Yunus Barbaros Kuru

Yunus Barbaros Kuru   Premium-Mitglied   Gruppenmoderator

Dipl. Grafik-Designer

Kommunikationsdesigner, Musiker

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Berufserfahrung 

2003 - heute

Kommunikationsdesigner, Musiker

(Der Firmenname ist nur sichtbar für registrierte Mitglieder)

Branche: Musik, Werbung, Kommunikation


1992 - 2003

Art Director

Werbagenturen

Branche: Graphikdesign

Status
Freiberufler

Ausbildung

Sprachen
Deutsch, Englisch, Türkisch, Menschlich

Über mich

Was soll ich über "mich" schreiben?
 
Soll ich schreiben, dass ich gern Klavier spiele und Solo Piano Stücke komponiere?... Und, dass ich das Ganze zu einer Art Berufung gemacht habe, ... dass ich davon irgendwann einmal leben möchte und auch noch grosse Filmmusik komponieren will? ...dass ich davon träume, eines Tages in einem grossen Konzertsaal vor grossem Publikum, auf einem Steinway Konzertflügel zu spielen? Oder, dass ich immer noch freiberuflich als Kommunikationsdesigner arbeite, obwohl ich damit kaum noch Geld verdiene? Oder, dass ich eine netter Kerl bin, offen für neue menschliche und berufliche Kontakte? Etwas nettes aus meinem Privatleben vielleicht? Etwas über meine Familie? Oder die Tatsache, dass ich auch gerne mal über Politik rede, gern rumphilosophiere und schreibe und die Welt verbessern will? ...dass ich ein Herzensmensch bin und für mich Liebe und Freiheit über alles geht? ...das ich irgendwo draussen im Hochtaunuskreis ein einsames Künstlerleben führe? Alles richtig, aber ...
 
Es gibt kein mich!
 
Wenn es so etwas wie MICH gibt, dann kann das nur ein ICH sein, der glaubt, dass es mich gibt!
 
(hhhmhhhhh, ...wie was wo?, kopfkratz!? ..)
 
Ja, es geht um meine Person! Schließlich steht ja oben: "Über mich"
 
Ich habe wieder einmal lange darüber nachgedacht was ich hier "über mich" schreiben soll, bis mir dann endlich eingefallen ist, dass ich es schon geschrieben habe! Eigentlich schon vor etlichen Monaten, in Form einer kleinen wahren Kurzgeschichte, in einem Diskussionsthread hier bei XING. „Personal Development“ heisst die Gruppe glaube ich! Aber zu meiner Geschichte komme ich noch später, zunächst einmal kurz noch etwas über Personal Development:
 
persönliche Entwicklung oder Persönlichkeitsentwicklung!
 
(lachen über mich selbst!)
 
Nun ja, ... die Tatsache, dass ich im Selbstfindungsprozess bin, wissen ja schon viele bereits und eigentlich führt der Ausdruck „Selbstfindung“ oder Selbstbewusstsein immer wieder zu Missverständnissen in unserer Gesellschaft, ...
 
Selbstfindung? Persönlichkeitsentwicklung!?
 
... als würde es so etwas wie eine Persönlichkeit existieren - also, eine Persönlichkeit die uns Menschen (mich, Dich, Sie) irgendwie ausmacht!?
 
Es gibt nichts relativeres wie unsere Persönlichkeit!
 
Ich habe früher Jahre Lang nach dieser Persönlichkeit und meinem angeblichen ICH gesucht, bis ich irgendwann einmal gehört habe, dass es das ICH gar nicht gibt. Ich habe mit allen möglichen Menschen zahlreiche Diskussionen (reale Diskussionen, in der realen Welt, nicht bei XING) darüber geführt, ich habe Seminare und Meetings besucht, tage- und nächtelang im Internet recherchiert, zahlreiche Bücher gelesen...
 
ich habe mich sozusagen gebildet! (wieder ein herzhaftes lachen über mich selbst)
 
Mit dem Verstand kann man das aber gar nicht so richtig verstehen, oder zumindest nicht mit der linken Gehirnhälfte. Da braucht es schon einige gehörige Portion rechte Gehirhälfte und eine kompromisslose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und eine Form von innere Einkehr, ...
 
und natürlich, ein offenes Herz!
 
Bin also in mein Innerstes eingekehrt (der beste Weg geht mitten durch das eigene Herz) und bin dann wieder ausgekehrt (wiederholt sich seitdem sowieso ständig) und weiss:
 
Alles ist relativ (wirklich!) ...
 
nur nicht das was sich tief in unserem Herzen und unseren Seelen befindet, das ist absolut!
 
Und wenn sie mal einen Rat von jemandem brauchen dann hören Sie auch mal darauf!
 
(nein nicht auf mich und das was ich hier schreibe, um Gottes willen! Ich will hier keinen belehren und ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen, ich schreibe hier nur über mich. Wenn Sie einen Ratschlag hören wollen, hören Sie auf Ihr eigenes Herz und auch auf Ihren Bauch und vor allem noch ein wenig tiefer, ... auf ihre Seele! Gegen das, was Ihnen Ihr Bauch, Ihr Herz und vor allem Ihre Seele erzählt, können Sie alle Ratgeber dieser Welt links liegen lassen)
 
Für alle die jetzt denken sollten, ich spreche hier über Esoterik oder über Erleuchtung, oder ...für alle die denken, hier geht es um ein Selbstfindungsratgeber! ...
 
weit gefehlt! An so etwas glaube ich nicht!
 
Es geht nur mein „mich“ oder besser: um ein armseliges, bedeutungsloses ICH, ...
 
in Form einer Shortstory! Einer kleinen Shortstory aus meinem Leben!
 
Es ist nur so eine Story wie Milliarden anderer ICH Storys, nicht der Rede Wert, aber sehr amüsant:
 
Wer mag kann’s lesen,
 
und wenn nicht? .... auch nicht schlimm!
 

 

 
Achtung, fertig Story! ...
 

 

 
ICH
 
Erfahrungen aus meinem Leben, die ich mit meiner eigenen Persönlichkeit (also mit meinem Ego) gemacht habe. Ich nenne es hier der Einfachheit halber mal „ICH“.
 
Dieses ICH ist unmittelbar mit unseren Gedanken und Gefühlen verbunden. Das konnte ich dadurch feststellen, dass ich meine Gedanken und Gefühle bewusst mitverfolgt habe. Also im Prinzip wie ein Zuschauer der sich selbst beim Denken und Fühlen beobachtet. Im Prinzip ein Beobachter, der all seine Gedanken und Emotionen mit einem gewissen Abstand mitverfolgt. Ich habe mit diesen Experimenten vor ca. 15 Jahren angefangen. Ich hatte zuvor in verschiedenen Seminaren davon gehört, dass dieses ICH gar nicht existiert und nur eine Illusion ist - und das man mit ehrlichen Fragen zu sich selbst auf die schliche von diesem erfundenem ICH kommt. Man geht dabei, wann immer es einem möglich ist in die neutrale Position des Beobachters.
 
Bevor ich hier weiterschreibe noch kurz eine Anmerkung: es geht hier nicht um Esoterik. Also um ein fremde metaphysische Lehre die ich mir angeeignet habe, sondern um ehrliche Selbstversuche, mit gesundem Menschenverstand.
 
Das mit dem „Beobachter“ wollte ich nun genauer wissen und habe mit meinen Beobachtungs-Experimenten in meinem eigenem, realem Leben begonnen (also nicht nur zuhause im stillen Kämmerlein, sondern in verschiedenen Alltagssituationen). Natürlich ist es mir nicht gelungen, diesen Zustand permanent aufrecht zu erhalten. Ganz im Gegenteil: die meiste Zeit bin ich, auch heute noch, von meinem ICH so stark eingenommen, dass ich den Beobachter in mir oft vergesse. Doch es fällt mir immer leichter von dem unbewussten ICH Zustand in die bewusste aufmerksame „wer ist ICH?“ Haltung zu gehen.
 
Und nun ein ganz einfaches praktisches Beispiel aus meiner Vergangenheit, in Form einer netten Kurzgeschichte - aus einer Zeit, wo meine Gedanken und Gefühle noch viel intensiver von meinem ICH kontrolliert wurden:
 
Es ist 7.30 morgens, der Wecker klingelt. Kaum bin ich aufgewacht, ist mein ICH in meinen Gedanken schon da:
 
„Oh Shit, ICH habe wieder zu wenig geschlafen.“
 
(Die Nacht vorher war lang)
 
„Wann werde ICH mal wieder endlich ausschlafen. Jeden morgen das selbe Theater. ICH habe heute absolut keine Lust zur Arbeit zu fahren ...
noch 5 Minuten!“ ...
 
Meine Hand stellt den Wecker stumm ...
 
Und 5 Minuten später das gleiche Spiel, der Wecker klingelt wieder:
 
„OH shit, schon wieder dieser blöde Wecker! ICH habe keine Lust aufzustehen! Nein!! ... Doch, ICH muss!“ ...
 
Mein Körper quält sich ins Bad. Dabei erblicke ich durch meine noch halb geschlossenen Augenlider die ersten Sonnenstrahlen, die in meine schöne Altbauwohnung hineinfallen und selbst mein depressives Gemüt für eine kurze Zeit erhellen ... ich spüre die ersten positiven Lebenszeichen in mir...
 
„Was für ein schöner Tag, die Sonne scheint die Vögel zwitschern, die Miete ist bezahlt ...“
 
Ich zitiere in meinen Gedanken einen Dialog aus einem Charlie Chaplin Film, den ich vor zig Jahren schon mal gesehen hatte. Nur das hier noch die Aussage: „der Teekessel pfeift“ und eine wunderschöne junge Frau in meiner Story fehlt ...
 
Mein ICH ist wieder da und nimmt mir sogar die Freude an dieser schönen Vorstellung ...
 
„Wenigstens der Teekessel hätte pfeifen können – ICH arme Sau, habe noch nicht einmal die Zeit in Ruhe einen Tee zu trinken. ICH muss zur Arbeit – schnell ..."
 
Ich schleppe meinen müden und ausgelaugten Körper, den ich mittlerweile schon fast nicht mehr fühlen kann, ins Bad und unter die Dusche. Die angenehmen warmen Wasserstrahlen auf meiner Haut nehme ich kaum noch wahr, weil ich zu allem Überfluss, mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigt bin ...
 
„Die Schweine haben MICH gestern wieder bis 2.00 Uhr nachts alleine in der Agentur schuften lassen. Nur weil wieder so einem blöden Kunden 3 Tage vor der Präsentation eingefallen ist, dass das Briefing noch geändert werden muss. Ist doch nicht meine Schuld!? ICH bin doch wirklich ein Vollidiot. Warum habe ICH meinen Vorgesetzten geglaubt, als sie MIR vor der Einstellung gesagt haben: In unserer Werbeagentur wird Team Arbeit gross geschrieben. Jetzt arbeite ich hier Nachts immer allein und das Team ist nicht da. Morgens um 9.15 rein und abends um 22.00 oder noch später raus. Na wenigstens bekomme ich die Taxifahrt nach Hause, von gestern Nacht, bezahlt. Aber eine Schweinerei ist das trotzdem. Noch drei Tage bis zur Präsentation und alle meinen schönen Ideen und die ganze Arbeit, die damit Verbunden war ist wieder für die Tonne. Und ICH habe immer noch keine neues Konzept – nur noch drei Tage!“
 
Plötzlich wache ich von meinen Gedanken auf und merke, dass ich es
ganz eilig habe ...
 
„ICH muss zur Arbeit!“ ...
 
In Windeseile schmeisse ich mich in meine Klamotten, greife meine Tasche und verlasse die Wohnung. Ich muss laufen, damit ich nicht die nächste S-Bahn nach Frankfurt verpasse. Aber anstatt mich bewusst wie ein erwachsener Fussgänger im dichten Strassenverkehr zu verhalten, renne ich im halsbrecherischen Slalom über die Strasse, vorbei an stehenden und noch fahrenden Fahrzeugen, dessen Fahrer sichtlich an meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit zweifeln - und schaffe es noch rechtzeitig in den letzen Zugabteil zu springen
(kurz vorher werde ich beinahe von einem Auto überfahren) ...
 
Verschwitzt und völlig ausser Atem lasse ich mich auf den nächstbesten freien Sitzplatz fallen. Die irritierten Blicke der anderen Fahrgäste werden von mir einfach ignoriert – zu sehr bin ich mit mir selbst beschäftigt. Ich falle auf meinen Rückenlehne und in meine Gedanken zurück ...
 
„ICH muss bescheuert sein. Wie lange will „ICH“ diesen Stress noch mitmachen. Und wofür das alles? Ist doch nur Werbung! Und die wird nachher wieder einmal so schlecht, das mir übel dabei wird. In diesem Rebriefing steht so viel Bullshit drin, dass da hinterher auch wirklich nur Mist herauskommen kann. ICH sollte die Agentur und den Kunden darauf aufmerksam machen. ICH sollte sagen, dass das neue Briefing noch weniger durchdacht ist, als das Alte! Nein, kann ICH nicht machen, das wird hier sonst als Arbeitsverweigerung aufgefasst ....“
 
Können Sie sich vorstellen, an einer Aufgabenstellung (Briefing) zu arbeiten, dessen Inhalt sie nicht verstehen? Und wo sie das Gefühl haben, dass niemand diesen Inhalt richtig verstanden hat. Und Sie müssen an dieser Aufgabenstellung trotzdem arbeiten, weil Sie sonst als Querulant da stehen? ...
 
Meine Gedanken zermatern mich weiter ...
 
„ICH habe keinen BocK auf den Scheiss. Warum haben sie mich damals nicht bei „Springer & Jacoby“ genommen, als ICH mich dort beworben hatte? ICH habe doch so viele gute Ideen. Jetzt muss ICH hier mit Leuten arbeiten, die noch nicht einmal die Idee von der Umsetzung unterscheiden können und sich kreative Kommunikationsprofis nennen. Nein, das stimmt nicht – völliger Irrtum, das hat hier keiner behauptet. Ganz im Gegenteil, hier wurde immer von „Dienstleistung“ gesprochen. OK! Es mag sein, dass die meisten hier als nur Dienstleister arbeiten. Aber ICH selbst bin keiner! ICH bin kein Dienstleister! ICH bin ein Mensch mit kreativen Ideen, ICH bin ein Querdenker, ICH ......“
 
Meine Gedanken werden unterbrochen, durch eine gutaussehende Frau, die mich am anderen Ende des Wagens sitzt und mich anschaut. Als sich unsere Blicke treffen, gucke ich verlegen weg. Sie tut es auch ...
 
Und ICH denke wieder weiter...
 
„Mist, warum kann ICH keiner schönen Frau in die Augen sehen? ...
 
Gedankenpause... die Dame schaut erneut in meine Richtung und wieder weg ...
 
„Ist doch klar! ICH bin doch kein Matcho der jede Schöne Frau mit den Blicken auszieht! ... Und ausserdem bin ICH ja schon in festen Händen. OK, meine Beziehung ist nicht unbedingt rosig, aber ICH liebe meine Freundin. ... Aber ein kleiner Flirt, nur mit den Augen ... Nein. Das ist nicht gut. Was soll die arme Frau von mir denken. Aber sie sieht Klasse aus – wirklich! Und ICH fühle mich zu Ihr hingezogen... Aber hmmhhh... ? ICH bin eine Feigling, ein Looser! .... Nein ICH bin OK, ich bin anständig, treu und ... Ob sie mich wieder anschaut? Vielleicht habe ICH habe mir das bestimmt eingebildet, ICH meine die Tatsache, dass Sie mich anschaut“ ...
 
ich Blicke wieder auf und schaue zum anderen Ende des Zugabteils ...
die junge Dame ist weg ...
 
Aber mein seltsames ICH ist wieder da ...
 
„andere Männer hätten schon längst ... Schade Sie ist schon weg, aber vielleicht sehe ICH sie ja in den nächsten Tagen wieder? ... Wie auch immer, ICH bin ein anständiger Mann! ICH weiss, was sich gehört und was nicht! Schluss jetzt!“...
 
Die S-Bahn fährt wieder in ein Tunnel hinein. Es wird wieder dunkler um mich und meine Gedanken ...
 
„Warum habe ICH nichts vernünftiges gelernt. Etwas was bodenständigeres. Werbung ist subjektiv und jeder meint etwas davon verstehen zu müssen und die meisten Werber reden eh nur Blödsinn. ICH weiss das! Deshalb kommt auch hinterher oft nur Blödsinn raus. ICH will aber kein Blödsinn kommunizieren! Ja, die Werbung lügt und ist schlecht! Warum können die Leute nicht ehrliche Werbung machen? Aber egal! ICH muss mich jetzt um meinen Job kümmern! Wenn ICH doch nur eine Idee hätte, nur noch drei Tage bis zur Präsentation. OK, Teile von meinem alten Konzept konnte ICH noch retten aber der Kunde will ja noch einen komplett neuen Ansatz. Zwei Kampagne, präsentationsreif, in Essig und Öl, nur weil er sich die Idee nicht vorstellen kann. Und schon wieder muss ICH mir eine Nachtschicht um die Ohren hauen. Und meine Chefs gehen pünktlich nach Hause. Aber ICH könnte doch wie jeder andere Art Director auch irgend so eine Alibi Idee erfinden. Scheiss egal, wenn es nicht auf das Briefing passt! Aber nein, ICH muss die weltbeste Idee auf das schlechteste Briefing der Welt haben. Ein Ding der Unmöglichkeit! ICH bin echt bescheuert! ...
 
ICH bin schon eine arme Sau!“ ...
 
„die Fahrkarten bitte!“
 
ein Kontrolleur betritt den Zugabteil ...
 
„Ach Du Scheisse. ICH habe gestern vergessen eine neu Monatskarte zu kaufen und wir haben heute schon den ersten“ ...
 

Nun will ich mal an dieser spannenden Stelle die Story beenden. Ich will ja keinen Roman schreiben - ich wollte hier nur klarmachen, wie das Leben an einem vorbeiläuft, wenn man zu sehr mit dem „Ich“ und seiner eigenen Gedankenwelt beschäftigt ist. Das Problem sind aber nicht die Gedanken, sondern die Identifikation damit.
 
In diesen 45 Minuten, vom Aufstehen, bis zum Ende der Bahnfahrt
habe ich:
 
ein gutes Frühstück an einem schönen sonnigen Tag auf dem Balkon verpasst!
 
beinahe mein Leben bei einem Autounfall verloren!
 
mir einen Flirt mit einer schönen jungen Frau entgehen lassen!
 
Als Schwarzfahrer in der S-Bahn gesessen.
 
beschlossen, 3 Tage umsonst zu arbeiten.
 
Ja, was für ein ICH, was für ein Held!
 
So hatte ich auch die nächsten 3 Tage meines Lebens, mit dieser tragischkomischen ICH Episode und mit zu viel Arbeit sowie Jammern vergeudet. Und mit den 4 Tagen davor hatte ich wieder einmal eine 75 Stunden Woche gehabt. Ich hatte den Job im endeffekt dennoch zur absoluten Zufriedenheit aller Beteiligten (Kunde, Agentur, ich selbst) erledigt, mit einer Nachtschicht und Wochenendarbeit. Und die Idee wurde dann später doch nicht realisiert. Mit anderen Worten, ich hätte genauso ein mittelmäßige bis schlechte Alibi-Idee abgeben können und wäre mit einer 40- 45 Stunden Woche aus dem Schneider gewesen. ...
 
Ich habe jedoch aus meinen Fehlern gelernt. Der Mensch sollte die gleichen Fehler nicht noch einmal machen. Später, in einer anderen Agentur hatte ich eine ähnliche Situation mit drei 70 Stunden Wochen
hintereinander. Als einer meiner Chefs dann auch noch einen zusätzlichen Arbeits-Sonntag von mir wollte und ich abgelehnt hatte, kam unverschämte Aussage: „Ich bin selbstverständlich davon ausgegangen, dass Du auch diesen Sonntag zu Arbeit kommst.“ Zunächst habe ich erst einmal geschluckt, dann kurz Luft geholt und ganz ruhig geantwortet: „Ich nicht!“ Hinterher entstand eine grosse Diskussion. Weitere Diskussionen, die belangloser waren, folgten. Und 4 Wochen später bekam ich die Kündigung! ...
 
Das nur am Rande, weil es so schön passt.
 
Ich habe in meiner ersten Story nur die Identifikation mit meinen Gedanken geschildert. Dazu kamen noch die Identifikationen mit all den negativen Emotionen, die in dieser stressigen 75 Stunden Woche gehabt hatte: Enttäuschung durch meinen Chef, der mir keinen zusätzlichen Mitarbeiter an die Seite gestellt hatte. Einen Streit mit einem Kundenberater, der das zweifelhafte Briefing des Kunden nicht hinterfragen wollte. Der Frust darüber, dass andere sich Abends und am Wochenende amüsierten, während ich die ganze Zeit am brasseln war. Die Tatschache, dass ich in dieser Woche wenig gegessen und geschlafen hatte. Und mein ganzer Ärger über mich selbst, weil ich wieder über meine eigenen physischen und psychischen Grenzen gegangen war.
 
Obwohl ich die Zustände in der Werbebranche schon länger kannte, hatte ich „mehr oder weniger“ selbst dafür gesorgt, dass die Stresssituationen, die schon ohnehin in dieser Agentur vorhanden waren, durch meine ICH Identifikation verstärkt wurden.
 
Heute kann ich Gott sei Dank darüber lachen!
 
Ich kann mit solchen Stresssituationen besser umgehen, indem ich den Beobachter in mir einschalte (wenn es mir rechtzeitig gelingt). So schaffe ich es meistens angemessen auf diese Situationen zu reagieren und kann damit vielen unnötigen und leidvollen Erfahrungen aus dem Wege gehen. Dabei versuche ich immer mehr auf mein Bauchgefühl (weniger auf den Verstand) zu hören und achte auch viel mehr auf die Reaktionen meines Körpers und natürlich auf die Reaktionen anderer Menschen. Ich habe festgestellt. Dass die Menschen in Ihren körperlichen Reaktionen und Gesten ehrlicher sind als mit ihren verbalen Äusserungen. Ich lebe gesünder, kann meine und die Grenzen anderer besser einschätzen und habe vielmehr das Gefühl von „Glücklichsein“ als früher. Und diese Momente des Glücklichseins sind oft auch sehr einfache Momente: Ein gutes Gespräch mit einem anderen Menschen, ein schöner Spaziergang, ein kurzer Blick aus dem Fenster in die wunderschöne Natur vor unserem Haus usw. Früher hatte ich ständig das Gefühl „ICH“ brauche „mehr“ um Glücklich zu sein. Ich habe mein Wohlbefinden nicht mehr von Äußerlichkeiten abhängig gemacht. Mir geht es heute finanziell viel schlechter als früher, aber mein Leben fühlt sich heute dennoch viel leichter an. Ich besitze heute eine Art inneren Reichtum, der mich wenn auch nicht unbedingt „erleuchtet“, aber zumindest zufriedener macht.
 
Und ich habe vor allem das Gefühl, dass mein Leben erst jetzt begonnen hat. Meine ganze Weltanschauung hat sich geändert.
 
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass Ich zum Beispiel in meinem früheren Berufsleben all die materiellen und ideellen Reichtümer, die ich mir gewünscht hatte, nicht bekam. Noch nicht einmal einen Bruchteil davon konnte ich realisieren, obwohl ich hart „dafür“ und auch „an mir“ gearbeitet hatte. Je mehr ich mich in meinen Jobs anstrengte, desto weniger Erfolg hatte ich. Es gab immer wieder Zeiten der Arbeitslosigkeit, wo ich an die 60 Bewerbungen schrieb und nichts klappen wollte. Es war verrückt, ich hatte einen sehr guten Studienabschluss (Dipl. Grafik Designer) hingelegt, hatte jahrelang in grossen, renommierten Werbeagenturen gearbeitet und wurde fachlich auch von den meisten Kollegen und Vorgesetzten geachtet. Menschlich gesehen hatte ich natürlich andauernd Stress, weil ich mich in der heiteren Werbewelt anpassen wollte. So habe ich mit meinem „ICH“, meiner Sturheit und meinen Ecken und Kanten für viel Reibung gesorgt.
 
Natürlich waren früher, von meinem kleinen „ICH“ bezogenem Standpunkt her gesehen, immer die anderen Schuld. Heute weiss ich, dass ich weder mich selbst, noch die anderen dafür verantwortlich machen kann. Es gab nur einen Grund dafür, warum bei mir meistens alles schief lief:
 
Die Tatsache, dass ich in einem Umfeld gearbeitet habe, wo ich menschlich nicht hinein gepasst habe. Fachlich gesehen war wirklich alles Super, somit konnte ich auch dafür sorgen, dass ich „geduldet“ war und nicht bei jedem neuen Job rausgeschmissen wurde.
 
„ICH“ habe nicht erkennen wollen, dass ich vom Wesen her nicht für die Werbewelt geschaffen war. Ich meine, ich liebe meinen Job und mache ihn heute immer noch gerne und auch gut (heute freiberuflich). Aber erst mit einem gewissen Abstand von meinem „ICH“ habe ich das Kernproblem erkannt. Es hat aber noch mehrere Jahre gedauert, bis das Ganze auch in meine letzten Gehirnwindungen vorgedrungen war. Ich habe es später , dennoch (um nicht zu früh aufzugeben) mit der eigenen Agentur versucht und war aus den zuvor genannten zwischenmenschlichen Gründen gescheitert. Doch immer mehr Einsichten sowie die Wirtschafts- und Werbekrise in den letzten Jahren, haben mich zu der Erkenntnis gebracht, dass mich mein „ICH“, der überzeugt davon war, dass man alles erreichen kann was man will, mich eigentlich nur in eine Sackgasse führte. Natürlich hätte ich früher mit etwas mehr Einsicht und Diplomatie mehr Erfolg mit meinen Jobs haben können und wäre heute mit meinem fachlichen Wissen und meinen beruflichen Erfahrungen vielleicht ein angesehener und gut bezahlter „Creative Director“ in einer grossen Network Werbeagentur. Aber für welchen Preis? Um meine innere Freiheit, meine Gesundheit und meine Seele zu verkaufen. Nein, Karriere sollen andere Leute machen, Leute die in die oberflächliche Werbewelt besser hinein passen. Es ist auch nicht so, dass ich ein Arschloch bin und generell mit jedem Menschen in meinem Leben anecke. Dann könnte ich heute sagen. Ja Du warst auch selber schuld, weil Du die Leute um Dich immer persönlich angegriffen hast. Nein, das habe ich nie gemacht. Angriff gehört nicht zu meinen Prinzipien. Wenn überhaupt dann nur Verteidigung. Aber selbst Verteidigung kann manchmal unnötige Energien vergeuden, so dass ich in meinen Werbe Jobs später (meistens in nebensächlichen Dingen) einfach nachgegeben habe.
 
Nein, meine Sehr geehrten Werber und Werberinnen. Ich schimpfe hier über die Branche, sondern über die Tatsache, dass ich mich jahrelang selbst verarscht habe.
 
Das witzigste in meinem beruflichen Lebenslauf war die Tatsache, dass ich erst als ich die Jobsuche aufgegeben hatte, die Projekte von selbst kamen – ohne, dass „ICH“ auch nur einen Finger dafür krumm gemacht hatte. Freunde und Bekannte haben mir diese Jobs besorgt. Und es war in einer Zeit in dem Ich meine „wer ist ICH“ Spielchen bis zur Spitze getrieben hatte. Ich hatte mich darauf eingelassen, nur noch Dinge zu Tun, die sich in meiner Mitte (nicht in meinem Kopf) richtig anfühlten. Natürlich wusste mein „ICH“ immer alles besser: Nein! Das geht so nicht. Du kannst Das so nicht machen! Du musst für Dein Glück arbeiten und kämpfen!“ Aber ich habe nicht darauf gehört, denn ...
 
ICH oder, das was das ICH beobachtete, hatte schon längst aufgehört zu kämpfen.
 
Ja, das leben geht weiter - auch ohne, dass ein „ICH“ einen ständig antreiben muss. Damit meine ich nicht dass ich heute immer mit einem „Ooooohhhmm!“ da sitze und meditiere. Ganz im Gegenteil. Das bewusste Meditieren fällt mir schwer. Für mich ist das ganze Leben eine Meditation. Ich fühle, dass mein Leben besser läuft wenn ich das „ICH“ loslasse und mich vom „Leben“ führen lasse.
 
Ich mache heute im Wesentlichen nur noch Dinge, wovon ich absolut überzeugt bin – aber nicht nur von meinem Verstand her, sondern von meinem ganzen Wesen und aus tiefsten Herzen heraus.
 
Und woher weiss ich, dass das nicht schon wieder ein Ego-Spiel ist?
 
Erstens dadurch, dass ich in solchen Momenten keine „ich will aber, oder ich will nicht“ Gedanken habe und zweitens dadurch, dass ich mich leichter, friedfertiger und freier fühle.
 
Und ich weiss wie sich das anfühlt wenn da ein „ICH will aber“ mein Wesen, meinen Kopf und meinen ganzen Körper einnimmt.
 
Nein, ich bin heute nicht zu einem kein Kind des „Positiven Denkens“ oder einem Mitglied der „wir haben uns alle Lieb“ Community geworden. Ich lege auch keine Tarotkarten und folge keinem erleuchteten Guru. Ich falle auch nicht zu irgend einem idealisierten spirituellen Glauben zurück, nur weil ich keine materiellen Erfolge im Leben gehabt habe.
 
Ich glaube heute genauso an den gleichen Gott wie Früher, auch wenn ich Ihn heute etwas anders sehe.
 
Und ich weiss auch, dass es einen noch besseren Zustand gibt als den des ehrlichen Beobachters. Ich spreche von den Momenten, in dem sowohl das ICH, als auch der Beobachter verschwinden. Von Augenblicken, wo das Leben durch mich fliesst und meine ganze Person mit tiefer Zufriedenheit, Liebe, Freiheit und Dankbarkeit erfüllt. Diese innere Sichtweise erlaubt mir sowohl positive, als auch negative Erfahrungen leichter und besser zu verarbeiten.
 
Das wäre vor 10 Jahren und noch früher absolut undenkbar gewesen.
 
Die Welt ist in einer wirtschaftlichen Krise und ich bin von dieser Krise Beruflich, finanziell und „persönlich“ sehr stark betroffen. Natürlich leidet mein Ego stark darunter und will mir ständig erzählen was für eine Arme Sau ICH bin. Doch tief in meinem Wesen weiss ich, dass meine Probleme unbedeutend sind im Vergleich zu der Not anderer Menschen auf dieser Welt. Ich habe genug Ideen, wie ich mich beruflich weiter entwickeln kann und glaube an die innere Kraft, die mich leitet. Und da möchte ich mich keinesfalls mit meinem arroganten ICH, all den Ängsten und negativen Emotionen querstellen. Fühle und denken Ja! Aber nicht von diesen quälenden Gedanken und Gefühlen beherrschen lassen!
 
Nicht das „ICH“ ist wichtig sondern die Fülle des Lebens die durch uns allen fliesst oder besser gesagt fliessen kann, wenn man es zulässt.
 
Natürlich ist das ICH immer noch da und lässt nie locker.
 
Aber „Gott sei Dank“ fliesst das Leben auch ohne dieses ICH Gefühl durch meinen Körper - ja sogar viel besser als mit meinem arroganten ICH, der nicht im Stande ist im Einklang mit sich selbst, der Natur und meiner Mitmenschen zu leben.
 
Und wenn ich mir mein vergangenes Leben ehrlich anschaue, kann ich mit Sicherheit sagen, dass mir dieses ICH mehr Leid als Freud gebracht hat.
 
Ich kann mein Leben, in der Abwesenheit meines ICH’s tatsächlich besser geniessen. Auch wenn diese Momente kommen und gehen. Und dabei geht es mir nicht um eine ständig anhaltendes „Glücksgefühl“. Dieses pseudoerleuchteten permanenten High-Zustand kenne ich nicht. Ich versuche sowohl die wohltuenden Erlebnisse, als auch die schmerzhaften Erfahrungen des Lebens anzunehmen.
 
Aber gerade bei den schmerzhaften Erfahrungen kommt wieder mein armes „ICH“ zum Vorschein und fragt das Leben:
 
Warum „ICH“ ?????
 
Ja, so sind wir Menschen!
 
Aber das Leben geht weiter, egal ob mit oder ohne ein „ICH“ Gefühl.
 
Herzliche und ICHlose Grüsse
 
Yunus

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