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Nur für XING Mitglieder sichtbar Ein Hallo meinerseits
Liebe Gruppenmitglieder,
ich habe Landschaftsökologie in Münszer studiert und habe mich unter anderem im Master auf Biozönologie konzentriert. Ich habe ein besonderes Interesse in der Lepidopterologie. Hierzu habe ich auch meine Masterarbeit verfasst.
Ich bin auf der Suche nach spannenden Diskussionen und Kontakten in der Berufswelt, die im Artenschutz tätig sind.
Ich freue mich darauf eure Beiträge zu durchstöbern.
Freundliche Grüße
Mirijam Held
Nur für XING Mitglieder sichtbar Artenschutz? - ein guter Witz!
Ich muss hier mal kurz Luft ablassen und freue mich auf eine spannende Diskussion in dieser Gruppe!
Artenschutz - seien wir mal ehrlich, wen juckt's? Die Artenschutzziele 2010 wurden nicht erreicht und bis 2020 werden wir sie auch nicht erreichen! Das BfN hat erst vor kurzem die Lage in Deutschland vorgestellt und die Mehrheit der Lebensräume und Arten sind in einem schlechten Zustand. Und nun? Warum ist das so?
Betrachten wir mal die Politik: jede Partei schreibt sich Naturschutz auf die Agenda und die Erhaltung der Biodiversität ist ja ach so wichtig. Und die Realität? Die Grünen in Oldenburg haben angst als Froschsammler belächelt zu werden, wenn sie sich für einen bedrohten Tümpel einsetzen, also tun sie es nicht. Alles im Sinne des Wählers ;) Die Landwirtschaft bedroht unsere Artenvielfalt und gibt es irgendeine Partei, die sich mit der Bauernlobby anlegt? Bruno, der Braunbär wurde von der CSU taxonomisch als Problembär eingeordnet und abgeknallt und auch ein Wolf, eine bedrohte Tierart, wurde von einem Jäger in Deutschland erschossen. Die Vermüllung der Meere bedroht die marinen Ökosysteme und deren Artenvielfalt und Deutschland ratifiziert noch nicht mal MARPOL. Auf Sylt werden Seehunde von Jägern erschossen, die ein paar Stunden über Seehundgesundheit 'geschult' wurden. Holland zahlt viel Geld, damit den Seehunden geholfen wird und bei uns werden sie auf staatliche Anordnung erschossen! Der Klimawandel bedroht viele Arten und Lebensräume und bei uns boomt der Kohleabbau! Wie kann das sein? Und was sagt die Politik? Und was tut die Politik? Nichts!
Betrachten wir mal das Umweltmanagement in Deutschland: es gibt Verträglichkeitsprüfungen, die noch nicht mal RTL2-Niveau erreichen. Da wird geschwafelt bis der Arzt kommt und Hypothesen aufgestellt, ohne Daten oder irgendeinen Nachweis zu erbringen. Es wird geschrieben was der Auftraggeber will und nicht was für unsere Artenvielfalt sachlich korrekt ist. Es werden keine statistischen oder sonstigen wissenschaftlichen Nachweise erbracht, sondern nur geredet! Und die verantwortlichen Behörden? Wollen daran nichts ändern! Die Behörden arbeiten seit den 70ern immer dieselbe Liste ab und dann wird ein Projekt genehmigt oder eben nicht, aber die Lage hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert und nicht zum Guten! Es gibt einen Forschungsbericht der belegt, dass die öffentlichen Stellen mit der Herausforderung des Klimawandels und der Arterhaltung überfordert sind. Ich habe mich mal mit einem Religionslehrer aus einem Umweltausschuss unterhalten, der mir versichert hat, mit dem Artenschutz wäre alles in bester Ordnung! Und ein Beamter für Artenschutz geht in Afrika auf Elefantenjagd. Was soll man dazu noch sagen?
Betrachten wir mal die Umweltplanung: Ingenieure haben sich einige nette Sachen überlegt, um unsere Umwelt easy zu managen. Wie bei Hartz4 jedem Antragsteller eine gewisse Wohnungsgröße zusteht, sprechen wir verschiedenen Lebensräumen und Arten räumliche Orientierungswerte zu. Und dann ist alles gut? Natur funktioniert so nicht! Ökologie ist ein hochkomplexes Forschungsgebiet und da gibt es keine standardisierte Tabellenlösung, die für alle Arten und Lebensräume gültig ist! Die Forschung ist um Einiges weiter, warum kommt das im Management nicht an? Noch was: man kann in Deutschland Natur zerstören, wenn man dafür Geld auf den Tisch legt. Und das soll nachhaltig sein? Wo ist der wissenschaftliche Nachweis, dass das System effektiv dem Artenschutz dient?
Betrachten wir die Umweltverbände: wo man im Supermarkt hinsieht, sind überall WWF - Siegel! Wenn jedes Siegel für eine geschützte Art stehen würde, wären wir im Paradies! Und die anderen NGOs? Greenpeace verzockt mal eben ein paar Millionen! NABU und BUND haben Gelder angeblich entgegengenommen, damit sie Umweltsünder (Mayer Werft, Flughafen Lüneburger Heide) nicht verklagen. Wir reden hier von riesigen Organisationen, die Millionen umsetzen und sehr viel Einfluss haben. Warum sterben weiterhin Arten aus? Wo ist der Erfolg dieser riesigen NGOs?
Betrachten wir mal die Zoos: das sind Einrichtungen aus dem letzten Jahrhundert, die geschaffen wurden, um Leute zu unterhalten. Das Prinzip Arche Noah funktioniert nicht - ein Paar reicht nicht aus, um eine Art zu erhalten! Das funktioniert genauso wenig, wie aus Adam und Eva die gesamte Menschheit entstanden ist. Der Genpool unserer Zoos ist nicht in der Lage, die Artenvielfalt dauerhaft zu sichern. Wer Lust auf ein Forschungsprojekt hat, wir können gerne mal Populationsmodelle erstellen und die Sache durchrechnen. Zoos sind ein Geschäftsmodel basierend auf der Zurschaustellung charismatischer Arten. Knut wurde nicht gezüchtet, um die Population in freier Wildbahn zu stabilisieren, er wurde gezüchtet, um einen Gewinn zu erwirtschaften. Er war ja so süß!!! Das bringt Kohle! Wenn wir Arten schützen wollen, müssen wir ihre Ökosysteme schützen und nicht ihre Zoogehege und Marken.
Betrachten wir mal unsere Mitbürger: wenn juckt denn Artenschutz? Wenn eine Käferart ausstirbt interessiert das niemanden oder wenn eine Delfinart verschwindet. Mir wird dauernd gesagt, dass früher auch schon mal Arten ausgestorben sind und das zur Evolution dazu gehört. Das stimmt, aber was die Menschen nicht begreifen: wir brauchen den Status quo! Wir sind in der Geschichte nie mit den Dinosauriern um die Wette gelaufen, wir können nur im hier und jetzt so leben, wie wir es heute tun und dazu brauchen wir unsere jetzigen Arten und Ökosysteme, um Überleben zu können.
Es gibt Artenschutzkonzepte, die sich nur auf das Habitat der Art konzentrieren, aber das reicht nicht! Wir müssen auch inter- und intraspezifische Wechselwirkungen berücksichtigen! Artenschutz kann nur gelingen, wenn er international und Ökosystem-basierend aufgestellt wird. Dafür gibt es kein einfaches Rezept oder einen Katalog, wo man mal schnell nachschlagen kann. Was wir katalogisieren können sind die Gefahren, die wir Menschen darstellen und wir könnten diese abstellen. Aber wollen wir das wirklich?
Beispiele: Jagd gefährdeter Arten müsste international verfolgt werden,
der Handel und Haltung bedrohter Arten müsste beendet werden, die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft müssten gestoppt werden, wir müssen unsere Meere säubern und wir müssen das Management effizienter gestalten. Es gibt in der Wissenschaft eine Regel: eine Hypothese muss belegt werden und die Daten müssen überprüfbar sein. Wenn wir das im Management als Standard einführen würden, würden einige Planungsbüros schließen, aber die Qualität des Managements würde erheblich zulegen und davon würden am Ende alle profitieren. Und vielleicht, vielleicht gelingt es uns dann irgendwann mal Arten zu schützen. Hoffentlich haben wir bis dahin nicht enorm wichtige Arten verloren, wie zum Beispiel unsere Bienen.
Wir haben die Wahl: entweder wir finden einen neuen Weg oder wir gehen in den Abgrund!
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende!
Sarah Fretzer
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Über die Gruppe "Arten- und Populationsschutz"

  • Gegründet: 20.04.2009
  • Mitglieder: 728
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