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Arbeitswelt

Internationale Netzwerk-Gruppe für ArbeiterInnen / International network-group for workers

Werner Ziegler Mehr psychisch bedingte Krankheit, weniger Motivation und Freude am Arbeitsplatz - was könnte helfen?
In den letzten Tagen in den Medien (und zuletzt gerade in den Radio-Nachrichten) gab es wieder zwei Themen, die sich schon seit vielen Jahren wiederholen:
Nur knapp 30% der arbeitenden Menschen sind absolut zufrieden mit ihrer Tätigkeit und ihrem Arbeitsplatz. Der Rest macht Dienst nach Vorschrift oder ist völlig unzufrieden (immerhin auch ein knappes Drittel).
Die Fehltage wegen psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz seien im Vergleich (2017 zu 2006 oder 2007) um ca. 125 % gestiegen.
Da stellen sich zwei Fragen:
Könnte das zusammenhängen?
Und die drängende Frage: was kann getan werden?
Ich bin überzeugt, dass da ein Zusammenhang besteht. Auf die Frage was getan werden kann, möchte ich nachfolgend Antworten geben. Sowohl aus Sicht der Firmen und ihren leitenden Angestellten und Chefs, als auch aus Sicht der Mitarbeiter.
Was in Firmen getan werden kann
Nachdenklich stimmt vor allem die hohe Quote der Beschäftigten, die innerlich gekündigt haben oder die einfach nur Dienst nach Vorschrift machen. Bei den Chefs in den Führungsetagen unserer Firmen müssten eigentlich die Alarmglocken schrillen. Doch dies ist leider noch viel zu selten der Fall. Die in der Einleitung geschilderten Probleme werden immer noch viel zu wenig ernst genommen.
Dabei könnte mit wenigen Mitteln und mit geringen Kosten schon sehr viel erreicht werden. Umfragen unter allen Arbeitnehmern, auch unter dem kleinen Rest der völlig Zufriedenen, haben gezeigt, dass es für die Arbeitnehmer sieben wichtige Grundmotive für eine hohe Arbeitszufriedenheit gibt. Diese Motive werden sogar als wichtiger erachtet, als ein großes Gehalt, was die Zufriedenheit am Arbeitsplatz betrifft.
Die Grundmotive, deren Erfüllung und Befriedigung wie gesagt nur sehr wenig Geld kostet und die alle nach Innen bzw. aus dem Inneren des Mitarbeiters heraus wirken, sind:
Relevanz – wichtig sein, wichtig genommen werden
Selbständigkeit – innerhalb seines Arbeitsgebietes selbständig arbeiten dürfen
Bewusstheit – wissen was man genau tut, sich des Wertes seiner Arbeit bewusst sein
Selbstwirksamkeit – etwas bewirken mit seiner Arbeit, zum Erfolg beitragen
Verantwortlichkeit – verantwortlich sein für das was man tut, nicht mehr und nicht weniger
Akzeptanz und Stolz- auf das was man tut stolz sein, dafür akzeptiert werden
Identität – sich mit dem Produkt bzw. seiner Firma identifizieren können
Zu diesen Faktoren kommt noch der Wunsch nach einer ausgewogenen Balance folgender Lebensbereiche und die Erfüllung folgender Bedürfnisse:
Karriere – Gesundheit – Beziehungen, gutes Betriebsklima – Sicherheit des Arbeitsplatzes – Beachtung spiritueller Bedürfnisse
Sind alle gerade genannten Faktoren und Bedürfnisse erfüllt, steigert sich die Zufriedenheit des Mitarbeiters signifikant.
Umgekehrt führen folgende demotivierende Faktoren zu einem rapiden Absinken der Arbeits-Zufriedenheit und können in die innere Kündigung führen:
mangelhafte Kommunikation – Informationsdefizite zwischen Management und Mitarbeitern – fehlende Mittel (Zeit, Geld, Personal) – Missachtung anderer Rollen (Familie, Hobbies) – Sündenböcke werden gesucht und gefunden – unklare Entscheidungen – Mobbing.
‚Alles graue Theorie‘, wird jetzt der eine oder andere sagen. Ich versichere Ihnen aus eigener vielfach gemachter Erfahrung: es ist keine Theorie, sondern es entspricht den Tatsachen, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter oftmals viel zu kurz kommen oder sogar sträflich vernachlässigt werden.
‚Wie kann ich es besser machen‘, wird der eine oder andere jetzt fragen. Welche Instrumente gibt es zur Umsetzung dieser Bedürfnisse?
Das Führungsinstrument Triple A
Hier möchte ich an dieser Stelle ein Führungsinstrument hervorheben. Es nennt sich ‚Triple A‘ und bedeutet, dass auf der Basis von Aufmerksamkeit (also Beachtung der oben genannten inneren Kriterien), Anerkennung (permanente Feedback-Gespräche mit dem Mitarbeiter) und Anregung (konstruktive Verbesserungsvorschläge statt Kritik) geführt wird.
Was die Menschen selbst und persönlich tun können
Ganzheitlich die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit erhalten
Nicht nur in der Firma kann viel getan werden, sondern auch jeder Einzelne kann etwas tun. Es stellt sich nun die Frage: Was hilft wirkungsvoll? Wie kann man sich am besten schützen gegen Stress und starke psychische Belastung am Arbeitsplatz? Wie kann man seine mentalen Abwehrkräfte steigern?
Mein wichtigster Tipp für Sie, vor allem wenn ich nur einen äußern dürfte, wäre:
Schützen Sie sich, Ihren Körper, Ihre mentale und seelische Leistungsfähigkeit ganzheitlich.
Beachten Sie bei allen Ihren gesundheitserhaltenden Plänen und Aktionen Körper, Geist und Seele gleichwertig. Treiben Sie also nicht nur intensiv körperlich Sport, sondern pflegen Sie auch Ihr Denken und Ihre Seele. Halten Sie die Balance.
Nachfolgend finden Sie Impulse und Anregungen, wie Sie Körper, Geist und Seele gleichmäßig beachten und pflegen können.
Der Körper:
Nehmen Sie sich zweimal in der Woche eine halbe Stunde bis Stunde Zeit für Ausdauersportarten wie Joggen, Gehen, Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking.
Dabei stellen sich folgende Wirkungen ein:
Ihr Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt und Glückshormone werden freigesetzt.
Leichte Depressionen können weichen. Sie beugen also dem zweiten Teil des Spruches vor (ein betrübtes Gemüt lässt das Gebein verdorren).
Es kommen Ihnen wunderbare Ideen.
Sie verbrennen Fett und entschlacken somit Ihren Körper.
Sie trainieren Ihr Herz und Ihre Muskulatur.
Der Geist / das mentale Denken:
In unserem Leben spielt unser Denken die Hauptrolle. Viele Gedanken, oftmals auch unbewusst, treiben uns so im Laufe eines Tages um. Leider sind auch viele angstvolle Gedanken dabei, die uns hemmen oder blockieren. Manchmal leider auch unbewusst.
Auch hier eine kleine Übung:
Um negative Gedanken zu entlarven, die manchmal noch gar nicht so richtig an die Oberfläche gedrungen sind, hilft die Beobachtung der Emotionen. Wie fühle ich mich gerade? Fühle ich mich unwohl?
Fragen Sie sich dann: warum fühle ich mich jetzt ängstlich oder unwohl?
Meistens kommt dann der schädliche Gedanke an die Oberfläche.
Setzen Sie dann einen Gedankenstopp und ersetzen Sie den negativen Gedanken durch einen positiven Gedanken.
Beispiel: Sie fühlen bei der Arbeit einen permanenten unterschwelligen Druck. Der Gedanke könnte sein: es ist so viel Arbeit zu erledigen, ich werde zum Termin nicht fertig. Mein Chef ist enttäuscht von mir. Stopp!!! Stopp!!! Positiver Gegengedanke: ‚Ich werde rechtzeitig fertig, ich arbeite ganz ruhig weiter. Mein Chef anerkennt das‘.
In der Regel wird dann auch das Gefühl, die Emotion, zumindest für einige Zeit besser.
Eine kleine Übung, die gerade bei Unzufriedenheit mit dem Beruf bzw. der momentanen Tätigkeit hilfreich ist, ist diese:
Setzen Sie sich für eine gute Viertelstunde hin und schreiben Sie alles auf, was an Ihrem Beruf positiv sein könnte, wie z.B.: sicheres Gehalt, Sicherung der Existenz, ein paar sympathische Kollegen, Möglichkeit der Weiterbildung. Einfach was Ihnen so einfällt. Lesen Sie diese Liste dann immer wieder mal durch. Das lenkt zumindest Ihren Blick immer wieder auf positive Aspekte Ihrer Tätigkeit.
Der seelisch-spirituelle Bereich
Dies ist der Bereich, den wir in der Regel am meisten vernachlässigen. Und gerade diese Kraftquellen liegen nicht außerhalb von uns, sondern in uns. Sie werden bzw. sind uns allen innerlich zur Verfügung gestellt, sind jedoch durch die Hektik, den Stress des Alltags und durch unsere Ängste oft verschüttet.
Um uns diese inneren Hilfen und Quellen wieder zugänglich zu machen, können einfache Formen der Meditation besonders hilfreich sein. Dadurch kommen wir zur Ruhe und finden (wieder) Zugang zu unserem Inneren.
Auch hier eine kleine Übung:
Nehmen Sie auf einem Stuhl bequem Platz, versuchen Sie jedoch nicht anzulehnen. Sitzen Sie aufrecht, die Hände sind bequem auf Ihren Schenkeln abgelegt. Schließen Sie sanft die Augen. beginnen Sie dann Ihre Atemzüge jeweils beim Ausatmen zu zählen, ohne an etwas anderes zu denken. Zählen Sie so langsam bis 10 und versuchen Sie wahrzunehmen, wie sich beim langsamen Einatmen die Bauchdecke hebt und beim Ausatmen wieder senkt. Schleicht sich ein störender Gedanke ein, beginnen Sie einfach von vorn.
Mit der Zeit kann das Zählen entfallen und es reicht, einfach das Ein- und Ausatmen zu beobachten.
Wenn Sie jetzt zur Ruhe gekommen sind, richten Sie einfach ein paar Bitten oder einen Dank an Ihr Inneres, vielleicht auch in Form eines Gebets. Fühlen Sie sich und werden Sie dankbar für alles was Sie bisher / heute an Positivem erfahren haben. Bitten Sie um Lösungsansätze für ein Problem, das Sie stark beschäftigt.
Zum Schluss die Arme anspannen, tief durchatmen und die Augen wieder öffnen.
Ein weiterer hilfreicher Ansatz ist, spirituelle Literatur zu lesen. Das kann die Bibel sein (vor allem das Neue Testament). Dies können auch neuzeitliche, spirituelle Bücher aus einem Angebot sein, das uns in großem Umfang zur Verfügung steht. Wichtig ist einfach, das wichtige und besonders hilfreiche Medium der Bücher und des Lesens zu nutzen.
Werner Ziegler Jens Burmeister Heinz Schrötgens
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Heinz Schrötgens


>>Nun ja, ich habe diesen Artikel nur kurz überflogen. Was mir schon bei dem ersten drittel Auffällt......sachliche Abhandlung von menschlichen Bedürfnissen......Wie wäre es einfach mal mit Menschlichkeit am Arbeitsplatz? Es gibt einfach Dinge im Leben, die man nicht in einen Rahmen pressen kann. Jeder ist einzigartig und kann man nicht mit einem "Kochrezept" bearbeiten.

>Hallo Herr Schrötgens, danke für Ihren Kommentar. So ganz kann ich den allerdings nicht in allen Punkten akzeptieren.
>In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: die Menschlichkeit am Arbeitsplatz, wie immer man diese auch definiert, das wäre eine tolle und wichtige Sache. In vielen Firmen gibt es die auch. Und es gibt viele Firmen und tolle Chefs und Vorgesetzte, die ihre Funktionen gut ausfüllen. Aber es gibt halt auch das Gegenteil.
>Wo ich Ihnen jedoch widerspreche, ist der Vergleich bzw. die Aussage mit dem Kochrezept. Ich kann auch bei mehrmaligem Durchlesen kein solches erkennen. Es handelt sich nur um Anregungen und gedankliche Impulse. Und schon das Beachten der inneren Bedürfnisse und das Führen von Mitarbeitergesprächen auf der Basis von 'Triple A' wäre ein Stück praktizierte 'Menschlichkeit'.
>Ein bisschen problematisch finde ich auch das 'nun ja, ich habe den Artikel nur kurz überflogen`'. Selbstverständlich dürfen Sie kurz überfliegen. Der Beitrag ist auch relativ lange geraten. Allerdings sollte man dann mit Beurteilungen etwas vorsichtig sein.
>Wichtig ist mir an dieser Stelle auch noch, dass sich das Ganze auf Gegenseitigkeit beruht. Also verantwortlich ist nicht nur der Chef, sondern auch der Mitarbeiter, der z.B. an seiner Entspannung, Gesundheit und Mentaltechnik arbeiten kann. Auch dieser Teil des Beitrags soll keine Vorschrift, sondern nur Anregung sein.
Hallo Herr Ziegler,
ich bedanke mich ebenfalls für Ihre Antwort auf meinem Kommentar.
Sicher wird das ein oder andere, was Sie ausführlich beschrieben haben, einzelne Personen helfen, ein inneres Gleichgewicht gewinnen zu können. Nur ich habe in meinem Berufsleben die Erfahrung gemacht, daß ein großer Teil von Problemen zum einen durch mangelnde Mitarbeiterführung entsteht, was im übrigen auch nicht jeder erlangen kann, weil dafür ein gewisser Grundcharakter eine Rolle spielt, zum zweiten spielt es eine große Rolle, aus meiner Sicht, ob man mit seinen Mitarbeiter oder auch Mitmenschen ehrlich umgeht.
Ein Beispiel hierzu: Der Vorgesetzte weiss zum Beispiel, das eine Reduzierung der Belegschaft ansteht und äussert in der Zwischenphase, alle Arbeitsplätze sind sicher. 8 Wochen später erfolgen die Kündigungen. Ein Beispiel hierfür ist Opel Bochum. Wie jeder weiss, existieren dort die Arbeitsplätze nicht mehr, obwohl das versprochen wurde. Solche Vorgänge sind leider auch keine Seltenheit. Weiterhin wird je nach "Dienstgrad" unterschiedlich verfahren. Einfaches Beispiel, der Verkaufer geht ins 4-5 Sterne Hotel, der Monteur oder Inbetriebnehmer, da kann das Zimmer nicht billig genug sein. Sowas fördert Vertrauen und Motivation. Und vor allem muss man sich an solchen Stellen die Frage stellen, wer macht Wertschöpfung und wer profitiert davon?
Ich war einige Zeit Führungskraft, bis ich die Firma gewechselt habe. Zu meinen ehemaligen Mitarbeitern habe ich heute noch nach 10 Jahren kontakt. Also habe ich scheinbar dort nicht alles falsch gemacht. Gut, die Zeit ist heute stressiger geworden, jedoch finde ich es sehr interressant, wie gewisse Personenkreise mich heute beeinflussen wollen, nur um auf meine Kosten Geld zu sparen. Dies ist im Angestelltenverhältnis auch häufig so. Und die dafür benötigten Begründungen werden angepasst, um durchzusetzen, was halt gerade ansteht. Ein Beispiel hierzu, was mir vor kurzem passierte: Ich werde in dem Hotel bleiben, da Ihre Belegschaft im selben Hotel nächtigt. Antwort: Das sind ja Verkäufer. Nun die Preisfrage........Fördert sowas die Motivation oder eher den Frust? Werden durch solche Vorgänge nicht Leute als zweite Klasse abgestempelt? An solchen Stellen hilft auch kein Entspannungstraining mehr.
Patricia Hinsen - Rind Wenn gute Mitarbeiter kündigen
Mitarbeiterwechsel ist teuer für Unternehmen:
• Betriebsrelevantes, fachliches Wissen geht verloren.
• Unruhe bzw. Unzufriedenheit im Kollegenkreis kann vorkommen. Wenn sehr beliebte, fähige Kollegen gehen ist dies ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
• Geschäftsbeziehungen können beeinträchtigt werden.
• Gefährdung von Kundenbeziehungen kann vorkommen, im ungünstigsten Fall folgen Kunden sogar dem Mitarbeiter zur Konkurrenz.
• Ein Bewerbungsprozess muss organisiert werden.
• Eine, oft lange, Einarbeitungsphase ist meistens erforderlich.
• Ein neues "Zusammenfinden" von Mitarbeiterteams ist notwendig.
Und, am Ende gibt es keine Erfolgsgarantie. Im Vorfeld weiß niemand ob der Neuzugang auch tatsächlich die richtige Wahl ist. Wenn es ungünstig läuft, dann folgt wieder eine Kündigung und der Prozess beginnt von vorne.
Wäre es da nicht einfacher, kostengünstiger und sinnvoller, dass Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen verbleiben?
Warum viele Unternehmen so wenig dafür tun, um Mitarbeiterwechsel zu vermeiden, bleibt rätselhaft. Denn, die Gründe die zu Kündigungen guter Mitarbeiter führen, sind meist vermeidbar.
Ein Hauptgrund für Kündigungen ist schlechte Führung. Es wird oft übersehen, dass Mitarbeiter eigentlich nicht ihre Stellen, sondern ihren Vorgesetzten kündigen.
Von Bedeutung für Unternehmen ist, den fatalen Zyklus von
Enttäuschung --> Demotivation --> Dienst nach Vorschrift --> innere Kündigung --> Kündigung
gar nicht erst in Gang kommen zu lassen. Und, wenn er schon existiert, sofort Abhilfe zu schaffen.
Häufig ist eine Umkehr der Situation noch möglich: z.B. durch Änderungen in betrieblichen Vorgängen, im Führungsstil und durch Gespräche mit dem Mitarbeiter.
Im nächsten Artikel: Gleichgültigkeit, Überbelastung und Wortbruch
Mehr Interessantes, Wissenswertes und Amüsantes über Sprache und Interkulturelles finden Sie in meinem Blog - Jetzt auch als RSS Feed: https://www.englisch-nach-mass.com/blog/feed
Catrin Duesterbeck Michael Uhde David Gibson
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Martina Uppendahl Sprache in der Globalisierung und Digitalisierung
Wie werden wir mit künstlichen Intelligenzen (KI) im Beruf sprachlich umgehen (müssen) und kommunizieren? Muss sich unsere Kommunikation vollständig verändern und versachlichen?
Da Roboter keine echten Gefühle empfinden können und nur durch die vorgenommene Programmierung in eine bestimmte Richtung agieren, wird die Durchschnitts-KI voraussichtlich eher sachlich kommunizieren. Doch was ist mit der sprachlichen Beziehungsebene, auf deren Basis sich Sympathie oder Antipathie entwickeln? In welcher Sprache werden wir perspektivisch kommunizieren?
Abseits jeglicher KI sind aktuell im Zuge der Globalisierung und fortschreitenden internationalen Digitalisierung gute fremdsprachliche Kenntnisse hilfreich und wichtig, Tendenz steigend. Nun kommt es allerdings noch darauf an, in welchem Beruf und in welcher Branche Sie tätig sind und welche Sprachen Sie darin sprechen müssen. Nicht überall müssen Sie heute zwingend verhandlungssicheres Englisch vorweisen. Doch auch diese Tatsache ist dem Wandel unterworfen: Englisch ist vielerorts schon absoluter Standard – teilweise sogar in Berufen, in denen es zuvor auch ohne Englisch ging. Im IT Bereich kommt man ohne Englisch kaum weiter. Auch von Teamassistenten und einfachen Büromitarbeitern wird häufig schon Englisch gefordert. Am Stellenmarkt werden Sie heute nur noch wenige Stellen finden, bei denen nicht zumindest Grundkenntnisse in Englisch gefordert werden. Die Roboter der Zukunft werden vor allem im englischsprachigen Raum wie im Silicon Valley entwickelt – dem Bereich der English und digital Natives!
Im Informationszeitalter lässt sich eine deutliche Zunahme von verwendeten Anglizismen feststellen. Oder „organisieren“ Sie noch, wo andere schon längst „managen“? Bringen Sie Kompetenzen im „Change Management“ mit oder können Sie sich dem Wandel nur schwer anpassen? Und fühlen sich fit genug bei der Berechnung Ihrer Key Performance Indicator (KPI) oder arbeiten Sie noch mit alten Kennzahlensystemen?
Ein bereits durch Facebook durchgeführtes Experiment mit zwei untereinander kommunizierenden Bots bewies und unterstrich diese These. Die KI entwickelten sogar eine ganz eigene Sprache untereinander, wie Fast Company hier ganz deutlich dokumentiert: https://www.fastcompany.com/90132632/ai-is-inventing-its-own-perfect-languages-should-we-let-it
Wird die Arbeitnehmerschaft der Zukunft sich dieser womöglich völlig neu entstehenden Sprache anpassen müssen? Denkbar ist dieses Szenario m.E. wohl am ehesten in einem innovativen Hightechkonzern-Umfeld. Wer dort arbeiten möchte und die Zukunft für sich sieht, sollte die Beherrschung gängiger Sprachen in jedem Falle für sich zum Standardprogramm zählen.
Englisch ist heute noch Welt- und Geschäftssprache Nummer eins, wird vielleicht aber auch bald abgelöst werden. Weitere Sprachkenntnisse sind immer ein Vorteil. Wer grundsätzlich besser und vielseitiger gebildet ist, wird immer auch zukunftsfähigere Chancen am Arbeitsmarkt haben, das ist klar – auch jenseits vom Sprachthema. Mehr ist in diesem Bereich auch mehr:
Bewerber/ -innen mit weiteren Kenntnissen werden dort bevorzugt eingeladen und eingestellt, wo diese Kenntnisse hilfreich oder gar notwendig zur Bewältigung der Position sind. Grundsätzlich gilt doch: Je internationaler Sie arbeiten möchten und je mehr Karriere Sie machen möchten, umso wichtiger sind auch gute Sprachkenntnisse. Als Führungskraft beispielsweise kann eine überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeit - in der eigenen wie auch in einer anderen Sprache – gleichzeitig ein besonderer persönlicher Erfolgsfaktor sein. Hinzu sollten im Idealfall auch soziale Kompetenzen kommen, wie interkulturelle Fähigkeiten und Empathie – eine klare Abgrenzung und Heimvorteil für den Menschen – ganz im Gegensatz zur KI.
Ob Sie in der betreffenden Stelle dann tatsächlich Englisch sprechen oder verstehen müssen, ist jedoch noch einmal eine andere Frage, denn Stellenausschreibungen sind immer auch ein Transportmittel für die Kommunikation der Arbeitgebermarke nach außen (Employer Branding). Und wie bei allen Marketing-Maßnahmen wird auch hier manchmal ein bisschen beschönigt, bzw. verstärkt. Von daher empfehle ich, sich als Bewerber/-in nicht von den oft hochgestochenen Formulierungen einschüchtern oder gar abschrecken zu lassen.
Egal in welcher Sprache wir mit KI auch kommunizieren werden - abseits des Berufslebens hilft Ihnen die englische Sprache, bzw. weitere Sprachkenntnisse in jedem Fall gut weiter: Auf Reisen im Ausland oder selbst innerhalb Deutschlands. Sprache öffnet Türen und baut Brücken zu anderen Menschen, Kulturen und Mentalitäten. Für viele Menschen eine große persönliche Bereicherung. Wenn Sie sich allein anhand sprachlicher Kompetenzen weltweit unkompliziert und frei bewegen können, trägt dies gleichermaßen auch zu einem verbesserten Selbstbewusstsein für Sie bei. Und das kann ja nur von Vorteil sein, oder?
Entscheidend für den konkreten Bezug zwischen Branche und Sprache sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen weltweit in Bezug auf das eigene Land. Letztlich bleibt es Ihnen selbst überlassen, die eigenen Fähigkeiten objektiv und ehrlich einzuschätzen. Fühlen Sie sich dazu nicht in der Lage, können Sie jederzeit einen Einstufungstest bei einem Fremdspracheninstitut belegen und sich zusätzliches Feedback von Personen aus dem eigenen Umfeld einholen, die Ihre Kompetenzen beurteilen können. Und bleiben Sie sprachlich „am Ball“ – vor allem auch im Umgang mit künstlichen Intelligenzen.
Die Welt vernetzt sich mehr und mehr - wer dabei weiter lediglich in der eigenen Sprache verhaftet bleibt, wird wohl leider irgendwann das gesellschaftliche „Schlusslicht" bilden.
Ute Kaste Ungerechtigkeiten gibt es viele: Lohngerechtigkeit
Schwierig: Lohngerechtigkeit und richtiger Maßstab
Ungerechtigkeiten gibt es viele.
Doch beim Geld hört bekanntlich die Nachsicht auf. Deshalb wird sich immer mal wieder an der Lohngerechtigkeit versucht. Die Thematik gewann deutlich an Aktualität, als das lang umstrittene Entgelttransparenzgesetz in Kraft trat. Mit dem dort geregelten Auskunftsanspruch soll künftig mehr Lohngerechtigkeit erreicht und die Gleichstellung von Frauen und Männern beim Arbeitsentgelt gefördert werden. Wie groß die diesbezüglichen Differenzen derzeit noch sind, fördern immer mal wieder Analysen zu Tage. Danach beträgt der sogenannte geschlechtsspezifische Entgeltunterschied in Deutschland aktuell 21 Prozent. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage, die Frauen bei gleichen sonstigen Bedingungen umsonst arbeiten würden. Das wirft unweigerlich die Frage danach auf, wie Lohngerechtigkeit im Detail aussehen kann oder soll.
Doch diese Diskussion ist uralt und hat zu keinem Zeitpunkt ein für alle Seiten befriedigendes Ergebnis zu Tage befördert.
Philosophen haben mit der Frage nach Lohngerechtigkeit versucht, Gesellschaftssysteme in Kategorien zu ordnen. Betriebswirtschaftler versuchten Erklärungsansätze im System wirtschaftlicher Prozesse zu finden. Es ist immer bei Versuchen geblieben, sich einer Lösung anzunähern. Gerechter ist dadurch bisher nichts geworden... weiterlesen auf: https://www.tempbus.de/arbeitsmarkt-aktuell/lohngerechtigkeit-und-richtiger-massstab

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Über die Gruppe "Arbeitswelt"

  • Gegründet: 01.05.2016
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