Benefits – Incentive Pay – Variable Vergütung

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  • Benjamin Schilp
    Benjamin Schilp    Premium Member
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    Re^10: "Einsatz von materiellen Anreizsystemen in Unternehmen".
    Hallo nochmal,

    nach weiteren Recherchen hat sich meine Meinung über die Gesamtthematik der Anreizsysteme doch noch ein wenig geändert, auch wenn ich weiterhin tendenziell eher dazu tendiere, vom Einsatz von materiellen Anreizen abzusehen.

    Wenn meine Diplomarbeit benotet worden ist, kann ich Ihnen diese ja gerne via Mail übermitteln.

    Liebe Grüße
    B. Schilp
  • Niels Pflaeging
    Niels Pflaeging    Premium Member   Group moderator
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    Re^11: "Einsatz von materiellen Anreizsystemen in Unternehmen".
    Na da bin ich ja gespanhnt, in welche Richtung ihre Meinung zum Thema inzwischen mäandert ist! ;-)
    Drücke die Daumen für die weitere Schreibarbeit!

    Bitte lassen sie mich noch eine These wagen.
    Hier kommt sie.

    Es gibt verschiedene wissenschaftliche Bereiche auf der Welt, da gibt es eine dominierende Theorie. Und diese Theorie schliesst andere Theorien aus. Die "anderen" Theorien, die gegenläufig sind zur dominanten, aktuellen Theorie, sind "falsch".
    Ein Beispiel: Das heliozentrische Weltbild - das besagt: Die Planeten des Sonnensystems kreisen um die Sonne.
    Diese Theorie ist dominant seit einigen Jahrhunderten. Zu Zeiten Galileos war sie noch nicht dominant, daher sein Konflikt mit der Kirche usw. Heute jedenfalls sagt kein geistig gesunder Mensch: Moment, aber ich finde schon irgendwie, dass die Erde im Mittelpunkt steht und dass auch die Sonne um die Erde kreist! (geozentrisches Weltbild). So eine Person würde man nicht ernst nehmen. Die dominierende Theorie und ihre Evidenz (viele Phänomene kann man mit dem geozentrischen Weltbild nicht erklären bzw. sie widerlegen sie) entlarven die "falsche" bzw. in diesem Fall obsolete Theorie.

    Nun, so weit zum Weltbild.
    Es gibt auch Theorie zum Menschenbild. Und da wiederum gibt es dominante Theorien. Das ist wie mit dem Weltbild. Und jetzt kommts: Die dominante Theorie zum Menschenbild ist, dass Menschen nicht motiviert werden können. Dass Menschen intrinsische Motivation in sich tragen und dass EXtrinsische Motivation keine motivierende Wirkung entfalten kann, sondern bestenfalls Demotivation verhindern kann.

    Diese Theorie wurde in den 50er und 60er Jahren erstmals in der Motivationsforschung foirmuliert, von Leuten wie Frederick Herzberg und Douglas McGregor. Um diese Theorie herum hat sich viel solider Theoriebau entwickelt.

    Das heisst nun also, die gegenläufige Theorie, dass sich nämlich Menschen motivieren lassen durch das, was man als Motivierung und Anreizung bezeichnen kann, kann nicht richtig sein. Sie ist gegenläufig. Sie muss also "falsch" sein.

    Und das ist meine These: Anreizsysteme, variable Vergütung die der Motivierung dient, Karottensysteme, Ziele mit denen man "Leistung steigern" will, Vorgaben, Quotas - all das ist ebenso "schwach-sinnig" (Schwach im Sinn weil "ohne Sinn", weil dominanter Theorie zuwiderlaufend) wie sich auf einen öffentlichen Platz zu stellen und zu rufen "Die Welt dreht sich DOCH um die Erde"!

    Sowas geht halt nur unter "kauzig", "verrückt" und vielleicht als "Performance" oder "Kunst" durch! Wenn man aber etwas tut in Unternehmen, das dominanter Theorie zuwiderläuft, dann nennt man das oft "Management".
    Kommt IHNEN das nicht auch verdächtig vor und ziemlich "verrrückt"?

    Beste Grüsse,
    Niels Pfläging
  • Benjamin Schilp
    Benjamin Schilp    Premium Member
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    Re^12: "Einsatz von materiellen Anreizsystemen in Unternehmen".
    Hallo nochmal,

    dass man Menschen nach der Theorie Y bewerten muss, und somit die Existenz einer intrinischen Motivation und deren Wichtigkeit nicht leugnen darf, darüber gibt es ja gar keinen Zweifel. Genau aus diesem Grunde ist es wichtig, dass Unternehmen versuchen diese intrinische Motivation zu fördern und weiter zu verstärken. Dies kann man durch die Pflege der herzbergischen Motivatoren erreichen, aber eben auch....auch wenn es Ihnen wohl nicht passen wird ;-)....durch das Schaffen von Anreizen. Nach weit verbreiteter Meinung bewirken materielle oder immaterielle Anreize einen sog. Verdrängungseffekt, der die intrinische Motivation abbaut. Auf dieser These fundieren die meisten Gerüste der Argumentationen der diversen Anreizgegner. Eine auf 145 Studien basierende Metaanalyse von Cameron, Banko und Pierce aus dem Jahre 2001 konnte jedoch glaubhaft belegen, dass extrinische Anreize unter bestimmten Vorraussetzungen anstelle zu einer Verdrängung zu einer Verstärkung der intrinischen Motivation führen kann. Dies ist in folgenden Fällen unter Voraussetzung der Vermeidung eines Gefühls der Fremdsteuerung bei Mitarbeitern der Fall:

    1.) Belohnungen bei uninteressanten Tätigkeiten
    2.) Verbale Belohnungen bei interessanten Tätigkeiten
    3.) Monetäre, erwartete und leistungsabhängige Belohnungen

    Aufgrund dieser FAKTEN sollte man nicht pauschal den Einsatz von Anreizen vorschnell "verteufeln"....

    Liebe Grüße und viele Dank für die Erfolgswünsche,
    B. Schilp
    This post was modified on 30 Apr 2009 at 09:19 pm.
  • Niels Pflaeging
    Niels Pflaeging    Premium Member   Group moderator
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    Re^13: "Einsatz von materiellen Anreizsystemen in Unternehmen".
    Herr Schilp,

    Sie haben offenbar nicht verstanden.
    Ich verteufele nichts. Ich habe Theorie aufgezeigt und die Bedeutung von Theorie erläutert. Offenbar verstehen sie nicht, was Theorie bedeutet?

    Also nochmal: Man kann nicht motivieren.
    Wenn dann die von Ihnen gefundene Studie doch glauben machen will, dass das geht, dann kann das verschiedene Gründe haben: Schlampiges Studiendesign, Unkenntnis der Autoren, Begriffsverwechsungen, Vermischung von Konzepten... es gibt da viele Gründe.
    Es gibt ja unendlich viele Studien - die meisten haben leider nicht viel Substanz, wenn man mal kritisch hinschaut.

    Die "Ergebnisse" der drei Schreibtischhengste (denn nur solche machen Metaanalysen) sprechen da auch eine deutliche Sprache:
    Man soll also - um nur mal den ersten Punkt rauszupicken - "1.) Belohnungen bei uninteressanten Tätigkeiten" einsetzen? Denken sie mal nach, was das ist: Das ist Schmerzensgeld. Weiter nichts.
    Wenn die Autoren der Studie jetzt sagen: Das "motiviert" oder "verstärkt intrinsische Motivation" usw., dann ist das einfach haarsträubender Unsinn. Nichts weiter.
    Das motiviert gar nicht. Und so geht das weiter. Ihr Punkt "2.)" ist keine Anreizung, sondern ANERKENNUNG. Das ist psychologisch ein ganz anderes Phänomen. Es motiviert auch nicht. Und Ihr Punkt "3)" Ist so ein Mischmasch, ein schlecht definiertes Einerlei. Das kann z.B. auf Individualanreize abzielen, oder auf Erfolgsbeteiligung. Da hier von Leistungsabhängiger Belohung die Rede ist, nochmals der systemitheoretische Hinweis, dass es in Unternehmen keine individualleistung gibt, und insofern auch keine sinnvolle, individuelle Leistungsmessung und Belohnung geben kann. Ausserdem - jetzt wieder Theorie allgemein, KANN so etwas nicht motivieren. Da können noch so viele Schreibtischhängste die Primärforschung durchforsten. Übrigens haben andere auch schon Sekundärforschung zum Thema Motivation betrieben - darunter vermutlich etwas kompetentere Leute wie Alfie Kohn und Jim Collins und Team. Sie alle haben keine Hinweise auf das Funktionieren von Anreizen gefunden.

    Aber wenn ihre Autoren sagen, die Sonne dreht sich doch um die Erde, dann könnte das natürlich doch irgendwie stimmen - zumindest vielleicht bei Sonnenfinsternis und gleichzeitiger Mondfinsternis, oder so? ;-)

    Gruss,
    Niels Pfläging