Erkenntnis - siehe vorherige Beispiele AIDA und AITA - , aber eine klare. Damit bin ich jetzt im Stande, mich von AHS zu distanzieren. Das A in AHS sollte nicht mehr "Anfang" abkürzen, denn das A ist bereits dadurch der Anfang, weil es in "AHS" am Anfang steht.
Machen wir das Beste draus:
Lassen wir das A in AHS für "Aufmerksamkeit" stehen und kommen somit zum zweiten Gedanken:
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2. Der Anfang sollte den Zweck haben, Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen.
Unzweifelhaft! (Siehe meinen vorherigen Beitrag.)
Ich fände es allerdings besser, wenn der Zuhörer mir seine Aufmerksamkeit nicht nur am Anfang meiner Rede schenkte, sondern auch in der Mitte und am Ende - durchgehend also.
Deswegen wieder etwas naiv und provokant:
Warum die Aufmerksamkeitsfunktion also auf den Anfang beschränken? Die anderen Funktionen - etwa das Aha-Erlebnis - schließen die Aufmerksamkeitsfunktion ja nicht aus. Oder doch?
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Und zum Schluss noch:
Für was lassen wir das H und das S in AHS stehen?
Ich freue mich auf Eure Gedanken und Anregungen!
Paul Dest
- 17 Dec 2009, 6:41 pm
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Paul Dest Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Notation: Wurst würzen! Mit Salz UND Pfeffer!
Vorschlag für Gliederungsschema-Notation
Erklärung anhand von Beispielen:
[A] [I] [T] [A] anstatt von bisher AITA
[A] [I] [D] [A] anstatt von bisher AIDA
[A] [H] [S] anstatt von bisher AHS
[WSP] anstatt von bisher "W(urst), gewürzt mit S(alz) UND P(feffer)"
Was soll der Unfug mit den Klammern?
Damit kann man Strukturen darstellen, in denen einzelne Teile *mehrere* Funktionen übernehmen.
Das Handbuch "Kompetente Kommunikation" sagt zum Beispiel:
Die Einleitung sollte
(1) sofort die Aufmerksamkeit des Publikums erregen und
(2) ihm verdeutlichen, worüber Sie sprechen möchten.
Der Anfang übernimmt diesem Zitat zufolge zwei Funktionen *gleichzeitig*:
(1) A - Aufmerksamkeit erregen
(2) O - Orientierung über die Gesamtrede vermitteln
Hat die Rede auch noch einen Hauptteil und einen Schluss mit bisher nicht weiter benannten Funktionen (X), dann soll notiert werden:
[AO] [X] [X]
Gesucht sind nun die Xs!
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Meine Traumrede: [AO] [AX] [AX]
Utopisch oder selbstverständlich?
This post was modified on 18 Dec 2009 at 12:40 am.- 18 Dec 2009, 12:30 am
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Paul Dest Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Gliedern Sie Ihre Rede!
Keinesfalls geht es mir um "die Analyse der Worthülsen und deren Positionierung in der Rede".
"Gliedern Sie Ihre Rede" ist die Überschrift des zweiten Kapitels des TM-Handbuchs "Kompetente Kommunikation". Auch ein großer Teil des ersten Kapitels könnte diese Überschrift tragen. Um diese Inhalte des Programms geht es mir.
Doch wird es auch mir ob der vielen Wurst-Bilder zu stickig: ich versuche es daher mit einer Lüftung! ;-)
Und mit "Lüftung" meine ich eine...
-------- Zwischenzusammenfassung ------------
1. Legt man nicht fest, welche Funktionen der Anfang (A), der Hauptteil (H) und der Schluss (S) haben sollten, ist es sinnlos, dem Redner zur AHS-Gliederung seiner Rede zu raten. Denn selbst eine 6x"bla"-Rede genügt diesem Ratschlag, bleibt aber zugleich aussage- und wirkungslos.
2. Vielmehr kommt es darauf an, was die einzelnen Redeteile beim Zuhörer bewirken, etwa "Aufmerksamkeit erregen" (A) oder "Orientierung über die Gesamtrede vermitteln" (O).
3. Ein Redeteil kann mehrere Wirkungen/Funktionen übernehmen. So sollte laut dem Handbuch der Anfangsteil einer Rede sowohl die Aufmerksamkeit erregen als auch Orientierung über die Gesamtrede vermitteln.
Berücksichtigt man die obigen Punkte, lässt sich die im Kapitel 2 vorgeschlagene Gliederung
vorläufig notieren als
[AO] [X] [X]
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Offen bleiben Fragen:
1. Welche wiederkehrenden Funktionen/Wirkungen lassen sich ausmachen und wie tragen sie zur Verwirklichung der Rede-Absicht bei? ("Aufmerksamkeit" habe ich oben bereits teilweise erörtert. "Orientierung" im zweiten Teil des Beitrags
https://www.xing.com/net/tmi/diskussionsforum-63018/kk-proje... angerissen.)
2. Trägt eine bestimmte Anordnung oder Abwechslung dieser Wirkungen dazu bei, die Absicht der Rede besser zu verwirklichen? Und wenn ja: welche und warum?
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Auf Eure konstruktiven Beiträge, Anregungen und Gedanken
- ob hier im Forum oder als direkte Nachricht an mich -
freue ich mich weiterhin!
Viele Grüße,
Paul Dest
This post was modified on 18 Dec 2009 at 02:02 pm.- 18 Dec 2009, 2:00 pm
