Wissensmanagement

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    Matthias Bunge
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    Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    momentan schreibe ich an der Universität Rostock am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik eine Diplomarbeit zum Thema "Wissensmanagement als Konzeption für Klein- und Kleinstunternehmen".
    Es ist insofern eine literaturbasierte Arbeit. Ich sitze also an theoretischen Büchern und Sie sozusagen z.T. an der Quelle der Praxis.
    Mich würde einmal Ihre Einschätzung interessieren, ob Wissensmanagement und wenn, unter welchen Voraussetzungen als Konzeption für Kleinstunternehmen aufgrund der Belastungen und der Struktur dieser Unternehmen überhaupt machbar ist? Meine Erfahrung ist, dass solche Unternehmen sozusagen durch ein "one-hand-Management" organisiert sind. Wo sehen Sie Möglichkeiten bzw. Probleme für Wissensmanagementkonzepte?

    Ich bin Ihnen dankbar für Ihre Mithilfe und freue mich auf Ihre Antworten,

    Matthias Bunge

    P.S. Falls Sie speziell zu diesem Thema Literatur- oder Quellenhinweise haben, bin ich Ihnen auch sehr dankbar.
    This post was modified on 10 May 2008 at 10:24 am.
  • Uwe Carsten Krause
    Uwe Carsten Krause    Premium Member
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    Re: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Hi,

    als Vorstand einer kleinen AG, die sich zudem noch mit Wissensmanagement befasst, bin ich wahrscheinlich doppelt befangen, aber nichts desto trotz...

    Generell sehe ich gerade bei Klein und Mittleren Unternehmen eine Bedarf dafür, da hier eine Abwanderung von Mitarbeitern wahrscheinlicher ist als bei Großunternehmen. Zudem ist der Wegfall eines einzelnen MA mit seinem Know How für solche Unternehmen schwerer zu verkraften.

    Ein gutes Wissensmanagement kann hier zumindest eine effektivere Einarbeitung neuer MA ermöglichen. Zugleich wird das Wissen nicht mehr bei einzelnen MA gehortet, wie es noch oft bei kleinen Unternehmen vorkommt.

    Was wir bei uns selbst aber auch bei Kunden diese Größenordnung gemerkt haben, ist dass die teilweise fehlenden Strukturen und klaren Regeln eine Einführung und Umsetzung von Lösungen erschweren.
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  • Martin Blaschka
    Martin Blaschka    Group moderator
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    Re: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Ist der Begriff Wissensmanagement für EPUs / Kleinstunternehmen ausreichend definiert?

    Bei Wissen das ich nur sporadisch benötige, merke ich mir wo ich es finde.

    Mit meinen knapp 30 Jahren Berufserfahrung decke ich mittlerweile rd. 70% der Anforderungen mit meiner Erfahrung ab. Den Rest mit frisch erworbenen Wissen, oder mit Recherche "on demand".

    Wie paßt die Erfahrung hier hinein -- wurde das schon ausreichend erforscht?
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    Matthias Bunge
    (not a XING member)
    Re^3: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Zunächst möchte ich mich ganz herzlich für Ihre Kommentare bedanken.

    Ich stimme Herrn Held zu: die Wissensarten und -dimensionen in Kleinstunternehmen werden sich zwangsläufig aufgrund deren enormer Vielzahl und infolgedessen starken Heterogenität unterscheiden. Die traditionelle Bäckerei von nebenan braucht anderes Wissen, als das moderne Biotechunternehmen. Ich werde deshalb versuchen anhand ausgewählter exemplarischer Idealtypen untermauert mit Best-Practice-Ansätzen Lösungen aufzuzeigen. Aber es gibt auch "homogene", d.h. allgemeine Voraussetzungen, die eine Wissensmanagmentkonzeption determinieren, z.B. Betriebsgröße, Mitarbeiterzahl, geringe Kapitalausstattung etc.
    Letztendlich muss ein Ansatz hierfür beide Aspekte berücksichtigen und natürlich auch unter dem von Ihnen angesprochenen Kosten-Nutzen Aspekt und zwar nicht nur auf finanzieller Ebene, sondern auch bzgl. anderer Ressourcen (z.B. Zeit). Wissensmanagement kann bei diesen Unternehmen nur funktionieren wenn es mit den vorhandenen Mitteln des Unternehmens realisiert werden kann.

    Ich glaube auch, dass die von Hr. Blaschka angesprochene Erfahrung enorm wichtig ist, auch wenn sie tatsächlich wissenschaftlich kaum erfasst ist, was wahrscheinlich an Problemen der Operationalisierung dieses Gegenstandes liegt. Ich glaube auch, das insbesondere bei solchen inhabergeführten Unternehmen die Intention (das sog. Bauchgefühl) häufig unterbewertet ist. Aber da verlasse ich wohl die Rationalität der BWL.
    Ich glaube auch, dass der "on demand"-Ansatz in regional und lokal abgegrenzten Märkten aufgrund ihrer Überschaubarkeit, z.B. in traditionellen Unternehmen temporär ausreichen könnte. Aber wie sieht es in Märkten aus, die einer permanten Veränderung und starken Konkurrenz unterworfen sind? Überholt da nicht das Angebot durch die Entwicklung des Umfeldes die Vorstellung von dem was sie glauben ausreicht nachzufragen?

    Ich danke Ihnen nochmals für den Input!
    This post was modified on 11 May 2008 at 06:54 pm.
  • Dr. Mark Hefke
    Dr. Mark Hefke
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    Re^4: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Hallo,
    vielleicht interessiert Sie in diesem Zusammenhang auch dieses Paper,
    in dem der Versuch unternommen wurde, eine Modell für die Beschreibung und Übertragbarkeit von Best Practices
    für WM zu entwickeln.

    http://www.fzi.de/ipe/publikationen.php?id=1704

    Viele Grüße,

    Mark
    This post was modified on 12 May 2008 at 12:58 pm.
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    Matthias Bunge
    (not a XING member)
    Re^5: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Hallo Herr Hefke,

    vielen Dank für den Link. Auf den ersten Blick erscheint mir das Paper zumindest für die theoretischen Teil der Frage nach der Übertragbarkeit von KM Best-Practice Ansätzen sehr interessant.

    Nochmals danke für die Hilfe,

    Matthias Bunge
  • Dr. Mark Hefke
    Dr. Mark Hefke
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    Re^6: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Hallo Herr Bunge,

    Der "praktische" Teil sieht dann so aus:

    http://www.kmir.de

    Es handelt sich dabei um ein System zur ontologiebasierten Speicherung und Wiederverwendung
    von WM Best Practices.
    Unternehmen , die WM "einführen" möchten, können auf dieser Basis ein Profil mit Problemen, Zielen, organisatorische Struktur, technischer Infrastruktur, aber auch unternehmensspezifischen Kennzahlen (Umsatz, Größe, Branche etc.) erstellen (insgesamt sind es ca. 30 Indikatoren). KMIR identifiziert dann das "ähnlichste" Profil, das für eine WM Einführung wiederverwendet werden kann und zeigt Nutzen-/Einsparungspotentiale.

    Allerdings gibt es nicht so viele kleine Best Practices von ganz kleinen Unternehmen. Wäre
    allerdings schon interessant, was da die speziellen Probleme bzw. Herausforderungen
    und Lösungsansätze sind. Hier können Sie mehr zu dem System erfahren.

    http://www.fzi.de/ipe/publikationen.php?id=1565

    bzw. können Sie mich bei Fragen natürlich auch gerne kontaktieren. Viel Erfolg!

    Grüße,

    Mark Hefke
    This post was modified on 12 May 2008 at 01:21 pm.
  • Boris Jäger
    Boris Jäger    Premium Member   Group moderator
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    Re^7: Wissensmanagement in einem Kleinstunternehmen?
    Hallo Herr Bunge,

    ich hoffe sie mögen engl. Literatur:

    Pi-Sheng Deng
    Applying a Market-Based Approach to the Development of a Sharing-Enabled KM Model for Knowledge-Intensive Small Firms
    Information Systems Management, Volume 25, Issue 2 March 2008 , pages 174 - 187

    Link: http://dx.doi.org/10.1080/10580530801941389

    Also das ALLTÄGLICHE Wissensmanagement in kleinen Unternehmen funktioniert besser als das in mittleren und großen, eben weil sie klein sind - zumindest das persönliche Wissensmanagement und darauf kommt es ja an, oder nicht?

    Viel mehr sehe ich das Problem bei kleinen Unternehmen mit Wissensmanagement anzuklopfen. Viele werden ihnen sagen "Das machen wir doch schon immer, das ist für uns doch nichts neues!". Was sagen sie da? Also vielleicht machen sie das richtige (Wissen managen) aber nicht richtig oder optimal (bewußt, systematisch und kontinuierlich). Vielleicht sind die Unternehmen erfolgreich aber kann dieser Erfolg auf ihr alltägliches Wissensmanagement zurückgeführt werden? Nicht nur im geringsten konkret. Wie auch immer, manchmal ist es empfehlenswerter, gerade in kleinen Unternehmen, das Wissensmanagement unter einen anderen vertrauteren Label laufen zu lassen (z.B. Qualitätsmanagement).

    Wie Wissen letztendlich effektiv und effizient "gemanagt" werden sollte ist natürlich abhängig von vielen Faktoren. Im Bsp. oben handelt es sich um wissensintensive kleine Unternehmen (z.B. Unternehmensberatungen), wie sieht es aber in weniger wissensintensiven Unternehmen (z.B. Handwerk) aus?

    Dazu ein paar Links zu Projekten in diesem Bereich:

    - http://www.wissensmanagement-handwerk.de
    - http://www.handwerk-international.de/wissensland/startseite....
    - http://www.elwis.info/

    (Auf meiner Homepage unter http://www.wissensmanagement-jaeger.de/de_service-inwile_lin... finden Sie bei "Projekte" weitere WM-Initiativen für KMU)

    Allgemein sollten Sie bei Ihrer Analyse über die Rahmenbedingungen bzw. über die Organisation und Struktur der Wissensbasis eines Unternehmens die relevanten Wissensmanagementprozesse, -Barrieren und -Erfolgsfaktoren sowie die erforderlichen Wissensmanagement-Instrumente ermitteln.

    Betrachtet man dabei allein die kulturellen Rahmenbedingungen, so sollte man dabei zumindest 6 kulturelle Sphären berücksichtigen (vgl. Schneider, S. C.; Barsoux, J.-L.: Managing Across Cultures. London u. a.: Prentice Hall, 1997: 446ff.). Insbesondere bei kleinen Unternehmen sollte man zusätzlich auch noch die individuelle klulturelle Sphäre beachten (Stw. Generations- und Geschlechtsunterschiede) .

    Aus den sonnigen Südwesten viele Grüsse,
    Boris Jäger
    This post was modified on 14 May 2008 at 02:20 pm.