Wissensmanagement
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Dr. Evangelos Nephelis(not a XING member)Definition von Wissensmanagement?
Was verstehe ich unter Wissensmanagement?
Information ist ein Interpretationsprozess von Zeichen mit ihren impliziten Logiken vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung. Ein Text mit chinesischen Schriftzeichen "informiert" mich nicht, wenn ich keine Sinologie studiert habe.
"Information" bezeichnet im Grunde nichts Gegenständliches, sondern ist eine in der deutschen Sprache typische "Nominalisierung", von Philosophen und Politikern gerne verwendet, um verallgemeinernd die Bedeutung des Gesagten zu erhöhen. Der Charakter eines Prozesses bleibt jedoch. Daher muß man eher von dem "sich informieren" sprechen.
Wissen bezeichnet ebenfalls einen Prozess, und zwar den Abgleich eines erkennenden, autonomen Wesens von in dem situativen Kontext erkannten, impliziten Logiken der Dynamik mit bereits abgespeicherten Mustern, Erfahrung genannt.
Passen diese Muster bezüglich der - zumeist oberflächlich betrachteten Kriterien - übereinander, "erkennet" Mensch hier parallelen, so meint er - "zu wissen". Dennoch könnte es sein, daß die impliziten Logiken des gespeicherten, situativen Kontextes nur ähnlich sind, sodaß wir fälschlicherweise unsere Beobachtung nicht richtig einordnen, also ggf. in gutem Glauben Handlungsmuster zeigen, welche in diesem situativen Kontext, also auf dieses Set impliziter Logiken nicht passen.
Zum "Wissen" gehört also dazu, daß man über ein Methodenrepertoire des Abgleiches von impliziten Logiken der beobachtbaren oder sogar sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeit mit seiner gedanklichen Vorstellung verfügt, sodaß man erkennen kann, wann ein Wissenstranfer von Handlungslogiken in andere Kontexte überhaupt zulässig ist.
Wissen läßt sich also nur dann "speichern", wenn nicht nur die Handlungslogiken (oder Anweisungen) in Textform abgelegt sind, sondern insbesondere die impliziten Logiken der dahinter liegenden, situativen Kontexte entnehmbar sind. Eine mögliche Form ist hierbei die Erzählform, also in Geschichten, welche die impliziten Logiken der situativen Kontexte ja mit transportieren.
Wissensmangement bezeichnet eine Tätigkeit, nämlich für alle Mitarbeiter diese Geschichten, also Handlungsanweisungen mitsamt deren situativen Kontexte zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu machen, sprich so zu organisieren, daß diese entsprechend Schlagworten schnell aufgefunden werden können, aber auch - und das wir zumeist vernachlässigt - Mitarbeiter anzuweisen, für einen Kollegen mal auf die Schnelle die für seine Arbeit notwendigen Informationen, also denjenigen Text, welchen er vor seinem Erfahrungs - oder Wissenshintergrund zur Lösung seines Probleme heranziehen kann, bereit zu stellen. Dies erfordert zumeist eine Umstellung der Unternehmenskultur, also der ungeschrieben Regelwerke des Miteinanders.
So, und nun könnte ich das nun noch in einem Satz verdichten ...kann es aber auch lassen ;-)
E. Nephelis
- 08 Nov 2006, 2:35 pm
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Mark Hohertz Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Definition von Wissensmanagement?
Verdichten Sie dies doch einmal in einem Satz. Würde mich interessieren. Vielen Dank vorab!
- 08 Nov 2006, 4:37 pm
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Prof. Dr. Klaus P. Jantke Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Definition von Wissensmanagement - ein Votum für einfache und klare Aussagen
Ludwig Wittgenstein hat im Vorwort seines Tractatus Logico-Philosophicus, 1922 (glaube ich), geschrieben: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen."
Hinter gebildet klingenden Konstruktionen verbergen sich oft eine Menge Hohlräume. Die tollste Demonstration dessen hat Karl R. Popper gegeben, der auszugsweise Adorno und Habermas übersetzt hat. Die Übersetzung in einfache Sprache läßt einige Schlußfolgerungen u.a. über die Persönlichkeiten Adorno und Habermas zu sowie über den Wert ihrer geistigen Leistungen. Aber das führt zu weit.
Eigentlich wollte ich nur schreiben, daß mir die Formulierung ...
Konstantin Tsambasis schrieb:
...
ein greifbar machen von Informationen jeder Art ...
... gut gefällt.
- 29 Dec 2006, 11:36 am
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Michael H. GerloffThe company name is only visible to registered members.Re: Definition von Wissensmanagement - ein Votum für einfache und klare Aussagen
Prof. Dr. Klaus P. Jantke schrieb:
>(Popper / Adorno und Horkheimer...) Aber das führt zu weit.
Hallo, Herr Prof. Jantke,
das finde ich auch :-) Entschuldigen Sie und die Mitleser bitte diesen OT-Beitrag, aber es muß sein, damit nachher niemand sagen kann...
"Die Forderung solcher Eindeutigkeit geht auf Kosten dessen, was der Eindeutigkeit sich entzieht. Mit Vorliebe macht man dann das allzu komplizierte Denken des Intellektuellen verantwortlich für Sachverhalte, die ihm, will er nicht lügen, einfache Bestimmungen nach dem Schema Entweder-Oder verwehren."
[T.W. Adorno, Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Auf die Frage: Was ist deutsch.]
Generell bin ich mißtrauisch, wenn Leute mit einem "Das ist ganz einfach" ankommen, um Probleme "zu lösen". Oder um es mit dem Publizisten Henry Louis Mencken zu sagen: "Für jedes Problem gibt es eine einfache Lösung – klar, einleuchtend und falsch."
Unbenommen ist aber, daß hinter vielen "Ratgebern" große Mengen heißer Luft stecken.
Viele Grüße und einen Guten Rutsch,
Michael H. Gerloff
- 29 Dec 2006, 12:35 pm
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Prof. Dr. Klaus P. Jantke Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Definition von Wissensmanagement - ein Votum für einfache und klare Aussagen
Ja, klar, und außerdem war das - ehrlich gesagt - der junge Wittgenstein.
Ich stimme damit überein, daß wird versuchen sollten, der Komplexität einer Sache gerecht zu werden. Manchmal geht das eben nicht ganz kurz.
Aber für die, die's noch nicht kennen, ein Beispiel:
Habermas zitiert Adorno: "Die gesellschaftliche Totalität führt kein Eigenleben oberhalb des von ihr Zusammengefaßten, aus dem sie selbst besteht."
Popper übersetzt: "Die Gesellschaft besteht aus den gesellschaftlichen Beziehungen."
Aber, wie schon gesagt, ich fand ...
ein greifbar machen von Informationen jeder Art
... in seiner Einfachheit ganz anregend.
- 29 Dec 2006, 6:19 pm
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Prof. Dr. Klaus P. Jantke Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: Definition von Wissensmanagement - ein Votum für einfache und klare Aussagen
Stoßrichtung schon, aber die Klingen von Adorno und Habermas waren mindestens barock verziert (was man nicht braucht) bzw. hatten einen Knoten (was wenig nützt).
- 03 Jan 2007, 3:49 pm
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Prof. Dr. Klaus P. Jantke Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^6: Definition von Wissensmanagement - ein Votum für einfache und klare Aussagen
Nee, ich verstehe den jungen Wittgenstein grundlegend anders. Er stand schwer unter dem Eindruck von Bertrand Russell. Wenn Sie genau lesen, ist der halbe Tractatus Logico-Philosophicus nichts weiter als in die Umgangssprache übersetzte Modelltheorie (ehrlich!).
(Ich traue mich, ein wenig über Modelltheorie zu schreiben; habe noch Vorlesungen bei Carl Schröter gehört und bin selbst Schüler von Helmut Thiele; der neben Günter Asser einer der beiden "richtigen" Schüler von Carl Schröter; wir kommen alle von Heinrich Scholz her - erstes Institut für Mathematische Logik in Deutschland.)
Ich glaube (ehrlich!), Hintikka versteigt sich da vollkommen. Wittgenstein hatte 1922 noch nicht die Stufe der Gödelschen Theoreme erreicht, geschweige denn, sie vorwegnehmen zu können.
Sie nennen Kripke, aber das ist doch alles noch gar nichts gegen die Schrecken der endlichen Modelltheorie - siehe Yuri Gurevich, Zero-One-Laws. Davon hat Wittgenstein nichts geahnt.
- 03 Jan 2007, 5:21 pm
