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Architekturtheorie heute

Diskussions- und Informationsplattform rund um das Thema Architekturtheorie

Thomas Stadelmann Selbstdarstellung - Produktion von Identität
Regisseur Wim Wenders durfte ein paar Tage bei Architekt Peter Zumthor in Haldenstein einkehren. Herausgekommen ist ein klischeehafter Kurzspielfilm über einen prominenten Architekten, der sich nicht für die Aussensicht auf seine Person interessiert und dennoch in seinem Atelier für Wim Wenders als Schauspieler auftritt. "Notes from a day in a life of an architect" (ausschliesslich gezeigt an der letzten Biennale in Venedig) dokumentiert den seit Le Corbusier bekannten und brisanten Wettbewerb um Reputation, die Macht der Bilder in der Architekturproduktion und letztlich um die widerspruchsvolle Identitätsproduktion in der Mediengesellschaft: Zumthor will besser verstanden werden, Wenders besser verstehen, im Film geht es um Selbstdarstellung und die Kooperation zweier Freunde. Geplant ist eine mehrjährige Zusammenarbeit. Der ganze Artikel ist auf http://www.stadtfragen.ch erschienen.
Thomas Stadelmann
Architektur und Vermittlung
Vor genau 20 Jahren, am 12. Juni 1994, hat Luzern an der Urne mit einer überzeugenden Mehrheit dem Bau des «Kultur- und Kongresshauses am See» zugestimmt. Architekt Jean Nouvel verpackte im Vorfeld seine Antwort auf die für das Vorhaben KKL existenzielle Frage „Welche Stadt wollen wir?“ bildhaft und mit strategischem Kalkül in eine offene Erzählung über die Zukunft am Europaplatz. Interpretiert als Bildprojekt eines geplanten und realisierten, urbanistischen Bocksprungs fasziniert und verunsichert das Landschaftsbild gleichermassen. Der ganze Artikel ist auf http://www.stadtfragen.ch erschienen.
Christian J. Grothaus Architektur als Besinnung oder: Die ursprüngliche Aufgabe der Kunst
Ein Freund machte mich kürzlich aufmerksam auf einen Artikel von Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung von 12. / 13. Dezember 2008. Unter dem Titel „Der Hauch der Architekten. Was hat uns bloß so ruiniert. Über den Untergang eines einst so glamurösen Berufsbildes“ wird dort ein Klagelied über meine Zunft angestimmt. Niederdrückende statistische Daten (Überangebot von Absolventen, monetäres Existenzminimum als Standard) wechseln sich ab mit der Schilderung vom Bedeutungsverlust, Polemiken gegen den „kommunikationgestörten“ Künstler-Architekten, der im Elfenbeinturm arbeitet und der Unfähigkeit meiner Kollegen, Bauprojekte effizient und kostensicher abzuwickeln.
In einem Gespräch, das ich vor kurzem mit dem sehr erfahrenen Chef einer Projektmanagement-Firma führte, wurde ich darauf hingewiesen, dass im angelsächsischen Raum schon seit jeher eine Trennung von Entwurf und Realisierung von Architektur stattgefunden hat. Wenn ich so darüber nachdenke – was soll eigentlich schlimm daran sein?
Die Bau-Prozeduren sind heute so ausgefeilt, die zu koordinierenden Einflussgrößen dermaßen umfänglich und die zu integrierenden Spezialdisziplinen so anspruchsvoll, dass das Bauen eine Gemeinschaftsleistung von Architekten und Ingenieuren sein muss – eine nämlich, die dem Anspruch an ein Hightech-Produkt, das sich gleichermaßen wirtschaftlich und technisch wie räumlich in höchster Qualität ausdrückt, gerecht wird.
„Schuster bleibt bei deinen Leisten“, heißt es. Ich behaupte, dass die „Leisten“ des Architekten die Künste sind! Hier kommt mir auch der Ethos-Neustartversuch meiner Zunft vor knapp 100 Jahren in den Sinn, der den Architekten als Teamplayer im Gefüge der Künste verortet, das es zu emanzipieren galt von der Industrialisierung.
Im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius sollte die Architektur „wieder“ verbunden werden mit den anderen Künsten – wohlgemerkt den Künsten und nicht dem Projektmanagement oder den Spezialdisziplinen der Ingenieurwissenschaften:
http://www.bauhaus.de/bauhaus1919/manifest1919.htm
Ich sehe darin keinen Fehler, denn wer soll sich im Bauen außer dem Architekten denn sonst mit den so wichtigen atmosphärischen Charakteristika befassen?
Heidegger schreibt ganz richtig: „…Anfang ist nicht das Vergangene, sondern, weil er alles Kommende voraus entschieden hat, stets das Zukünftige; als dieses müssen wir den Anfang bedenken…“ (GA 51, S. 15) Aber was ist der Anfang in der Architektur und also „stets das Zukünftige“?
„…Das Wort „Architektur“ ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern αρχη [arché] „Anfang“, „Ursprung“, „Grundlage“, „das Erste“ und τεχνη [techné] „Kunst“, „Handwerk“. Es ließe sich daher wörtlich mit „Erstes Handwerk“ oder „Erste Kunst“ übersetzen. Die Interpretation zu Lateinischen arcus, „Bogen, Gewölbe“ und tectum „das Eingedeckte“, „Gebäude“ ist sekundär…“
http://de.wikipedia.org/wiki/Architektur
αρχη [arché] meint „Anfang“ oder „Ursprung“. Hier sind die Dinge klar - es ist die erste Disziplin gemeint. Vitruvs Diktum von der „Architektur als Mutter der Künste“ versteht sich vom Anfänglichen in der Baukunst.
Wie steht es aber nun mit τεχνη [techné]? Sollte man es deuten als „Kunst“ oder „Handwerk. Ich denke, als beides. Noch einmal das Bauhaus Manifest: „…Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Denn es gibt keine “Kunst von Beruf”. Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker…“ Walter Gropius war sich offensichtlich ganz klar darüber, wo die Wurzeln zur Erneuerung der Architektur liegen. Sie liegen in der Besinnung auf die ursprüngliche Aufgabe der Kunst.

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