Rosemai M. Schmidt

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Staatsexamen

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Perlen
 
Tauperlen zieht die herbstliche Natur
auf seidig schimmernd zarte Spinnenfäden
um sich zu schmücken
ganz ohne Absicht.
Doch zum Entzücken jenen,
die es sehn,
die Weile haben stehn zu bleiben
und zu verharren.
Und sieh:
Schon formt sich
für den rastlos Hastenden im Fluss der Zeit
aus dem Verharren ein Juwel:
Die Perle eines Augenblicks
zeitlos
und damit ewig.
 
***
 
Über mich also! Mhm!
 
Wer bin ich?
Was macht mich aus?
Keine Ahnung.
 
Wie bin ich bis ins Hier und Jetzt gekommen?
 
Das ist schon etwas leichter:
 
Am Anfang war meine Geburt.
Von dort aus kam ich durch ein turbulentes, manchmal schweres, manchmal leidenschaftliches Leben hindurch ins Heute.
 
Wichtige Stationen auf diesem Weg?
 
Die wichtigsten waren die der spirituellen AHA-Erlebnisse.
Die schmerzhaftesten diejenigen, die notwendig waren, um zu diesen Erlebnissen zu gelangen.
 
Das erste AHA war das mit drei Jahren. Ich begriff die Unendlichkeit. Mit Hilfe einer Bierflasche! Doch, wirklich! Darauf war eine Krankenschwester abgebildet, die auf einem Tablett genau so eine Bierflasche trug. Hacker Nährbier war das. Da meine Mutter nur zur Zeit nach der Geburt meiner Schwester sowas trank, weiß ich genau, dass ich drei Jahre alt war. Es war mir klar, dass auf der abgebildeten Flasche auch so ein Ettikett war mit einer Krankenschwester, die wieder so eine Flasche trug und so weiter. Bis ins unendlich Kleine. Aber auch umgekehrt war es unendlich, das war mir klar. Denn die Flasche, die vor mir stand, war ja auch auf einem Tablett denkbar, das eine Krankenschwester auf dem Schild einer noch größeren Flasche trug und so weiter, bis ins unendlich Große.
 
Diesem AHA folgten noch viele weitere. Bis heute, und es wird nicht enden - in alle Unendlichkeit nicht, denn wir sterben ja nicht, da es den Tod nicht gibt. (Auch eines der großen AHA's). Wir wechseln nur den 'Aggregatzustand'. Leben ist ewig.
 
***
 
Entscheidung
 
An einer Weggabelung
fand ich einen verschlossenen Brief.
 
'Entscheide dich
für einen der Wege,
dann darfst du mich öffnen
und erfährst das Ziel,
um das es geht’,
stand auf dem Umschlag.
 
Ich erschrak,
denn zurück konnte ich nicht.
Nach Tagen des Zauderns,
Zitterns und Zagens,
des Haderns und Aufbegehrens
entschied ich mich
für den Weg zur Rechten.
 
Kaum meiner Sinne mächtig
riss ich den Brief gierig auf
und las:
 
Das Ziel, um das es geht, ist:
Die Entscheidung.
 
***
 
Schmerzhaft waren die Scheidung, eine schwere Erkrankung, die mich dem Tod nahe brachte, aber dann wiederum eine extrem spirituelle Erfahrung, als ich Letty kennenlernte, eine philippinische Geistheilerin, die mich heilte. Das Leben strengte sich wahrhaftig an, mich mit ALLEN seinen Facetten in Berührung zu bringen, und es ist ihm glänzend gelungen.
 
Eine lange Phase des 'Leichen-unterm-Teppich-Vorkehrens', die wahrhaftig schwierig war. Auch solche Dinge wie ein kapitales Burn Out. Aber immer wieder wurde ich aufgefangen und kam immer mehr mit mir in Kontakt.
 
Mein Weg wurde immer spiritueller. Und schließlich: der Durchbruch.
 
***
 
Durchbruch
 
Ich lehnte mich suchend weit hinaus,
fiel über den Rand meines Kopfes
und ertrank im Meer der Gefühle.
 
Am Grund wartete das Leben.
 
Ich stürzte mich hinein,
entfaltete die Flügel
und begann zu schweben.
 
Von weitem winkte mein Kopf
mir fröhlich zu,
und das Echo seines Lachens
brach sich an den Spiegelwänden
meines abgelegten Kokons.
 
***
 
Heute habe ich mich auf den Weg gemacht, der Welt ohne wenn und Aber mit Liebe zu begegnen.
Und siehe da, sie begegnet mir ebenfalls mit Liebe.
 
****
 
Die Tür
 
Ich werde nicht mehr mitspielen
das Spiel der Masken,
das Spiel der Mauern,
das Versteckspiel,
das nur leeren Hüllen gilt
und dessen Regeln die Angst schreibt.
 
Weiten will ich mich,
öffnen
weit
die Tür,
die ICH BIN
und alle sollen aus und eingehen können
frei
und Lachen soll sein
auf beiden Seiten der Tür.
 
An den Wänden draußen
die abgelegten Masken
 
lächeln.
 
****
 
Mein Leben ist ein Abenteuer geworden, und manchmal denke ich, ich habe erst jetzt ein wenig begriffen, was Leben bedeutet.
 
***
 
Loslassen
 
Wünsche,
die sich nicht erfüllten.
 
Träume,
die Schäume blieben.
 
Visionen
mit abgewandtem Gesicht.
 
Eine Suche
ohne Ziel.
 
Und mein Leben
trug schwer
an sich selbst.
 
Doch eines Tages
war da das Kind,
das mit leuchtenden Augen
seinen Luftballon losließ.
 
Und plötzlich
begann ich
zu schweben.
 
***
 
Das köstlichste Geschenk, das ich derzeit empfange, ist die Begegnung mit so vielen interessanten, wertvollen Menschen.
 
***
 
Begegnung
 
Einmal werden wir uns
in der Mitte treffen
und dann gemeinsam
in neuer,
nie erprobter Richtung
zu neuen Horizonten
vorstoßen.
 
***
 
Zeit der Ernte, denke ich manchmal.
 
Wer ich bin?
 
ICH bin ICH - mit meiner ganzen Figur.
 
Was mich ausmacht?
 
Alles, was ICH BIN und das ganz und gar.
 
***
 
KEIM
 
Fünf der Gelehrtesten und Weisesten
trafen sich,
um den
Urgrund alles Seins
zu ergründen,
 
die Zelle
zu finden,
 
den Ursprung
alles Geschaffenen.
 
An dem Kind,
dessen zärtliche Faust
ein Weizenkorn barg,
 
gingen sie
achtlos
vorüber.
 
Alle Texte: © Rosemai M. Schmidt
 

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