Trojanische Netzwerke

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  • Ingo Potsch
    Ingo Potsch    Premium Member   Group moderator
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    Deutschlands Power Family
    Ein schmaler Weg im Salzburger Stadtteil Parsch. Eine Kamera überwacht das Metalltor, das die Einfahrt zum Anwesen freigibt. Auf dem Briefkasten steht ein nüchternes „Bitte keine Werbung“. Sonst nichts. Kein Name an der Klingel, nicht einmal Initialen. Hinter der Pforte schlängelt sich eine asphaltierte Straße durch den Wald den Berg hoch zum Allerheiligsten des mächtigsten Automanagers der Welt: Ferdinand Karl Piëch.

    Hier lebt der 74-jährige Porsche- und Volkswagen-Gesellschafter. Hier fällte er eine zentrale Entscheidung über die Zukunft des größten europäischen Automobilherstellers – sein Vermächntis: Zwölf Kinder von vier Frauen erben die milliardenschweren Anteile am zweitwertvollsten deutschen Konzern: VW.

    Sechs Töchter und ebenso viele Söhne im Alter von 17 bis 52 Jahren haben jetzt dem Willen ihres Vaters zugestimmt – teils nach zähem Ringen. „Ich freue mich, dass im Kreise meiner Erben Einverständnis darüber besteht, dass die Stiftung ein hervorragender Weg ist, die Zukunft unseres Unternehmens nachhaltig zu sichern“, zeigt sich Ferdinand Piëch gegenüber FOCUS glücklich.

    Der Piëch-Nachwuchs hätte eigentlich nichts in der Öffentlichkeit zu suchen, ginge es sich nicht um Autos und sehr viel Macht. So viel Macht, dass die wenigsten im Alltag unter ihrem großen Namen auftreten. Viele checken unter falschen Angaben im Hotel ein.
    Kurz vor seinem 70. Geburtstag brachte ihr Vater, der Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche, den Großteil seines Vermögens in zwei Stiftungen ein: die Ferdinand Karl Alpha und Ferdinand Karl Beta Stiftung. Die eine für seine Anteile an der Sportwagenschmiede Porsche und Europas größtem Autohersteller Volkswagen. Die andere für seine zehn Prozent am Salzburger Vertriebsnetz – gemeinsam bilden sie einen Wert von mehr als einer Milliarde Euro.
    Ferdinand Piëchs Auto-Union
    Das Imperium besteht aus den Autofirmen VW, Audi, Porsche, Seat, Skoda, Lamborghini, Bugatti und Bentley. Volkswagen soll 2018 größter Hersteller der Welt sein. Seine Anteile hält Ferdinand Piëch über die Familienstiftung.
  • Ingo Potsch
    Ingo Potsch    Premium Member   Group moderator
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    Re: Deutschlands Power Family
    Ein Teil des Gründungskapitals stammt aus einer britischen Gesellschaft vom Dezember 2006, ein weiterer aus einer Liechtensteiner Firma, die er Ende November 2006 beim Vaduzer Treuhänder und Erbrechtsspezialisten Veit Egmond Frommelt gegründet hat.

    Piëch begünstigt all seine Kinder, macht aber feine Unterschiede.

    Im Fall eines Streits haben die Nachkommen mit seiner Jugendliebe Corina und seiner heutigen Frau Ursula („Uschi“) ein doppeltes Stimmrecht im Vergleich zu den unehelichen Kindern, die er mit Marlene Porsche und einer früheren Haushälterin hat. Das letzte Wort hat Ursula Piëch. Einzige Bedingung: Trennt sich Ursula von Ferdinand oder heiratet nach dessen Tod wieder, verliert sie alles: ihre Stimme als CoStifterin und auch ihren Sitz im Beirat.

    „Der Einfluss von zweiter Seite könnte sehr groß sein“, argumentiert der lebenserfahrene 74-Jährige. „Da macht man die einfache Regelung, dass sie die starke Stellung nur so lange hat, wie sie ungebunden ist.“

    Stirbt Piëch, kann die 19 Jahre jüngere Ursula die Statuten ändern. Sie kann aber nicht den Nachwuchs der anderen Mütter enterben – egal, ob ehelich oder nicht.
    Den Einfluss auf Europas größten Autobauer übernehmen also zwölf Piëch-Kinder. „Mir liegt die gesicherte Zukunft unseres Unternehmens am Herzen“, bekräftigte der Clan-Chef gegenüber FOCUS. Deshalb habe er sich für die Stiftungskonstruktion entschieden.

    ddp Vertrauensbeweis: Den Audi-Chef Rupert Stadler ernannte Piëch zum Stiftungsvorstand Damit die Kinder nicht das Lebenswerk ihres Vaters versilbern, hat Piëch eine Klausel eingebaut: Um Anteile verkaufen zu können, müssen neun seiner zwölf Kinder zustimmen. Zudem muss der dreiköpfige familienfremde Stiftungsvorstand das Vorhaben abnicken.

    In dem sitzt seit vergangenem Oktober ein weiterer Piëch-Vertrauter: Audi-Chef Rupert Stadler, 48. Wie aus FOCUS vorliegenden Dokumenten hervorgeht, hat Piëch seinen langjährigen Büroleiter bis zum August 2014 in den Stiftungsvorstand berufen.

    Eine besondere Vertrauensposition, mit der Piëch den Fortbestand seiner Auto-Union sichern will. Und ein starkes Zeichen, dass Piëch, den 126 Experten aus aller Welt zum „Automobilmanager des 20. Jahrhunderts“ kürten, den Ingolstädter Stadler künftig in noch wichtigeren Positionen sieht.

    Rein formale Zugeständnisse verblassen daneben: Piëch hat Stadler mit einer Manager-Haftpflichtversicherung versorgt. Der Audi-Chef erhält zudem 235 Euro pro Stunde, die er der Stiftung widmet – plus Mehrwertsteuer.

    Die zwölf Kinder des Ferdinand Karl Piëch akzeptieren inzwischen das Vermächtnis ihres Übervaters. Anfangs fühlten sich drei von ihnen – darunter speziell Piëchs Erstgeborener Ferdinand – nicht ausreichend repräsentiert. Ferdinand, der mit Immobilien und Feinkost in Stuttgart handelt, erwog monatelang, juristisch gegen seinen Senior vorzugehen.

    Der Junior wollte die Stiftungsregelung nicht akzeptieren. Schließlich stimmte er doch zu. Heute trägt das Dokument die Unterschrift aller Kinder. Die zwölf, verlautet aus der Familie, seien „sehr zufrieden“.

    „Uschi und eines meiner Kinder werden in Zukunft alles managen“, hatte Piëch bereits angekündigt. „Ich weiß nur noch nicht, welches.“

    Sein Lieblingssohn Gregor, 17, dem er die größte Autobegeisterung zutraut, übt sich schon im Lenken des Familienkonzerns – vorerst nur auf Piëchs Privatanwesen in Salzburg. Am Steuer eines Porsche Turbo.