Work-Life-Balance

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  • Beatrice Legien-Flandergan
    Beatrice Legien-Flandergan    Premium Member   Group moderator
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    Mit 6 Schritten aus der Burnout-Falle kommen
    Liebe Freunde der Work-Life-Balance,

    ich habe heute einen sehr anregenden Artikel von Ruth Hellmich, einer Rechtsanwältin, die als Trainerin, Coach und Mediatorin tätig ist, gelesen. Da es super in unsere Gruppe passt und tolle Anregungen bietet, möchte ich Ihnen hier die sechs Schritte aus diesem Artikel weitergeben.

    Um aus einem Burnout-Zyklus herauskommen zu können, können nur wir selbst etwas daran verändern. Ist es noch früh genug, kann man es meist noch mit Anleitung selbst schaffen. Sehr häufig ist aber eine professionelle Unterstützung sinnvoll.

    Hier sind die sechs Schritte, die Frau Hellmich empfiehlt:

    1. Einsicht
    Der Betroffene erkennt, dass er Burnout-gefährdet oder bereits erkrankt ist. Die Symptome und die Tatsache, dass er etwas verändern muss, sind ihm bewusst. Um zu dieser Einsicht zu gelangen, benötigen Betroffene unterschiedlich viel Zeit. Rückschritt und Stagnation sind möglich.Diesem Schritt geht häufig ein Ignorieren, Verdrängen oder Bagatellisieren der Symptome voraus. Typische Aussagen diesbezüglich sind: „Mal Schlafstörungen hat doch jeder“ oder „Nach dem Projekt wird alles besser“. Die Erkenntnis über die Erkrankung kann einen lähmenden Schock auslösen, der es unmöglich macht, über eine Veränderung nachzudenken, soweit möglich lebt die Person äußerlich weiter wie bisher.

    2. Erkennen der eigenen Verantwortung und der darin liegenden Chance
    Wir müssen aufhören anderen oder der Situation die Schuld an unserem Elend zu geben und auch damit, uns und anderen einzureden, dass nichts geändert werden kann. Selbst in einem sozialen Umfeld, das uns – oft unbewusst und wohlmeinend – immer wieder von uns und unseren Impulsen und Gefühlen wegziehen möchte, bleibt nur die eigene Verantwortung. Wer einsieht, seinen Krankheitszustand durch zahlreiche Entscheidungen in der Vergangenheit selbst versursacht zu haben, kann eher auf die eigene Fähigkeit vertrauen, seine Zukunft selbst zu gestalten.

    3. Gefühl und Sensitivität für sich selbst entwickeln
    Bei den meisten Menschen wurden in der Kindheit Gefühle nur selektiv akzeptiert, den inneren Impulsen nachzugehen wurde wenig erlaubt. Als Folge davon nehmen viele Erwachsene ihre Gefühle, inneren Impulse, Bedürfnisse und Grenzen nicht oder nur eingeschränkt wahr und lassen sich zu sehr von äußeren Reizen und Konzepten steuern. Eigene Impulse und Gefühle wieder wahrzunehmen, ist erlernbar, Schritt für Schritt. Tieferes ruhiges Atmen, regelmäßiges Entspannen, die Seele baumeln lassen, unverplante Zeit verbringen und Tagträumen folgen können bei gestressten Menschen der Anfang sein. Unterstützend können auch wirken Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelrelaxation, Meditation oder professionelle Beratung, damit wir wieder mit uns selbst, den Impulsen unseres Körpers und unseren Gefühlen in Kontakt kommen - die Wegweiser für Gesundheit und Wohlbefinden.

    4. Ausprobieren
    Neue Verhaltensweisen werden ausprobiert wie das Sprechen über die eigene Situation, Arbeiten nach eigenem Rhythmus, Bewegung und gesünderes Essen, weniger Kaffee und Alkohol, Pausen, Feierabend und Wochenenden, an denen nicht gearbeitet wird, nein sagen gegenüber überfordernden Aufgaben oder zu engen Terminplänen. Ebenso das Schaffen von Freiräumen und unverplanter Zeit, der kritischer Umgang mit Rollenerwartungen, das Abbrechen von berufsbegleitenden Ausbildungen, Veränderungen innerhalb des Jobs oder die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Bei diesem trial und error kann alles angezweifelt und können das private Umfeld und die Gestaltung des Berufs völlig auf den Kopf gestellt werden. Manchmal reichen kleine Veränderungen aus. Fühlt sich ein neues Verhalten nicht gut an, sollte etwas anderes probiert werden. Wichtig ist, die Auswirkungen im Außen zu berücksichtigen und die Frage, ob die Konsequenzen bejaht werden können.

    5. Integration
    Haben sich neue Verhaltensweisen bewährt, können sie beibehalten und als Gewohnheit integriert werden. Schritt für Schritt etabliert sich eine veränderte Lebensweise. Wir gewöhnen uns daran, verantwortungsbewusst mit neuen Aufgaben umzugehen, indem wir auch anderen mitteilen, wann wir was erledigen können. Das Team, das Unternehmen profitiert letztlich auch davon, wenn wir unsere Grenzen kennen, die Arbeitszeit effektiv verbringen und langfristig leistungsstark bleiben. Die Familie weiß, dass auch Zeit für uns allein brauchen und wir gestehen dies auch dem Partner zu.

    6. Regelmäßiger Check
    Auch wenn wir Work-Life-Balance in unserem Leben wieder hergestellt haben, ist es wichtig, immer wieder Bilanz zu ziehen, ob wir noch auf dem richtigen Kurs sind. Unsere Bedürfnisse und unsere äußere Situation verändern sich ständig. Der regelmäßige TÜV in eigener Sache sollte deswegen so selbstverständlich wie der für unser Auto sein.

    Den kompletten Artikel können Sie hier lesen:
    http://www.businessvillage.de/Sechs-Schritte-aus-der-Burnout...

    Haben Sie selbst mit Burnout und wie Sie daraus gekommen sind, Erfahrungen gemacht? Oder kennen Sie jemanden, der für sich einen guten Weg gefunden hat?

    Ich habe selbst damit Erfahrungen gemacht und kann gut nachvollziehen, wie schwer es ist, sich selbst da wieder herauszuziehen. Den Weg heraus geht jeder ein wenig anders. Und jeder zieht auch unterschiedliche Entscheidungen für die Zukunft für sich daraus.

    Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen und wünsche Ihnen noch einen balancierten und schönen Tag.

    Herzliche Grüße

    Beatrice Legien-Flandergan
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  • Beatrice Legien-Flandergan
    Beatrice Legien-Flandergan    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Mit 6 Schritten aus der Burnout-Falle kommen
    Wer in so einer Phase des Burnouts ist, wird sicherlich nicht viel von solchen Tool-Boxen haben. Da stimme ich Ihnen absolut zu.

    Welche Anregungen oder welche Unterstützung sehen Sie bei solchen Fällen als sinnvoll an?
  • Markus Frey
    Markus Frey    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Mit 6 Schritten aus der Burnout-Falle kommen
    Bei Burnout-Betroffenen gibt es mit Sicherheit sehr unterschiedliche Schweregrade. Und von diesem Schweregrad hängt es u.a. ab, ob ein Betroffener die von Frau Hellmich aufgeführten Schritte noch annehmen und umsetzen kann oder nicht. Wenn es aber bereits zu einer massiven Erschöpfungsdepression gekommen ist (was das von Frau Kammann angeführte Beispiel nahelegt) und gar eine massive Nebennierenerschöpfung vorliegt, muss ein Betroffener erst einmal aus der aktuellen Situation raus. Erst nach einer gewissen Erholungszeit wird er dann in der Lage sein, seine Situation zu reflektieren und neue Entscheidungen zu treffen. Auf Sicht kommt er aber nicht darum herum, das ist völlig klar.
  • Thomas K. Klinger
    Thomas K. Klinger    Premium Member
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    Re^4: Mit 6 Schritten aus der Burnout-Falle kommen
    Die Anzahl der Schritte dürfte nicht das entscheidende Kriterium sein. Burnout-Expertin Frau Dr. Ulrike Pietsch, ehemalige Oberärztin in der Psychiatrischen Abteilung, Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf fasst es in vier (Haupt-) Schritte zusammen:

    1. Erkennen
    2. Sofortige Entlastung
    3. [Bildung:] Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit mit sich selbst, Stress- und Zeitmanagement, Erlebens- und Verhaltensweisen im Job, Problemlösungsstrategien sowie Körper- und Gesundheitsfragen und Bewältigungstechniken Kopf- und Rückenschmerzen
    4. Umsetzung / Ernüchterung und ehrlicher Umgang mit sich selbst

    Neben dem Erkennen und der sofortigen Entlastung ist das Üben von neuen Gewohnheiten wohl der Punkt, auf den es letztendlich ankommt. Und für bereits Erkrankte heißt dies mit professioneller Begleitung/Unterstützung.

    Allerdings können "Noch-Gesunde" vorbeugen - bspw. indem sie ebenfalls für ein inneres Gleichgewicht aus Übungen Gewohnheiten entstehen lassen. In unseren Seminaren/Workshops Work-Life-Bilanzierung ist dies ein Haupt-Bestandteil: http://unternehmerdialoge.de/work-life-balance/work-life-bal...

    Liebe Grüße von der Kieler Förde
    Thomas Klinger
  • Markus Frey
    Markus Frey    Premium Member   Group moderator
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    Re^5: Mit 6 Schritten aus der Burnout-Falle kommen
    Guten Morgen in die Runde,

    was mir bei den ganzen „Tipps gegen Burnout“ die man überall lesen kann, immer wieder auffällt und mich zugegebenermaßen auch stört, ist, dass die weitaus überwiegende Anzahl der Tipps nicht wirklich ans „Eingemachte“ gehen. Auch bei den 6 Schritten von Frau Hellmich ist dies m.E. viel zu wenig der Fall.

    Wenn ich hier vom „Eingemachten“ gesprochen habe, dann meine ich damit zunächst die ganz persönliche(n) Lebens- und Arbeitsphilosophie(n) des Betroffenen, seine Glaubenssätze, den Sinn den er in seinem Leben im Allgemeinen und seiner Arbeit im Speziellen sieht. Auch seine typischen Arten und Weisen, die Lebens- und Arbeitssituationen mit denen er konfrontiert ist (und seine Ressourcen, diese zu meistern), zu bewerten, gehören dazu. Wenn diese Dinge ausgeklammert bzw. nur am Rande gestreift werden (und nach meiner Erfahrung passiert das sehr, sehr häufig), dann helfen all die anderen Tipps nur wenig, so sinnvoll sie in der Ergänzung auch sein mögen.

    Sicher ist es wichtig, dass ein Betroffener zunächst kürzer tritt und in der Akutphase auch komplett aus seiner aktuellen Situation herausgeht. Auch das Lernen von Entspannungstechniken und „Achtsamkeit“ kann hilfreich sein. Aber all dies reicht bei weitem nicht aus.

    Das Arbeiten am Eingemachten ist dringend notwendig, wenn ein Betroffener das Burnout-Syndrom wirklich als Chance nutzen soll (wobei man auch mit dem Begriff „Chance“ vorsichtig sein sollte, angesichts der Tatsache, dass es immerhin ungefähr 10% nicht mehr schaffen, in den Beruf zurückzukehren).

    Beste Grüße und eine gute Woche,
    Markus Frey
    This post was modified on 31 Oct 2011 at 08:12 am.
  • Dagmar Thiel
    Dagmar Thiel    Premium Member   Group moderator
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    Re^6: Mit 6 Schritten aus der Burnout-Falle kommen
    Dem kann ich nur zustimmen..
    ohne die Arbeit an der eigenen, oft tief liegenden und/oder verdrängten Angst, sind die Maßnahmen einer Burnout-Prävention oder Behandlung nur Oberflächenmakulatur und erzeugen oft nur noch zusätzlichen Stress.
    Aber wer wagt über wirklciche Ängste zu sprechen?
    Da liegt die Verbndung von Coaching und therapeutischem Wissen und Vorgehensweisen.