Als erster Staat in Europa hat Frankreich eine Finanztransaktionssteuer (FTT) infolge der Finanzmarktkrise eingeführt. Frankreich gilt zudem als Befürworter des
europäischen FTT-Entwurfs und hat bereits den entsprechenden Antrag bei der
EU-Kommission in Brüssel eingereicht.
Die Ziele stimmen mit denen des EU Verordnungsentwurfs weitgehend überein. Demnach sollen Finanzinstitute an den Kosten der jüngsten Bankenkrise beteiligt
und das Volumen der kurzweiligen Transaktionen reduziert werden.
GESETZ DES FRANZÖSISCHEN PARLAMENTS ZUR FINANZTRANSAKTIONSSTEUER
Das französische Parlament beschloss die Einführung einer FTT zur Besteuerung
bestimmter börsengehandelter sowie außerbörslicher Finanzinstrumente zum
01.08.2012. Die Steuer ist von dem orderausführenden Kontrahenten, z. B. einem Broker, abzuführen und vom Käufer zu entrichten.
Die betreffenden Finanzinstrumente sind seit dem 01.08.2012 steuerpflichtig. Steuerzahlungen für den Zeitraum August bis Oktober müssen bis zum 09.11.2012
erfolgen.
BESTEUERUNG VON AKTIENKÄUFEN
Gemäß dem Gesetz zur FTT wird der Kaufpreis von Aktien mit 0,2 % besteuert. Für Aktienlieferungen aus Derivaten und Aktien aus Wandelanleihen sind ebenfalls 0,2 % auf den Ausübungspreis abzuführen. Die Steuer findet jedoch nur auf Aktien französischer Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über einer
Milliarde Euro Anwendung. Aktuell sind 109 Aktientitel betroffen.
Ausnahmen sind:
• Primärmarktaktivitäten
• Konzerninterne Transaktionen
• Clearinghäuser und Zentralverwahrer
• Aktienrückkäufe
• REPO-Geschäfte und Aktienanleihen
• und der Handel mit Derivaten und Wandelanleihen.
Für Aktienkäufe gilt das Ausgabeprinzip. Demnach sind Transaktionen unabhängig
vom Standort des Käufers oder des Verkäufers steuerpflichtig. Die Steuer muss bis zum vierten Arbeitstag des Folgemonats abgeführt werden.
BESTEUERUNG IM HIGH FREQUENCY TRADING
Das High Frequency Trading (HFT) unterliegt einer Besteuerung von 0,01 % auf
die Summe berichtigter und stornierter Transaktionen eines Handelstages. Das ist
jedoch nur der Fall, wenn diese Transaktionen 80 % des Gesamthandels an
einem Tag ausmachen. Der Gesamthandel besteht aus allen angebotenen, stornierten,
berichtigten und angenommenen Transaktionen.
Bei der Besteuerung im HFT findet das Ansässigkeitsprinzip Anwendung. Demnach
sind Finanzinstitute sowie ausländische Zweigstellen mit Sitz in Frankreich betroffen.
Französische Zweigstellen im Ausland sind hingegen nicht betroffen.Zudem unterliegt das HFT auch der Besteuerung von Aktienkäufen und Credit Default Swaps (CDS) auf europäische Staatsanleihen. Die Steuer ist für das HFT bis zum vierten Arbeitstag des Folgemonats zu entrichten.
BESTEUERUNG UNGEDECKTER CDS AUF STAATSANLEIHEN EUROPÄISCHER MITGLIEDSSTAATEN
Die französische Gesetzgebung sieht ebenfalls eine Besteuerung von Kreditausfallversicherungen vor. Bei einem ungedeckten Kauf beträgt die Steuer 0,01 % des Nominalwerts. Auch bei der Besteuerung auf CDS gilt das Ansässigkeitsprinzip.
Der Kauf eines CDS unterliegt der Besteuerung sobald ein französischer Kontrahent an der Transaktion beteiligt ist. Zudem findet die Steuer auch beim Handel mit jeglichen juristischen und privaten Personen Anwendung.
Die Besteuerung von CDS ist jedoch nicht bei Market-Making-Aktivitäten oder der
äquivalenten Einnahme der Long Position fällig. Die Steuer ist unmittelbar bei Vertragsabschluss abzuführen.
BESTEUERUNG VON DEPOSITORY RECEIPTS
Die Besteuerung von Depository Receipts (z. B. ADRs/CDRs) war zunächst nicht vorgesehen. Zum 01.12.2012 soll jedoch auch der Kauf dieser Investmentzertifikate,
die bestimmte Rechte im Zusammenhang mit einem Basiswert begründen, mit 0,01 % des Nominalwerts besteuert werden.
Frankreich behält sich vor, weitere Finanzinstrumente zu besteuern.
ENTSCHEIDUNGSBEDARFE FÜR FINANZINSTITUTE
Finanzinstitute können die FTT auf Aktienkäufe vermeiden, indem sie keine der 109
betroffenen Aktientitel kaufen. Ein Contract for Difference (CFD) bildet den Preis eines Finanzinstruments nach. CFDs auf Aktien werden derzeit genutzt, um die Steuerbelastung durch die britische Börsenumsatzsteuer zu reduzieren. Diese können somit auch in Frankreich eine Handlungsalternative für Finanzinstitute darstellen.
Finanzinstitute können die Besteuerung von CDS auf europäische Staatsanleihen vermeiden, indem sie CDS von nicht in Frankreich ansässigen Kontrahenten oder
anderen Staaten mit gleichem Rating kaufen.
Die Besteuerung des HFT nimmt hingegen nur Einfluss auf Markteilnehmer mit Sitz
in Frankreich. Das hat zur Folge, dass sich HFT verteuert und das Volumen in Frankreich voraussichtlich rückläufig sein wird.
PROZESSIMPLIKATIONEN FÜR FINANZINSTITUTE
Die neuen Transaktionskosten sind in den Prozessabläufen der Finanzinstitute zu
berücksichtigen. Prozesse zu Handelsentscheidungen gilt es anzupassen. Die neuen Transaktionskosten sind in den Prozessabläufen der Finanzinstitute zu berücksichtigen. Prozesse zu Handelsentscheidungen sind anzupassen, das gilt
insbesondere für Algo-Trading-Prozesse. Zudem müssen weitere Systeme und
Systemeinstellungen geändert werden, unter anderem im Collateral-Management-
System, den Systemen zur Ab- und Verrechnung und in den performancemesssystemen.
Des Weiteren sollte die Abführung der Steuer automatisiert erfolgen können.
Eine Anbindung an die Steuererhebungsstelle ist somit erforderlich.
BEARINGPOINT SERVICEPORTFOLIO
Unser Serviceportfolio deckt die erforderlichen Handlungsbedarfe für ein Projekt
zur Implementierung der französischen und auch europäischen FTT (bei Einführung)
ganzheitlich ab:
• Vorstudie, Impact-Analyse und Business Case
• Fachkonzeptionen
• Prozessdesign und Systemanpassungen
• Testing und Defect Handling
• Projektmanagement
Rufen Sie unsere Ansprechpartner an, um weitere Informationen zu erhalten. Wir sind gern für Sie da!
Mark Firnhaber
Manager
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Dr. Robert Bosch
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