Henny Willecke

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Geld mit Zukunft

Mein Großvater liebte Wortspiele. So hätten ihm wohl Formulierungen Spaß gemacht wie: „Sind die Erträge der Wirtschaft erträglich für die Welt ?“ Oder: „Manches ist einträglich aber nicht erträglich.“ Vom Wortspiel nun zum Kern der Frage: Halten wir uns an den klassischen Satz aus Römerzeit „non olet“, es stinkt nicht, das Geld, egal wie es verdient wurde? Oder ist uns wichtig, wie Unternehmen wirtschaften und ob sie in ihrem Handeln ethische, ökologische und sozialverantwortliche Kriterien berücksichtigen?

Spätestens seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 ist „Nachhaltigkeit“ – so zu leben und zu wirtschaften, dass die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen nicht gefährdet werden – ein wichtiges Ziel in der Politik und im Leben vieler Menschen. Für sie ist selbstverständlich geworden, Energie im Haushalt zu sparen, sich bewusst zu ernähren und den ökologischen Rucksack des eigenen Verhaltens zumindest zu bedenken. Nur bei Finanzentscheidungen spielt es, selbst für die Engagierten, bisher meist keine Rolle, wie Renditen erwirtschaftet werden. Den meisten von uns erscheinen die Finanzmärkte, die Welt der Banken, Fonds, Kapitalgesellschaft etc., als so wenig (be-)greifbar, dass wir an unseren Einfluss als (Klein-) Anleger kaum glauben. Dabei gibt es inzwischen für fast jedes Finanzprodukt – vom Sparplan bis zur Altersvorsorge – eine nachhaltige Alternative, die auch unter Renditeaspekten durchaus attraktiv ist. Man hat also die Wahl: Es gibt Anlagemöglichkeiten mit einer hohen Transparenz darüber, wie mit dem Geld gewirtschaftet wird, und man muss durchaus keinen Idealismusabschlag zahlen, was oft zu Unrecht vermutet wird.

Die Begriffe ethisch-ökologische oder nachhaltige Geldanlagen, oft auch als „grünes Geld“ bezeichnet, werden synonym verwendet. Ich spreche auch gerne von „Geld mit Zukunft“. Was bedeutet das? Neben der Wirtschaftlichkeitsanalyse spielen folgende Kriterien eine zentrale Rolle:
Es werden zum einen Positivkriterien zugrundegelegt, d.h. es wird bevorzugt in Unternehmen und Projekte investiert, die als besonders nachhaltig gelten. Nachhaltig bedeutet: wirtschaftlich, ökologisch und sozial sinnvoll und langfristig tragfähig. Hier gibt es viele innovative Unternehmen, die mit neuen Produkten und Dienstleistungen, z.B. in den Bereichen Gesundheit, Umweltschutz, Energieeffizienz etc. auf den Markt kommen. Wenn sich diese Unternehmen im Wettbewerb durchsetzen können, tragen sie zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Das Fondsmanagement und der unabhängige Anlageausschuss des Aktienfonds ÖKOVISION beispielsweise verfügen über langjährige Expertise in diesem Bereich: Sie beobachten globale Trends einerseits und die Entwicklung einer Vielzahl von Unternehmen andererseits. Gute Gewinne und gutes Gewissen gehen hier Hand in Hand.
Bei nachhaltigen Anlageentscheidungen sind auch Negativkriterien zu beachten: Es wird bewusst nicht investiert, wo Rüstung, Atomkraft, Kinderarbeit, Gentechnologie u.v.a.m. – und sei es über Konzernverflechtungen – in Kauf genommen werden müssten. Auch hier ist natürlich Kompetenz gefragt, denn die Zusammenhänge sind komplex, mit Graubereichen und Ermessensspielräumen.
Eine realistische Anlagestrategie kann sich nicht ausschließlich auf die Nischen durch-und-durch nachhaltigen Wirtschaftens beschränken. Statt dessen kommt schon seit Jahren dem sog. Best-in-class-Ansatz eine wichtige Rolle zu: Hier werden von unabhängigen Ratingagenturen in den verschiedenen Branchen regelmäßig alle Unternehmen im Hinblick auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards bewertet. Dadurch wird Transparenz hergestellt und die Unternehmen müssen damit rechnen, dass dieses Rating zunehmend an Bedeutung gewinnt. In den umfangreichen Fragenkatalogen geht es durchaus ans Eingemachte, u.a. mit folgenden Fragen: „Haben Sie innerbetriebliche Verhaltensregeln zu Problemen wie Korruption, Geldwäsche oder Diskriminierung? Gilt das auch für Tochtergesellschaften, Lieferanten und andere Vertragspartner? Wie ist es um die Mitarbeiterzufriedenheit bestellt?“ In die Besten einer Branche wird bevorzugt investiert. Dadurch entsteht ein ethischer Wettbewerb, der die gesamte Wirtschaft beeinflussen kann. Das ist ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, denn es geht darum, insgesamt ein Umdenken zu bewirken. Last but not least können Fondsmanager nach dem Best-in-class-Ansatz auch größere Unternehmen im Portfolio berücksichtigen, was unter Streuungs- und Sicherheitsgesichtspunkten sinnvoll ist.

Manche Skeptiker zweifeln an der Wirksamkeit nachhaltiger Anlagestrategien. Hier drei Gegenargumente:
1. Szenario: Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien. Hier stellen die Anleger Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung, das für den Ausbau von Kapazitäten (z.B. Produktion von Solarzellen, Wasser-Reinigungsanlagen oder energiesparenden Häusern) eingesetzt werden kann.
2. Szenario: Alteingesessene, börsennotierte Unternehmen, deren Aktien millionenfach gehandelt werden. Wo ist hier die Hebelwirkung? Die Antwort lautet: Die Konzerne tangiert der Kauf und Verkauf von Einzelaktien nicht, wohl aber die Entscheidungen von Großinvestoren wie Fonds, Pensionskassen, Banken und Versicherungen. Werden hier Nachhaltigkeitskriterien zugrundegelegt, so hat dieses weitreichende Signalwirkungen.
3. ist für den Anleger auch dann schon etwas gewonnen, wenn gutes Gewissen sich mit guten Gewinnen vereinbaren läßt. Und vor dem Hintergrund zur Neige gehender Ölreserven und schmelzender Polkappen ist die Gleichgültigkeit ein teures Vergnügen.

Welchen Einfluss haben wir Anleger? Das in Deutschland angelegte Privatvermögen beträgt ca. 4 Billionen Euro. Man stelle sich vor, ein kleiner Teil dieses Vermögens würde ganz bewusst im Sinne einer humaneren und zukunftsfähigen Welt investiert – das setzt Zeichen! 

 

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