Translation Memory Systeme - digitales Übersetzungsmanagement
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Marco Kahler Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.faustregel - thoerie und praxis?
hallo kollegen,
gibt es ihrer meinung nach eine faustregel, für welche unternehmen ein tms lohnenswert bzw. wirtschaftlich ist?
natürlich kann man alle harten faktor sammeln und ausrechnen. gibt es nach ihrer meinung nach auch weiche faktoren wie z.b. reaktionsfähigkeit, aufbau einer eigenen terminilogie, etc.? besonders interessieren würde mich, wie das anwender nach der einführung eines systems sehen. ich freue mich über ihren beitrag.
marco kahler
- 10 Jan 2008, 4:23 pm
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Claudia Asensio Paniagua Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: faustregel - thoerie und praxis?
Hallo erst einmal,
ja, es gibt motivierende Argumente: im Bereich Maschinenbau, vor allem im Zusammenhang mit Bildschirmanweisungen, Anwendungen und Spezialprogrammen, ist ein TMS allein schon wegen der Terminologiekonsistenz nötig. Stellen Sie sich vor, Sie erstellen die Übersetzung der Bildschirmmeldungen und Wochen später erhalten Sie den User-Guide für die Anwendung, wieder Wochen später bekommen Sie die Anleitung für die Maschine. Ohne ein TMS, wäre die Erstellung eines Glossars, das über Qualitätssicherungsfunktionen für Terminologiekonsistenz sorgt, eine wahre Sisyphus-Arbeit. Für Agenturen, die Großprojekte aufteilen wäre es undenkbar ohne ein Kontrolltool zu arbeiten. Wie wollen Sie sonst garantieren, dass sich viele unterschiedliche Übersetzer an einen "kundenspezifischen" Stil und / oder vorgegebenes Vokabular halten?
Motivierend kann das Tool auch sein (beispielsweise übersichtliche Darstellung der Ausgangs- und Zielsprache am Bildschirm, hundertprozentig sichere Übernahme von Zahlen, beispielsweise von Artikelnummern bei Katalogen), aber auch frustrierend. Nämlich wenn Abstürze zu befürchten sind, weil noch andere, nicht kompatible Programme/Anwendungen auf den Servern/Computern laufen. Ein Problem kann die gleichzeitige Installation von OCR-Software und/oder CMS-Software darstellen, wenn sie nicht ordentlich konfiguriert wird. Hierzu gibt es häufig nur persönliche Lösungen, die in keinem Anwenderhandbuch stehen. Eine zeitraubende Angelegenheit ist es dann nachzuforschen wer etwas weiß, was er weiß und ob das bei jedem einzelnen auch so funktioniert. Ein weiterer Frustfaktor ist die Verarbeitung langer PDF-Dateien (Kataloge), im schlimmsten aller Fälle auch noch eingescannt. Bei wenigen Seiten ist es kein Problem das Dokument auszudrucken und "von Hand" zu bearbeiten. Aber bei vielseitigen Katalogen wird esschon recht müßig und die Konvertierungsmöglichkeiten sind nach wie vor begrenzt, vor allem was die Formate und die Platzierung der Texte (Bildunterschriften, etc.) anbelangt. Jeder Text muss vor Übersetzung mit dem CAT erst "manuell" bearbeitet, überflüssige Returns gelöscht werden, Texte wieder an die richtige Stelle gerückt werden, etc.
Hier hätte ich gerne einen Tipp, wie man so etwas am besten berechnet ;-)
Claudia Asensio P.
- 14 May 2009, 1:35 pm
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Hans Pich Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: faustregel - thoerie und praxis?
Claudia Asensio Paniagua schrieb:
>.....
einzelnen auch so funktioniert. Ein weiterer Frustfaktor ist die Verarbeitung langer PDF-Dateien (Kataloge), im schlimmsten aller Fälle auch noch eingescannt. Bei wenigen Seiten ist es kein Problem das Dokument auszudrucken und "von Hand" zu bearbeiten. Aber bei vielseitigen Katalogen wird esschon recht müßig und die Konvertierungsmöglichkeiten sind nach wie vor begrenzt, vor allem was die Formate und die Platzierung der Texte (Bildunterschriften, etc.) anbelangt. Jeder Text muss vor Übersetzung mit dem CAT erst "manuell" bearbeitet, überflüssige Returns gelöscht werden, Texte wieder an die richtige Stelle gerückt werden, etc.
Hier hätte ich gerne einen Tipp, wie man so etwas am besten berechnet ;-)
Claudia Asensio P.
Hallo,
wie in allen Belangen der Abrechnung geht es hier um eine Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Auftraggnehmer. Generell ist es für die meisten Auftraggeber angenehm, wenn man ein quantifizierbare Mengeneinheit für die Berechnung zugrunde legen kann. Sollte dieses nicht möglich sein, bleibt in der Regel nur die Abrechnung auf Zeitbasis. Hier ist es natürlich hilfreich, wenn man den zu erwartenden Arbeitsumfang gut einschätzen kann und evtl. sogar einen Maximalpreis vereinbaren kann.
Viele Grüße aus Berlin
Hans Pich
- 14 May 2009, 3:18 pm
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Claudia Asensio Paniagua Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^3: faustregel - thoerie und praxis?
Sehr geehrter Herr Pich,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich versuche mich immer in die Lage meiner Kunden zu versetzen. Deshalb muss ich aufpassen, dass ich mich darüber nicht selbst vergesse ;-)
Eine Formel wäre nicht schlecht. Seitenpauschalen werde ich ab nächstem Jahr nicht mehr nehmen, denn dazu sind die Seiten zu unterschiedlich "bestückt". Damit sind wir wieder bei der Wörter- und/oder Zeilenzählerei angelangt. Aber es wäre schon einmal gut zu erfahren, wieviel Prozent des normalen Übersetzer-Zeilenpreises hier als gerechtfertigt gelten. Absolute Zahlen wollen und brauchen wir in diesem Forum wohl nicht zu nennen.
Herzliche Grüße,
Claudia Asensio P.
- 14 May 2009, 4:03 pm
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Hans Pich Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: faustregel - thoerie und praxis?
Hallo,
ich denke der Ansatz ist unglücklich.
Der Aufwand für die Vor- und Nachbearbeiotung der Dokumente ist unabhängig vom Aufwand des Übersetzens. Demenstprechend macht es auch keinen Sinn hier eine prozentuale Verknüpfung zu versuchen.
Letztlich ist es fast immer so, dass man versucht auf irgend eine Art und Weise den Aufwand einer Tätigkeit abzuschätzen. Hierdurch weiß man, was man verdienen will / muss (Anzahl Stunden * Stundensatz + ggf. sonstige Kosten). Entweder man kann dass dann direkt so anbieten oder man findet eine andere Mengeneinheit, die für den Auftraggeber leichter nachzuprüfen ist, wie z.B. Wörter oder Zeilen)
Viele Grüße
Hans Pich
- 14 May 2009, 4:47 pm
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Claudia Asensio Paniagua Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^5: faustregel - thoerie und praxis?
Hallo Herr Pich,
vielen Dank für die Ausführungen. Es bleibt aber nach wie vor der Punkt, wie man dem Kunden das verkauft. Viele Direktkunden kennen sich ja mit übersetzungsspezifischen Programmen nicht aus und wissen gar nicht wie viel Aufwand es kostet, lange PDFs in Textformat zu bringen und so zu formatieren, dass das CAT auch sinnvolle Einheiten generiert (Segmente). Mancher Kunde interessiert sich auch nicht dafür sondern wird sogar argumentieren, dass man ja die PDF ausdrucken kann und vom Vorlagenhalter... Im Zweifelsfall kann man dann die Ausdrucke in Rechnung stellen ;-)
Das ist dann genau der Punkt an dem ich meine, dass die Arbeit mit einem CAT sehr motivierend aber auch demotivierend sein kann. Denn wer möchte schon gerne darauf verzichten, wenn er nun schon einmal in ein CAT investiert hat. Was ist mit all den Qualitätsvorgaben aus der DIN EN 15038, die man mit Hilfe eines CATs verhältnismäßig einfach einhalten kann, wo ich jedoch beim Tracking und Glossare erstellen von Hand einfach immer gleich mehrere unterschiedliche Programme benutzen muss, was Zeit kostet, beim Fenster wechseln und zu Lasten der Schnelligkeit geht, aufgrund der vielen geöffneten Anwendungen?
Liebe Grüße,
Claudia Asensio P.
- 15 May 2009, 10:32 am
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Stefan Gentz Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^6: faustregel - thoerie und praxis?
Eigentlich ist die Sache doch ganz einfach: Ein PDF ist wie ein Ausdruck und ist als solcher eben auch nicht geeignet für die Übersetzung mit einem Translation Memory System.
Kann oder will ein Kunde nun trotz gutem Zuredens keine "offene" Datei schicken, stellt sich die Frage in welcher Form er die Übersetzung benötigt. Eventuell reicht eine einfach runtergeschriebene Übersetzung ja, die dann nach der Übersetzung vom Kunden für viel Geld von irgendjemandem wieder in eine druckfertige Form gebracht wird. Es ist da dann sicherlich ratsam, dass sich der Auftraggeber auch gleich von dem "PDF-Produzenten", der die Original-Daten nicht rausrücken will, auch gleich ein Angebot für die Einarbeitung der Übersetzung in das Druckdateiformat einholt, um die Kosten die aus dem System "es gibt nur PDF" entstehen, abschätzen zu können.
Dann kann natürlich auch nicht mit einem TMS gearbeitet werden und natürlich sind dann auch keine Translation Memory System üblichen Abrechnungsmodi möglich. Die Arbeit mit einem TMS setzt voraus, dass offene, verarbeitbare Dokumente angeliefert werden, die den Anforderungen eines TMS an ein Dokument genügen.
Wenn es – warum auch immer – nur PDFs gibt und die Anlieferung einer einfachen Übersetzung vom PDF als Fließtext in Word nicht ausreicht und die Übersetzungen auch direkt "druckfertig" sein sollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Den kompletten Neusatz des PDF-Dokumentes in dem dafür geeigneten Programm durch eine entsprechend dafür qualifizierte Fachkraft. Anschließend kann dann eine TMS-basierte Übersetzung des neu erstellten Dokumentes durchgeführt werden.
Dass der Neusatz weder von einem Übersetzer durchgeführt werden sollte, noch auf dessen Kosten laufen sollte ist dem Auftraggeber dabei hoffentlich auch klar bzw. sollte ihm offen kommuniziert werden. Ein Übersetzer ist eben ein Übersetzer und kein Grafiker, Setzer, Druckvorlagenhersteller oder Technischer Redakteur. Ganz salopp kann man dem Auftraggeber durchaus kommunizieren, dass die Kosten für die Neuanlage des Dokumentes in etwa den Kosten entsprechen, die für die ursprüngliche Erstellung des Dokumentes entstanden sind.
Übrigens ist es interessant zu beobachten, dass sich meist relativ schnell nach einer entsprechenden Kostenüberlegung dann doch noch die ursprünglichen "offenen" Quelldokumente auftreiben lassen.
This post was modified on 15 May 2009 at 05:47 pm.- 15 May 2009, 5:46 pm
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Claudia Asensio Paniagua Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^7: faustregel - thoerie und praxis?
Hallo,
nein, leider lassen sich manchmal keine Originale in Textformat auftreiben, dazu gibt es teilweise bereits bei mittelständischen Unternehmen einen zu häufigen Personalwechsel und eine zu umfangreiche Produktpalette. Wenn die Daten nur noch mit einem CMS eingepflegt werden und dann noch per Acrobat Professional aktualisiert werden, hat der Übersetzer einen schweren Stand. Aber immerhin, nach einigen höheren Abrechnungen (natürlich immer spezifiziert wofür das Geld genommen wurde), hat der Kunde die Dateien hausintern konvertieren lassen. Das Problem ist nur, dass die Mitarbeiter sehr unter Stress stehen. Sie haben nicht ausreichend Zeit, den Text richtig zu formatieren. Es kommt dann wieder kein bearbeitbarer Fließtext dabei heraus. Das Konvertieren selbst ist ja keine Kunst, das schafft man beispielsweise mit den PlusTools von Wordfast in wenigen Sekunden und mit nur drei oder vier Clicks, ansonsten über den Umweg eines Readers, Datei als Text kopieren und abspeichern, dann in ein Wordformat konvertieren, formatieren, etc. Eine kleine Hilfe sind Suchen-und-Ersetzen-Routinen, beispielsweise kann man nach Returns mit folgendem Leerzeichen suchen lassen und diese beiden Zeichen durch ein Leerzeichen ersetzen. Dann hat man irrtümlich durch Zeilenschaltung getrennte Sätze wieder in einem Segment vereint. Nur sich dieses Know-How anzueignen kostet Zeit, Recherche und manchmal auch Nerven. Es ist toll, auf jedes Problem irgendwie eine Lösung zu finden. Nur hat der Tag leider nur 24 Stunden. Und in diesem Sinne wünsche ich allen einen erholsamen Feierabend und ein schönes Wochenende.
Claudia Asensio P.
- 15 May 2009, 7:41 pm
