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Joachim Bauchrowitz CMMI V2.0 verzichtet auf das Konzept der "Goals" (- oder auch nicht?)
Jahrelang wurden die Vorzüge des CMMI gegenüber anderen Modellen wie AutomotiveSPICE oder dem V-Modell unter anderem damit begründet, dass man bei CMMI nicht einfach die in anderen Modellen geforderten Tätigkeiten (indisch) kopieren und umsetzen sollte, sondern sich vorher über das eigene Geschäft Gedanken machen muss, um darauf aufbauend die Tätigkeiten zu beschreiben, die erforderlich sind, um die genannten Ziele zu erreichen.
Wohl auch aus diesem Grunde waren nicht die einzelnen Practices des CMMI V1.3 normativ (wie beispielsweise "PP SP 1.2 Establish Estimates of Work Product and Task Attributes"), sondern die dazu gehörigen Statements (PP SP 1.2 "Establish and maintain estimates of work product and task attributes.").
Innerhalb der "Process Areas" von CMMI V1.3 waren die einzelnen Ziele des Arbeitsablaufs (generisch und spezifisch) aufgezählt und die Praktiken darunter eingeordnet. Beispielsweise war das dazu gehörige spezifische Ziel von "PP Project Planning" das SG 1 "Establish Estimates" mit dem Statement "Estimates of project planning parameters are established and maintained.".
Das führte dann bei Appraisals dazu, dass gelegentlich sogenannte "Alternative Practices" beschrieben wurden, die die im Modell aufgelisteten "practices" ersetzen sollten.
Sind die ehemals so hoch gelobten "Ziele" denn in CMMI V2.0 ganz verschwunden?
Nein, sie tauchen an vollkommen anderer Stelle wieder auf: als ganz wesentliches Element der neu formulierten Praktiken, nämlich als "Intent" und "Value" Statements!
Bei der zum obigen Beispiel gehörigen "Practice Area" EST "Estimating" (die einzige Practice Area von CMMI V2.0, die ganzheitlich frei zugängig ist - darum nehme ich sie als Beispiel) heisst es
Intent - "Estimate the size, effort, duration and cost of the work and resources needed for develop, acquire, or deliver the solution"
Value - "Estimation provides as basis for making commitments, planning and reducing uncertainty, which allows for early corrective Actions and increases the likelihood of meeting objectives"
Die dazu gehörigen Practices von EST habe ich angehängt.
Das Erreichen der Ziele wird schließlich auch eingefordert. Es heißt nämlich explizit im Modell-Text: "Meet the intent of any practice (in scope)".
Der Unterschied zum CMMI V1.3 wird für CMMI V2.0 sogar folgendermaßen charakterisiert:
Shift from "Implement processes to meet the intent of the Modell" to "Implement processes to meet the intent of the practices".
Zusammenfassen möchte ich aus meiner Sicht sagen:
Sosehr ich auch anfangs mit der Strukturänderung gehadert habe, sehe ich mittlerweile die explizite Klarheit der Intent/Value-Statements als Vorteil an, die man sich vorher mühsam erarbeiten musste. Hier hat man jetzt sogar interne Argumentationshilfe erhalten!
Hinweis: Mit den "Zielen" wurden nicht nur - wie hier beschrieben - die "Specific Goals", sondern auch die "Generic Goals" aufgegeben. Ob das neue Konstrukt gelungen ist oder nicht, werde ich an anderer Stelle später diskutieren.
Halten Sie das beschriebene veränderte Konzept für einen Fortschritt oder eine "Verschlimmbesserung"?
Joachim Bauchrowitz Freigabe des Updates für CMMI V2.0: SVC und ACQ sind ab dem 04.12.2018 integriert
Das CMMI Institute hat am 04.12.2018 das Update des CMMI V2.0 freigegeben, in dem die bisherigen Constellations "SVC" und "ACQ" integriert sind.
Lizenznehmer des "Modell Viewers" können sich alle 3 Modelle als PDF generieren lassen:
- DEV hat 535 Seiten,
- ACQ heisst jetzt SPM und hat 512 Seiten,
- SVC hat 552 Seiten (Angabe der Seiten jeweils mit SAM).
- Das gesamte integrierte Modell hat 604 Seiten.
Man sollte beachten, dass man dem PDF auf den ersten Blick nicht ansehen kann, welcher Modellumfang enthalten ist:
Views, Maturity Level und Kontext-Informationen gehen in das Deckblatt nicht ein!
Der Stand ergibt sich lediglich aus der History und der Umfang aus dem Inhaltsverzeichnis.
Der am 04.12.2018 freigegebene Stand identifiziert sich in der History als 2.1, wobei das Modell nur als CMMI V2.0 referenziert werden darf.
Nicht gerade ein Meisterstück des Konfigurationsmanagements!
Die neuen "Practice Areas" ordnen sich allesamt in die "Category Doing" als "Capabilty Areas" "DMS Delivering & Managing Services" (neu) und "SMS Selecting & Managing Suppliers" (erweitert) ein.
Viele andere "Practice Areas" sind im Sinne der Korrektur von Typos und wenigen inhaltlichen Korrekturen upgedatet.
In einem nächsten Schritt werden dann "Practice Areas" für "Security" und "Safety" ergänzt werden.
Joachim Bauchrowitz Das Konzept der "Capability Areas" aus CMMI V1.3 wird ersetzt durch die "Categories" in CMMI V2.0
Bei der Zusammenlegung der verschiedenen Konstellationen des CMMI V1.3 DEV, SVC und ACQ im neuen CMMI V2.0 wurden neue Ordnungsbegriffe zur Gruppierung der neue "Practice Areas" eingeführt.
Diese neuen "Categories" (siehe Grafik) sind
◾Managing
◾Enabling
◾Improving
◾Doing
In den ersten 3 Categories "Managing". "Enabling" und "Improving" finden sich die sogenannten (alten und neuen) "Core Practice Areas" und "Generischen Praktiken", die in allen Modellen ähnlich waren.
In der "Category Doing" werden natürlicherweise die spezifischen Anteile der unterschiedlichen "Constellations" eingeordnet.
Die "Capability Areas" hier sind
◾"Ensuring Quality" mit qualitätsbezogenen Prozessgebieten, wozu interessanterweise auch das Requirement Engineering zählt
◾"Engineering & Developing Products" mit den spezifischen Prozessgebieten der "Constellation DEV"
◾"Delivering & Managing Services" mit den spezifischen Prozessgebieten der "Constellation SVC"
◾"Selecting & Managing Suppliers" mit den spezifischen Prozessgebieten der "Constellation ACQ" sowie dem alten Prozessgebiet "SAM".
Haben Sie auch den Eindruck, dass durch die Wahl der "Capability Areas" eine größere Nähe zum Qualitätsgedanken mit dem "Plan - Do - Check - Act" Zyklus gesucht wird?
Joachim Bauchrowitz Aus 3 mach 1 - Die "Constellations" bei CMMI V1.3 werden zu "Views" in CMMI V2.0
Bisher existierten die verschiedenen "Constellations" in CMMI V1.3 nebeneinander. Es gab ein Modell für DEV "Development", für SVC "Services", für ACQ "Acquisition" (und das PCMM "People CMM", aber das wird im Rest des Artikels einmal außen vor gelassen).
Die Modelle DEV, SVC und ACQ waren in großen Teilen identisch: Die Core-Prozessgebiete waren in allen enthalten (teilweise mit unterschiedlichem "Wording"). Es gab die Modelle in 3 Büchern und 3 PDFs.
Beim CMMI V2.0 wird jetzt der Schritt gemacht, keine Bücher mehr herauszugeben.
Stattdessen existiert ein sogenannter "Model Viewer", in dem der gewünschte "View" eingestellt werden kann. Das Bild zeigt die "Practice Areas" der View "Development" vom CMMI V2.0.
Aus dem eingestellten "View" kann dann ein PDF generiert werden. Im Prinzip kann man sich also das bisherige DEV wieder auf Grundlage von CMMI V2.0 erzeugen.
Das CMMI Institut wünscht sich "natürlich", dass künftig jeder Anwender nur noch mit dem "Viewer" arbeitet und dass gar keine PDFs mehr erzeugt werden.
Da aber nur ein Bruchteil des Materials im Viewer enthalten ist (in wesentlichen die gesamten Strukturinformationen von den Views bis hinab zu den Practices mit den "Example Activities" und den "Example Work Products" ohne weiteren erläuternden Text), halte ich das für illusorisch. Gerade die "Prozessverbesserer" orientieren sich gerne an den Erläuterungen und Beispielen und brauchen nicht nur den "normativen Text".
Hinweis: Die generierten PDFs sind personalisiert. Die Copyright-Bestimmungen legen fest, dass sie ausschließlich persönlich genutzt und nicht verteilt werden dürfen!
Glauben Sie, dass es ausreicht, nur mit dem Model Viewer zu arbeiten?
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Hallo Herr Paal
ja, mit Service-Freundlichkeit hat das CMMI Institute nicht viel am Hut. Mein Eindruck war - schon zu Zeiten des SEI - dass die Devise war "Delete before Read" für alle Vorschläge aus Richtung "Non-US", und das ist nur unwesentlich besser geworden seitdem.
Die oberste Devise des CMMI Institutes schien in den letzten Jahren zu sein, die Einnahmen zu sichern. In den letzten Jahren war man dort anscheinend sehr zufrieden, über Appraisal- und Trainings-Gebühren eine gewisse Stablilität erreicht zu haben. So langsam dämmert es aber wohl auch dem Letzten, dass man sich mit der Abhängigkeit von China und den dortigen Fake-Appraisals auf ein sehr gefährliches Terrain begeben hat. Man hat ganz bewußt vor dem Mißbrauch die Augen geschlossen (Level 3 in 4 Tagen in einer fremden Sprache mit Dokumenten, die der Lead Appraiser noch nicht einmal oberflächlich analysieren kann? Aus meiner Sicht fast immer ein Fake!)
Nachdem fast alle CMMI-Aktivitäten in Zentral-Europa eingeschlafen sind, merke ich leichte Anzeichen, dass sich die Einstellung des CMMI Instituts ändert. Gaaaanz langsam scheint der Fokus zurück zu schwenken in Richtung Prozessverbesserung.
Und damit zu meinem Anliegen: Wozu braucht eine Organisation (wenn es der Kunde nicht absolut fordert) ein formales Appraisal? Haben eine Serie von "Deep Dive" Schnell-Analysen ohne große Formalitäten (im Sinne eines Scampi B oder C) durchgeführt von einem erfahrenen Domänen-Spezialisten mit Lead-Appraiser-Fähigkeiten nicht einen viel größeren Verbesserungseffekt? Ein derartiges Prozess-Audit-System kann sehr effektiv sein, wenn großer Wert auf Objektivität (Checklisten-basiert mit festen Kriterien) gelegt wird!
Gerade mit den Änderungen des Modells im Hinblick auf eine verbesserte Struktur mit einer verständlicheren Sprache und einem klaren "Verbesserungspfad" für Organisationen hat CMMI seinen inhaltlichen Vorsprung gegenüber Automotive SPICE eher weiter ausgebaut. Natürlich ist Automotive SPICE wesentlich leichter umzusetzen, aber es darf nicht vergessen werden, dass gerade der Projektmanagement-Aspekt dort eher oberflächlich abgehandelt wird und eine Anwendung über den HIS/VDA-Scope für Projekte leider kaum vorkommt. Eine Organisationsreife ist leider bei AutomotiveSPICE kein Thema - und nur das bringt ein Unternehmen aus meiner Sicht wirtschaftlich voran.
Aber ganz klare Zustimmung: Die Lizenzbedingungen des CMMI Instituts sind absolut kontraproduktiv!
Über die Änderungen im Modell werde ich in den nächsten Wochen nach und nach informieren.
Joachim Bauchrowitz Neues Konzept für Level in CMMI DEV V2.0
Eine der ganz wesentlichen Änderungen in CMMI DEV V2.0 gegenüber CMMI V1.3 ist die Neu-Definition des Begriffs „Level“.
In CMMI V1.3 waren "Level" charakterisiert durch die Gruppe der Prozessgebiete, die dem jeweiligen Level zugeordnet waren. Zusätzliche waren „Generische Praktiken“ des jeweiligen Levels zu berücksichtigen.
Beim CMMI DEV V2.0 ist dieses Konstrukt komplett aufgelöst und verschwunden!
Stattdessen werden in jedem Praktikgebiet (engl. "Practice Area", früher Prozessgebiet "Process Area" genannt) Praktiken für jedes Level 1, 2, 3 , 4 oder 5 gesammelt. Dieser Ansatz ähnelt Automotive SPICE sehr.
Wie dabei zu erwarten ist, werden in einem "neuen" Level 1 Praktiken gesammelt, die die einzelnen praktischen Tätigkeiten beschreiben, z.B. bei der „Practice Area“ PLAN (Planning): PLAN 1.1 „Develop a list of Tasks“ und PLAN 1.2 „Assign People to Tasks“.
In Level 2 kommen dann eine Reihe der aus CMMI DEV V1.3 PP (Projekt Planung) bekannten „Spezifischen Praktiken“ dazu. Das sind z.B. PLAN 2.2 „Plan for Knowledge and Skills needed to perform the work“, PLAN 2.3 „Based on recorded estimates, develop and keep the budget and schedule updated”, etc.
Auf Level 3 kommen dann natürlich Sachen, die aus IPM (Projekt Management auf CMMI V1.3 DEV Level 3) bekannt sind, z.B. PLAN 3.1 „Use the organization's set of standard processes and tailoring guidelines to develop, keep updated, and follow the project process”, etc
Auf Level 4 sind Aspekte der “High Maturity” aus QPM übernommen: PLAN 4.1 „Use statistical and other quantitative techniques to develop and keep the project processes updated to enable achievement of the quality and process performance objectives”
Ein Level 5 taucht bei PLAN nicht auf.
Dieser Ansatz führt dazu, dass beispielsweise auch DEV CMMI V1.3 Prozessgebiete des früheren Level 3 (wie TS „Technical Solution“ oder PI „Product Integration“) in CMMI DEV V2.0 bereits sinnvoll auf Level 2 betrachtet werden können. Das entspricht dem ganz natürlichen Ansatz, dass bereits auf Level 2 vernünftige Prozesse für die Entwicklung von Produkten installiert werden. Die bisher oftmals zu beobachtende modellinduzierte „Aufschieberitis“ zu Level 3 war künstlich und nicht sinnvoll nachvollziehbar.
Stimmen Sie mir zu, dass die geänderte Verwendung des Begriffs „Level“ eine sehr wertvolle Änderung des Modells darstellt?

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