Weinbergschnecken Helix pomatia, bundesweit auch als "schwäbische Auster" bekannt
Vor zwölf Jahren wurde ich erstmals mit dem Thema Schneckenzucht konfrontiert. Meine Tochter fand eine interessante Nebenbeschäftigung in dem Sammeln von Weinbergschnecken –also Helix pomatia, welche in Privatgärten und in der Natur vorzufinden sind.
Unter strenger Beobachtung meiner Tochter wurden die Schnecken dann in ein eigens gebautes „Beobachtungs- und Fortpflanzungsgehege“ eingesetzt und mit allen Variationen aus Gemüse und Salat gefüttert. Über Wachstum und Nachwuchsentwicklung wurde ge-nauestens Buch geführt. Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich bei mir der Gedanke, tiefer in das Thema Schneckenzucht einzusteigen. Nach durchgeführten Recherchen in alten Schriften und Literatur gewann ich allmählich einen interessanten Einblick in diese faszinierende Welt und ich fand heraus, dass die Weinbergschneckenzucht in unserer Region an der Donau eine alte Tradition hatte. Bereits mit Beginn des 15. Jahrhunderts wurden so genannte „Schneckengärten“ betrieben. Dieses Thema wollte ich wieder aufleben lassen. Ziel war es, mir ein umfangreiches Wissen für die Umsetzung einer Ertragsorientierten Weinbergschneckenzucht in meiner Region anzueignen. Einen Teil dieses Wissens erlernte ich in Italien. Dabei war es für mich wichtig, den Aufbau einer Schneckenzuchtanlage ebenso zu erlernen wie auch unterjährige Arbeiten auf dem Feld. Selbst Verarbeitungsschritte der Schnecke und Zubereitung in ihren verschiedensten Variationen habe ich erfahren dürfen. Leider wurde mir aber auch sehr schnell bewusst, dass die klimatischen Bedingungen in Iitalien, welche für Bodenbeschaffenheit, Pflanzenwuchs und Zuchterfolge von enormer Bedeutung sind, in Deutschland nicht vorzufinden sind. Auch ließen sich die Praktiken zur Unkraut- und Schädlingsbekämpfung, welche von den italienischen Züchtern vorgegeben wurden, nicht mit meinen Vorstellungen über qualitativ hochwertige aber umweltbewusste Erzeugnisse vereinbaren.
Es galt also, gewonnene Erkenntnisse und erlerntes Wissen mit traditionellen Zuchtmethoden zu verknüpfen. Und so ergab sich schluss¬endlich eine, wenn auch ungewollte, langjährige Forschungsarbeit.
Anfang 2003 konnte die erste kommerziell ausgerichtete Schneckenzuchtanlage in Nersingen aufgebaut werden. Heute wird diese Anlage eher vom Pilot- und Forschungscharakter geprägt. Die ständige Weiterentwicklung der Prozesse sichert den Know-how Vorsprung und schafft die für die Qualität erforderlichen Alleinstellungsmerkmale in Europa.
Seit Oktober 2004 erlebt die „Schwäbische Auster“: in Deutschland eine Renaissance. Jahrzehntelang waren sie – abgesehen vom Schneckenland Baden und im Raum Ulm – fast vollständig von den Speisenkarten verschwunden. Nun interessieren sich Spitzenköche aller Regionen wieder für die Weinbergschnecke.