Präambel: Der folgende Text hat nur noch historische Bedeutung. Da zu wenig XING-Nutzer es so handhaben und auch XING selbst das Gegenteil propagiert und fördert, wäre es unsinnig, diese Philosophie strikt anzuwenden. Dennoch: Auswählen werde ich weiterhin.
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Seit Februar 2008 habe ich ein Problem. Ich muss freundliche Menschen beleidigen.
Als ich Mitglied bei Xing wurde, ging ich davon aus, dass sich damit das sogenannte Kleine-Welt-Phänomen praktisch anwenden ließe: Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, ..., den ich gerne kennenlernen möchte. Je kürzer die Verbindung, umso besser. Im Idealfall rufe ich einen meiner Kontakte an, erkundige mich nach einem anderen seiner Kontakte; er erzählt mir ein wenig Hintergrundinformationen, avisiert meinen Anruf bei seinem Kontakt und ich klopfe kurz darauf an eine etwas offenere Türe. Ebenso in umgekehrter Richtung.
Nach kurzer Zeit fing ich an, mich zu wundern: Einige Mitglieder haben nicht nur mehrere hundert sondern gar einige tausend Kontakte. Kann jemand so viele Menschen wirklich kennen? Wie oft hat er mit diesen Kontakten zu tun, wie oft hat er sie persönlich getroffen, wie schätzt er sie und wie schätzt er sie ein, was weiß er von ihnen, das nicht schon im Profil oder auf einer anderen Homepage steht? Manchmal leider leidlich wenig oder gar nichts. Diese Erfahrung machte ich schon sehr früh, als ich mich - wie oben ausgeführt - bei einem meiner Kontakte nach einem seiner Kontakte erkundigte: "Tut mit leid, ich weiß nicht mehr als im Profil steht, er hat mir halt den Kontakt angeboten und ich habe angenommen."
Welchen Zusatznutzen über das jeweilige Xing-Profil hinaus haben solche Kontakte? Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Wort "kennen"?
Leider gibt es in Xing keine Möglichkeit die eigenen Kontakte offen zu klassifizieren (Tags funktionieren nur intern). Jahrzehntelange Freundschaften stehen unterschiedslos neben gerade geknüpften anonymen Kontakten (schlimmstenfalls sogar neben Kontakten mit Fakes).
Daraus habe ich für mich persönlich zwei Konsequenzen gezogen:
1. Ich knüpfe Xing-Kontakte nur mit Menschen, die ich (oder einer meiner engen Mitarbeiter) persönlich kenne. Persönlich heißt für mich in der Regel von Angesicht zu Angesicht - und zwar länger als nur ein Händeschütteln und drei Sätze Smalltalk. Mehrere ausführliche Telefonate können aber in Ordnung sein - vor allem bei größerer geographischer Entfernung.
2. Ich lösche immer mal wieder Kontakte mit Leuten, die zu viele Kontakte haben. Das mag jetzt brüsk klingen, hat aber einen pragmatischen Hintergrund: Wenn ich Mitglieder anklicke, die mich interessieren, habe ich oft sehr kurze Verbindungen über Kontaktsammler, die tausende von Kontakten aufweisen. Diese vermeintlich kurzen aber meist wertlosen Verbindungen unterdrücken die Anzeige längerer aber qualifizierterer Verbindungswege. Diesen - nennen wir es einmal - Kontaktspam möchte ich einfach gering halten.
Halten Sie mich nun für unhöflich?
Denn: die fehlenden Einstellmöglichkeiten auf Xing (persönlich bekannt/loser Kontakt und vor allem: "suche Verbindungen über persönlich bekannte Kontakte") zwingen mich, freundliche Menschen, die mir netterweise einen Kontakt anbieten, abzuweisen oder die Kontaktbestätigung zumindest auf Eis zu legen, bis wir uns persönlich kennen.
(Eine Ausnahme bilden die Autorinnen und Autoren unseres Hauses, die - bei inzwischen mehr als 3000 Büchern - nicht alle mir aber zumindest einem unserer Mitarbeiter persönlich bekannt sind).
Zur Handhabung in der Praxis:
Ich freue mich über Kontaktanfragen anlässlich konkreter (!) Kooperationsmöglichkeiten, auch wenn wir uns noch nicht persönlich getroffen haben: Das sollten wir dann schnellstmöglich nachholen. Anders gesagt: Falls Sie mir eine Kontaktanfrage senden ohne dass wir uns bisher getroffen haben, mailen Sie mir doch bitte gleich einen Terminvorschlag mit.
SONDERFALL:
Nicht-Premium-Mitglieder können keine Mails versenden sondern nur Kontaktanfragen mit ein wenig Text, der dann eine Mail ersetzt, alternativ kann man auch die Vorstellungsfunktion nutzen (hallo Xing: wie deppert ist denn das?).
Das ist ok für mich. Ich werde diese Nachrichten dann als Mails interpretieren, nicht als Kontaktaufnahmen.
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P.S.: Zwischenbilanz und Bitte-bedienen-Sie-sich.
Vielen Dank für die netten Mails, die ich zu dieser Thematik fast täglich erhalte!
Und die häufigste Frage ist: Darf ich Ihren Text bzw. Teile davon für meine eigene Über-mich-Seite verwenden?
Ja gerne – dürfen Sie! Sagen Sie mir und meiner Neugierde danach einfach Bescheid.