Wissensmanagement

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  • Dr. Angelika Kolb-Telieps
    Dr. Angelika Kolb-Telieps    Premium Member   Group moderator
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    Nutzen von Wissensmanagement
    Einige Beiträge in diesem Forum berichten darüber, dass die Einführung von Wissensmanagement in vielen Unternehmen, sowohl großen als auch mittelständischen, auf Widerstände stößt. Dies ist auch meine persönliche Erfahrung. Statistiken besagen, dass in Deutschland weniger als 5 % der Unternehmen wissensbasiert arbeiten und das in einer Zeit, in der nach EU-Statistiken 40 % der Beschäftigten im Informationssektor arbeiten. Im Vergleich dazu werden für produzierende Branchen nur noch 30 % angegeben.

    Häufig wird Zeitknappheit als Grund dafür genannt, dass andere Aufgaben als dringlicher bewertet werden. Ich kenne jedoch keine Kennzahlen, welche beweisen, dass der für ein ausreichend einfaches Wissensmanagement erforderliche Zeitaufwand höher ist als derjenige für überflüssige Sucharbeit durch alle Mitarbeiter. Nicht nur in Zeiteinheiten zu bewerten ist der Qualitätssprung in den Entscheidungsgrundlagen für das Management. Interessante Details für diese Zusammenhänge sind u.a. in Kap. 7 in "Schneller als der Kunde" von E.G. Geffroy zu finden.

    Ich würde mich an dieser Stelle über Kommentare und Beispiele zum Nutzen von Wissensmanagement freuen.
    Angelika Kolb-Telieps
  • Martin Blaschka
    Martin Blaschka    Group moderator
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    Re: Nutzen von Wissensmanagement
    Angelika Kolb-Telieps schrieb:
    Nicht nur in Zeiteinheiten zu bewerten ist der Qualitätssprung in den Entscheidungsgrundlagen für das Management.

    Meiner Erfahrung nach wissen die wenigsten Unternehmen welches Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter vorhanden ist.

    Allerdings krankt es daran, daß die Mitarbeiter die (reale?) Gefahr sehen, durch Einträge in eine Knowledge-DB sich selbst überflüssig zu machen, und daher jeder Vorwand recht ist, nichts eintragen zu müssen, was der eigenen Arbeitsplatzsicherheit zuwider läuft.
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  • Dr. Angelika Kolb-Telieps
    Dr. Angelika Kolb-Telieps    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Nutzen von Wissensmanagement
    Guten Tag Herr Blaschka und Herr Schmidt,

    ich verstehe Ihre interessanten Beiträge so, dass viele Topmanager nicht wissen, welches Potenzial in den Köpfen Ihrer Mitarbeiter ungenutzt bleibt. Wirklich schade! Über einen Beitrag von H. Löhrs in diesem Forum habe ich mich zu http://www.weichbrodt.de "durchgelinkt". Der Geschäftsführer der Brühne Gruppe beschreibt dort, wie das Unternehmen durch Wissensmanagement und EFQM seinen Jahresüberschuss um 30% steigern und ein gutes Unternehmensrating erreichen konnte.

    Wie Sie richtig anmerken, passt in vielen Unternehmen die Kultur nicht zu Wissensmanagement. Vor den Mitarbeitern müssen also erst einmal die Entscheidungsträger begeistert werden. Haben Sie Ideen, was wir in diesem Sinne tun können?

    Ich freue mich auf Ihre Antworten.
    Angelika Kolb-Telieps
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  • Martin Blaschka
    Martin Blaschka    Group moderator
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    Re^5: Nutzen von Wissensmanagement
    Hallo in die Runde,

    ich kann mich meinem "Vorredner" inhaltlich nur anschließen.

    Noch krasser wird die Situation bei M&As -- vor allem wenn es darum geht, "Synergieen zu heben"...
    Da ist prinzipiell jeder Arbeitsplatz a priori gefährdet, wenn es obendrein noch ein kapitalmarktorientes Unternehmen (AG) ist, dann könnte sich jeder MA selbst die Kündigung ausstellen, der sich aktiv in ein derartiges Tool einbringt.

    LG
    Martin Blaschka
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  • Michael Wild
    Michael Wild    Premium Member   Group moderator
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    Re^7: Nutzen von Wissensmanagement
    Hallo in die Runde,

    wehmütig lese ich, dass hier einige den Nutzen vom Teilen des Wissens nicht erkennen bzw. dies als Gefahr für Ihren Arbeitsplatz sehen.

    Auch aus meiner Sicht ist Wissensmanagement, wie schon einige kurz angemerkt haben, in erster Linie ein Kulturthema. Vorrangig spielt natürlich die Unternehmenskultur eine große Rolle. Aber auch die Kulturen, welche das Unternehmen bzw. die einzelnen Mitarbeiter umgeben, sind nicht zu unterschätzen. MA im Europa werden sich anders verhalten als in Asien oder Amerika. In einem Multinationalen Unternehmen, mit MA aus unterschiedlichen Kulturen wird es anders sein, als in einem Nationalen Unternehmen. Aber damit erzähle ich Ihnen sicher nichts Neues.

    Es liegt immer in der Hand der Unternehmensführung, die Kultur im Unternehmen zu prägen und zu verändern. Sie hat auch die Verantwortung, die notwendigen Voraussetzungen für eine Wissensteilung und Wissensweitergabe in einem Unternehmen zu schaffen und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Erst dann liegt es bei den einzelnen Mitarbeitern, sein Wissen weiter zu geben bzw. zu Verfügung zu stellen.

    Sein Wissen nicht preis zu geben, kann auch fatale Folgen für ein Unternehmen haben. Wie soll neues Wissen generiert werden, wenn das alte nicht preis gegeben wird? Ist es nicht so, dass durch gemeinsames Wissen neues Wissen generiert werden kann? Könnte nicht viele leere Kilometer durch das Teilen von Wissen verhindert werden? Oft noch wird das Rad in Unternehmen ein zweites Mal neu erfunden - weil niemand wusste, dass es bereits einmal erfunden wurde.

    Mir fällt da noch der Vergleich mit dem Lehrlings-Meister-Prinzip ein. Wenn der Meister dem Lehrling sein Wissen nicht weiter gibt, hat der Lehrling doch niemals eine Chance, die Arbeit in einer ähnlichen Qualität und Quantität wie der Meister zu erledigen. Auf der anderen Seite hat der Meister auch nicht die Chance von den Ideen des Lehrlings zu profitieren.

    Andere Sichtweisen auf sein eigenes Wissen öffnen oftmals einen neuen Horizont und führen zu neuen Ideen, die einen auch persönlich bereichern.

    "Ich teile gern mein Wissen."

    In diesem Sinne,

    Lg MW
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  • Franz Zuckriegl
    Franz Zuckriegl    Premium Member
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    Re^9: Nutzen von Wissensmanagement
    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich hab' nun schon viele "Wissensmanagement-Projekte" gestaltet und die erste Frage ist IMMER: "Um Himmels willen, wenn ich mein Wissen preisgebe, bin ich doch selber nicht mehr wichtig – und werde einfach ersetzt!?!"

    Ich antworte dann immer: "Haben Sie Ihren Kolleginnen oder den Chefs noch nie darüber erzählt, wie es in Ihrer Arbeit oder in einem speziellen Projekt gelaufen ist?" "Ja, sicher..." "Sehen Sie", sag' ich dann, "mehr passiert auch beim Wissensmanagement nicht: Sie erzählen, was SIE für wichtig halten. Und andere wissen sollten, um erfolgreich mit Ihnen zusammen- oder weiterarbeiten zu können."

    Ich stimme auch den VorposterInnen und insbesonders Herrn Albr. zu, dass das Vertrauen die wichtigste Währung im Umgang und Handel mit Wissen ist. Und wenn ein Unternehmen eine Kommando-Kultur hat oder wenn nur mit purer Vorteils-Berechnung kommuniziert wird, dann wird das auch im Wissensmanagement nicht anders sein. Das bedeutet aber nicht, dass KEIN Wissensmanagement oder KEINE Weiter-Entwicklung möglich wäre.

    Die zweitwichtigste Währung im Wissensmanagement ist der Nutzen. Wer eine ganz konkrete Anwendung (ein Verfahren, einen spezifischen Prozess, ein neues Projekt u.ä.) in einer Organisation findet, die sich durch Wissensmanagement verbessern lässt, hat fast gewonnen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die am eigenen Leib erfahren haben, dass Wissensmanagement "etwas bringt", werden das auch gerne weitererzählen und andere davon überzeugen...

    Mit den besten Grüßen
    Franz Zuckriegl