Translation Memory Systeme - digitales Übersetzungsmanagement

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  • Chantal Eibner
    Chantal Eibner
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    Zukunftstrends TMS
    Hallo,

    wie sieht das Zukunftspotenzial von Translation Memory Systemen aus?

    Ist der Markt der TM-Systeme schon gesättigt, oder ist noch Raum für Innovationen, die entscheidend das Nutzenpotenzial bei der Anwendung dieser Software beeinflussen?

    Ist die Einbindung von maschineller Übersetzung in ein TMS sinnvoll und gewünscht?

    Zudem stellt sich mir die Frage, ob die aktuellen Anbieter gewillt sind ihre Standards zum Austausch von Datenbeständen langfristig stärker zu vereinheitlichen... oder ob OpenSource Programme den Wettbewerb spürbar beeinflussen werden...

    Ich interessiere mich für aktuelle Fachartikel, Interviews und Meinungen von Forenteilnehmern zum Thema mögliche Trends der TM-Industrie.
    Über Statements und Anregungen freue ich mich!
    This post was modified on 27 Oct 2011 at 08:14 pm.
  • Hans Pich
    Hans Pich    Premium Member   Group moderator
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    Re: Zukunftstrends TMS
    Hallo,

    ich denke es gibt noch viel Spielraum für Innovation.

    Ein Bereich, den ich mir schon länger wünsche wären Funktionen zur Beurteilung von Quelltexten und auch mehr Unterstützung bei der Qualitätssicherung. Gerade die Erkenntnisse im Bereich der maschinellen Übersetzung könnte man vielleicht in diese Bereich übertragen und damit TMS aufwerten.

    Bspw. stelle ich mir eine Funktion vor, die neben einer Analyse der Quelltexte zu einem Translation Memory auch eine Aussage über die Textschwierigkeit und evtl. auch den Fachbereich macht. Ich stelle mir vor, dass man bspw über einen Abgleich der verwendeten Termini mit Terminologiedatenbanken den Fachbereich von Texten besser automatisiert erkennen kann und das eine linguistische Analyse bspw über Satzlängen, Wortlängen, Worthäufigkeiten, ... auch eine Aussage zur Textschwierigkeit erlaubt.

    Auf der anderen Seite sollte es doch möglich sein, in Übersetzungen nach Fehlern zu suchen. Wenn eine MT einen Satz übersetzen kann (vielleicht nicht perfekt, aber immerhin), sollte man doch auch herausfinden können, ob in der Übersetzung "einschalten" oder "bremsen" korrekt übersetzt wurden. Man wird nicht alle Fehler finden, aber vielleicht die Passagen identifizieren können, die dann explizit überprüft werden sollen.

    Viele Grüße

    Hans Pich
  • Norbert Carls
    Norbert Carls
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    Re: Zukunftstrends TMS
    Chantal Eibner ha scritto:
    (...)
     
    Ist die Einbindung von maschineller Übersetzung in ein TMS sinnvoll und gewünscht?


    Hallo Chantal,

    Ich hake mal hier ein.

    Nein, die ist weder sinnvoll noch gewünscht (jedenfalls nicht von professionellen Übersetzern – wage ich als ein solcher mal zu behaupten).

    Maschinenübersetzungen sind einfach zu schlecht (und ich sehe hier auch keine Chance für eine positive Entwicklung), um eine sinnvolle "Ergänzung" von TM-Systemen darzustellen, deren Vorteil ja gerade darin besteht, dass diese komplette Sätze oder auch Abschnitte ("Segmente") enthalten, die bereits zu 100% oder zu fast 100% korrekt durch einen Menschen übersetzt wurden. MT-Funktionen (= Funktionen, die einen Text aus gespeicherten Elementen nach bestimmten Algorithmen zusammenfügen) würden hier in der Regel nur zu Zeitverlusten führen, weil meistens die Neuübersetzung schneller geht als die Nachbearbeitung solcher maschinell gebastelter Texte. Gerade gestern habe ich wieder so einen Text gesehen, und wenn dann ein simpler Parameter wie "Sensor back movement" mit "Sensorrücken Bewegung" übersetzt wird, weiß man, dass hier wirklich Hopfen und Malz verloren ist.

    In der Realität wird ja sowieso schon lange umgekehrt ein Schuh draus, will heißen, TM-Datenbanken werden in Maschinenübersetzungsdienste wie Google Translations integriert, sodass der Eindruck entsteht, solche MTs seien leistungsstark – in Wirklichkeit sind es dann aber die eingebauten TMs. Jeder, der z.B. schon mal nach Normtexten bei Google gesucht hat, weiß das.

    Natürlich haben TM-Systeme eine Zukunft, und zwar eine ziemlich aussichtsreiche, wenn man davon ausgeht, dass auch in Zukunft Länder Produkte an ein anderes Land verkaufen und die entsprechenden Dokumentationen übersetzt werden. TM-Systeme haben aber nicht nur eine Zukunft, sie haben auch schon eine lange Historie. Ich selbst benutze sie nun schon seit dem Jahr 2000/2001, also seit über 10 Jahren, und ich kann mir schon lange eine Arbeit ohne TM nicht mehr vorstellen. Bei der Analyse des Innovationsbedarfes wäre ich vorsichtig, ich sage mal, man muss nicht ständig das Rad neu erfinden: Das wirklich Revolutionäre in der Computertechnik ist ja eigentlich nur die exponentielle Vergrößerung von Speicherkapazitäten bei gleichzeitiger Senkung von Kosten und Platzbedarf, mit dem Ergebnis, dass man heute theoretisch das gesamte Wissen der Menschheit auf ein paar Servern speichern kann.

    Theoretisch. Denn in der Praxis "verdoppelt sich unser Wissen alle zwei Jahre", und unsere TMs hinken stets hinterher. Gleichzeitig sind die Kundenanforderungen an Abgabetermine immer "zeitnaher". Wenn aber schon die TMs Probleme haben, Schritt zu halten, so haben dies MT-Programme erst recht – ich würde MT als ein bestenfalls überflüssiges Feature bezeichnen.

    Nach vielen Mobiltelefonen, beginnend bei den ersten um 1995 bis hin zu verschiedenen Smartphones, habe ich mir vor ein paar Tagen einfach mal wieder ein ganz simples Handy für 24,95 Euro gekauft. Und ich bin erstaunt, was das alles kann (und wie lange seine Stromautonomie ist!) , sowieso gleichzeitig fast schon erschrocken darüber, wie wenig mehr letztlich ein Smartphone der letzten Generation für 700 Euro wirklich kann. Ist es nicht ein Witz, dass die Dinger heutzutage mehr kosten als ein leistungsstarkes Notebook?

    Innovation ja, aber sinnvolle. Aber ob die kommt, ist fraglich. In den letzten Jahren hat sich zum Beispiel die Austauschbarkeit der TMs zwischen verschiedenen Programmen nicht unbedingt verbessert, sondern eher verschlechtert. Eins ist klar: TMs-Systeme sind schon länger und heute sowieso ein unverzichtbares Instrument für Übersetzer. Wichtig dabei: auf dem Boden bleiben, TMs müssen mit hochwertigen Inhalten gefüttert werden und können keinen Menschen ersetzen.

    Computer sind doof;-)

    Viele Grüße

    Norbert Carls
    This post was modified on 05 Nov 2011 at 12:43 am.
  • Hans Pich
    Hans Pich    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Zukunftstrends TMS
    Hallo,

    ich möchte mich auch nur auf einen Punkt konzentrieren:

    Norbert Carls schrieb:
    Chantal Eibner ha scritto:
    (...)
     
    Ist die Einbindung von maschineller Übersetzung in ein TMS sinnvoll und gewünscht?
     
     
    Hallo Chantal,
     
    Ich hake mal hier ein.
     
    Nein, die ist weder sinnvoll noch gewünscht (jedenfalls nicht von professionellen Übersetzern – wage ich als ein solcher mal zu behaupten).
     
    Maschinenübersetzungen sind einfach zu schlecht (und ich sehe hier auch keine Chance für eine positive Entwicklung), um eine sinnvolle "Ergänzung" von TM-Systemen darzustellen, deren Vorteil ja gerade darin besteht, dass diese komplette Sätze oder auch Abschnitte ("Segmente") enthalten, die bereits zu 100% oder zu fast 100% korrekt durch einen Menschen übersetzt wurden. MT-Funktionen (= Funktionen, die einen Text aus gespeicherten Elementen nach bestimmten Algorithmen zusammenfügen) würden hier in der Regel nur zu Zeitverlusten führen, weil meistens die Neuübersetzung schneller geht als die Nachbearbeitung solcher maschinell gebastelter Texte. Gerade gestern habe ich wieder so einen Text gesehen, und wenn dann ein simpler Parameter wie "Sensor back movement" mit "Sensorrücken Bewegung" übersetzt wird, weiß man, dass hier wirklich Hopfen und Malz verloren ist.

    Die Argumentation basiert auf der Behauptung, dass die Nachbearbeitung maschinell übersetzter Text mehr Zeitaufwand erfordert, als die Neuübersetzung.

    Diese Behauptung ist problematisch. Zum einen habe ich durchaus schon gegenteiliges gehört, wobei dies natürlich sowohl vom Ausgangsmaterial als auch von der eingesetzten Übersetzungssoftware (inkl. der Vorbereitung derselben) als auch vom Nachbearbeiter abhängen dürfte. Ich kenne im Moment leider keine verwendbaren Untrsuchungen, die diese Behauptung wirklich stützen oder widerlegen.

    In zweiter Hinsicht ist die Behauptung problematisch, als das sie den Anspruch eines nahezu perfekten Zieltextes impliziert. In vielen Anforderungsszenarien ist dies aber gar nicht erforderlich. Ein Beispiel sei der umfangreiche Text einer Ausschreibung, wo eine Firma erstmal nur wissen will, ob es sich denn überhaupt um ihren Bereich handelt. Hier würde eine maschinelle Übersetzung ausreichen, die dem Leser so ganz grob einen Eindruck vermittelt, ob sich eine "richtige" Übersetzung lohnt.

    Viele Grüße

    Hans Pich