XING Community Zurich (Switzerland)

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  • Michael Bader
    Michael Bader    Premium Member   Group moderator
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    Katastrophales Image: Deutsche in der Schweiz
    Die Schweizer wurden wieder einmal von einem deutschen Institut zu ihrer Meinung über Deutsche befragt. Das Resultat ist deutlich. Zu den Artikeln: http://www.welt.de/reise/article4262179/Deutsche-haben-kein-...
    http://tinyurl.com/njrkz2
    http://tinyurl.com/ma7jpq


    edit: Artikel angehängt
    This post was modified on 06 Aug 2009 at 09:00 am.
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  • Alexander Hirsch
    Alexander Hirsch
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    Re^2: Katastrophales Image: Deutsche in der Schweiz
    Ist das "schlechte Image" nicht eher auf die deutschsprachigen Ballungsgebiete beschraenkt? Waehrend man in Zuerich als hochdeutschsprechender mittlerweile offenen Anfeindungen ausgesetzt ist, scheint es ausserhalb kaum zu stoeren - im Gegenteil. Aber ich gebe meinem Vorredner recht: ein bisschen mehr kulturelle Einfuehlsamkeit wuerde nicht schaden.

    Falls es interessiert, hier ist eine Webseite, die sich mit der Deutschen Perspektive der Situation befasst:

    http://www.didsch.ch
  • Dirk Deimeke
    Dirk Deimeke    Premium Member   Group moderator
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    Re: Katastrophales Image: Deutsche in der Schweiz
    Hallo

    Kennt eigentlich jemand "den typischen Deutschen" oder "den typischen Schweizer"?

    Ich komme aus dem Ruhrgebiet und habe mit Berlinern mehr gemeinsam als mit Menschen aus Baden-Württemberg und selbst das ist eine Verallgemeinerung, die nicht funktioniert.

    Gruss

    Dirk
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  • Britta Mangiapane
    Britta Mangiapane    Premium Member
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    Re^2: Katastrophales Image: Deutsche in der Schweiz
    Dazu möchte ich gerne etwas beitragen.

    Ich kam in die Schweiz 1981 - gerade geboren - mein Vater war einer der ersten Gastarbeiter-IT`ler, wenn man das so nennen darf.
    Nach knapp 6 glücklichen Jahren in der Schweiz gingen meine Eltern zurück nach Deutschland und wir (mittlerweile 3 Geschwister) mussten mit. Ich habe mich in den ganzen Jahren in Deutschland nie wohl gefühlt und wir haben im Kölner und Stuttgarter Raum gewohnt. Mein Vater bezeichnet den Wegzug aus der Schweiz heute noch als grössten Lebensfehler...
    2007 bin ich mit meinem Mann (deutsch-italienischer Abstammung) zuerst nach Basel, dann in meine Heimat, ins Appenzellerland der Ostschweiz gezügelt. Mein Mann arbeitet nun in FL, ich in Zürich und wir fühlen uns beide sehr wohl, im beruflichen wie im privaten Umfeld.
    An unserem Zügeltag in die Schweiz (13.03.2007), schrieb der Blick auf der Titelseite 'Wieviel Deutsche verträgt die Schweiz' ... davon haben wir uns nicht beirren lassen.
    Ich spreche den Schweizer Dialekt immer besser, wobei die Perfektion aus Kindertagen noch nicht ganz erreicht ist - und es nimmt mir keiner übel! Mein Mann hat Floskeln wie beispielsweise Begrüssungen übernommen, spricht sonst aber hochdeutsch.
    Weder mein Mann noch ich haben in der gesamten Zeit eine negative Begegnung mit Schweizern gehabt.
    Was sicher dazu beigetragen hat, ist, dass wir uns in Vereinen engagiert haben und dadurch sehr gut aufgenommen wurden.
    Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ehrlichkeit und Bescheidenheit werden in der Schweizer Mentalität hoch angesehen. Viele Deutsche haben leider die Angewohnheit, anzugeben und zu protzen und mit Ellbogenverhalten an ihr Ziel zu kommen. Davon gibt es sicher in jeder Nationalität Menschen, aber so etwas kommt in der Schweiz einfach nicht gut an.
    Die deutsche Sprache ist teilweise sehr hart und direkt, fast schon bestimmend - je nach Dialekt noch speziell - auch das ist sicher ein Problem. Daher einfach mal ein paar Schweizer Floskeln verwenden und einen angenehmen, freundlichen Ton anschlagen, dann sollte es keine Schwierigkeiten und ein Lächeln zurück geben.

    Ich kann empfehlen:
    -Integration durch Vereine (Musik, Sport, was auch immer)
    - Floskeln verwenden
    - freundlich und pünktlich sein und nicht protzen

    Damit findet man viele Freunde und fühlt sich selber extrem wohl.
    Wir möchten nicht mehr zurück nach Deutschland.

    Alles Gute

    Britta
  • Michael Bader
    Michael Bader    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Katastrophales Image: Deutsche in der Schweiz
    Hallo Frau Mangipane

    vielen Dank für Ihre Erfahrungen, die ich gerne erweitern und mit ein paar Tipps ergänzen möchte. Ich lebe seit 15 Jahren in der Schweiz, bin gesellschaftlich aktiv und habe früher Intergrationsseminare für Deutsche in der Schweiz geleitet. Ich mache immer wieder die selben Erfahrungen mit Landsleuten, für deren Verhalten ich mich mich dann manchmal fast schäme.

    Alltägliche Situationen z.B. im Coop oder Restaurant:
    - Es wird nicht gegrüsst bevor man etwas bezahlt oder bestellt oder den Verkäufer um Rat fragt. Das ist in der Schweiz eine grobe Unhöflichkeit.
    - Laute "Unterhaltungen" in allen möglichen und unmöglichen Situationen. Manchmal kommt es mir so vor, als spürten sich viele Zeitgenossen selber nicht.
    - Tschüss" sagt man nur zu Leuten, mit denen man per Du ist, "Hallo" nur zu denen, die man schon besser kennt (wurde in einem Posting vorhin schon erwähnt)

    Am Telefon: Deutsche (Service-)Mitarbeiter grüssen grundsätzlich nicht am Telefon. Beobachten Sie einmal, wie das ein Schweizer macht. Der Angerufene: "Hotel soundso, mein Name ist XY" Anrufer: "Bader, Grüezi (oder Guten Tag) Herr/Frau XY." jetzt muss man warten. Denn dann bekommte man von einem Schweizer erst ein "Grüezi, Herr Bader." Genau das aber machen deutsche Servicenangestellte in den wenigsten Fällen.
    Wenn man als Anrufer höflich sein möchte fragt man ausserdem bei Unbekannten (jetzt nicht unbedingt wenn ich ein Hotel anrufe aber bei einer anderen Firma z.B.…) Störe ich gerade?" oder "Haben Sie einen Moment"?

    Im Business: Man begrüsst sich in der Schweiz grundsätzlich mit Namen. "guten Morgen Hans" oder "Sali Hans"

    Bei XING Abenden: Monologe und Selbstdarstellungen (vor allem deutsche Männer) ohne Ende. Man kommt gar nicht auf die Idee, dass ein anderer auch etwas zu sagen hätte. Die Betroffen merken dann in der Regel selber gar nicht, das sie ununterbrochen und mit Überzeugunsgimpetus sprechen. Dem Schweizer wird das dann immer peinlicher, aus Höflichkeit sagt er nichts und ist froh, wenn diese Rund dann beim Cross Table vorüber ist.

    Was dem zu Grunde liegt:
    - Die Schweiz ist im Gegensatz zu Deutschland eine Willensgemeinschaft. Man lebt zusammen, weil man das irgendwann einmal wollte und noch immer will, nicht weil es irgendwie historisch gewachsen (wurde). Deshalb gibt es hier den Konsensgedanken. Und in Arbeitszusammenhängen wird ein vorgesetzter Schweizer immer fragen "Wir machen das so und so. Was meint ihr denn dazu?"
    - Schweizer geben ihrem gegenüber Raum (zum "si"). Dies äussert sich z.B. durch Pausen beim Telefonieren. In diese Räume preschen wir Deutschen liebend gerne hinein. Weil wir das nämlich gar nicht kennen. Nicht weil wir grob sind.
    - Deutsche halten die Zurückhaltung der Schweizer (Raum geben!) oft für Unsicherheit oder Schwäche. Und genau das ist der schlimmste Fehler den man machen kann: Schweizer zu unterschätzen.
    - Hoch- oder besser Schriftdeutsch begegnet Schweizern schon von frühester Kindheit in Form einer Autorität (Kindergarten, Schule, Pfarrer, Ämter). Der hochdeutsche sprechende Deutsche bringt den Schweizer daher unbewust und automatisch in eine hierarchische Position, die ihm gar nicht entspricht. Ausserdem muss er sich einer Sprache bedienen, die ihm nicht wirklich geläufiig ist. Man löst dies z.B. damit, in dem man den Schweizer darum bittet, die lokale Sprache zu sprechen ("weil ich das so gerne höre…")

    Eine Anektode zum Schluss: Vorgestern bei BöKi in Basel. Ein Schweizer Paar "beschwerte" sich umständlich und mehr als freundlich ("Exgüsez, cha des si, dass die Pommes…") bei der kantig hochdeutsch sprechenden Schichtleiterin, dass die Pommes nach Fisch schmecken würden. Darauf sie: "Das kann überhaupt gar nicht sein. Ich bin seit 15 Jahren bei BöKi. So etwas habe ich noch nie gehört. Ne. Also da müssen Sie sich garantiert täuschen." Das Paar zog frustiert und geknickt von dannen. Nicht wegen dem Inhalt des Gespräches, sondern weil sie auf in ihren Augen unwürdige Weise abgekanzelt wurden. Stellen Sie sich einmal vor, ein Tamile oder Pole würde das bei MäcDo in einer Filiale in Düsseldorf mit einem Deutschen machen…

    Das war jetzt ein typisch deutscher Monolog. Was meinen Sie dazu?
    Herzlich
    Michael Bader
    This post was modified on 06 Aug 2009 at 01:38 pm.
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  • Dirk Deimeke
    Dirk Deimeke    Premium Member   Group moderator
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    Re^4: Katastrophales Image: Deutsche in der Schweiz
    Hallo

    Viele der angegebenen Punkte sind auch in Deutschland, zumindest da, wo ich meine Heimat habe, unhöflich. Und, was besagt das? Dass es durchaus unhöfliche Deutsche gibt.

    Gilt das hier auch für alle Schweizer? (Ich bin jeden Tag zwei Stunden mit dem ÖV unterwegs).

    http://www.deimeke.net/dirk/blog/index.php?/archives/1052-Za...

    Gruss

    Dirk