Heike Eggers

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Geschäftsführender Vorstand

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Professional experience (6 years, 2 months)

  • Employment status
    Entrepreneur

Educational background

  • 2011
  • 1982 - 1988

About me

Herr Reinhard Micheel, seit mehr als 20 Jahren Geschäftsführer des in Bochum beheimateten Vereins Aktion Canchanabury e.V., kurz "die Aktion", war der erste, der uns ernst nahm, als wir 2006 mit unseren Ideen über Land zogen.

 Zur Zeit ist er mit einer Kollegin auf Projektreise in Ghana und Togo - inzwischen sind sie bei uns angekommen. Doch lesen Sie selbst.

 
"----- Weitergeleitete Message -----
Von: Reinhard Micheel <micheel@canchanabury.de>
An: info@canchanabury.de
Gesendet: 1:39 Freitag, 11.Mai 2012
Betreff: Zu Besuch bei Freunden - Teil 8 - Berichte einer Reise durch Ghana und Togo

Zu Besuch bei Freunden

Berichte einer Reise durch Ghana und Togo - Teil 8

Dienstag, 08.05.2012

Wenn ich 2 AD eher zu unseren „gestandenen“ Projektpartnern zählen würde, sind wir die nächsten zwei Tagen mit einem relativ neuen Partner unterwegs, dessen Ideen­reich­tum und Dynamik einem schon gelegentlich mal den Atem verschlägt. Als wir vor einigen Jahren unserer erstes Projekt mit Promo OrgaH (Promotion des Organi­sa­tions Humaines) in Lomé begannen, ahnten wir nicht im Geringsten, was sich daraus so alles entwickeln würde.

Unser erstes Projekt mit Promo OrgaH war der Bau einer Schul­gesund­heits­station in Lomé und die Unterstützung von Aids-Waisen, die dort zur Schule gehen. Unter der Leitung von Jérome Fiayiwo entwickelt sich die NRO in kurzer Zeit zu einer wahren Ideenschmiede im Entwicklungsbereich. Schnell erkannte man, dass nur rein karitativ und philanthropisch orientierte Projekte den Menschen dauerhaft nicht aus ihrer Armut heraushelfen. Wenn man nachhaltig Entwicklung fördern will, muss man den Menschen praktisch zeigen, dass es sich für sie persönlich lohnt, selbst aktiv zu werden.

Beim Friedensnobelpreisträger in Lehre gegangen

Und dazu gehört nun mal „Business“ – in diesem Fall „Social Business“! Promo OrgaH ging bei Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus, dem Gründer der Grameen Bank, in Bangladesh in die Lehre und gründete danach in Vogan/Togo die Kopeme Bank – die Bank fürs Dorf! Die vergibt Mikrokredite von umgerechnet 15 - 150 Euro, um so auch den Ärmsten der Armen den Einstieg ins „Geschäftsleben“ zu ermöglichen. Wollte man alle Aktivitäten der Kopeme Group, wie sie mittlerweile heißt, aufzählen und nur ansatzweise erläutern, könnte ich noch viele Seiten füllen. Mach ich aber nicht, vielmehr möchte ich von den beiden Tagen mit „Ideenschmied“ Jérome berichten.

Jérome ist, ebenso wie unsere Freunde von 2 AD, ein äußerst pünktlicher Mensch – eine Eigenschaft, die man in Afrika für gewöhnlich eher weniger vorfindet. Eine Erklärung dafür mag vielleicht in der deutschen Kolonialvergangenheit in Togo liegen. Jedenfalls ist er schon vor der vereinbarten Zeit am Seemannsheim, um uns für eine Exkursion in seine „Ideenwelt“ abzuholen.

Der etwas andere Ofen

Unsere erste Station ist das Kopeme-Büro in Lomé! Im Innenhof sind einige Frauen versammelt, die Essen vorbereiten. Ein Kochkurs? Nein, es geht zwar ums Kochen, aber heute steht eher die richtige Verwendung neuer, Ressourcen schonender Holzöfen im Vorder­­grund. Man zeigt den Frauen aus dem Stadtviertel, wie man mit diesen kleinen, unscheinbar wirkenden Öfen aus Metallblech mit einem Bruchteil an Brennmaterial aus­kommen kann. Obendrein erfahren die Frauen so auch live, dass diese Öfen alles noch schneller kochen, garen und braten als die herkömmlichen, die oft Unmengen an Holz­kohle, Brennholz, Gas oder Kerosin benötigen.

Anhand praktischer Beispiele wird den Frauen vorgerechnet, wie viel sie an Ausgaben für Brenn­­material im Monat und im Jahr einsparen können, und dass sich die Anschaffung eines solchen Ofens bereits nach kurzer Zeit rechnet. Und das sind nicht nur für afrika­nische Verhältnisse recht interessante Summen. Die Öfen werden übrigens direkt im Neben­raum montiert, was wiederum drei jungen Männern Arbeit und ein regelmäßiges Einkommen verschafft. Die Öfen bezieht Jérome aus Deutschland – in Einzelteilen per Container.

Rohstoff Sonnenschein

Ein weiteres Lieblingsthema Jéromes ist Solarenergie. Denn, wenn Afrika an etwas nicht Mangel leidet, so ist das der „Rohstoff“ Sonnenschein. Und der könnte, da sind wir uns mit Jérome sofort einig, die Entwicklung Afrikas deutlich voranbringen. Promo OrgaH und Kopeme setzen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Dörfern, die nicht an der öffentlichen Stromversorgung hängen, und das sind immer noch die meisten, auf kleine unabhängige und preiswerte Solarsysteme.

Jérome stellt uns zum Beispiel verschiedene Solarlampen vor. Sie wurden alle unter Alltagsbedingungen in den Dörfern getestet. Jetzt hat man sich für ein Modell ent­schieden, das besonders robust ist, zuverlässig arbeitet und obendrein die Möglichkeit bietet, auch Handys aufzuladen. Handys sind mittler­weile selbst in den entlegenen Dörfern als Kommunikationsmittel weit verbreitet. Wir Mitteleuropäer können uns kaum noch vorstellen, wie es ist, ohne elektrisches Licht zu leben und geraten schon in Panik, wenn der Strom mal länger als 10 Minuten ausfällt.

Straßenlaternen und Bevölkerungsregulierung

In afrikanischen Dörfern geht man häufig noch mit der Sonne schlafen. Denn wenn die untergeht, ist es dort in der Regel „zappenduster“! Da können die Kids nicht mal eben noch den Rest ihrer Hausaufgaben machen, oder Mama – so sie es gelernt hat – den Kindern noch etwas vorlesen, oder Papa mit seinen Kumpels noch etwas Karten spielen. Da geht’s ab ins Bett! Eine Solarlampe ist da ein echter Quantensprung!

Kleiner Exkurs: Im Norden Ghanas läuft derzeit ein Programm der Regierung, auf dem Dorfplätzen selbst der kleinsten Dörfer ein bis zwei solarbetriebene Straßen­laternen zu installieren. Ein Schildbürgerstreich? Mitnichten, denn jetzt versammelt sich abends das halbe Dorf dort. Die Männer spielen Karten und trinken Bananenbier, die Frauen palavern und die Kids dürfen etwas länger spielen.

Greg und John sind beide fest davon überzeugt, dass es sich dabei um ein Programm zur Bevölkerungsregulierung handelt. Wenn die Männer länger Karten spielen oder zusammen Bier trinken, sind sie hinterher zu müde, um Kinder zu zeugen! Ich kommentiere das jetzt mal nicht, hätte aber durchaus einige auf Lager!

Kreditabwicklung im Hinterhof

Jérome packt uns in sein Auto und es geht weiter. Im Hinterhof eines Privatgehöftes in einem Vorort von Lomé treffen wir auf eine Gruppe von Frauen. Es ist eine Treffen von Mikrokreditnehmerinnen der Kopeme Bank. Einmal die Woche kommen sie zusammen, um ihre Rückzahlungsraten zu leisten – zwischen € 1,50 und € 5,00 je nach Höhe des Kredites. Bei diesen Treffen diskutieren die Frauen aber auch über ihre damit finanzierten „Geschäftsideen“ und die Probleme bei der Umsetzung.

Die Mitarbeiter/innen der Kopeme Bank beraten die Frauen und geben Tipps und Anregungen, wenn’s mal nicht sofort so läuft wie gedacht. Das Interessante an diesen „Mikrokreditgruppen“: Die Frauen der Gruppe bürgen gegenseitig für die Rückzahlung der Kredite. Und wie uns Jérome und die anwesende Mitarbeiterin versichern, funktioniert das ausgezeichnet. Die Mikrokredite werden zu 98,? % zurückgezahlt! Ich bin beeindruckt, ehrlich!

Guter Rad ist nicht teuer

Es geht Schlag auf Schlag weiter! Wir besuchen verschiedene „Kunden“ der Kopeme Bank, die ein Fahrrad als Transport- und Geschäftsgrundlage erhalten und dieses über einen Mikrokredit finanziert haben. Und jetzt kommt auch die Aktion wieder ins Spiel! 2010 haben Jugendliche in Bochum im Rahmen der bundesweiten 72-Stunden-Aktion „Uns schickt der Himmel“ des BDKJ gebrauchte Fahrräder gesammelt, diese repariert und zusammen mit Ersatzteilen über die Aktion in zwei Containern nach Togo geschickt.

Die Kopeme Bank hat einen Teil dieser Räder erhalten und damit besagtes Fahrrad-Projekt gestartet. Während der Rückzahlungsphase von einem Jahr übernimmt Kopeme mit einer eigenen Fahrradwerkstatt die kostenfreie Wartung der Räder. Dieses Programm läuft so gut, dass man jetzt zu dessen Fortführung in Shanghai 1.004 neue Räder bestellt hat. Diese werden in den nächsten Wochen per Container erwartet.

Kaffeetafel im Millenniumdorf

Der Nachmittag wird für Jette und für mich zum Highlight der gesamten Reise! Wir besuchen das Millenniumsdorf Gnivé in der Nähe der Stadt Vogan. Hier versuchen Jérome und seine Mitstreiter exemplarisch zu zeigen, dass man auch im 21. Jahrhundert in einem afrikanischen Dorf gut leben kann, ohne auf die Vorzüge moderner Technologie verzichten zu müssen.

Was wir in den kommenden drei Stunden in Gnivé erleben, ist „ganz großes Kino“! Weit ab jeder öffentlichen Strom- und Wasserversorgung gibt es hier in jeder Hütte elektrisches Licht, eigens gebaute Toiletten und Duschen mit fließendem Wasser, besagte Niedrig­energie-Öfen, eine Handy-Ladestation sowie Internet- und Fernsehempfang in der Versamm­lungshalle des Dorfes. In einer der Hütten ist die Solarwerkstatt untergebracht, von der aus ein Solartechniker die „Stromversorgung“ des Dorfes regelt.

Alles muss probiert werden

Die Hütten sind ausschließlich aus natürlichen, hier vorkommenden Materialen (Lehm, Stroh, Holz etc.) gebaut. Entsprechend angenehm ist das Raumklima trotz brütender Hitze draußen. Mit einem Baumpflanzprogramm hat man bereits hunderte von schatten­spenden­den Bäumen gepflanzt. Neben dem Anbau einheimischer Gemüse- und Obst­sorten sowie von Heilpflanzen experimentiert man auch mit Pflanzen anderer Landes­teile und aus Europa. Es gibt eine Hühnerzucht, Enten sollen bald folgen und auch der Bau eines Fischzucht­teiches ist in Planung. Man erprobt auch verschiedene Methoden der Verarbei­tung, Konservierung und Lagerhaltung der erzeugten Produkte.

Wir wollen nicht mehr weg

Aber das Schönste an diesem Dorf ist die Atmosphäre, die es ausstrahlt! Nach dem Rund­gang, den ich hier nur zum Teil beschreiben konnte, treffen wir uns im Schatten eines großen Baumes an einer eigens für uns gedeckten Kaffeetafel. Eine leichte Brise verschafft uns Abkühlung. Jette und ich würden am liebsten die restlichen - und gerne auch noch weitere – Tage hier verbringen. Wir wollen einfach nicht mehr weg! Man kann kaum beschreiben, welche Ruhe, welche Harmo­nie und welchen Frieden dieser Ort ausstrahlt.

Wir kommen ins Schwärmen und ins Spinnen. Wir denken über Möglichkeiten nach, wie man Gnivé nutzen kann, um zu demonstrieren, was nicht nur die Jérome‘s Landsleute, sondern auch wir angeblich so modernen Menschen von einem kleinen afrikanischen Dorf alles lernen können. Jede Menge!! So, ich höre jetzt besser mal auf, sonst komme ich überhaupt nicht mehr „runter“ und vielleicht auch nicht mehr nach Hause!

Viele Grüße aus Gnivé - einem Vorhof des Paradieses!

Bis zum nächsten Mal!

Ihr/Euer

Reinhard Micheel"

Übrigens: Reinhard Micheel hat nach seinem Herzinfarkt nicht aufgegeben. Zwar musste der Ex-Marathonläufer in das Lager "der sogenannten Schneckenstecher", wie er die Nordic Walker nennt, aufbrechen, aber das hindert ihn nicht daran, jetzt in Togo zu sein. Wenn Sie Zeit und Muße haben, empfehle ich Ihnen diesen kleinen Film "Der Läufer" http://www.youtube.com/watch?v=4wUdYnCquKE Er kann uns allen Mut machen.

 

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