Translation Memory Systeme - digitales Übersetzungsmanagement
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Hans Pich Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Einbindung maschineller Übersetzung in TMS Systeme
Hallo,
auf der tekom wurde ja auch von SDL eine neue Version vorgestellt, die eine Anbindung an maschinelle Übersetzungen ermöglicht. Aus meiner Sicht kann es problematisch sein, wenn Übersetzer diese Vorschläge direkt übernehmen. Dies wird um so kritischer, je enger die Termine sind und je schlechter die Bezahlung ist.
Es würde mich daher sehr interessieren, wie andere Auftraggeber dies sehen und natürlich auch was hier von den anderen TMS Herstellern zu erwarten ist. Wird es ggf. Prüffunktionen geben, die eine Aussage darüber machen wie groß der unveränderte Anteil maschineller Übersetzungen in einer Übersetzung ist?
Viele Grüße
Hans Pich
- 12 Nov 2008, 11:11 am
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Anja Schröder-Hagenbruch Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Einbindung maschineller Übersetzung in TMS Systeme
Hallo Herr Pich,
genau dieses Thema hatten wir nach der tekom auch bei uns. Ich persönlich bin maschinellen Übersetzungen gegenüber äußerst skeptisch und bin grundsätzlich dafür, dass diese Übersetzungen (sowie im Übrigen auch Vorübersetzungen, die mit Hilfe eines bereits bestehenden kundenspezifischen TMs angefertigt wurden) noch einmal vom jeweiligen Übersetzer geprüft werden. Ich bezweifle, dass im Rahmen maschineller Übersetzungsprozesse hochwertige Übersetzungen, die über eine Rohübersetzung hinausgehen, erstellt werden können. Das liegt sicherlich auch oftmals an unzureichend vorbereiteten Ausgangsdokumenten. Bisher war es leider i. d. R. so, dass die Nachbereitung und Korrektur maschineller Übersetzungen mindestens genauso viel Zeit in Anspruch genommen hat wie eine Neuübersetzung durch einen menschlichen Übersetzer. Gern lasse ich mich jedoch davon überzeugen, dass die neue SDL-Lösung mehr kann.
Die oben angesprochenen Prüffunktionen wären sicherlich hilfreich - ich bin gespannt, ob sich hierzu ein Kollege der TMS-Hersteller äußern wird.
Beste Grüße
Anja Hagenbruch
- 12 Nov 2008, 7:37 pm
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Stefan Gentz Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Einbindung maschineller Übersetzung in TMS Systeme
Ich möchte die These aufstellen, dass wir – trotz aller beachtlichen Fortschritte – noch ganz am Anfang der MT stehen, wie sich ja zweifellos an der Qualität heutiger MT oft mit Amusement ablesen lässt. Daher möchte ich auch davor warnen, das mittel- und vor allem langfristige Potential der MT zu leichtfertig zu unterschätzen.
Langfristig erwarte ich folgende Entwicklungen:
In einer kurzfristigen Perspektive – i.e. in den nächsten ein, zwei Jahren – erwarte ich für die klassischen Translation Memory-Technologien einen deutlichen Entwicklungsschub, in dem lange überfällige Technologien integriert werden. Hier ist viel zu lange nichts passiert. Insbesondere in Hinblick auf stärkere Kontextsensitivität und semantische Intelligenz wird dies sehr kurzfristig deutliche Fortschritte bringen.
Mittelfristig sehe ich für die klassischen Translation Memory-Technologie noch Potenzial durch Clowd-Konzepte und Crowdsourcing. Ein besonders großes Potential sehe ich in Peer-to-Peer TM-Networks – dabei werden die Translation Memories vieler Teilnehmer vernetzt und können miteinander "kommunizieren". Ich erwarte, dass es entsprechende Realisationen in den nächsten fünf bis zehn Jahren geben wird. Insbesondere das Konzept der P2P TM-Networks könnte bei Realisation relativ schnell mit verhältnismäßig wenig Aufwand zu erheblichen Fortschritten führen.
In einer mittel- bis langfristigen (30 Jahre) Perspektive erwarte ich, dass VLTMs entstehen, die einen entspechend großen Datenbestand haben, wie sie bei einigen LSPs bereits im Aufbau begriffen sind. Entsprechend konstruiert und gepflegt, bieten VLTMs ein enormes Potential für den einzelnen LSP. Hier werden jene LSPs klar im Vorteil sein, die hier und heute die existierenden Konzepte in die Praxis umsetzen (bzw. schon umgesetzt haben) und intelligent konstruierte VLTMs aufbauen und Aufwand und Kosten für einen solchen VLTM-(Server)-Aufbau als Investition in die Zukunft begreifen.
In einer langfristigen Perspektive erwarte ich daher auch, dass bei den LSPs mit großen VLTMs die überwiegende Mehrheit der Projekte z.B. im Bereich der technischen Dokumentation automatisiert über das (kontextsensitive) VLTM abgewickelt werden und dann nur noch einmal durchs "Prüflesen" gehen werden. Dies wird auch zu einer weiteren Konzentration führen.
Wir dürfen davon ausgehen, dass sich die MT parallel dazu entwickeln wird. Bereits heute ist die Qualität beachtlich und ich gehe davon aus, dass in zehn bis zwanzig Jahren die MT – zumindest für (fehlerfreie) Standardtexte – eine Qualität erreicht haben wird, dass sie befriedigende bis sehr gute Ergebnisse liefern wird.
In einer deutlich langfristigen Perspektive (100 Jahre?) aber – und da bin ich mir recht sicher –, wird der überwiegende Teil des täglichen Übersetzungsbedarfs vollkommen automatisiert laufen und keinen menschlichen Übersetzer mehr involvieren. Ich gehe dabei davon aus, dass es gelingt die verschiedenen existierenden Technologien geschickt zu vernetzen und ggf. durch neue, weitere Technologien zu ergänzen. Auch wenn wir uns in Anbetracht der heutigen Rechenleistung von Computern noch in einer gewissen Sicherheit ob unserer Notwendigkeit wägen dürfen, wird der technologische Fortschritt bereits in einigen Jahrzehnten genügend Rechenkapazität auf kleinstem Raum zu bezahlbaren Konditionen bereitstellen, um die MT in neue Dimensionen zu bringen. Einen "Universal Translator" wie in Star Trek werden zumindest die hier anwesenden wohl nicht mehr erleben, aber wenn wir in ein paar Jahrzehnten in Rente gehen, wird die MT sicherlich bereits einen nicht unerheblichen Anteil in der täglichen Übersetzungsroutine haben.
All diese Entwicklungen werden sicherlich nicht den Übersetzer gänzlich arbeitslos machen. Zum Glück wird es auch künftig immer noch Texte geben, die des menschlichen Übersetzers bedürfen. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass das Berufsbild des Übersetzers auch in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren einem stetigen Wandel unterworfen sein wird (spulen wir ruhig mal die letzten zwanzig Jahre gedanklich ab ...). Der Anteil in der täglichen Arbeit aber, in sich der Übersetzer Satz für Satz durch eine Übersetzung kämpft, wird in den nächsten Jahrzehnten stetig abnehmen. Und daran wird – ergänzend zu immer größeren TMs – die Maschine Translation einen nicht unerheblichen Anteil haben.
Und dann war da ja noch Google...
This post was modified on 13 Feb 2009 at 09:48 pm.- 13 Feb 2009, 9:45 pm
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Hans Pich Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Einbindung maschineller Übersetzung in TMS Systeme --> Google Translation
Hallo,
die Integration der Maschinellen Übersetzungen in den Übersetzeralltag nimmt ja zusehends zu.
Demnächst werden eine Vielzahl der Übersetzer auch direkten Zugriff auf u.a. Google Translation haben.
In diesem Zuge stellt sich natürlich auch die Frage hinsichtlich des Umgangs mit vertraulichen Informationen. In den Bedingungen von Google gibts es dazu folgende Information:
http://translate.google.com/toolkit/TOS.html:
Use of your Content
By submitting your content through the Service, you grant Google the permission to use your content permanently to promote, improve or offer the Services. When, in the course of using your content to promote, improve or offer the Services, Google displays the content to an end user, it will do so only according to the sharing rules below, and only on a translation unit basis. The term “translation unit” has the meaning assigned to it in the XLIFF standard, and “displaying on a translation unit basis” means that a translated segment will be displayed only in response to fuzzy match search of the source segment.
Wie z.B. auch auf den Vorträgen des BDÜ-Kongresses vorgestellt ist es für den Betreiber eine MT-Engine sehr problemfrei möglich, aus den aufeinander folgenden Anfragen auch die Inhalte von nahezu kompletten Dokumenten zu rekonstruieren. Gerade bei vertraulichen Inhalten halte ich daher den Einsatz für zumindest bedenkenswert.
Ich fände es sehr spannend zu erfahren, wie andere darüber denken.
Viele Grüße
Hans Pich
- 10 Dec 2009, 10:54 am
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Stefan Gentz Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^3: Einbindung maschineller Übersetzung in TMS Systeme --> Google Translation
Hans Pich schrieb:
Gerade bei vertraulichen Inhalten halte ich daher den Einsatz [von MT] für zumindest bedenkenswert.
Ich fände es sehr spannend zu erfahren, wie andere darüber denken.
Ich schlage vor, bei der Diskussion zwischen „öffentlicher“ MT (wie z.B. Google) oder „privater“ MT (wie z.B. Systran Enterprise Server) im eigenen Unternehmen (oder dem des Lieferanten) zu differenzieren.
Dass Inhalte ab einer gewissen Vertraulichkeitsstufe nicht unter Zuhilfenahme einer „öffentlichen“ MT übersetzt werden sollten, versteht sich meiner Meinung nach nun wirklich von selbst. Sonst kann man sich die erhöhte Vertraulichkeitseinstufung doch auch wirklich gleich sparen, oder?
Anders sieht das aber bei einer „privaten“ MT aus: Da der Zugriff darauf nur den eigenen Mitarbeitern oder entsprechend unter Vertrag stehenden Lieferanten gestattet bzw. überhaupt möglich ist, taugt die Vertraulichkeit hier kaum als Argument gegen den Einsatz von MT.
Wenn wir die Überlegung also auf entsprechende Third Party Lösungen beschränken, dann stellt sich dabei zunächst vor allem eine vertragsrechtliche Frage. In den allermeisten Vertraulichkeitsvereinbarungen ist definiert, dass die zu verarbeitenden Informationen nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen. Juristisch betrachtet*, handelt es sich daher bei der „Übergabe“ der Inhalte (auch wenn diese nur segmentweise geschieht) an einen Dritten (den MT-Service) zwecks Weiterverabeitung (Übersetzung oder gar weitere Nutzung) ganz klar um einen Vertragsbruch. Dies gilt dabei für den liefernden Sprachdienstleister ebenso wie für Mitarbeiter des auftraggebenden Unternehmens (worüber diese sich im Zweifelsfall nicht unbedingt klar sind. Und das gilt natürlich ganz besonders wenn dieser Dritte eine Vertraulichkeit sogar ganz explizit ausschließt und sich vertraglich einer Weiterverarbeitung / Weiternutzung zu eigenen Nutzen ausdrücklich vorbehält.
Unabhängig davon sei jedoch auch folgende Überlegung erlaubt: Inhalte, die so vertraulich sind, dass sie als überdurchschnittlich vertraulich eingestuft werden, haben auch eine entsprechend hohe Wichtigkeit. Unwichtige Inhalte erhalten in der Regel keine Vertraulichkeitseinstufung. Wer es also mit der Vertraulichkeitseinstufung seines Inhalts tatsächlich ernst gemeint hat, wird die Übersetzung also ganz sicher weder im Moment noch in den nächsten Jahren einer maschinellen Übersetzung anvertrauen, da diese derzeit noch nicht ansatzweise den qualitativen Ansprüchen eines vertraulichen Inhalts genügen können. Dabei geht es nicht etwa um die Frage einer besonders oder weniger gelungen Formulierung, sondern häufig schlichtweg um richtig oder falsch.
Letztlich stellt sich mir aber bei der ganzen Diskussion um Vertraulichkeit, Machine Translation, Public TMs etc. aber auch die Frage, ob das Thema nicht etwas überstrapaziert wird. Erstens, wird wie dargestellt niemand ernsthaft vertrauliche Informationen mit einem Dienst wie Google übersetzen (lassen), da damit die Vertraulichkeit hinfällig wird. Zweitens wird wie dargestellt niemand ernsthaft vertrauliche Informationen einer Machine Translation anvertrauen, da diese (derzeit) nicht die nötige Qualität liefert, die für vertrauliche Informationen nötig ist.
Das bisweilen zu hörende Argument, dass z.B. spätestens mit dem Release eines Produktes und der damit (ggf.) öffentlichen Verfügbarkeit der vormals vertraulichen/geheimen Information die Vertraulichkeit ja eh hinfällig sei und es deswegen ja auch „nicht schlimm“ sei, wenn nun jeder darauf Zugriff habe, zieht übrigens weder juristisch (siehe oben), noch logisch-argumentativ, da die Verletzung der Geheimhaltungsverpflichtung zum Zeitpunkt der Geheimhaltungsverpflichtung besteht. Oder anders ausgedrückt: Wer heute ein Geheimnis „verrät“ wird auch dann noch übermorgen bestraft, wenn das „Geheimnis“ morgen in der Zeitung (bzw. „im Internet“ steht).
In der finalen Konsequenz macht MT daher meiner Meinung nach nur bei nicht „geheimen“ Informationen Sinn und im Unternehmensumfeld definitiv nur mit einer entsprechenden Unternehmenslösung und keiner „öffentlichen“.
Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Gentz
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* Hierbei handelt es ausdrücklich nicht um eine juristische Beratung! Bitte wenden Sie sich dazu an einen Rechtsanwalt.
This post was modified on 10 Dec 2009 at 11:58 pm.- 10 Dec 2009, 6:54 pm
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Tanja Damato Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: Einbindung maschineller Übersetzung in TMS Systeme --> Google Translation
Guten Tag Herr Gentz,
vielen Dank für Ihre ausführliche Darstellung. Mich interessiert an dieser Stelle Ihre Meinung zu den Themen "Vertraulichkeit und Vertraulichkeitsstufen".
Immerhin unterzeichnen wir als Sprachdienstleister sehr viele Geheimhaltungsvereinbarungen aus unterschiedlichsten Gründen, unterschiedlichster Arten und verbunden mit unterschiedlichsten Maßnahmen und Konsequenzen.
Auf Ihr Feedback bin ich gespannt...natürlich in Verbindung mit dem Kernthema MT.
Danke,
Gruß, Tanja Damato
- 13 Dec 2009, 5:56 pm
