Weinforum Nord nach Süd

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  • Philipp Erik Breitenfeld
    Philipp Erik Breitenfeld    Premium Member   Group moderator
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    Riesling - Deutschlands ultrastarke Rebsorte
    Riesling - Deutschlands ultrastarke Rebsorte

    Freitag, den 12. Juni 2009 um 14:10 Uhr von Rainer Henke

    Im Weinland Deutschland werden weit über einhundert verschiedene Rebsorten angebau. Die zehn wichtigsten davon nehmen rund drei Viertel der deutschen Rebfläche ein. Je nach Jahrgang werden etwa 65 Prozent Weiß- und 35 Prozent Rotweine erzeugt. Eindeutiger Spitzenreiter ist die weiße Traubensorte Riesling. Ihr kommt heute und in Zukunft eine besondere Aufgabe zu.

    Riesling - Führung in der Menge

    Von gut 102.000 Hektar Weinbergen in Deutschland (Jahr 2008; Quelle: DWI) nimmt der Riesling 21,9 Prozent (plus 3,3 Prozent zum Vorjahr) der bestockten Rebflächen ein und rangiert damit auf Platz eins vor Müller-Thurgau mit 13,4 Prozent (minus 0,7 Prozent) und Spätburgunder (Pinot Noir) mit knapp 11,5 Prozent (minus 0,2 Prozent).

    Der Riesling-Anteil wächst in allen dreizehn deutschen Anbaugebieten. In elf Gebieten gehört Riesling zu den “Classic”-Rebsorten. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um Weine aus klassischen Rebsorten, gebietstypisch für das jeweilige Anbaugebiet und an besondere Herkunfts- und Qualitätsbedingungen geknüpft. Übrigens darf ein “Classic”-Wein immer nur aus einer Rebsorte gekeltert werden. Einzige Ausnahme bildet die Württemberger Rotweinspezialität “Trollinger mit Lemberger“.

    Riesling hat in den letzten 20 Jahren um rund 5.000 Hektar zugelegt, 2006 allein um rund 500 Hektar. Im Rheingau nimmt die Rebsorte knapp 80 Prozent der Rebfläche ein. Weitere wichtige Anbaugebiete sind Pfalz, Mosel, Rheinhessen, Württemberg, Baden und Nahe. Doch nicht allein die Menge macht den Erfolg.

    Riesling - Führung in der Qualität

    Riesling-Weine aus allen deutschen Anbaugebieten punkten regelmäßig bei nationalen und internationalen Wein- und Riesling-Wettbewerben. Das zeigt auch: Man kann unter optimalen Bedingungen große Weine aus dieser Rebsorte erzeugen. Nicht, dass dieses nicht auf für andere Traubensorten Gültigkeit hätte. Der Riesling scheint jedoch seine speziellen Anforderungen und Bedürfnisse zu haben. Und bei deren Erfüllung mit herausragenden Ergebnissen zu glänzen.

    Einige Winzer behaupten, Rebsorten wie Chardonnay könne man überall pflanzen und es komme auch überall etwas dabei heraus. Nicht so beim Riesling. Hier spielen die für den Erfolg bedeutenden Komponenten, also Boden und Lage, Klima, Reberziehung und Handschrift des Winzers, eine noch bedeutendere Rolle. Der Riesling braucht zum Beispiel seine speziellen Böden und bevorzugte Lagen. Handwerklich scheint es die größere Herausforderung zu sein, einen edlen, großen und vielleicht auch lange lagerfähigen Riesling zu erzeugen. Und der ist dann auch ein verdienter Medaillen-Kandidat.

    Riesling - Führung beim Image

    Über 60 Prozent der weltweiten Riesling-Weinberge befinden sich in Deutschland. Das verpflichtet, etwas für den Ruf und das Image dieser Rebsorte zu tun. Im Ausland hat das DWI, das Deutsche Wein-Institut, die Rebsorte Riesling in das Zentrum seiner Marketing-Aktivitäten gerückt. In Deutschland selbst werden rund 45 Prozent der deutschen Weine im Discounter verkauft, doch selbst hier hat man damit begonnen, auch höherwertigen Qualitäten einen Platz im Sortiment einzuräumen.

    Die Weinkonsumenten und -liebhaber haben längst entdeckt, dass vor der eigenen Haustüre gute Weine wachsen und Winzer durch ihr Können absolut überzeugen. In der Gastronomie, die es in diesen Tagen wirklich nicht leicht hat, spricht man von dem Trend, lieber weniger alkoholhaltige Getränke und Wein zu konsumieren, dafür häufig jedoch bessere Qualitäten. Außerdem gibt es inzwischen beispielhafte Bemühungen um “Spezialitäten aus der Region”, das heißt um typische Speisen und Weine des jeweiligen Herkunftsgebiets.

    Die Winzer, die anspruchsvolle Qualitätsweine erzeugen, können bei höheren Preisen ihre Profitsituation verbessern. Wichtig dabei ist, dass die besonderen Qualitäten und Leistungen den potenziellen Konsumenten auch bekannt werden. Dabei ist professionelles Weinmarketing unverzichtbar. Die - zweifellos notwendigen - Beteiligungen an Wettbewerben und “Awards” reichen da nicht aus. Es gehört dazu, die Kunden und deren Gewohnheiten zu kennen. Von den Erzeugern aus der Neuen Welt kann man außerdem lernen, was es bedeutet, gute Ausstattungen und einfache Bezeichnungen zu verwenden. All das ist wichtig, um sich mit den Qualitäten sowie mit der optimalen Vermarktung gegen die Konkurrenz zu behaupten. Die im In- und Ausland. Es sei daran erinnert, dass Deutschland nicht nur erfolgreicher Weinexporteur ist, sondern gleichzeitig als weltweit bedeutendster Weinimporteur gilt. Derzeit nehmen Auslandsweine immerhin gut 55 Prozent des Weinkonsums in Deutschland ein.

    Riesling - die Chance

    Es gibt einige Dinge, die den Winzern helfen. Zunächst spielt ein Trend hin zu leichteren, weniger fettreichen und würzigen Speisen eine Rolle. Hier passen die Weine aus kühleren Klimazonen, die so genannten “Cool Climate-Weine”, gut hinein. Ihre Trauben genießen längere Reifezeiten. Dadurch können sich intensivere Fruchtaromen ausbilden. Der Riesling ist hierfür ausgezeichnet geeignet.

    Man muss sich nicht schämen, die Einzigartigkeit typisch deutscher Rebsorten und deren Vielfalt deutlich hervorzuheben. Auch die bereits genannten Stärken regionaler und lokaler Spezialitäten in Verbindung mit ausgewählten Riesling-Weinen spielt eine Rolle. Ohnehin steckt in einer besseren Verbindung von Wein, Speisen und Tourismus noch eine Menge kreatives Potenzial.

    Da sind wir schon beim Thema Wein und Zielgruppen. Wer genießt heute (welche) Weine? Und wer morgen? Warum? Wein ist Freude und Teil eines bewussten, modernen Lebensstils. Es gibt zahlreiche Anlässe, zu denen Wein ein willkommener Begleiter ist. Die junge Genießer-Generation, denen völlig egal ist, ob der Wein über einen Schraub- oder Kork-Verschluss verfügt, sucht neue Entdeckungen. Die erfahrenen Weingenießer diskutieren leidenschaftlich über die Aufsteiger und Sternchen unter den Winzern und Erzeugern. Riesling ist eine geeignete Rebsorte, um sie alle mit Qualität und guten Konzepten zu überraschen und zu überzeugen.

    http://www.readers-edition.de/2009/06/12/riesling-deutschlan...

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