Zukunft im Verkehrsgewerbe
Posts 1-1 of 1
-
Karsten Hesse Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Spyware-schlimmer als Viren!!
Internetsicherheit: Vorsicht, Schnüffler!
Alarm vor dem Lauschangriff aus dem Web: Spionagesoftware bedroht Rechner von Unternehmen und Privatnutzern – noch stärker als Computerviren oder Spam-Werbepost.
Die Gefahren aus dem Internet wechseln beinahe so häufig wie das alljährliche Megathema auf der Computermesse Cebit: „Wenn Spam für Unternehmen das Horrorszenario des Jahres 2004 war, dann ist Spyware der würdige Nachfolger 2005“, sagt Rich Mogull, Research Director beim IT-Analysehaus Gartner. Die Rede ist von so genannter Schnüffelsoftware: Spezielle Computerprogramme, die der Nutzer unbeabsichtigt und unbemerkt auf seine Festplatte lädt und die dort heimlich persönliche Daten wie etwa die besuchten Internetseiten oder Passwörter ausspionieren.Wissenstest: Sind Sie ein Technik-Freak?
Spyware - schon wieder eines jener englischen IT-Kunstwörter, die bei den meisten Anwendern erst mal nur Achselzucken verursachen? Schon wieder ein neues Bedrohungsszenario, das die Anbieter von Sicherheitslösungen – aus nicht ganz uneigennützigen Gründen – in grellen Farben an die Wand malen, um ihr Geschäft anzutreiben?
Mitnichten: Der Spion auf der Festplatte ist kein neues Phänomen. Im Web kursierten bereits vor rund fünf Jahren erstmals digitale Spürhunde, die hemmungslos Benutzer ausspähten und Daten heimlich an die Programmhersteller zurücksendeten. Seinerzeit betraf das Problem jedoch fast ausschließlich private Computernutzer.
Inzwischen hat die Bedrohung durch solche Spähprogramme derart zugenommen, dass auch die IT-Abteilungen von Unternehmen reagieren müssen. „Bösartige Spyware kann heute relativ einfach in Unternehmensnetzwerke eindringen“, sagt Brian Burke, Research Manager für Sicherheitsprodukte beim US-Marktforscher IDC. Das sehen viele IT-Verantwortliche ähnlich: Einer jüngst veröffentlichten Studie des Sicherheitsanbieters Watchguard zufolge betrachten zwei Drittel aller IT-Manager Spyware als die größte Sicherheitsgefahr dieses Jahres. Nur 23 Prozent der Befragten fürchten sich dagegen vor Virenangriffen; gerade mal jeder Zehnte sorgt sich vor dem Passwortklau via E-Mail, das so genannte Phishing.
Tatsächlich haben Schnüffelangriffe in der Praxis meist viel weit reichendere Folgen als etwa von Spam zugemüllte Postfächer: Massenhaft verschickte E-Mails mit Werbung für Viagra-Pillen oder Brustvergrößerungen sind zwar ärgerlich, aber meist harmlos. Mit modernen Spamfiltern lässt sich ein Großteil der Werbesendungen abfangen, bevor er überhaupt die elektronischen Postfächer erreicht. Selbst für die schlimmsten Viren entwickeln IT-Sicherheitsspezialisten wie Symantec, McAfee oder Kaspersky Lab inzwischen innerhalb weniger Stunden Abwehrmittel.Ganz anders dagegen Spyware: Die Autoren von Schnüffelsoftware bedienen sich fast geheimdienstlicher Methoden, um ihre Programme zu verbreiten und auf möglichst vielen Computern zu installieren. Entsprechend schwierig ist ein Systembefall überhaupt zu entdecken. Erste Symptome einer Infektion durch Spyware sind häufige Programmabstürze, langsamere Rechner und ständige Werbeeinblendungen.
Wissenstest: Kennen Sie sich mit technischen Termini aus?
Besonders heimtückische Programme gelangen über Sicherheitslücken im Browser oder der E-Mail-Software völlig unbemerkt und ohne Zutun des Nutzers auf den Computer. Dazu zählt etwa CoolWebSearch, laut Anti-Spyware-Anbieter Webroot auf der Liste der zehn gefährlichsten Spionagetools: CoolWebSearch nutzt ein Leck im Internet-Explorer von Microsoft, um den Browser – ähnlich wie Piraten ein Schiff – beim Surfen zu kapern: Die Startseite des Browsers verändert sich, der Nutzer wird mit Sex-Werbung in Popup-Fenstern bombardiert, die Favoritenliste wandelt sich in erotische Schmuddel-Links, und der gesamte Rechner wird schleppend langsam.
Nicht ganz so hochinfektiös, aber dennoch nicht minder dreist gelangt eine große Zahl anderer digitaler Spürhunde auf die Festplatten: Viele Billigprogramme aus dem Internet, so genannte Shareware – meist kann sie kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr genutzt werden –, bringen im Schlepptau heimlich eine zweite Software mit. Derart wie im Bauch eines Trojanischen Pferds versteckt, kann solchen Schnüffelprogrammen selbst Firewall-Software kaum etwas anhaben. Meist wird der Nutzer nicht einmal informiert, dass er mit dem gewünschten Programm auch einen Festplattenspion bezieht.
Häufigster Vertreter ist Gator, ein so genannter Werberoboter. Solche auch Adware genannten Schnüffler blenden in ihren Wirtsprogrammen Reklamebanner abhängig vom Surfverhalten des Nutzers ein (Kasten rechts). Gator steckt unter anderem in der Musiktauschbörse Kazaa, die laut Angaben des Betreibers Sherman Networks weltweit mehr als 200 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Ein lukratives Geschäft: Nach US-Studien klicken 3 von 100 Surfern auf derart ausgewählte Werbebanner, eine gigantische Rate im Vergleich zu herkömmlichen Internetanzeigen, deren Klickraten bestenfalls im Promillebereich rangieren.
Kein Wunder also, dass die Online-Werbeindustrie – allein in den USA 11,5 Milliarden Dollar schwer – zunehmend auf Werberoboter setzt. Und damit das Geschäft der Adware-Hersteller beflügelt. Bevor Claria mit seinem Flaggschiffprodukt Gator den geplanten Börsengang im vergangenen Jahr abbrach – angeblich wegen des schlechten Börsenumfeldes –, hatte der Marktführer erstmals Geschäftszahlen veröffentlicht: So stiegen Clarias Umsätze 2003 um 123 Prozent gegenüber 2002 auf 90 Millionen Dollar. Gleichzeitig strichen die Werber mit einem Gewinn von 35 Millionen Dollar eine Nettomarge von 39 Prozent ein – dreimal
so hoch wie die von Google. „Zwar überträgt Adware nicht per se automatisch persönliche Informationen“, sagt Roland Cuny, Cheftechnologe des Sicherheitsanbieters Webwasher. „Doch Adware wird zunehmend mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet, die daraus Spyware werden lässt.“
Selbst viele populäre Anwendungsprogramme von großen Herstellern verhalten sich bisweilen wie E.T.-Software: Sie wollen wie der Außerirdische in Steven Spielbergs Kinohit nach Hause telefonieren. So verfügt beispielsweise das Microsoft-Betriebssystem Windows XP über diverse Funktionen, die über das Internet Kontakt mit Microsoft-Servern aufnehmen. So forscht Windows dort etwa regelmäßig nach Updates. Ähnlich arbeiten viele Video- und Musikprogramme wie etwa der Real Player von Real Networks, um dem Nutzer über sein Verhaltensprofil zielgerichtete Medienangebote zu präsentieren. Das allein ist noch nicht verwerflich. Freilich sind die Hinweise auf entsprechende Funktionen beim Installieren der Software immer noch recht verborgen. Und auch nach der Installation ist es für die Nutzer meist schwierig, solche Phone-Home-Aktivitäten wieder abzustellen.
Angesichts dieser Bedrohungen wundert es nicht, dass Schnüffelprogramme bereits weit verbreitet sind. So schätzt IDC, dass zwei Drittel aller Privat-PCs Spyware-verseucht sind. Auch die Gefahr für Unternehmen wächst rasant: Allein zwischen Oktober und Dezember 2004 stieg der Befall mit System-Monitoren – bösartigen Programmen, die jeden Tastendruck protokollieren und persönliche Informationen ausspionieren können – laut einer Webroot-Studie um 230 Prozent gegenüber dem Vorquartal. „Spyware wird die Ursache der nächsten großen und kostspieligen Gefahrenwelle für PC-Systeme sein“, sagt John Pescatore,
Analyst bei der IT-Beratung Gartner.
Die Mehrzahl der Unternehmen ist darauf nicht vorbereitet: Zwar rangiert IT-Sicherheit laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Capgemini ganz oben auf der Liste der IT-Probleme (siehe Grafik). Dennoch sind bei 65 Prozent der IT-Verantwortlichen die Netzwerke bis heute nur vor Viren- oder Spamangriffen geschützt, nicht jedoch gegen Attacken von Schnüffelsoftware, so das Ergebnis einer Befragung von Watchguard. Grund dieser Diskrepanz: Bei der Unternehmensleitung ist das Thema noch längst nicht so hoch auf der Agenda wie bei den IT-Managern. Für nur 38 Prozent ist Spyware schon ein Topthema im Unternehmen. Dagegen fürchtet sich mehr als die Hälfte aller Chefs noch immer am meisten vor Virenattacken.Was auch an den traditionellen IT-Sicherheitsanbietern liegen dürfte. Die haben das Thema Schnüffelsoftware nämlich lange ignoriert. Das hat sich spätestens im Dezember 2004 geändert: Da übernahm Softwaregigant Microsoft mit Giant Software erstmals einen Anbieter von Anti-Spyware-Lösungen. Und präsentierte bereits Anfang dieses Jahres – nur wenige Wochen nach Abschluss des Deals – die erste Testversion eines in das Windows-Betriebssystem integrierten Schnüffelbeseitigers. Ende Februar legte McAfee nach und stellte eine Anti-Spyware-Lösung für Unternehmen vor.
Andere Anbieter wollen demnächst ähnliche Angebote vorlegen – denn sie wittern fette Beute. Laut IDC werden Werkzeuge zum Stopp der Softwarespione in den kommenden Jahren ein wichtiger Wachstumsmarkt. So sollen die Gesamtumsätze von bescheidenen zwölf Millionen Dollar aus 2003 binnen fünf Jahren auf immerhin rund 300 Millionen Dollar anwachsen.
Auf den potenziellen Boom haben Risikokapitalgeber bereits gewettet. So hat der Sicherheitspionier Webroot, der seit 1997 Programme gegen Ad- und Spyware anbietet, Anfang Februar in seiner ersten Finanzierungsrunde sage und schreibe 108 Millionen Dollar bei Venture-Capital-Gebern eingesammelt. „Wir sehen Webroot als einen der großen Softwareentwickler in der nächsten Ära der Computersicherheit“, sagt Jake Reynolds, Partner bei Technology Crossover Ventures, einem der Kapitalgeber.
Eine Hoffnung, die angesichts des Markteinstiegs von Microsoft mindestens ambitioniert erscheint. Andererseits adelt das Engagement des Giganten das Geschäft rund um Spyware auch: Schließlich haben die Redmonder in der Vergangenheit schon oft genug ihre Spürnase für strategisch bedeutsame oder schlicht lukrative Softwaresegmente bewiesen.
MICHAEL KROKER- Wirtschaftswoche
- 14 Mar 2005, 8:27 pm
