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Harald Steindorf Frische Initiative: Pflege - Selbsthilfe Verband
Der im Oktober 2005 gegründete Pflege-Selbsthilfeverband e.V. (Pflege-SHV e.V.) – eine Initiative für menschenwürdige Pflege – ist am 26. Januar 2006 im Domforum Köln mit seinem Anliegen erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Der neue Verband versteht Qualitätssicherung in der Pflege vor allem als praktische Herausforderung welche politisch und öffentlichkeitswirksam vermittelt werden muss um bessere Rahmenbedingungen für eine menschenwürdige Pflege zu erreichen. Wie der Internet - Dienst Carelounge berichtet, hat sich das Thema: Menschenwürdige Pflege – zwischen Anspruch und Wirklichkeit, als Publikumsmagnet gezeigt.
Auf der Veranstaltung schilderte die 1.Vorsitzende des Pflege-SHV e.V., Adelheid von Stösser, ihre Motivation, diesen Verband mit Gleichgesinnten ins Leben zu rufen. Als Lehrerin für Pflegeberufe und Fachfrau für Qualitätsentwicklung in Heimen und Krankenhäusern hat sie in den letzten 12 Jahren mehr als 60 Pflegeheime beraten und dabei große Qualitätsunterschiede festgestellt, die ein Außenstehender auf den ersten Blick kaum wahrnehmen kann. Einer ihrer Beweggründe war die immer wieder erlebte Augenwischerei, die Tatsache, dass Heime individuelle Pflege und ganzheitliche Betreuung im Internet oder in Prospekten versprechen, obschon sie wissen, dass das Personal so eng bemessen ist, dass es oft nicht einmal für das Nötigste reicht.
Auf der Internet - Homepage des neuen Verbandes präsentiert sich eine frische, fachlich fundierte Initiative, die Hoffnung macht:
Sachlich und informativ wird eine Fülle von Information und wegweisenden Gedanken geboten. Es kommt zum Ausdruck, dass der neue Verband nach eigener Aussage vor allem an solchen Mitgliedern interessiert ist, "die sich nicht mit Klagen und Jammern begnügen, sondern das Ihnen Mögliche zur Verbesserung der Lage beitragen wollen. Dies erscheint uns als eine wichtige persönliche Voraussetzung. Sie sollten nicht warten, bis andere vielleicht irgendwann einmal die Weichen so stellen, dass sich Ihre Situation bessert, sondern das Ihre dazu beitragen. So der ursprüngliche Hintergrund jeder Selbsthilfeorganisation, auch der unseren."
Hallo Herr Steindorf,
als Neuling bei Xing und nun auch im Forum Altenpflege bin ich erst jetzt auf Ihren Beitrag zum Pflege-Selbsthilfeverband gestoßen. Zu dem Verband einige Gedanken meinerseits:
Grundsätzlich ist die Idee, die hinter der Initiative des Pflege-Selbsthilfeverbandes steht, zu begrüßen. Sie zeugt von gesellschaftlichem Engagement für die Situation der Menschen, an die Pflege adressiert ist: Pflegebedürftige und ihre Zugehörigen.
Bei näherer Betrachtung der Homepage des Verbandes wird deutlich, dass die direkt oder indirekt erfahrenen Situationen und Zustände in Einrichtungen, in denen gepflegt wird, sehr nahe gehen. Dies zeigt sich m.E. in der emotional aufgewühlten Art und Weise der schriftlichen Darstellung.
Sie schreiben:

>Sachlich und informativ wird eine Fülle von Information und
>wegweisenden Gedanken geboten.

Dies sehe ich nicht so. Vor allem ist die Webseite eines nicht wirklich: sachlich. Aufpeitschende Begriffe werden verwendet, die vor dem Hintergrund einer emotionalen Erregung nachvollziehbar sind, jedoch nicht bei der Darstellung im Internet, die auf Information zielt. Empfänger solcher Botschaften werden wahrscheinlich eher Personen sein, die sich selbst aufregen. Die dargebotenen Informationen lassen keinen sachlichen Blick zu, der immer auch eine gewisse Selbst-Distanzierung von der eigenen Person und den eigenen Empfindungen bedeutet.

>Es kommt zum Ausdruck, dass der neue
>Verband nach eigener Aussage vor allem an solchen Mitgliedern
>interessiert ist, "die sich nicht mit Klagen und Jammern begnügen, ...

Leider scheint gerade dies in der Selbstdarstellung des Vereins der Fall zu sein: Die Internetseiten pflegen eine Jammer- und Anklagekultur und haben einen populistischen Charakter.
Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass der Pflege-Selbsthilfeverband mit dem Begriff "Wissenschaft" einige Schwierigkeiten ablehnender Art zu haben scheint. Als Wissenschaft scheint primär körperbezogene Forschung verstanden zu werden. Dies muss aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden: Zum einen haben wir in der Pflegewissenschaft immer noch nicht ausreichende Aussagen über die Unterstützung von Pflegebedürftigen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Z.B. ist ein Phänomen wie die Inkontinenz in der Tat ein problematisches Feld. Und gerade bei diesem Thema wird deutlich, wie wichtig die umfassendere Perspektive ist: Das eine ist die "Blasenschwäche", das andere sind die Auswirkungen, die diese auf das Selbstvertrauen und das Wohlfühlen in der Gesellschaft anderer hat. Pflegewissenschaft hat hier die Aufgabe, das Erleben von Menschen zu ergründen und damit Konzepte zu ermitteln, die eine psychosozial orientierte Unterstützung zur Stärkung von Autonomie und Wohlbefinden bieten.
Oder nehmen wir das Thema Pflegebedürftigkeit: Auch auf der Homepage des Pflege-Selbsthilfeverbandes wird im Bereich "was wir wollen" darauf hingewiesen, dass dafür gesorgt werden soll, "dass Pflegebedürftigkeit wo immer möglich verhindert oder gemindert wird und die Rolle der Ärzte wie der Pflegenden dahingehend organisiert und finanziert wird". Hier setzt auch Forschung an, wenn z.B. in Studien untersucht wird, wie Pflegebedürftigkeit verhindert oder hinausgezögert werden kann.
Wissenschaft sollte nicht pauschal betrachtet werden sondern nach ihren Themen, Herangehensweisen und Ergebnissen beurteilt werden. Dazu wird eine differenziertere Betrachtungsweise benötigt. Diese mag bei den Vertretern des Verbandes auch vorhanden sein, sie wird jedoch nicht im Internetauftritt deutlich.
Ich wünsche dem Pflege-Selbsthilfeverband ein gutes Gelingen und hoffe auf eine sachlichere Herangehensweise an die wichtige Thematik.
Mit besten Grüßen,
Roland Brühe
Roland Brühe Symposium: Gesundheitsförderung und Prävention in der Pflegeausbildung
Eine Veranstaltung für Lehrende an Altenpflegeschulen (aber auch an Schulen der Gesundheits- und Krankenpflege/-Kinderkrankenpflege): Das fünfte pflegepädagogische Symposium der Vernetzungsstelle Köln im Netzwerk Pflegeschulen will Impulse geben, um sowohl auf der Seite der Begriffsfüllung als auch hinsichtlich der Alltagsgestaltung von Pflegebildungseinrichtungen Eindrücke zu vermitteln, was Gesundheitsförderung und Prävention für Unterricht und Schulleben bedeuten kann.
Termin: 2. März 2007
Ort: Caritas-Akademie Köln-Hohenlind
Veranstalter: Vernetzungsstelle Köln im Netzwerk Pflegeschulen (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.)
Infos: http://www.netzwerk-pflegeschulen.de/termine/2007/koeln_02.03.2007.pdf
Gruß,
Roland Brühe

Moderatoren

Infos zu den Moderatoren

Über die Gruppe "Altenpflege"

  • Gegründet: 16.06.2005
  • Mitglieder: 3.802
  • Sichtbarkeit: offen
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