Florian Popp

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Florian Popp

Diplom-Psychologe

Autor | Freier Berater

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Personal information

Professional experience (5 years, 2 months)

  • Jan 2010 - present

    (2 years, 5 months)

  • Jul 2008 - Dec 2009

    (1 year, 6 months)

  • Nov 2007 - Jun 2008

    (8 months)

  • Oct 2004 - Apr 2005

    (7 months)

  • Employment status
    Freelancer

Educational background

  • Oct 2001 - May 2007

About me

Später würde er seine Berliner Zeit als die Zeit der Entscheidungen bezeichnen. Er war der Liebe wegen in diese Stadt gekommen, er folgte ihr, als es nichts Anderes in seinem Leben mehr zu tun gab. Ihre Wohnung in Moabit war klein, zwei Zimmer und ein winziger Balkon. Die Ecke des Bezirks, in der sie lebten, war voller Türken und Araber, mit geschäftigen Straßen voller Friseure, Gemüsehändler, Billigläden und Cafés auf Cafés, aus denen tagein, tagaus der süßliche Duft des Müßiggangs, der Wasserpfeifen auf die Trottoire drang.
Der Abend am Ende des Tages. Die Küche winzig klein wie eine schlecht aufgeräumte Kombüse; die Regale an der Wand bersten von Geschirr, den Vorräten. Auf dem Herd stand eine Soße, seit Stunden köchelte sie schon, immer wieder trat er heran und rührte und kostete. Auf der kleinen Küchenzeile frische Pasta, geduldig auf ihr Bad im Salzwasser wartend. Zwischen unseren Füßen die Katzen, ungeduldig auf ihrem Geburtsrecht beharrend, den Zugang zum Kühlschrank. Sie seien wie kleine Kinder, vertraute er mir an, er, der keine Kinder hatte. Sie waren die Idee seiner Freundin gewesen, und er ertrug sie duldend, wie man einen lästigen Verwandten erträgt. Später würde er sie mögen, sie liebgewonnen haben, nachdem sie alt und faul geworden waren.

Die Pasta gurgelte im Topf, und er öffnete die zweite Flasche Rotwein, einen Bordeaux. Er glaubte nicht an die großen Dinge, und er sah damals keinen Sinn darin, ein Haus zu bewohnen, eine große Etagenwohnung; aber er gab das Geld, das sie hatten, gerne her für die genussvollen Dinge des Lebens, jene, die man teilen konnte. Er fuhr einen alten, großen Audi, ein Cabriolet. Der Wagen hatte einmal seiner Großmutter gehört. All unsere Dinge im Leben sind nur geborgt, sagte er, wenn man ihn darauf ansprach. Mit ihm am Steuer war es wie an Bord eines offenen, großen Motorboots, er schwamm durch den Verkehr und durch die hohen Straßen der Stadt, und hinaus aufs Land, an den Wochenenden, wo sie aßen und in billigen Hotels übernachteten. Sie hatten nicht viele Freunde in jenen Tagen, aber es bedeutete ihm nichts – ich bin nicht mehr das Alte und noch nicht das Neue, sagte er. Die alten Freunde waren größtenteils verschwunden, die neuen hatte er noch nicht gefunden.

Wir aßen auf dem Fußboden sitzend, wie die Japaner, in ihrem Wohnzimmer. Die Türe zum Balkon, einer kühlen Höhle im Dickicht der Bäume im Hof, war geöffnet, und ein leichter Abendwind leistete uns Gesellschaft und trug Zigarettenrauch von draußen herein. All das war vor seinem Erfolg, ja sogar noch vor dem ersten Buch, das den Boden bereiten sollte für alles andere, auch wenn es für sich allein genommen nichts Besonderes war. Die Bedeutung dieses Buches lag für ihn in seiner bloßen Existenz – der Beweis, dass er es schaffen konnte. Er verbrachte seine Tage in Abgeschiedenheit, nur er und die beiden Katzen. Er schrieb, wenn sie schliefen, wie man es machte, wenn man Kinder hatte. Am Ende sei für ihn schlicht keine andere Perspektive mehr übrig geblieben, sagte er gern über sich. Ein Studium hatte er abgeschlossen und in der Wirtschaft gearbeitet, das eine mehr, das andere weniger erfolgreich; dann warf er alles hin und unternahm das, was er seine letzte Chance nannte, seine letzte Chance auf Rettung. Das war zu Zeiten der Finanzkrise gewesen, kurz bevor die Dinge zusammenbrachen. In der Rückschau wirkte es wie ein anderes Zeitalter.

Was mir besonders in Erinnerung blieb, war, wie großzügig er in großen Dingen sein konnte, und wie genau in den kleinen. Er konnte einem Freund eine beträchtliche Summe Geldes leihen, die er zusammenkratzte, ohne die Gewissheit, sie wiederzubekommen, und war zugleich verstimmt, wenn derselbe Freund zu spät zu einer Verabredung eintraf. Er war ein Eremit, einer, der seinen Reichtum in sich trug, wie mir immer deutlicher wurde. Seine Freundin wäre gerne gereist, nach Barcelona, nach Paris, wo sie Freunde hatten; er sagte, er müsse erst hervorbringen, was in ihm sei, bevor er Zeit für solche Dinge habe. Später, nachdem jenes andere Buch seinen Erfolg begründet hatte, riss sie ihn von seinen Manuskripten los, und wenigstens für jeweils ein paar Tage besahen sie sich gemeinsam das, was damals von der Welt noch übrig war. Mit ihm zu reisen war wie ein endloser, geheimnisvoller Müßiggang, eine Erkundung des Unbekannten mit kindlicher Neugier und ohne Pläne und Ziele, denn er war einer jener Menschen, die ihre eigene Magie in die Welt brachten, und spannender als jeder Reiseführer. Die Welt um sie her formte sich nach ihrem Bild, ohne dass sie es merkten. Es waren magische Zeiten, und sie waren unschuldig, wie Kinder, denen das große Glück zugefallen war, ohne dass sie es eigentlich wussten.
 

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